„Wir verhandeln mit Bomben“: USA verlegen 82.Luftlandedivision in Richtung Iran

Mitglieder der 82. Luftlandedivision der US Army beim Säubern der Waffen vor der Verlegung von Fort Bragg (North Carolina) nach Polen, 14. Februar 2022 [AP Photo/Nathan Posner]

Am Dienstag behauptete US-Präsident Donald Trump, die USA hätten ihren nicht erklärten und völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran schon „gewonnen“, und es würde verhandelt. Gleichzeitig machen die US-Medien deutlich, dass der militärische Aufmarsch gegen das Land weiter ausgeweitet wird.

CNN berichtete am Dienstag, dass in den nächsten Tagen etwa 1.000 Soldaten der 82. Luftlandedivision, darunter Divisionskommandant Generalmajor Brandon Tegtmeier und sein Stab, in den Nahen Osten verlegt werden sollen. Die New York Times berichtete am Montag, die „Immediate Response Force“ (Schnelle Eingreiftruppe) der 82. Luftlandedivision – eine 3.000-köpfige schnell verlegbare Brigade – könnte zur Eroberung von Charg eingesetzt werden, der Insel, über welche 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Politico berichtete am Dienstag, dass bereits innerhalb weniger Stunden mit einem schriftlichen Verlegungsbefehl gerechnet wird.

Die 82. Luftlandedivision ist die schnell verlegbare Division der US Army und dafür ausgebildet, per Fallschirm in feindlichem Gebiet abgesetzt zu werden, um Flugplätze und wichtige Ziele zu erobern. Ihre Verlegung stellt eine qualitative Eskalation dar über die bereits auf dem Weg befindlichen Marine Expeditionary Units (MEUs) hinaus. Bei Letzteren handelt es sich um kleinere amphibische Einheiten, die für Operationen an den Küsten vorgesehen sind. Die Kombination aus Luftlande- und Amphibien-Streitkräften deutet auf eine Operation hin, bei der es sowohl um einen Angriff von See als auch einen Vorstoß ins Inland geht – weitaus größer als die Eroberung einer einzelnen Insel.

Die Soldaten dieser Division kämen zu den 4.500 Marines an Bord zweier amphibischer Angriffsverbände hinzu, die bereits auf dem Weg in den Golf sind. Laut dem Wall Street Journal soll die USS Tripoli mit 2.200 Marines, die von Okinawa aufgebrochen ist, am Freitag eintreffen. Ein zweiter Verband, die USS Boxer, ist letzte Woche mit 2.500 Marines an Bord aus San Diego ausgelaufen.

Die Truppenverlegungen erfolgten am selben Tag, an dem Trump behauptete, er strebe eine Verhandlungslösung mit dem Iran an. Zwei Tage zuvor hatte er ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt und gedroht, das iranische Stromnetz zu zerstören, falls die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet würde. Am Montag vollzog er einen Kurswechsel und erklärte auf Truth Social, die USA und der Iran hätten „über eine vollständige und uneingeschränkte Beilegung unserer Feindseligkeiten im Nahen Osten gesprochen“. Er kündigte außerdem an, Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage zu verschieben.

Bei der Vereidigung des neuen Heimatschutzministers erklärte Trump am Dienstag: „Wir haben gewonnen. Dieser Krieg ist gewonnen.“ Er wirkte nur halbwegs klar und lallte, als er die Kriegslage beschrieb: „Sie haben keine Führung mehr. Die Führung ist komplett weg. Niemand weiß, mit wem man reden muss. Aber wir reden jetzt mit den richtigen Leuten, und die wollen unbedingt einen Deal.“

Er prahlte mit der systematischen Ermordung der politischen Führung des Iran: „Ich sage es nicht gerne, aber wir haben ihre gesamte Führung getötet. Danach haben sie sich getroffen und eine neue Führung gewählt, und wir haben alle getötet.“

Verteidigungsminister Pete Hegseth, der neben Trump stand, gab faktisch zu, dass Trumps Gerede von Verhandlungen nur ein Deckmantel für Massenmord ist. Er erklärte: „Wir verhandeln mit Bomben. (...) Sie haben die Wahl, während wir über Teheran lauern.“ Er lobte den Präsidenten für seine Entscheidung, das Militär anzuweisen, „den Feind vom ersten Moment an so brutal wie möglich anzugreifen und zu vernichten“.

Das Wall Street Journal veröffentlichte einen Leitartikel mit dem Titel „Der Nebel der Diplomatie im Iran“, in dem es die Kalkulationen der Regierung, wie üblich, unverblümt darlegte: „Die neue Frist, um eine Eskalation abzuwenden, ist Freitag, der Tag, an dem etwa 2.200 Marines in der Region eintreffen sollen. (...) Wird dieses Regime Trump erneut herausfordern, seine Drohung wahr zu machen? Und war das von Anfang an der Plan des Präsidenten?“ Die offensichtliche Antwort ist ja.

