Am 25. April begann ein Bündnis aus nationalistischen Tuareg-Milizen und Islamisten eine koordinierte Offensive in ganz Mali. Diese Offensive erschütterte die herrschende Militärjunta, die 2013 als Reaktion auf die Massendemonstrationen gegen den von Frankreich geführten Krieg in Mali den Rückzug der französischen Truppen durchgesetzt und sich mit dem Kreml verbündet hatte.
Die Junta konnte sich zwar an der Macht halten und kontrolliert weiterhin die bevölkerungsreicheren Städte im Süden des Landes, doch die Offensive der Tuareg und Islamisten hat sie schwer erschüttert. Mopti im Norden geriet unter die Kontrolle von Islamisten- und Tuareg-Kräften, die vom algerischen Militärregime und vor allem von Paris unterstützt werden. Im globalen Kontext der imperialistischen Kriege gegen den Iran und Russland tritt der Konflikt zwischen den antiimperialistischen Bestrebungen der malischen Massen und der bürgerlichen Politik der Junta immer deutlicher zutage.
Die Offensive begann mit Überraschungsangriffen im gesamten Land. Ziel der Angriffe waren Kidal und Gao im Norden, Sévaré und Mopti in der Mitte und Kati sowie die Hauptstadt Bamako im Süden. Laut dem X-Account des in Mali stationierten russischen Afrikakorps wurden für die Offensive zwischen 10.000 und 12.000 Kämpfer mobilisiert. In Kati wurde der stellvertretende Kommandeur der Junta, Verteidigungsminister Sadio Camara, durch einen Autobombenanschlag ermordet. Camara war einer der Hauptinitiatoren des Bündnisses zwischen der Junta und Moskau.
Ein Einwohner von Bamako erklärte gegenüber Radio France Internationale (RFI): „[Der Tag des ersten Angriffs] war wirklich furchterregend, wir hatten Angst. (...) Wir wurden durch Beschuss mit schweren Waffen geweckt, und nach einer Stunde Schusswechseln merkten wir, dass es ein terroristischer Angriff war. Es begann alles gegen 6 Uhr morgens und dauerte bis in den Nachmittag.“
RFI zitierte auch einen Einwohner von Mopti, der erklärte: „Die Bevölkerung ist in Panik, es gab keinen Markt, fast alle Familien suchen in ihren Wohnungen und Häusern Schutz, die Häuser sind verschlossen (...) Die Gendarmerie und die Polizeiwache wurden von den Angreifern gestürmt, die jetzt praktisch alles kontrollieren.“
Das Afrikakorps musste Mopti überstürzt zu verlassen. Es verhandelte den Abzug seiner Truppen aus Mopti, ließ aber Hunderte von malischen Soldaten als Gefangene der Islamisten zurück. Islamisten- und Tuareg-Milizen versuchen jetzt, die Energieversorgung der malischen Städte zu blockieren.
Es ist schwierig, die Opferzahlen des ersten Angriffs genau zu ermitteln. Laut dem Afrikakorps wurden bei der Gegenoffensive der russischen und der Regierungstruppen 1.000 Kämpfer getötet und mehr als 100 Fahrzeuge zerstört. Am Abend des 25. April veröffentlichte die Junta eine Erklärung, laut der 16 Zivilisten getötet wurden. Die tatsächliche Zahl der Toten auf beiden Seiten dürfte in die Tausende gehen.
An der Offensive beteiligten sich Kämpfer der al-Qaida nahestehenden Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) sowie der Befreiungsfront von Azawad, einer nationalistischen Tuareg-Bewegung mit Beziehungen zu Paris, der ehemaligen Kolonialmacht in Mali. Attaye Ag Mohamed, ein führender Tuareg-Nationalist, erklärte gegenüber RFI, zwischen der FLA und der JNIM bestehe eine „Partnerschaft“ und sie würden „ihre Aktionen koordinieren“.
Die Koalition der Kräfte für die Republik (CFR), die bürgerliche Opposition Malis unter Führung von Imam Dicko – der im Exil in Algier lebt, andere führende CFR-Mitglieder leben in Frankreich im Exil – rief die Junta in einem Kommuniqué auf, mehr Macht an sie abzugeben. Die CFR sprach den „Hinterbliebenen der Opfer ihr tiefstes Beileid“ aus und verurteilte das „Versagen der Sicherheitskräfte des Militärregimes“. Sie betonte: „Mali ist in Gefahr: Die Junta muss ihr Versagen eingestehen, ein nationaler Dialog muss beginnen.“
Zahlreiche Berichte, insbesondere, dass die islamistischen Milizen glasfasergesteuerte Drohnen einsetzten, die normalerweise an der russisch-ukrainischen Front zum Einsatz kommen, deuten auf die Rolle des ukrainischen Pro-NATO-Regimes hin. Seit 2024 hat Kiew wiederholt zugesagt, Truppen in Afrika im Kampf gegen das russische Afrikakorps zu unterstützen. Am 26. März 2026, weniger als einen Monat vor der Offensive in Mali, berief die Ukraine eine Regierungssitzung zu ihrer Afrikapolitik ein.
