Trump droht in der Financial Times, eine Bodenoffensive im Iran zu starten

Die Financial Times veröffentlichte am Sonntag ein Interview mit US-Präsident Donald Trump, in dem dieser erklärte, „liebend gern“ werde er sich „das Öl im Iran nehmen“ - was nur mit einer massiven Ausweitung des US-Angriffskriegs und einer Bodenoffensive möglich wäre.

Trumps äußerte die Absicht, den Krieg massiv auszuweiten, nur einen Tag, nachdem sich (laut Angaben der Organisatoren) bis zu acht Millionen Menschen in allen 50 Bundesstaaten an den dritten „No Kings“-Protesten beteiligt haben - der größte Protesttag in der Geschichte des Landes. Trotz der Versuche der Organisatoren, den Widerstand gegen den Irankrieg herunterzuspielen, brachten die Demonstrationen die überwältigende Ablehnung der Bevölkerung zum Ausdruck.

Das Financial Times-Interview erschien am gleichen Tag, an dem das Pentagon tausende zusätzliche US-Soldaten in die Region entsandte. Trump verglich die geplante Beschlagnahme des iranischen Öls mit Venezuela, wo die USA nach der Entführung von Präsident Nicolas Maduro die Ölindustrie „auf unbestimmte Zeit“ kontrollieren wollen. Trump sagte: „Ehrlich gesagt, am liebsten würde ich mir das Öl des Iran nehmen. (...) Aber einige Dummköpfe in den USA sagen: ‚Warum tun Sie das?‘ Aber das sind eben Dummköpfe.“

Ersthelfer inspizieren ein Wohngebäude, das von einem amerikanisch-israelischen Angriff getroffen wurde, Teheran, 27. März 2026 [AP Photo/Vahid Salemi]

Ein solcher Schritt würde die Besetzung der Insel Charg erfordern, über die ein Großteil der iranischen Ölexporte abgewickelt wird. Trump erklärte der Financial Times: „Vielleicht erobern wir Charg, vielleicht auch nicht. Wir haben viele Optionen. (...) Es würde auch bedeuten, dass wir dort eine zeitlang bleiben müssten.“

Das Wall Street Journal berichtete, ebenfalls am Sonntag, Trump plane aktiv eine Militäroperation mit dem Ziel, fast 1.000 Pfund Uran aus dem Iran abzuziehen. Das Journal bezeichnete dies als „komplexe und riskante Mission, die den Einsatz von amerikanischen Truppen im Landesinneren für mehrere Tage oder länger erfordern würde“.

Die Washington Post berichtete am Sonntag, das Pentagon bereite sich auf „wochenlange Bodenoperationen im Iran“ vor. Weiter hieß es, die Operation werde keine umfassende Invasion sein, sondern könnte stattdessen aus „Überfällen durch eine Mischung aus Spezialkräften und konventioneller Infanterie“ bestehen. Ein Regierungssprecher erklärte gegenüber der Washington Post, das Erreichen der Ziele werde „eher Wochen statt Monate“ dauern, und ein anderer sprach von „mehreren Monaten“.

Die Post zitierte einen ehemaligen hohen Pentagon-Vertreter, der erklärte: „Wir haben das geprüft. Wir haben es in Manövern durchgespielt. Es handelt sich nicht um eine Last-Minute-Planung.“ Über die Besetzung von Charg erklärte er: „Sie zu besetzen, ist nicht schwer. Schwer wird es sein, unsere Leute zu schützen, sobald sie einmal dort sind.“

Michael Eisenstadt, ein Offizier a.D. und Sprecher eines Nahostinstituts in Washington, erklärte der Washington Post: „Ich wäre nicht gern an so einem kleinen Ort, wo der Iran mit Drohnen und vielleicht mit Artillerie angreifen kann.“ Laut einer Umfrage von Associated Press lehnen 62 Prozent der Bevölkerung den Einsatz von Bodentruppen im Iran entschieden ab. Nur zwölf Prozent haben sich dafür ausgesprochen.

