Perspektive

Kapitalistische Krise, Krieg und der internationale Klassenkampf

Diese Rede hielt David North, Vorsitzender der internationalen Redaktion der WSWS, zur Eröffnung der Online-Kundgebung zum 1. Mai 2026, die von der WSWS und dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisiert wurde.

Internationale Online-Kundgebung zum 1. Mai 2026

Genossen, Arbeiter, Jugendliche, Freunde und Unterstützer des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, die sich heute auf allen Kontinenten versammelt haben: Zum Auftakt dieser Maikundgebung erklären wir unsere Solidarität mit all jenen, die heute an vorderster Front des Widerstands gegen imperialistische Gewalt und kapitalistische Reaktion stehen.

Wir verurteilen im Namen der internationalen Arbeiterklasse den imperialistischen Angriffskrieg, den die USA und Israel mit Unterstützung aller anderen imperialistischen Mächte gegen den Iran führen. Die Arbeiterklasse darf zu diesem Krieg keine zweideutige Haltung einnehmen. Sie verteidigt bedingungslos das Recht der iranischen Bevölkerung, ihr Land gegen den terroristischen Angriff zu verteidigen, der am 28. Februar 2026 begonnen hat. Dies ist ein Krieg, der gegen jeden Grundsatz des Völkerrechts verstößt. Er ist ein Verbrechen gegen den Frieden, das bei den Nürnberger Prozessen gegen die Nazi-Führer 1945–46 als schwerstes internationales Verbrechen eingestuft wurde.

Die Angeklagten beim Internationalen Militärgerichtshof gegen Kriegsverbrecher in Nürnberg, November 1945 [Photo: Raymond D’Addario]

Am 7. April schrieb Trump in einer Erklärung: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie wieder zurückkehren.“ Diese Worte werden als Schandfleck in die Geschichte eingehen. Diese entsetzliche Drohung ist der politisch obszönste Ausdruck der Brutalität, mit der dieser Krieg von den Vereinigten Staaten und ihren israelisch-zionistischen Kampfhunden geführt wird.

Seit Kriegsbeginn wurden mehr als 13.000 Ziele im Iran angegriffen. Mindestens 3.375 Iraner wurden getötet, darunter 376 Kinder. Die Zahl der Verletzten liegt bei über 26.000.

Iranische Städte wurden bombardiert, iranische Wissenschaftler, politische Führer und ihre Familien ermordet, Kinder getötet, die Infrastruktur zerstört und eine ganze Region in einen Krieg gestürzt. Das sind die bewussten Handlungen imperialistischer Mächte, die ihre Herrschaft mit Massenmord durchsetzen wollen.

Wir verurteilen ebenso entschlossen den andauernden Völkermord an den Palästinensern in Gaza und an der libanesischen Bevölkerung. Die Verbrechen, die vom israelischen Staat mit der vollen Unterstützung und aktiven Beteiligung der USA und der europäischen Mächte begangen werden – die Ermordung von Zehntausenden palästinensischen Kindern, die vorsätzliche Zerstörung von Krankenhäusern, Schulen, Wasserversorgung und Wohnhäusern sowie der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe – sind Gräueltaten, die unumstößlich belegen, dass das ethno-nationalistische zionistische Projekt ein historisch reaktionäres Unterfangen ist.

Eine Drohnenaufnahme zeigt die Zerstörung durch die israelische Luft- und Bodenoffensive in Rafah im Gazastreifen, 24. Januar 2025 [AP Photo/Jehad Alshrafi]

Wir gedenken heute auch der namenlosen Opfer, die vor den Küsten Lateinamerikas ermordet wurden – mehr als 180 Fischer und Arbeiter, die auf ihren kleinen Booten in der Karibik und im östlichen Pazifik durch US-Raketen in Stücke gerissen wurden, was das Pentagon zynischerweise als „Präventivschläge“ gegen den Drogenhandel bezeichnete. Die Opfer bleiben in der imperialistischen Presse namenlos. Ihre Familien bekommen keine Entschuldigung, keine Entschädigung, keine Anerkennung der Tatsache, dass sie je gelebt haben. Doch es waren Arbeiter, die versuchten, ihre Familien zu ernähren, und die von der mächtigsten Armee der Welt in einer Terrorkampagne gegen die Völker Lateinamerikas abgeschlachtet wurden.

Wir verurteilen die Blockade Kubas, das gezielte Erdrosseln eines ganzen Volkes durch Ölembargo und Sanktionen. Auch nach über 60 Jahren hat sich die herrschende Klasse der USA nicht mit der kubanischen Revolution abgefunden. Zwischen 1959 und 1960 enteignete das Castro-Regime amerikanische Unternehmensvermögen im Wert von rund 1,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig zerschlug die Revolution das Mafia-Imperium, das unter der Diktatur Batistas floriert hatte.

Die Casinos wurden geschlossen, die Hotels verstaatlicht, die Gangster inhaftiert oder ausgewiesen, und geschätzte 100 Millionen Dollar an Mafia-Investitionen verschwanden über Nacht aus den Büchern. Noch schlimmer: Das Revolutionsregime war so dreist, die Bordelle zu schließen, die reiche amerikanische Touristen, Militärs, Firmenchefs und Parlamentsabgeordnete versorgten. Der US-Imperialismus hat dem kubanischen Volk diese Anmaßung, diesen unverzeihlichen Eingriff in imperialistische Privilegien, nie verziehen.

