Am Freitag, den 8. Mai, kam es zur jüngsten Eskalation des Kriegs, als Flugzeuge der US-Marine im Rahmen der US-Seeblockade gegen den Iran zwei unter iranischer Flagge fahrende Öltanker im Golf von Oman angriffen.
Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 Super Hornet, die vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush gestartet waren, feuerten Präzisionsgeschosse in die Schornsteine der Tanker M/T Sea Star III und M/T Sveda und machten sie damit manövrierunfähig. Zuvor war am Mittwoch ein dritter iranischer Tanker, die M/T Hasna, auf die gleiche Weise manövrierunfähig gemacht worden.
Einen Tag zuvor, am Donnerstag, 7. Mai, hatten die USA erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe vom 8. April iranisches Staatsgebiet angegriffen. Ihre Angriffe richteten sich gegen militärische Ziele bei Bandar Abbas und auf der Insel Qeschm. Zuvor hatte der Iran mit Raketen, Drohnen und von kleinen Booten aus auf drei Zerstörer der US-Marine gefeuert, die die Straße von Hormus durchquerten.
Nur wenige Stunden nach den Angriffen vom Donnerstag hatte US-Präsident Donald Trump sich in einer Weise geäußert, die allgemein als nukleare Drohung gegen den Iran verstanden wird. In einem Gespräch mit Reportern am Lincoln Memorial in Washington erklärte Trump: „Man wird einfach nur einen riesigen glühenden Lichtschein sehen, der aus dem Iran kommt, also sollten sie ihr Abkommen besser schnell unterzeichnen.“
Der Krieg gegen den Iran, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, dauert mittlerweile seit über 70 Tagen an. Das Pentagon hat im Verlauf von 38 Tagen militärischer Kampfhandlungen etwa 13.000 Ziele angegriffen. Laut der iranischen Regierung wurden 81.000 zivile Gebäude beschädigt, darunter 275 medizinische Einrichtungen.
Die Nachrichtenagentur der Iranian Human Rights Activists dokumentierte bis zum 7. April 3.636 iranische Todesopfer, darunter 1.701 Zivilisten. Israel vermeldete 24 Tote und 7.791 Verwundete durch iranische Raketenangriffe. Dreizehn US-Soldaten wurden getötet und mehr als 400 verwundet. The Interept berichtete, dass die tatsächliche Opferzahl bei mindestens 15 liege. Mindestens neun Staatsbürger von Golfstaaten kamen bei iranischen Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain und Oman ums Leben.
Der Krieg breitet sich weiter in der ganzen Region aus. Israel setzt die Bombardierung des Libanon weiter fort, ungeachtet des Waffenstillstands und eines früheren Abkommens, dem es schon im November 2024 zugestimmt hatte. In den letzten Tagen hat es seine Operationen massiv verstärkt.
Am Mittwoch griffen israelische Streitkräfte die südlichen Vororte von Beirut an – der erste Angriff in der Nähe der libanesischen Hauptstadt seit Beginn des Waffenstillstands. Der Angriff im Stadtteil Haret Hreik zielte darauf ab, den Kommandanten der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan zu treffen. In den letzten Tagen wurden bei israelischen Angriffen auf den Süden und Osten des Libanon mindestens 13 Menschen getötet. Bei dem Angriff auf Beirut griffen die israelischen Kampfflugzeuge um 3:00 Uhr Ortszeit an, als die Menschen schliefen. Weiter hat das israelische Militär die Evakuierung von Zivilisten in mehr als 50 Dörfern im Südlibanon und in der Bekaa-Ebene angeordnet.
Diese Eskalation kommt eine Woche vor dem geplanten Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking am 14. Mai. Das Gipfeltreffen findet vor dem Hintergrund dessen statt, was Verteidigungsminister Pete Hegseth eine „eiserne“ Seeblockade nannte, die vom Golf von Oman „bis ins offene Meer“ reicht. Sie bedeutet effektive Beschränkungen für den Schiffsverkehr unter chinesischer Flagge, der iranische Häfen anläuft, sowie für den Öltransport auf dem Seeweg zur Versorgung der chinesischen Wirtschaft. Aufgrund der Blockade sitzen derzeit schätzungsweise 70 Tanker fest, die eine Gesamtkapazität von 166 Millionen Barrel im Wert von über 13 Milliarden Dollar aufweisen.
China bezieht etwa ein Drittel seines Rohöls über die Straße von Hormus und erhält etwa 37,7 Prozent der Gesamtmenge an Öl, die diese strategische Engstelle passiert – mehr als jedes andere Land. China ist der größte Käufer von iranischem Öl, es hat im Jahr 2025 mehr als 80 Prozent der auf dem Seeweg exportierten iranischen Ölmengen abgenommen. Iranisches Rohöl machte im letzten Jahr etwa zwölf Prozent der gesamten chinesischen Rohölimporte aus. Hegseth bezeichnete die Blockade des Iran als „Geschenk an die Welt“ und erklärte, die USA würden sie aufrechterhalten „solange es nötig ist“.
