Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vom 19. bis 22. März waren die Sorgen und das Entsetzen über die politische Weltlage mit Händen zu greifen. Die Kriegseskalation im Nahen Osten und die Gefahr von Faschismus in Amerika haben die Kulturwelt erschüttert. Während Zehntausende Leser, Autoren und Verleger in Leipzig zusammenkamen, fielen Bomben auf den Iran und patrouillierten ICE-Agenten in amerikanischen Städten.
Vor diesem Hintergrund war es von großer Bedeutung, dass pünktlich zur Messe das neue Buch des Mehring Verlags erschien und die Schlüsselfrage aufwarf, die Millionen Menschen bewegt: „Wohin geht Amerika? Faschismus oder Sozialismus“
Buchvorstellung in Leipzig
Der Andrang bei der Buchvorstellung auf der Messe mit dem Herausgeber David North war gewaltig. Das Sachbuchforum in Halle 5 bot gar nicht genug Platz für die über 150 Teilnehmer, die teils auf dem Boden sitzen oder im Gang stehen mussten, um die Veranstaltung zu verfolgen.
In der Woche nach der Messe organisierten die Hochschulgruppen der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) weitere Buchvorstellungen an Universitäten in Berlin und Nürnberg, die trotz Semesterferien ein beachtliches Publikum anzogen. Auf allen drei Veranstaltungen folgte auf den Vortrag eine lebhafte Diskussion.
David North, der Leiter der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site und Vorsitzender der Socialist Equality Party, begann die Buchpräsentation in Leipzig mit einem Zitat von Leo Trotzki über die Lage in Deutschland 1934: „Nicht jeder erbitterte Kleinbürger könnte ein Hitler werden, aber ein Stückchen Hitler steckt in jedem von ihnen.“ Übertragen auf heute könne man sagen: Nicht jeder CEO sei ein Trump, aber mehr als ein wenig Trump stecke in jedem Unternehmenschef. Trump sei Ausdruck der tiefen Krankheit der kapitalistischen Gesellschaft.
„Doch warum ist es möglich, dass Trump an der Macht ist?“, frage North. „Um seine Politik durchzuführen, muss der amerikanische Imperialismus die Methoden der Kriminalität und des Faschismus nutzen – und das sieht man jetzt ganz deutlich im Krieg gegen den Iran.“
Heute sei es notwendig, eine neue weltweite Antikriegsbewegung aufzubauen, die sich auf die Arbeiterklasse stützt. „Die deutsche Arbeiterklasse muss ihre alten Traditionen wiederbeleben. Man weiß hier, was es bedeutet, gegen Krieg und Faschismus zu kämpfen“, erklärte North. Er schloss die Buchpräsentation mit einem eindringlichen Appell, das Buch zu studieren und daraus den Schluss zu ziehen, selbst politisch aktiv zu werden.
Viele Besucher kauften im Anschluss das Buch und bedankten sich bei North für seine klaren und mutigen Worte. Das große Interesse an Wohin geht Amerika? zeigte sich auch am Stand des Mehring Verlags. Die Stimmung war besorgt und nachdenklich. In zahlreichen Diskussionen ging es um die Ursachen von Trumps Aufstieg, die Rolle der amerikanischen Arbeiterklasse und die Politik der Demokratischen Partei, die Trump den Weg geebnet hat.
Es wurde deutlich, dass die Gefahr einer faschistischen Diktatur keine „amerikanische Frage“ ist. Mit Bestürzung schauten viele Besucher auf die Wahlerfolge der AfD und die Merz-Regierung, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran unterstützt, im Eiltempo militärisch aufrüstet und einen umfassenden Sozialkahlschlag umsetzt. Insgesamt hat der Mehring Verlag auf der Messe und in der Kampagne über 50 Exemplare von Wohin geht Amerika? verkauft.
Buchvorstellung in Berlin
Am 24. März kamen etwa 80 Studierende und Arbeiter zur zweiten Buchvorstellung an der Berliner Humboldt-Universität. In seinem Vortrag über die historischen Wurzeln des Irankriegs zeichnete North fast ein Jahrhundert amerikanischer Interventionen gegen den Iran nach – vom CIA-Putsch 1953 über die Instrumentalisierung des Irak unter Saddam Hussein bis hin zum aktuellen Angriffskrieg.