Danach erklärte Kyrylo Budanow, der ehemalige Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes und damalige Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros: „Die Ukraine hat sich zum ersten Mal das Ziel gesetzt, die Situation auf dem afrikanischen Kontinent umfassend zu beeinflussen.“
In Wirklichkeit kann das ukrainische Regime in der Sahelzone nicht unabhängig vom französischen Imperialismus intervenieren. Es wird vollständig von der Europäischen Union finanziert, deren Mitgliedsstaaten ihm jährlich zweistellige Milliardenbeträge überweisen. Dafür handelt es im Auftrag der NATO und führt Krieg gegen Russland – aber auch in der Sahelzone, wo Paris die Junta stürzen will, die den Rückzug ihrer Truppen gefordert hat.
Paris versucht, durch eine Reihe von Stellvertretern wieder ein neokoloniales Regime an die Macht zu bringen, das die wirtschaftlichen und strategischen Interessen des französischen Imperialismus besser schützen soll. Seine Strategie ist im Wesentlichen die gleiche wie im Krieg in Libyen 2011, der dem jetzigen Krieg in Mali den Weg geebnet hat.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Im Jahr 2011 reagierten Paris, Washington und London auf die Arbeiteraufstände in Ägypten und Tunesien, indem sie Islamisten- und Stammesmilizen bewaffneten, um das libysche Regime zu stürzen. Nach dem Sturz des libyschen Regimes destabilisierte der Zustrom von Waffen und Kämpfern, die Libyen verließen, die Region. Daraufhin intervenierte Paris in Mali, angeblich um gegen die Islamisten zu kämpfen und Bamako zu schützen. Doch seither verhandelte Paris mit der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad, dem Vorgänger der FLA, um eine neokoloniale Basis im Norden von Mali einzurichten.
Die Demonstrationen in Mali von 2021 bis 2022 brachten innerhalb des malischen Regimes Offiziere an die Macht, welche die französische Militärpräsenz ablehnten. Um sich vor dem Zorn Frankreichs zu schützen, gingen sie ein pragmatisches Bündnis mit dem russischen kapitalistischen Regime ein. Natürlich verfolgten sie keine revolutionäre Politik, appellierten nicht an den Widerstand der Arbeiterklasse in Frankreich gegen das allgemein verhasste Macron-Regime oder versuchten, die Arbeiter und unterdrückten Massen in ganz Afrika gegen den Imperialismus zu mobilisieren.
Die aktuelle Offensive offenbart die Grenzen dieser bürgerlichen Politik, die, gerade weil sie einen sozialistischen Kampf gegen den Kapitalismus ablehnt, keinen Kampf gegen den Imperialismus führen kann. Indem die Junta eine egalitärere Politik gegenüber Kleinbauern und Hirten ablehnt, die den Islamisten und Tuareg-Nationalisten den Boden entziehen würde, hat sie es Paris erlaubt, zusammen mit Kiew, Algier, den Tuareg-Nationalisten und der JNIM zu taktieren. Im März verhandelte sie sogar mit Nick Checker, dem „Sahel-Abgesandten“ der Trump-Regierung, während Trump den Iran bombardierte.
Die malische Armee diente jahrzehntelang als neokoloniales Instrument Frankreichs. Jetzt mobilisiert Paris seine engsten Unterstützer unter den Tuareg-Nationalisten und akzeptiert die Rolle von al-Qaida-nahen Elementen, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Doch Frankreichs Hauptziel ist nicht das Militär. Es sind die antiimperialistischen Bestrebungen der Arbeiter und unterdrückten Massen in der Sahelzone und ganz Afrika.
Ulf Laessing, ein leitender Funktionär der Konrad-Adenauer-Stiftung, erklärte gegenüber der Deutschen Welle, die Islamisten „haben nicht die Kapazitäten, eine große Stadt zu verwalten. Sie wollen einen Aufstand auslösen in der Hoffnung, die Regierung zu Verhandlungen zu zwingen oder sogar eine neue Regierung zu bekommen. Aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass dies geschieht. Die meisten Menschen sind unzufrieden mit der Lage in Mali, aber sie stehen weiterhin hinter der Regierung (...).“
Die gegenwärtige Krise in Mali verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, das Hindernis zu überwinden, das die Junta für den revolutionären Kampf gegen den Imperialismus darstellt. Die entscheidende Aufgabe ist die Vereinigung der Arbeiter in Mali und der gesamten Sahelzone mit den Arbeitern in Frankreich und allen NATO-Staaten in einer sozialistischen Bewegung, um die anhaltenden imperialistischen Kriege und die Herrschaft der imperialistischen Regierungen zu beenden und die Macht den Arbeitern und den unterdrückten Massen zu übertragen.