Die USA konnten ihre erklärten Ziele, das iranische Militär unschädlich zu machen und die iranische Regierung zu stürzen, nicht erreichen. Laut Einschätzungen der US-Geheimdienste hat der Krieg „begrenzte zusätzliche Schäden“ am iranischen Atomprogramm verursacht. Irans Bestand von etwa 440 Kilogramm hochangereichertem Uran, das für schätzungsweise zehn Atomwaffen reicht, ist in den Anlagen, die so tief unter der Erde liegen, dass die Kampfmittel der USA nicht durchdringen, weiterhin unversehrt geblieben. Etwa die Hälfte der Vorkriegsbestände an konventionellen Raketen steht noch zur Verfügung. Die iranische Regierung wurde nicht gestürzt, und der Iran kontrolliert weiterhin die Straße von Hormus.
Der Iran hat den US-Einrichtungen in der Region ernsthafte Schäden zugefügt, und seit Kriegsbeginn wurden 16 US-Stützpunkte beschossen. Auf der Al Udeid Air Base in Katar wurde ein Radargerät im Wert von einer Milliarde Dollar zerstört; bei einem Angriff auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien am 27. März wurden zwölf US-Soldaten verwundet und ein AWACS-Flugzeug zerstört; das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain wurde gleich am ersten Tag des Kriegs getroffen. Die USA haben fast die Hälfte ihrer Patriot-Abfangraketen und mehr als die Hälfte ihrer THAAD-Abfangraketen verschossen. Die Ergänzung der Bestände wird drei bis vier Jahre dauern.
Am Donnerstag erschien ein Reuters-Bericht, der das Ausmaß der strategischen Krise unterstrich. Darin schreiben die Autoren Idrees Ali, Erin Banco und Hatem Maher, die CIA sei zu der Einschätzung gekommen, der Iran könne der US-Blockade noch für etwa vier Monate standhalten.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Auch die Kosten des Kriegs steigen weit rasant an und übertreffen die offiziellen Zahlen des Pentagon bei weitem. Der Wirtschaftswissenschaftler Justin Wolfers von der Universität Michigan veröffentlichte am Freitag in der New York Times eine Kolumne mit dem Titel „Hegseth behauptet, dieser Krieg hat 25 Milliarden Dollar gekostet. Ich habe die tatsächliche Summe ermittelt.“ Er schrieb: „Das Beste, was ein Ökonom derzeit tun kann, ist, die Größenordnung richtig zu bestimmen. Laut meinen Berechnungen wird der Irankrieg hunderte Milliarden Dollar kosten, und sehr wahrscheinlich sogar Billionen Dollar.“
Wolfers Berechnung berücksichtigt die Verluste an Munition, Schiffen und Flugzeugen, den Rückstau bei der Bereitstellung von Patriot- und THAAD-Systemen, den starken Anstieg von Flugzeugträger-Stationierungen im gesamten CENTCOM-Bereich und die makroökonomischen Schäden für die US-Wirtschaft durch den Energieschock und den sprunghaften Anstieg der Verbraucherpreise.
Angesichts dieses Debakels fordern einflussreiche Schichten der herrschenden Klasse der USA von Trump eine militärische Eskalation.
Die Redaktion des Wall Street Journal schrieb in einem Artikel mit der Überschrift „Iran testet Trumps Kampfeswillen“: „Indem Trump große Abneigung signalisiert, wieder umfassende Militäroperationen aufzunehmen, hat er die Iraner dazu ermutigt, auf bessere Bedingungen zu warten. Wenn er die Waffenruhe selbst jetzt noch künstlich am Leben erhält, vermittelt Mr. Trump die gleiche Botschaft. Doch statt auf den Iran zu warten, könnten die USA zumindest wieder Handelsschiffe aus der Straße geleiten. Das Regime muss wissen, dass es seine Druckmittel verliert.“
Mark Thiessen veröffentlichte am Donnerstag in der Washington Post eine Kolumne mit dem Titel „Trump riskiert, den Sieg im Iran noch in letzter Minute aus der Hand zu geben.“ Darin forderte er eine umfassende Eskalation: „Was sollte Trump also tun? Ganz einfach: zu Ende bringen, was er angefangen hat.“ Und weiter:
Nehmen Sie Project Freedom wieder auf (...) Wenn der Iran noch einmal auf die USA feuert oder die Energieinfrastruktur unserer Verbündeten am Golf bedroht, schlagen Sie zurück gegen die iranische Energieinfrastruktur auf der Insel Charg, über die mehr als 90 Prozent des iranischen Öls passiert. Geben Sie anschließend Israel grünes Licht, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen und die Führung, die Waffen und die Energieeinrichtungen im ganzen Iran anzugreifen (...) Wenn der Iran dann immer noch nicht kapituliert, kann Trump eine letzte Serie von Angriffen starten (...) und dann verdeckte Operationen beginnen, um das iranische Volk zu bewaffnen, um das Regime zu stürzen.
Eine weitere Eskalation militärischer Gewalt würde die Krise der Trump-Regierung keineswegs lösen, sondern lediglich weiter verschärfen.