Wir verurteilen die Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, der am 3. Januar bei einer Bombenkampagne in Caracas festgenommen und an die CIA und die Räuber von Chevron und Shell ausgeliefert wurde – ein unverhohlener Akt imperialistischer Piraterie. Diese Verbrechen zeigen die Gesetzlosigkeit, die heute in der Welt herrscht. Die „regelbasierte Weltordnung“, von der die imperialistischen Mächte so fromm sprechen, hat sich als gigantischer Betrug entpuppt. Das einzige geltende Gesetz ist das Recht des Stärkeren, ausgeübt von einer kapitalistischen Oligarchie, die keine Schranken, keine Grenzen, keine Verfassung, kein Gericht und kein Menschenleben als Hindernis für ihre Interessen anerkennt.

An diesem 1. Mai solidarisieren wir uns mit allen Arbeitern, die im Klassenkrieg verfolgt werden – all jenen, die verhaftet, auf schwarze Listen gesetzt, entlassen, deportiert, zu Unrecht beschuldigt und inhaftiert wurden, weil sie sich der Ausbeutung widersetzt, sich gegen den Krieg gestellt oder die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse verteidigt haben.

Wir senden Grüße an unseren Genossen Bogdan Syrotjuk, den jungen ukrainischen trotzkistischen Führer von der Jungen Garde der Bolschewiki-Leninisten. Er wird seit über zwei Jahren vom Selenskyj-Regime festgehalten, weil er dem NATO-Krieg mutig entgegentrat und die Einheit russischer und ukrainischer Arbeiter verteidigte. Die Behauptung der ukrainischen Staatsanwaltschaft, Bogdan sei ein Unterstützer der russischen Invasion, wurde von seinen Anwälten umfassend widerlegt. Die Statements von Bogdan auf der WSWS widerlegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er ist ein ebenso kompromissloser Gegner des kapitalistischen Putin-Regimes wie der proimperialistischen Marionettenregierung Selenskyjs. Wir rufen die Arbeiterklasse dazu auf, für Bogdans Freiheit zu kämpfen.

Bogdan Syrotjuk mit einem Bild von Leo Trotzki in einer alten sowjetischen Ausgabe von John Reeds 10 Tage, die die Welt erschütterten, April 2023

Wir erklären unsere Solidarität mit den inhaftierten Arbeiterführern in der Türkei. Wir fordern die sofortige Freilassung von Mehmet Türkmen, dem Vorsitzenden der Vereinigten Gewerkschaft der Textil-, Web- und Lederarbeiter (BİRTEK-SEN), der Mitte März verhaftet wurde. Ihm droht Gefängnis und ein politisches Betätigungsverbot wegen des „Verbrechens“, den Arbeitern die Wahrheit über die geheimen Absprachen von Konzernen, Staat und Gewerkschaftsbürokratie gesagt zu haben. Wir senden unsere Grüße an Başaran Aksu, den mutigen Anführer der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft (Bağımsız Maden-İş) und Organisator von Umut-Sen, der den historischen Marsch der Doruk-Bergarbeiter von Eskişehir nach Ankara anführte und zuletzt wiederholt verhaftet wurde. Wir begrüßen begeistert die Nachricht, dass die Bergleute ihre Forderungen durchgesetzt haben.

Doch die Kämpfe gehen weiter. Wir fordern die Freilassung von Esra Işık, die die Wälder und Lebensgrundlagen der Dorfbewohner gegen die Plünderung durch Bergbaukonzerne verteidigt, sowie aller Gefangenen des Klassenkriegs, die vom Erdoğan-Regime festgehalten werden. Ihre Verhaftungen sind Teil einer gezielten Offensive der türkischen herrschenden Klasse gegen eine wiederauflebende unabhängige Arbeiterbewegung – eine Offensive, die sich verschärft hat, da die Türkei immer tiefer in den imperialistischen Krieg gegen den Iran hineingezogen wird.

In den USA lässt die Verfolgung von Einwanderern nicht nach. Wir erklären unsere Solidarität mit Hayam El Gamal und ihren fünf Kindern, die von der Trump-Regierung kollektiver Bestrafung unterworfen werden. Unter offener Missachtung zahlreicher Gerichtsbeschlüsse versucht die Trump-Regierung weiter, sie abzuschieben. Die Verfolgung dieser Familie, die kein Verbrechen begangen hat, soll als Warnung an die gesamte Arbeiterklasse dienen: Kein verfassungsmäßiger Schutz, kein Gerichtsbeschluss, kein demokratisches Recht darf den Methoden des Polizeistaats im Wege stehen, die jetzt gegen alle Arbeiter in den USA vorbereitet werden, ob Staatsbürger oder nicht.

Wir fordern daher die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Einwanderer, Studenten, Männer, Frauen und Kinder, die bei ICE-Razzien festgenommen wurden und im Netz der Konzentrationslager festgehalten werden, das in ganz Amerika errichtet wurde. Wir sagen: Schließt North Lake, Dilley, Folkstone, Otay Mesa, Krome, „Alligator Alcatraz“ und jede Einrichtung, in der Menschen ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren, ohne Hoffnung festgehalten werden. Der Kampf für die Befreiung der Gefangenen ist ein Kampf zur Verteidigung der demokratischen Rechte der gesamten Arbeiterklasse.

Schließlich sprechen wir heute erneut den Familien von Renée Nicole Good und Alex Pretti unser Beileid aus, die in Minneapolis von ICE- und Grenzschutzagenten erschossen wurden. Ihr Tod wird nicht vergessen. Sie werden nicht umsonst gestorben sein.