Dabei wies er detailliert die These zurück, der Krieg sei einfach ein Ergebnis israelischen Einflusses auf die US-Politik, und erklärte die materiellen Interessen des amerikanischen Kapitalismus in der energiereichen Region am Persischen Golf. Die WSWS hat seinen Vortrag hier als Video und Text veröffentlicht.
Johannes Stern, der Chefredakteur der deutschen Ausgabe der WSWS, hob in seiner Einleitung die Rolle der europäischen Mächte und insbesondere Deutschlands beim Irankrieg hervor. Die Bundesregierung stelle sich hinter die USA, während sie gleichzeitig ihre eigenen imperialistischen Interessen verfolge.
In der Diskussion warf ein Student, der die Kampagne der IYSSE unterstützt hat, die Frage auf, warum Trump nicht bereits in seiner ersten Amtszeit einen Krieg gegen den Iran begonnen hat. North wies darauf hin, dass Trump schon damals das Militärbudget erhöht und das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt habe. Gleichzeitig habe es verbreitete Ablehnung der „ewigen Kriege“ der USA gegeben, was einen gewissen Druck ausübte. Doch Trump habe niemals eine Art pazifistische Politik betrieben. Ungeachtet der taktischen Differenzen zwischen Republikanern und Demokraten sei das grundlegende Ziel des amerikanischen Imperialismus, den wirtschaftlichen Niedergang der Vereinigten Staaten durch den Einsatz militärischer Gewalt wettzumachen.
„Wir erleben gerade einen Versuch, die Welt wieder so herzustellen, wie sie vor den großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts war“, sagte North. „Der Verrat des Stalinismus, der Sozialdemokratie und die vollständige Kapitulation der sogenannten Arbeiterorganisationen vor dem Imperialismus haben den Weg für die Politik geebnet, die wir jetzt erleben.“
Weiter erklärte er: „Arbeiter erkennen gerade wieder, warum es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine große sozialistische Bewegung gab und warum sie eine solche brauchen.“ Er konfrontierte das Publikum direkt mit der entscheidenden Frage: „Was werdet ihr tun? Unsere Bewegung kann eine Strategie liefern. Wir können Analysen liefern. Aber die Entschlossenheit zum Kampf muss von den Massen selbst kommen, und sie muss von denen kommen, die die Entwicklung verstehen.“
Die Bedeutung einer revolutionären Partei ergebe sich gerade aus der Notwendigkeit, das Denken mit der objektiven Realität in Einklang zu bringen. „Die objektiven Bedingungen liefern den Impuls für die soziale Revolution. Aber innerhalb dieser Bewegung muss es eine substanzielle Schicht der Arbeiterklasse geben, die die berühmten Worte versteht: Was tun?“
Ein anderer Teilnehmer vertrat angesichts der steigenden Wählerstimmen unter Arbeitern für rechte Parteien eine äußerst pessimistische Haltung. Er bezweifle, dass die Arbeiterklasse wirklich eine Revolution machen könne.
In seiner Antwort erklärte David North, dass der Optimismus der revolutionären Bewegung auf dem Verständnis der Widersprüche im Kapitalismus beruht, die zu Kämpfen führen werden. „Ich glaube, dass sich in den Vereinigten Staaten eine ungemein revolutionäre Situation entwickelt“, sagte er und betonte, dass die USA aus der Amerikanischen Revolution entstanden sind, die sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährt und im Bewusstsein der Massen weiterlebe. Millionen von Menschen hätten an Demonstrationen gegen Trump teilgenommen.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
„Das Problem ist nicht ein Mangel an Wut oder Widerstand, sondern ein Mangel an Perspektive.“ Dafür gebe es viele Gründe: die jahrzehntelange antikommunistische Propaganda, die Feigheit der Akademiker, die Unterdrückung des Klassenkampfs, die Gewerkschaftsbürokratien. Doch es entstehe ein Gefühl des Widerstands.