Trump behauptete, er könnte Charg „sehr leicht“ erobern, der Iran habe „keine Verteidigungskapazitäten“ auf dieser Insel. Aber die Einschätzungen des Militärs widersprechen dieser Aussage. CNN berichtete, der Iran habe die Insel mit etwa 30.000 bis 40.000 Soldaten, Luftabwehrsystemen, unterirdischen Gräben, Landminen entlang der Küste und einem Schwarm ferngesteuerter Kamikazedrohnen befestigt. Harrison Mann, ein pensionierter Major der US-Armee und Militärgeheimdienst-Analyst, erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Democracy Now, eine solche Operation wäre „ein Himmelfahrtskommando“. US-Truppen könnten dort „wirklich in der Falle sitzen“. Trumps ehemaliger Antiterror-Chef Joe Kent erklärte: „Ich halte das für eine Katastrophe. Es würde dem Iran praktisch einen Haufen Geiseln auf einer Insel zuspielen, die er mit Drohnen und Raketen beschießen könnte.“

Der republikanische Senator Lindsey Graham verglich die geplante Operation mit Iwo Jima, einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Graham erklärte: „Wir haben es auf Iwo Jima geschafft, wir können auch das schaffen. Ich setze immer auf die Marines.“ Der Sprecher des iranischen Parlaments Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte laut Reuters am Sonntag, die USA planten „heimlich eine Bodeninvasion“, während sie öffentlich von Verhandlungen sprächen.

Mittlerweile sind laut der New York Times mehr als 50.000 US-Soldaten im Nahen Osten stationiert. Die 31. Marineexpeditionseinheit (MEU) aus 2.500 Marines und 2.500 Matrosen traf am Freitag in der Region ein. Weitere 2.200 Marines der 11. MEU befinden sich an Bord der USS Boxer auf dem Weg dorthin. Auch wurden etwa 2.000 Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision in die Region beordert. Das Wall Street Journal und die Nachrichtenwebsite Axios berichteten, das Pentagon plane die Entsendung weiterer 10.000 Soldaten in die Region.

Im Libanon hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag die Ausweitung der „Sicherheitszone“ im Süden des Libanon angeordnet. Seit Beginn des israelischen Angriffs am 2. März wurden dort laut dem libanesischen Gesundheitsminister mindestens 1.238 Menschen getötet und 3.500 verwundet, darunter 124 Kinder. Mehr als 1,2 Millionen Menschen sind aus dem Libanon vertrieben worden. Die israelischen Truppen haben einen Nebenarm des Flusses Litani erreicht. Drei Journalisten wurden laut PBS NewsHour am Samstag bei einem gezielten israelischen Luftangriff getötet; sie befanden sich in Jezzine in einem klar mit „Presse“ markierten Fahrzeug.

Nach 30 Tagen Krieg steigt die Zahl der zivilen Todesopfer im Iran weiter an. Die Menschenrechtsorganisation Hengaw, die sich auf Vor-Ort-Dokumentationen beruft, meldete bis zum 25. Tag mindestens 6.530 Tote, darunter nachweislich 640 Zivilisten. Die Human Rights Activists News Agency (HRANA) dokumentierte mindestens 1.551 zivile Todesopfer, darunter 236 Kinder. Laut dem iranischen Roten Halbmond wurden mehr als 81.000 zivile Gebäude zerstört, darunter 61.000 Wohnhäuser und fast 500 Schulen. Zwischen 3,2 und vier Millionen Iraner wurden zu Binnenvertriebenen. Durch die fast vollständige Abschaltung des Internets sind 90 Millionen Menschen seit 30 Tagen von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg am Sonntag auf 115 Dollar, ein Plus von 59 Prozent innerhalb eines Monats, wie Reuters berichet. Das ist der bisher stärkste Anstieg, der sogar die Preissprünge während des Golfkriegs 1990 übertrifft. Die Benzinpreise in den USA sind seit Beginn des Krieges um fast einen Dollar auf 3,98 Dollar pro Gallone gestiegen. Das Magazin Fortune berichtete über eine Studie von Goldman Sachs, laut der der Krieg die US-Wirtschaft 10.000 Arbeitsplätze pro Monat kostet.

In den Sonntags-Talkshows der vier großen Sender benutzte kein Mitglied der Demokraten die Worte „Kriegsverbrechen“ oder „Völkerrecht“ im Zusammenhang mit dem Irankrieg. Letztes Wochenende erklärte die ehemalige Vorsitzende des Nationalkomitees der Demokraten, Donna Brazile, in der Nachrichtensendung ABC's Sunday: „Die Demokraten verstehen, dass der Iran eine Gefahr darstellt, nicht nur für die Region, den Golf, sondern für die ganze Welt.“

Die gesamte Führung der Demokraten - Senatsminderheitsführer Chuck Schumer, Repräsentantenhausminderheitsführer Hakeem Jeffries, Minderheits-Mitglied Katherine Clark und der Vorsitzende des Democratic Caucus, Pete Aguilar - haben dem Militärhaushalt in Höhe von 839 Milliarden Dollar, mit dem dieser Krieg finanziert wird, zugestimmt.

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