Renée Nicole Good und Alex Pretti

Der Widerstand gegen imperialistischen Krieg, die unnachgiebige Verteidigung demokratischer Rechte und der Kampf gegen jede Form von Klassenunterdrückung bestimmen unsere Maifeier. In diesem Geist eröffnen wir die heutige Kundgebung.

Aber die Maifeier darf sich nicht auf Erklärungen internationaler Solidarität beschränken. Sie muss auch Anlass für eine objektive Analyse der Weltsituation sein, denn auf der Grundlage einer solchen Analyse wird die Strategie der Arbeiterklasse formuliert. Diese Aufgabe ist heute von größter Dringlichkeit, da dieser 1. Mai inmitten einer kritischen Phase der Krise des kapitalistischen Weltsystems stattfindet.

Der Krieg gegen den Iran – der Höhepunkt einer 35-jährigen Periode

Der Krieg gegen den Iran markiert den Höhepunkt einer 35-jährigen historischen Periode, die mit der Auflösung der UdSSR im Jahr 1991 begann.

Der Krieg gegen den Iran kann weder als isolierte Episode noch als Politik eines bestimmten Präsidenten oder bloß als Werk der Israel-Lobby verstanden werden. Natürlich agitieren Israels Regime und seine Lobby in den USA seit Jahrzehnten für einen Krieg gegen den Iran. Doch die Erzählung, die derzeit sowohl in der antisemitischen und nationalistischen „America First“-Rechten als auch in Teilen der pseudolinken Mittelschicht kursiert – dass der Krieg einem eigentlich widerwilligen außenpolitischen Establishment der USA vom American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), Netanjahu und dem israelischen Staat aufgezwungen worden sei –, ist völlig falsch und dient als Rechtfertigung für den amerikanischen Imperialismus. Es legt nahe, dass die US-Außenpolitik vor Wohlwollen nur so strotzen würde, wäre da nicht Israel.

Diese absurde Darstellung lenkt die Antikriegsbewegung weg vom Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus – die wichtigste konterrevolutionäre Kraft der Welt – hin zu einem Kompromiss mit ihm. Damit wird behauptet, dass nichts weiter nötig sei, als den Einfluss der Zionisten zu beseitigen.

Dieses politische Märchen bricht schon bei der geringsten Prüfung der historischen Fakten zusammen. Erstens braucht die herrschende Klasse der USA von niemandem Rat, geschweige denn Anstiftung, wie und wann sie mörderische Gewalt anwenden soll. Sie ist die weltweit unübertroffene Expertin bei der Organisation von Massengewalt, die eine lange Blutspur hinter sich herzieht: vom Völkermord auf den Philippinen Anfang des 20. Jahrhunderts über die brutalen Bemühungen zur Unterdrückung der Mexikanischen Revolution in den 1910er Jahren, wiederholten Invasionen in Mittel- und Südamerika, den Abwurf zweier Atombomben auf Japan bis hin zur Tötung von 3 Millionen Koreanern zwischen 1950 und 1953 und ebenso vielen Vietnamesen zwischen 1961 und 1973. Und dann sind da noch all die Kriege, die in den letzten 30 Jahren im Nahen Osten geführt wurden.

Das Foto „The Terror of War“ zeigt Phan Thi Kim Phuc, wie sie eine Straße in der Nähe von Trảng Bàng, Vietnam, entlangrennt, nachdem ein Flugzeug der südvietnamesischen Luftwaffe eine Napalmbombe auf eine Gruppe südvietnamesischer Soldaten und Zivilisten abgeworfen hatte [Photo: 1972 World Press Photo of the Year, Nick Ut]

Um die historischen Fakten richtigzustellen: Israel selbst ist eine Schöpfung der Vereinigten Staaten, die das Land seit 78 Jahren bewaffnen und finanzieren. Es dient als militarisierter Vorposten des amerikanischen Imperialismus im Nahen Osten.

Darüber hinaus hat sich der US-Imperialismus nie mit der iranischen Revolution von 1979 abgefunden, die das Marionettenregime des Schahs stürzte, das 1953 von der CIA an die Macht geputscht wurde.

Der Iran wurde seit 2006 in jeder Erklärung zur nationalen Sicherheitsstrategie der USA als einer der Hauptgegner genannt. Er war das Ziel verdeckter Operationen, von Sanktionen, Mordanschlägen und militärischer Bedrohung unter den Regierungen von Clinton, Bush, Obama, Trump in seiner ersten Amtszeit, Biden und nun der zweiten Trump-Regierung. Der Krieg gegen den Iran ist der Höhepunkt einer Politik des US-Imperialismus, die seit mehr als drei Jahrzehnten von beiden Parteien vertreten wird.

Doch im Kern ist imperialistischer Krieg nicht bloß das Ergebnis subjektiver Entscheidungen, böser Einflüsse und schlechter Politik. Er ist der Ausdruck der beiden wesentlichen objektiven Widersprüche des kapitalistischen Systems selbst: dem Widerspruch zwischen dem Privateigentum an den Produktionsmitteln und dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion, und zweitens dem Widerspruch zwischen dem globalen Charakter der Produktivkräfte und dem Nationalstaatensystem, in dem die politische Macht und die Kapitalakkumulation organisiert sind. Die Globalisierung der Produktion in den letzten 50 Jahren hat dazu geführt, dass die Arbeiter auf allen Kontinenten in einen einzigen weltumspannenden Arbeitsprozess integriert sind, der durch Lieferketten, Finanzströme und Informationsnetzwerke eng verbunden ist.

Der gesamte Verlauf der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der letzten 35 Jahre hat diese marxistische Analyse der Dynamik der globalen Krise untermauert.