„Unsere Herausforderung besteht darin, einen Kader vorzubereiten, eine Partei von ausreichender Stärke, anfangs nicht notwendigerweise gleich eine Massenpartei. Aber wenn die Massen in den Kampf getrieben werden und nach einer Orientierung suchen, werden diejenigen, die eine Analyse geben können, eine Partei, die die Ereignisse erklären kann, eine enorme Autorität und Macht gewinnen.“ Deshalb sei nun die Aufgabe, politisches Verständnis und Orientierung in der Arbeiterklasse zu entwickeln.
Buchvorstellung in Nürnberg
Eine lebhafte Diskussion entstand auch auf der Veranstaltung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am 27. März, die mit etwa 80 Teilnehmern, darunter viele Studierende, ebenfalls gut besucht war und am Vorabend der großen No-Kings-Proteste in den USA stattfand.
North ging in seinem Vortrag ausführlicher auf die Nürnberger Prozesse gegen die NS-Führer 1945–1946 ein und wies nach, dass der Irankrieg der USA ein „Verbrechen gegen den Frieden“ ist. Die Verantwortlichen, allen voran Trump und seine Minister, müssten als Verbrecher vor Gericht gestellt werden. In einem Video vor dem Justizpalast, wo die Nürnberger Prozesse stattgefunden haben, zog er eine direkte Parallele zum heutigen Angriffskrieg.
Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um eine richtige Einschätzung des Irankriegs, die Ursachen für Trumps Wählerstimmen aus den Reihen der Arbeiter, Latinos und Schwarzen und die Frage, warum heute der Aufbau einer marxistischen Partei in Amerika, Deutschland und weltweit, gestützt auf die historischen Lehren des 20. Jahrhunderts, so dringlich ist.
Die proimperialistische Haltung der angeblichen „demokratischen“ Opposition der Exiliraner brachte ein Student aus dem Iran auf den Punkt, der sich als glühender Anhänger des Schah-Sohns Reza Pahlavi zu erkennen gab. Er wiederholte die Gräuelpropaganda der Trump-Regierung zur Rechtfertigung des Kriegs, indem er erst von 30.000 getöteten iranischen Demonstranten, dann sogar von über 100.000 sprach, obwohl es über diese Zahlen kaum nachweisbare Informationen gibt. Dann behauptete er ohne Umschweife: „Alle Iraner unterstützen zu 100 Prozent diesen Krieg und haben laut gesagt: Trump, we need help!“
North betonte in seiner Antwort, dass die trotzkistische Bewegung politischer Gegner des iranischen Regimes ist und die Repression der Proteste ablehnt. Aber er stellte klar, dass der Iran historisch gesehen eine unterdrückte Nation ist. Seit Jahrzehnten versuche der Imperialismus dieses Land den geopolitischen Interessen der USA zu unterwerfen. Die Demonstrationen gegen das iranische Regime würden von bürgerlichen Schichten dominiert, stellten sich hinter das reaktionäre Programm von Pahlavi und erhielten Unterstützung der amerikanischen und europäischen Bourgeoisie.
Ein anderer Student iranischer Herkunft wies den proimperialistischen Pahlavi-Anhänger in einem starken Redebeitrag zurück. Er machte besonders auf die Mädchenschule aufmerksam, die von den USA gleich zu Kriegsbeginn bombardiert wurde. „Während die Eltern der Kinder dort leiden, geht ihr Exiliraner hier auf die Straße, tanzt, feiert, schreit den Namen Trump, der die volle Verantwortung für die über 160 Kinder trägt, die brutal ermordet wurden.“
Am Schluss der Diskussion kam North noch einmal auf die Tradition der Amerikanischen Revolution zurück und zitierte die Unabhängigkeitserklärung, die der amerikanischen Bevölkerung das Recht gebe, eine Regierung abzusetzen, wenn sie das Volk nicht mehr vertritt. Er appellierte an alle anwesenden Studierenden und Arbeiter, sich die Lehren der Geschichte anzueignen, die marxistische Literatur zu lesen und sich so auf die kommenden Kämpfe der Arbeiterklasse vorzubereiten.
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