Am 3. April schoss die iranische Luftabwehr über dem Westen des Iran ein Kampfflugzeug des Typs F-15E Strike Eagle ab. Es war der erste Abschuss eines US-Flugzeugs durch Iran seit Kriegsbeginn. Daraufhin leiteten US-Spezialeinheiten eine Aktion zur Rettung der Piloten innerhalb Irans ein. Axios berichtete, US-Spezialeinheiten hätten „ein Mitglied der Besatzung gefunden und auf iranischem Staatsgebiet lebend gerettet“.
Der zweite Pilot wurde Berichten zufolge ebenfalls schwer verletzt gerettet. Dabei wurden laut iranischen Angaben zwei Black-Hawk-Hubschrauber des US-Militärs und ein C-130-Militärtransportflugzeug zerstört.
Zeitgleich mit der Rettungsaktion trafen etwa 7.500 US-Marines von drei Marine-Expeditionseinheiten und eine Kampfbrigade der 82. Luftlandedivision (Sofortige Eingreiftruppe) im Persischen Golf ein oder sind auf dem Weg dorthin. Sie verstärken die über 50.000 US-Soldaten, die bereits in der Region stationiert sind. Dieser Aufmarsch deutet auf eine Bodenoffensive hin.
Nach dem Abschuss des Flugzeugs schrieb Präsident Donald Tump auf Truth Social: „Mit etwa mehr Zeit können wir problemlos DIE STRASSE VON HORMUS ÖFFNEN, UNS DAS ÖL HOLEN UND EIN VERMÖGEN MACHEN.“ Die Beschlagnahme des iranischen Öls würde eine Bodenoffensive und die Besetzung des Landes erfordern.
Am gleichen Tag wurde bei einem weiteren Zwischenfall eine A-10 Thunderbolt abgeschossen. Der Pilot konnte per Schleudersitz über kuwaitischem Luftraum aussteigen und wurde gerettet. Zwei HH-60G-Rettungshubschrauber, die die Besatzung der F15E bergen sollten, wurden ebenfalls von iranischem Feuer getroffen, wobei US-Soldaten an Bord verletzt wurden. Insgesamt wurden vier amerikanische Flugzeuge an einem einzigen Tag getroffen – die schwersten Verluste in dem seit fünf Wochen andauernden Krieg.
Nur zwei Tage vor den Abschüssen hatte Trump in einer Rede an die Nation zur Hauptsendezeit mit der Zerstörung der iranischen Gesellschaft gedroht: „Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen (...) Wir werden sie in die Steinzeit zurückbefördern, wo sie hingehören.“ Er drohte mit Angriffen auf „jedes einzelne Kraftwerk“ und erklärte, er habe bisher die iranischen Ölanlagen noch nicht angegriffen, weil „sie dann nicht einmal mehr eine kleine Chance zum Überleben oder für einen Wiederaufbau hätten“.
In der gleichen Rede erklärte Trump: „Wir sind auf dem besten Weg, alle militärischen Ziele Amerikas bald, sehr bald, zu erreichen. (...) Sie haben keine Luftabwehr. Ihr Radar ist zu 100 Prozent vernichtet. Wir sind als Militärmacht nicht zu stoppen.“ Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am 31. März: „Der Iran weiß das, und militärisch können sie fast nichts dagegen tun.“ Nur 48 Stunden später wurde ein amerikanisches Kampfflugzeug durch den Iran vom Himmel geholt.
Der Intercept schrieb: „Weder das Weiße Haus noch das Pentagon reagierten auf Anfragen, wie der Iran ein hochentwickeltes US-Kampfflugzeug abschießen konnte, wenn das Land angeblich keine Luftabwehrwaffen mehr besitzt.“ Für den Abschuss hatte sich die iranische Revolutionsgarde (IRGC) verantwortlich erklärt.
Die Washington Post bestätigte Aufnahmen von amerikanischen Tank- und Rettungsflugzeugen, die etwa 145 Kilometer innerhalb des iranischen Staatsgebiets operierten. Laut Mark Cancian, einem leitenden Berater des Center for Strategic and International Studies (CSIS), deuteten die Flüge in niedriger Höhe auf „die Bereitschaft hin, große Risiken einzugehen“.