Die Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde von der herrschenden Klasse Amerikas als historischer Triumph des Kapitalismus gefeiert. Das „Scheitern des Sozialismus“, hieß es, ebne den Weg für die Wiederherstellung der kapitalistischen Welt aus der Zeit vor der sozialistischen Oktoberrevolution von 1917. Alles, was sich nach der Revolution ereignete – der Aufschwung der internationalen Arbeiterklasse, die riesige globale Bewegung der unterdrückten Massen gegen den Imperialismus und die sozialen Fortschritte, die nach der Niederlage Nazi-Deutschlands 1945 und dem Sieg der chinesischen Revolution errungen wurden, sollten rückgängig gemacht werden.

Soldaten der Roten Armee hissen die sowjetische Flagge über dem Reichstag in Berlin, 2. Mai 1945

Dieser Alptraum beruhte auf einer falschen Einschätzung der Ursachen für den Zerfall der UdSSR und seiner globalen Bedeutung. In der Sowjetunion scheiterte nicht der Sozialismus, sondern das stalinistische Regime des antisozialistischen Nationalismus, eine Abkehr von jenem marxistischen Internationalismus, der die Oktoberrevolution inspiriert hatte. Das stalinistische Programm des „Sozialismus in einem Land“, das den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR vom internationalen Kampf der Arbeiterklasse gegen den globalen Kapitalismus abkoppelte, hatte sich als bankrott erwiesen.

Ausgehend von Trotzkis Analyse des stalinistischen Verrats an der Oktoberrevolution sah das Internationale Komitee der Vierten Internationale die Folgen der nationalistischen Politik der Sowjetbürokratie klar voraus. Das IK erklärte 1987, vier Jahre vor der Auflösung der UdSSR:

Der Mangel an Technologie und die fortdauernden Widersprüche zwischen Industrie und Landwirtschaft können nur durch den Zugang zum Weltmarkt gelöst werden. Es gibt nur zwei Wege für die Integration der Sowjetunion in diesen Markt – den Gorbatschows, der zur kapitalistischen Restauration führt, und den der sozialistischen Weltrevolution.

Gorbatschow nahm den ersten Weg. Die Auflösung der UdSSR im Dezember 1991 war die Vollendung dieses Verrats. Die stalinistische Bürokratie, die als Totengräber der Oktoberrevolution begann, endete als die korrupteste und raffgierigste Fraktion der neuen russischen Oligarchie, die heute von Putin geführt wird.

Beim amerikanischen Imperialismus führte derselbe Widerspruch zu einer anderen Reaktion. Doch diese war ebenso wenig das Produkt eines freien Willens wie der Zusammenbruch des Stalinismus. Angesichts des unumkehrbaren Niedergangs seiner wirtschaftlichen Vormachtstellung – des Aufstiegs japanischer und deutscher Konkurrenten, des Aufstiegs Chinas zu einer starken Industriemacht, der Aushöhlung der heimischen Produktion und der zunehmenden Belastung durch Handels- und Haushaltsdefizite – konnte der amerikanische Kapitalismus seine Position nicht mit wirtschaftlichen Mitteln wiederherstellen. Das einzige Instrument, über das er noch in überwältigendem Maße verfügte, war militärische Gewalt.

Die folgenden drei Jahrzehnte des Militarismus zertrümmerten den Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Libyen, Syrien, die Ukraine und andere Länder. Diese Kriege kosteten Millionen von Menschenleben, zerstörten ganze Länder, verursachten die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg – und endeten im Debakel. Sie konnten das Schicksal des US-Imperialismus nicht ändern.

Dieses Bild vom 21. März 2003 zeigt ein brennendes Regierungsgebäude während der schweren Bombenangriffe auf die irakische Hauptstadt Bagdad durch die US-geführten Streitkräfte [AP Photo/Jerome Delay]

Amerikanische Bomben und Raketen richteten weltweit verheerenden Schaden an. Doch parallel zu den militärischen Operationen des amerikanischen Imperialismus schritt die Krise des amerikanischen und des Weltkapitalismus voran. Der imperialistische Amoklauf wurde von einer Reihe immer gravierenderer Finanzkrisen begleitet: der mexikanischen Peso-Krise von 1994, der Asienkrise von 1997, dem russischen Zahlungsausfall und dem Zusammenbruch des amerikanischen Hedgefonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998, dem Dotcom-Crash von 2000, der globalen Finanzkrise von 2008, der europäischen Staatsschuldenkrise von 2010–12, der Pandemie-Schock von 2020 und die sich seit 2022 häufenden Anzeichen einer Krise des Dollarsystems.

Die sichtbarste und bedrohlichste Manifestation der von den USA ausgehenden globalen Krise ist der gewaltige Anstieg der Staatsverschuldung. Im Jahr 2001 belief sie sich auf rund 5,8 Billionen Dollar. Nun nähert sie sich der Marke von 40 Billionen Dollar. Ein historisch und wirtschaftlich noch bedeutenderer Ausdruck der Krise des amerikanischen Kapitalismus ist der Goldpreis. Auf der Bretton-Woods-Konferenz von 1944, die den Dollar zur Weltreservewährung machte, wurde der Wert einer Feinunze Gold auf 35 Dollar festgelegt.