Das Journal fügte hinzu: „Später könnte eine weitere Marine Expeditionary Unit und Kommandoelemente sowie eine Kampfbrigade der 82. Luftlandedivision der US-Armee dazukommen.“

Das Journal verwies auf die Ankunft der US-Truppen und Trumps Gerede von Verhandlungen und schrieb: „Man kann das Diplomatie nach Trump-Art nennen: Eine Hand ist ausgestreckt, und die andere holt sichtbar zum Schlag aus.“

Das Journal spricht sich für den Einsatz von Bodentruppen aus und argumentiert, es wäre eine schwere Niederlage für die USA, wenn sie die Straße von Hormus nicht unter Kontrolle brächten. Den Iran militärisch zu unterwerfen wäre hingegen eine Botschaft an Russland und China. „Wir vertrauen darauf, dass er weiß, dass ein Nachgeben gegenüber dem Regime jetzt bedeuten würde, dass der Iran der Welt die Pistole an den Kopf setzt und sein Veto gegen Energielieferungen einlegen kann. (...) Die Welt, d.h. China und Russland, könnten zu dem Schluss kommen, dass er dem innenpolitischen Druck durch hohe Ölpreise nicht standhalten konnte.“

In fast vier Wochen Bombardements wurden Tausende von iranischen Zivilisten getötet, Wohngebäude zerstört, Schulen und Krankenhäuser angegriffen und ganze Stadtviertel in Schutt und Asche gelegt. Amnesty International bestätigte, dass bei einem US-Angriff auf eine Schule in Minab mindestens 170 Menschen getötet wurden, die meisten davon Schülerinnen.

Der Oberste Führer, der Geheimdienstminister, der Leiter des Nationalen Sicherheitsrats und Dutzende von hochrangigen Amtsträgern wurden bei Angriffen auf dicht besiedelte Wohngebiete in Teheran ermordet. Durch die Zerstörung des iranischen Telekommunikationsnetzes sind 90 Millionen Menschen seit mehr als drei Wochen von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Menschenrechtsorganisation HRANA dokumentierte mindestens 1.443 zivile Todesopfer, darunter 217 Kinder. Angesichts des seit 23 Tagen andauernden nahezu vollständigen Ausfalls der Kommunikation ist die tatsächliche Zahl der Toten sicherlich noch weit höher. Seit dem 28. Februar sind die 90 Millionen Einwohner des Irans von der Außenwelt abgeschnitten; der Ausfall kostet die Wirtschaft täglich 35,7 Millionen US-Dollar. Am Montag wurden bei einem Angriff auf ein Wohngebäude im Norden Teherans ein Universitätsprofessor und seine beiden Kinder getötet. Gasanlagen in Isfahan wurden bei Angriffen teilweise beschädigt. Angriffe auf das Gasfeld South Pars haben die Versorgung mit Brennstoff zum Heizen und Kochen im gesamten Land unterbrochen. Vierzehn US-Soldaten sind ums Leben gekommen.

Im Süden des Libanon hat Israel im Schutz des Iran-Kriegs eine großangelegt Bodenoffensive begonnen. Seit dem 2. März wurden dort mindestens 1.072 Menschen getötet und 2.966 verwundet, darunter 118 Kinder und 40 medizinische Fachkräfte. Mehr als 1,2 Millionen Menschen – ein Fünftel der libanesischen Bevölkerung – wurden zur Flucht gezwungen.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz ordnete an, „die Zerstörung libanesischer Häuser in Grenzdörfern zu beschleunigen“, wobei die „Modelle Beit Hanoun und Rafah“ als Vorbild dienen sollen – d.h. die Zerstörungsmethoden, die Israel in Gaza angewandt hat. Finanzminister Bezalel Smotrich forderte, den Fluss Litani zu „unserer neuen Grenze zum Staat Libanon“ zu machen. Unter den Toten war die fünfjährige Taline Shehab, die im Schlaf von einem israelischen Luftangriff getötet wurde. Ihr Vater kam ebenfalls ums Leben. Ihre Mutter liegt im Koma.

Israel hat fünf Brücken über den Litani bombardiert und damit den Süden vom Rest des Landes abgetrennt. Katz erklärte: „Hunderttausende von Einwohnern des Südlibanon, die sich nach Norden in Sicherheit gebracht haben, werden nicht südlich des Litani zurückkehren.“ Am Montag wurden in Beirut mindestens drei Personen durch israelische Angriffe getötet, darunter ein dreijähriges Mädchen. Der Chemieprofessor Hussein Bazzi von der Universität des Libanon wurde bei einem Luftangriff getötet. Im Dorf Ain Ebel wurden drei christliche junge Männer getötet, als sie eine Satellitenschüssel reparierten. Das israelische Militär behauptete, sie hätten Überwachungsgeräte installiert. Die Einwohner bestritten jede Verbindung zur Hisbollah. Die libanesische Regierung ordnete die Ausweisung des iranischen Botschafters an.

Laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos ist Trumps Zustimmung auf 36 Prozent und damit den niedrigsten Wert seit Beginn seiner zweiten Amtszeit gesunken. 61 Prozent lehnen die Angriffe ab, nur 25 Prozent unterstützen, wie er mit den steigenden Lebenshaltungskosten umgeht.

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