Gleichzeitig berichtete Politico am Freitag, über die Warnungen von US-Regierungsvertretern, dem Militär gingen die Angriffsziele aus. Etwa die Hälfte der iranischen Abschussrampen für ballistische Raketen sind noch intakt – trotz mehr als 12.000 Angriffen der USA und Israels seit dem 28. Februar. Die New York Times berichtete, iranische Streitkräfte hätten unterirdische Bunker nach amerikanischen und israelischen Angriffen ausgegraben und innerhalb von Stunden wieder einsatzbereit gemacht. Da der Iran Attrappen einsetzt, hat der US-Geheimdienst Schwierigkeiten, einzuschätzen, wie viele Abschussrampen tatsächlich zerstört worden sind.
Die Zerstörung weitet sich aus. Am Donnerstag postete Trump Bilder von US-Angriffen auf die neu gebaute B1-Brücke zwischen Teheran und Karadsch, die in diesem Jahr eröffnet werden sollte. Trump schrieb: „Als nächstes die Brücken, danach die Kraftwerke!“
Am Freitag wurde ein Lagerhaus für Hilfsgüter des Roten Halbmonds in der südiranischen Provinz Buschehr von einer Drohne angegriffen. Die Shahid-Beheshti-Universität in Teheran, eine der renommiertesten Institutionen des Landes, wurde bei Angriffen auf die Hauptstadt getroffen. Der Iran reagierte darauf mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur am Golf, u.a. auf ein Elektrizitäts- und Entsalzungswerk sowie eine Ölraffinerie in Kuwait. Diese Angriffe verdeutlichen die Verwundbarkeit der Golfstaaten, die auf Meerwasserentsalzung für ihr Trinkwasser angewiesen sind.
Fünf Wochen amerikanisch-israelischer Angriffe haben mehr als 5.000 Todesopfer gefordert, die überwiegende Mehrheit davon iranische Zivilisten. Mehr als 85.000 zivile Gebäude wurden beschädigt, darunter 64.000 Wohnhäuser und 600 Schulen. Zwischen drei und vier Millionen Iraner wurden zu Binnenflüchtlingen. Die 90 Millionen Einwohner Irans sind durch eine nahezu vollständige Abschaltung des Internets seit dem 28. Februar von der Außenwelt abgeschnitten.
Dreizehn US-Soldaten wurden getötet und fast 370 verwundet. Der Preis für Rohöl der Marke Brent ist um mehr als 60 Prozent gestiegen und der Benzinpreis auf über vier Dollar pro Gallone. Der Krieg hat mindestens 25 Milliarden Dollar gekostet, und die Regierung fordert mehr.
Am Freitag legte Trump den größten Verteidigungshaushalt in der Geschichte der USA vor: einen Antrag des Pentagons über 1,5 Billionen Dollar im Haushaltsjahr 2027, was einer Erhöhung um 44 Prozent entspricht. Der Etat der Umweltschutzbehörde EPA soll um 52 Prozent gekürzt werden und der Etat der NASA um 23 Prozent. Bei der Forschung in den Bereichen Umweltschutz, Gesundheit und Bildung sollen 73 Milliarden Dollar gekürzt werden, um Kriegsschiffe, Raketen und das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ zu finanzieren. Jessica Riedl, eine Haushaltsanalystin der Brookings Institution, erklärte, der Haushaltsplan ziele darauf ab, „den Kongress zu drängen, die größte Erhöhung der Verteidigungsausgaben seit dem Korea-Krieg zu bewilligen“.
Der Krieg weitet sich aus. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, die Israelischen Verteidigungskräfte würden alle Wohngebäude in den libanesischen Grenzdörfern „wie in Rafah und Beit Hanoun“ zerstören. Mehr als 600.000 Libanesen sind zu Flüchtlingen geworden. Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte, den Fluss Litani zur neuen Nordgrenze Israels zu machen.