Dieser Preis galt solange, bis die Nixon-Regierung 1971 das Bretton-Woods-System abschaffte. Dies löste einen unaufhaltsamen Anstieg des Goldpreises aus, der im letzten Jahr regelrecht explodiert ist. Der Preis für eine Unze Gold liegt derzeit bei etwa 4.600 Dollar. Mit anderen Worten: Der Wert des Dollars im Verhältnis zu Gold, das seit mehreren tausend Jahren als Wertmaßstab dient, ist in etwas mehr 50 Jahren um mehr als 99 Prozent gesunken.

In diesem Rahmen müssen die 35 Jahre von 1991 bis 2026 verstanden werden. Sie stellen einen historischen Prozess dar: den Versuch des amerikanischen Kapitalismus, durch den Einsatz militärischer Gewalt einen Widerspruch zu überwinden, den er mit wirtschaftlichen Mitteln nicht lösen konnte. Die Kriege sind Bestandteile einer kontinuierlichen Entwicklung, die von demselben ungelösten Widerspruch zwischen der Weltwirtschaft und dem Nationalstaatensystem angetrieben wird, der schon die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Krieg im Ausland und Diktatur im Innern

Doch der Krieg gegen den Iran ist nicht nur eine weitere Episode in der langen Reihe militärischer Operationen. Die Auswirkungen dieses Kriegs verleihen ihm einen unmissverständlich globalen Charakter. Es ist ein globaler Krieg der imperialistischen Mächte gegen die internationale Arbeiterklasse. Seit dem 13. April blockiert die US-Marine iranische Häfen im Persischen Golf. Die Folgen bekommen Milliarden von Menschen zu spüren, die nichts mit dem Kriegsausbruch zu tun hatten.

Karte der Straße von Hormus [Photo by Goran_tek-en / CC BY-SA 4.0]

Am schwerwiegendsten wirkt sich der Krieg auf die Ernährungssicherheit in den Entwicklungsländern aus. Die Blockade wird die Hungersnot verschlimmern, die im Gazastreifen und im Sudan herrscht. Weitere Länder werden in den Notstand oder in katastrophale Ernährungsunsicherheit geraten, und es wird in den nächsten 12 bis 18 Monaten in vielen Ländern zu Übersterblichkeit kommen, von der vor allem Kinder und ältere Menschen betroffen sein werden.

Diese Konsequenzen sind die direkte Folge von Entscheidungen, die in Washington und Jerusalem getroffen wurden. Die Menschen, die für diese Entscheidungen mit Hunger und ihrem Leben bezahlen werden, sind Bauern in Ostafrika, Familien in Südasien und Kinder in Ländern, die an dem ursprünglichen Konflikt gar nicht beteiligt waren.

Der Krieg gegen den Iran hat nicht nur die räuberischen Ziele des amerikanischen Imperialismus im Ausland offenbart, sondern auch die soziale und politische Realität seiner Herrschaft im Inland. Trump ist das Produkt, die Verkörperung und der Höhepunkt eines langen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Prozesses, der im Zusammenbruch des amerikanischen Kapitalismus und der Verkommenheit seiner herrschenden Klasse wurzelt.

Die politische Struktur der Vereinigten Staaten wird mit ihrer sozialen Grundlage in Übereinstimmung gebracht: der Herrschaft einer winzigen Oligarchie, die über unvorstellbaren Reichtum verfügt und alle rechtlichen, demokratischen und moralischen Beschränkungen als unerträgliche Hindernisse für ihre Interessen betrachtet. Der Aufstieg Trumps ist Ausdruck dieser Realität.

Der Krieg gegen den Iran wird durch einen Frontalangriff auf die sozialen Rechte der Arbeiterklasse finanziert. Trumps Haushaltsplan für 2027 sieht rund 1,5 Billionen Dollar für „Verteidigung“ vor – die höchsten Militärausgaben in der modernen amerikanischen Geschichte und eine massive Eskalation der Vorbereitungen nicht nur für den Krieg gegen den Iran, sondern für einen globalen Krieg gegen China und Russland. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Haushalt für einen Weltkrieg.

Und wie soll das finanziert werden? Trump selbst hat mit brutaler Offenheit geantwortet. Sozialprogramme müssten geopfert werden, weil „wir Kriege führen“, erklärte er. „Es ist nicht möglich, sich um Kinderbetreuung, Medicaid und Medicare zu kümmern. … Wir müssen uns um eine Sache kümmern: den militärischen Schutz.“ Medicare, Medicaid, Rentenversicherung, Bildung, Wohnungswesen und jede noch so kleine soziale Absicherung, die die Arbeiterklasse im Laufe des letzten Jahrhunderts errungen hat, sollen geplündert werden, um den Militarismus, die Bereicherung der Oligarchie und den Unterdrückungsapparat des Staates zu finanzieren.

Was sich in den Vereinigten Staaten abspielt, ist nicht nur eine nationale politische Krise. Es ist ein Umbruch von welthistorischer Bedeutung. Die Vereinigten Staaten, einst stabilisierende Macht des Weltkapitalismus, sind zur größten Quelle globaler Instabilität geworden. Der Zusammenbruch demokratischer Herrschaftsformen in den USA, die Hinwendung zu offenem Gangstertum in der Politik, die Unterordnung des gesamten gesellschaftlichen Lebens unter die Interessen der Oligarchie und der Versuch, die Welt durch militärische Gewalt neu aufzuteilen, bringen die Krise der gesamten kapitalistischen Ordnung in ihrer konzentriertesten und explosivsten Form zum Ausdruck.

Präsident Donald Trump während einer Kabinettssitzung im Weißen Haus in Washington, mit Außenminister Marco Rubio (links) und Verteidigungsminister Pete Hegseth (rechts), 2. Dezember 2025 [AP Photo/Julia Demaree Nikhinson]

Die gleichen grundlegenden Prozesse sind in allen wichtigen kapitalistischen Ländern erkennbar. Die Krise des Kapitalismus ist international, und ebenso die Hinwendung zu Diktatur und Krieg. Die herrschende Klasse Europas legt rasch und schamlos ihre heuchlerischen pazifistischen Phrasen ab, kehrt zu ihren langen Traditionen des imperialistischen Militarismus zurück und erklärt, dass die Arbeiterklasse und die Jugend bereit sein müssen, zu kämpfen und zu sterben, wie ihre Großväter und Urgroßväter in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts. Das ist keine bloße Rhetorik. Die europäischen NATO-Mächte befinden sich de facto bereits im Krieg gegen Russland. Die Ukraine hat sich zum osteuropäischen Äquivalent Israels innerhalb der NATO entwickelt.

In seiner Analyse der historischen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts hat das Internationale Komitee betont, dass dieselben Widersprüche, die 1914 den Ersten Weltkrieg hervorbrachten, 1917 zur sozialistischen Revolution in Russland führten. Die gleiche historische Dynamik wirkt auch heute. Die globale Krise des Kapitalismus, die der Eruption imperialistischer Gewalt zugrunde liegt, bereitet auch den Ausbruch des revolutionären Kampfs der internationalen Arbeiterklasse vor.

Die zweite Hälfte des Jahrzehnts der sozialistischen Revolution

Zu Beginn der 2020er Jahre sagte die World Socialist Web Site das Wiederaufleben einer revolutionären Bewegung der internationalen Arbeiterklasse voraus. Wir haben die Hälfte des Jahrzehnts nun überschritten. Das Internationale Komitee ist überzeugt, dass die objektive Entwicklung der globalen Krise diese Perspektive untermauert.

Die ersten fünf Jahre des Jahrzehnts waren geprägt von einem verschärften Kurs der herrschenden Eliten auf politische Reaktion. Das waren keine Zufälle oder das Werk einzelner Demagogen, sondern es war die systemische Reaktion einer globalen Oligarchie, die nicht in der Lage war, die Krise des Kapitalismus auf demokratischem Wege zu lösen. Die Corona-Pandemie, in der Regierungen Millionen von Menschenleben dem Profitzwang unterordneten, offenbarte den unversöhnlichen Gegensatz zwischen den sozialen Interessen der Arbeiterklasse und den finanziellen Interessen der herrschenden Minderheit.

Arbeiter begraben Leichen in einem Massengrab auf Hart Island in der Bronx, New York, während der Corona-Pandemie am 9. April 2020 [AP Photo/John Minchillo]

Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine, der Völkermord in Gaza, die Bombardierung des Iran, die Entführung von Präsident Maduro in Venezuela und die Drohungen gegen Mexiko, Grönland, Panama und Kuba haben gezeigt, dass die imperialistischen Mächte unter Führung der Vereinigten Staaten auf die Krise mit einer gewaltsamen Neuaufteilung der Welt reagieren.

In den imperialistischen Zentren ist diese Kriegstreiberei nach außen untrennbar mit einer Hinwendung zu autoritärer Herrschaft im Inland verbunden: die Rückkehr Trumps und der Aufbau einer Präsidialdiktatur in den USA, der Aufstieg Mileis in Argentinien, Melonis in Italien und rechtsextremer Regierungen in ganz Europa, der systematische Abbau demokratischer Rechte, die Militarisierung der Polizei, die Verfolgung von Einwanderern und die Kriminalisierung abweichender Meinungen.

Unterdessen stieg das weltweite Vermögen der Milliardäre im Jahr 2025 auf 18,3 Billionen Dollar, während durch Massenentlassungen, KI-bedingte Vernichtung von Arbeitsplätzen, Inflation und Abbau sozialer Programme die Angriffe auf die Lebensbedingungen von Milliarden von Arbeitern verschärft werden.

Es ist unbestreitbar, dass die erste Hälfte des Jahrzehnts von einem Ausbruch kapitalistischer Reaktion und imperialistischen Militarismus geprägt war. Ein Weltkrieg ist keine zukünftige Bedrohung, sondern eine Realität, die sich bereits entfaltet. Doch dieselben Widersprüche des kapitalistischen Systems, die sich in Krieg und Unterdrückung zeigen, haben auch zum Ausbruch des globalen Klassenkampfs geführt.

Die zweite Hälfte des Jahrzehnts ist zunehmend durch das Aufkommen der gegenläufigen Tendenz – soziale Kämpfe auf internationaler Ebene – gekennzeichnet. Im Jahr 1845 schrieb Marx: „Mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Aktion wird also der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist.“ Als erste Bestätigung dieser Erkenntnis werden massenhaft arbeitende Menschen in soziale und politische Kämpfe hineingezogen.

Allein im ersten Quartal 2026 gab es 458 Streiks in nur acht europäischen Ländern, darunter fünf Generalstreiks auf nationaler oder regionaler Ebene. Dies ist eine messbare Beschleunigung gegenüber vergleichbaren Zeiträumen im Jahr 2025. Im ersten Quartal 2026 kam es zu Generalstreiks in Belgien am 12. März und in Italien am 9. März. Regionale Generalstreiks in Andalusien und im Baskenland am 8. und 17. März. Im Norden Zyperns gab es einen Generalstreik, und im Februar fand in Argentinien ein landesweiter Generalstreik statt – eine Dichte an Generalstreiks in einem einzigen Quartal, die das bereits beträchtliche Tempo von 2025 übertrifft. Rund 1,7 Millionen Staatsangestellte traten im indischen Bundesstaat Maharashtra in den Streik.

Anhand objektiver Indikatoren wie Anzahl der Streiks, Streikbeteiligung, geografische Verteilung, sektorale Ausdehnung, Dauer, Urabstimmungen und Häufigkeit der Konfrontation mit staatlichen Kräften stellen die ersten Monate des Jahres 2026 eine klare und messbare Eskalation des Klassenkonflikts gegenüber dem Niveau von 2025 dar.

In den USA fanden Massendemonstrationen gegen die Einwanderungsbehörde ICE statt, an denen Millionen von Menschen teilnahmen, darunter acht Millionen bei den „No Kings“-Protesten am 28. März. Auch 42.000 Beschäftigte der University of California und 31.000 des Kaiser-Gesundheitsdiensts legten die Arbeit nieder.

„No Kings“-Kundgebung in New York, 28. März 2026

Diese Kämpfe sind der objektive Ausdruck einer internationalen Bewegung der Arbeiter gegen die Folgen derselben Krise, die die Oligarchie in Richtung Faschismus und Krieg treibt. Diese Kämpfe finden auf allen Kontinenten und in allen wichtigen Branchen statt, gleichzeitig und zunehmend im direkten Konflikt nicht nur mit Unternehmen und Regierungen, sondern auch mit den Gewerkschaftsbürokratien, die als streikfeindliche Betriebspolizei fungieren.

Die entscheidende Frage ist, welche dieser beiden Tendenzen sich durchsetzen wird. Die herrschende Klasse reagiert auf die verschärfte Krise ihres Systems mit Faschismus und Krieg, der Militarisierung der Gesellschaft, der Abschaffung demokratischer Rechte, Angriffen auf Einwanderer und Andersdenkende sowie der Vorbereitung von Kriegen, die die Gefahr einer nuklearen Katastrophe in sich bergen. Die Arbeiterklasse antwortet mit der einzigen Kraft, die den Kurs in die Katastrophe aufhalten kann: der Mobilisierung ihrer eigenen kollektiven gesellschaftlichen Stärke. Das Ergebnis ist nicht vorherbestimmt, sondern wird durch die laufenden Kämpfe und durch das politische Bewusstsein, die Organisation und die Führung bestimmt, die die Arbeiterklasse im Laufe dieser Kämpfe entwickelt.

Fest steht, dass die Periode des relativen sozialen Gleichgewichts vorbei ist. Die zu Beginn des Jahrzehnts festgestellten objektiven Bedingungen – der Zusammenbruch der kapitalistischen Nachkriegsordnung, die Unmöglichkeit, die alten Herrschaftsmethoden fortzusetzen, die Notwendigkeit entweder einer revolutionären Umgestaltung oder des Abstiegs in die Barbarei – haben sich nicht nur bestätigt, sondern auch verschärft. Die ersten Monate des Jahres 2026 markieren den Punkt, an dem der Widerstand der Arbeiterklasse zu einer globalen Kraft geworden ist, die sich der Offensive der Oligarchie in einem Ausmaß entgegenstellt, das die Grundfragen der Epoche – Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie, Sozialismus oder Barbarei – direkt auf die historische Agenda setzt.

Baut die Vierte Internationale auf!

Die demoralisierten Zyniker und Skeptiker der Pseudolinken werden diese Perspektive als Fantasie abtun. Sie kriechen vor der herrschenden Klasse und glauben fest an die Unbesiegbarkeit und Unvergänglichkeit des Kapitalismus. Ihre Haltung gegenüber der Arbeiterklasse ist eine Mischung aus Angst und Verachtung.

Doch die revolutionäre Perspektive der trotzkistischen Bewegung, angeführt vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale, gründet auf der realistischsten Einschätzung der objektiven wirtschaftlichen und sozialen Prozesse auf globaler Ebene.

Dieselbe Globalisierung der Produktion, die die Widersprüche der bestehenden Ordnung verschärft hat, brachte auch – als eine objektive, strukturelle Tatsache – die größte internationale Arbeiterklasse in der Geschichte der Menschheit hervor. Man muss sich die Zahl konkret vor Augen führen. Seit 1980 hat die Entwicklung der weltweiten Produktivkräfte die Zahl der arbeitenden Bevölkerung um über zwei Milliarden Menschen erhöht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten, und diese Zahl steigt wöchentlich um Millionen.

Mehr als 500 Städte haben mittlerweile über 1 Million Einwohner, was etwa einem Viertel der Menschheit entspricht. Mindestens 31 davon sind Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Und schätzungsweise 90 Prozent des Welthandels laufen über einige Dutzend dieser Zentren. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahrzehnten etwa 1 Milliarde afrikanischer Arbeiter in die globale Erwerbsbevölkerung eintreten werden. Die Milliarden von Arbeitern, die aus den rückständigen ländlichen Gebieten Indiens, Chinas, Lateinamerikas und Afrikas in die globalisierten Produktionskreisläufe vorgedrungen sind, haben, wie es die WSWS formuliert hat, „in einer einzigen Lebenszeit Jahrhunderte übersprungen“.

Shenzhen ist mit 17,5 Millionen Einwohnern im Jahr 2020 nach Shanghai und Peking die drittgrößte Stadt Chinas [Photo by Dinkun Chen / CC BY 4.0]

Objektive soziale und wirtschaftliche Prozesse bringen revolutionäre Kämpfe hervor. Der tägliche Verfall des Lebensstandards, das erschütternde Ausmaß sozialer Ungleichheit, die groteske Korruption und die Verbrechen der herrschenden Klasse rufen die Empörung und den Zorn der Massen hervor. Doch dieser Zorn muss in einen bewussten und international geeinten Kampf gegen den Kapitalismus umgewandelt werden.

Und hier zeigt sich das zentrale Problem der historischen Epoche: die Lösung der Krise der revolutionären Führung in der Arbeiterklasse. Der Würgegriff der alten und reaktionären Instrumente der kapitalistischen Herrschaft – der bestehenden kapitalistischen Parteien, der Gewerkschaftsbürokratien, der bürgerlichen nationalen Organisationen, der unzähligen kleinbürgerlichen Gruppierungen – muss gebrochen werden. Die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von allen Agenturen der herrschenden Klasse muss hergestellt werden.

Dies erfordert den Aufbau der Vierten Internationale, der trotzkistischen Weltbewegung unter der Führung des Internationalen Komitees. Sein Programm enthält einen riesigen Schatz an revolutionärer Erfahrung aus 100 Jahren Kampf.

Wir erkennen an, dass die Sektionen des Internationalen Komitees noch keine Massenparteien sind. Dies ist jedoch kein Fehler, sondern Ausdruck der langen Periode politischer Reaktion, in der die alten sozialdemokratischen und stalinistischen Partei- und Gewerkschaftsbürokratien den Klassenkampf unterdrücken konnten.

Doch wie Trotzki feststellte: „Die Gesetze der Geschichte sind mächtiger als die bürokratischen Apparate.“ Die Verschärfung der kapitalistischen Krise radikalisiert die Massen. Und dies wird die Voraussetzungen für ein immenses Wachstum der trotzkistischen Bewegung schaffen.

Im Mai 1940, in einem Manifest der Vierten Internationale, das Trotzki nur drei Monate vor seiner Ermordung durch einen stalinistischen Agenten verfasste, erklärte der unvergleichliche Stratege der sozialistischen Weltrevolution:

In der Geschichte war nicht selten der Krieg die Mutter der Revolution, eben weil er veraltete Regime bis zu ihren Grundfesten erschüttert, die herrschende Klasse schwächt und das Anwachsen der revolutionären Empörung innerhalb der unterdrückten Klassen beschleunigt.

Leo Trotzki 1940

Eine solche Situation entsteht nun. Allein die Tatsache, dass die herrschende Klasse Amerikas einen Gangster ins Weiße Haus berufen und ihre Angelegenheiten der Unterwelt anvertraut hat, ist ein unumstößlicher Beweis für ihren historischen Bankrott.

Trotz größter Hindernisse hat das Internationale Komitee der Vierten Internationale unermüdlich daran gearbeitet, die fortgeschrittenen Teile der Arbeiterklasse auf die gegenwärtige Krise vorzubereiten. Wir haben die World Socialist Web Site geschaffen, die seit 28 Jahren als unvergleichliches Werkzeug der politischen Analyse und strategischen Orientierung dient. Sie hat einen unerbittlichen Kampf geführt, um das Erbe des Marxismus und die historische Kontinuität des Kampfs für den Sozialismus zu bewahren.

Die dem Internationalen Komitee angeschlossenen Parteien haben durch den Aufbau der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) den Kampf gegen die proimperialistischen und korporatistischen Gewerkschaftsbürokratien angeführt. Ihr Ziel ist es nicht, die bestehenden Gewerkschaftsbürokratien zu beeinflussen, sondern einen Aufstand der Basis gegen diese zu organisieren und die Macht an Fabrik- und Betriebskomitees zu übertragen.

Die International Youth and Students for Social Equality, angeleitet vom IKVI, bilden die jüngere Generation im Marxismus aus, bieten eine revolutionäre Alternative zu der demoralisierenden Protestpolitik und lenken ihre Energien auf die Kämpfe der Arbeiterklasse.

Das IKVI hat Socialism AI entwickelt, das im Dezember 2025 auf der World Socialist Web Site veröffentlicht wurde. Während die herrschende Klasse KI zum Zweck der eigenen Bereicherung, der Verarmung der Arbeiter und der Intensivierung der Ausbeutung einsetzt, nutzt das Internationale Komitee das enorme Potenzial dieser Technologie, um den Kampf für den Sozialismus voranzutreiben und zu beschleunigen.

Alle Elemente der Arbeit des Internationalen Komitees sind auf das Ziel ausgerichtet, die Vierte Internationale als Weltpartei der sozialistischen Revolution aufzubauen, die die kapitalistische Barbarei besiegen und die Zukunft der Menschheit sichern wird. Diese Partei wird von den Arbeitern, der Jugend und den sozialistischen Intellektuellen aufgebaut, die aus den Erfahrungen dieser Epoche die notwendigen Schlüsse ziehen und ihren Platz in dieser Partei einnehmen. An die Arbeiter, die gegen ICE kämpfen, an die Streikenden an den Streikposten, an die Studenten, die sich dem Völkermord widersetzen, an die Millionen auf den Straßen aller Kontinente: Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet nicht, ob wir kämpfen sollen, sondern wie wir kämpfen können, und unter welchem Banner.

Unsere Antwort lautet: Der Weg vorwärts besteht im bewussten und organisierten Kampf der internationalen Arbeiterklasse um die Macht. Das Banner ist das der Vierten Internationale. Wir sagen: Baut Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale in jedem Land auf. Nehmt den Kampf für den Sozialismus auf! Vorwärts zur sozialistischen Weltrevolution!

Loading