Perspektive

Bergwerksunglück in China: Eine weitere Tragödie auf dem globalen industriellen Schlachtfeld

82 Arbeiter kamen am vergangenen Freitag bei einer verheerenden Gasexplosion in einem Kohlebergwerk in der Provinz Shanxi ums Leben. Es handelt sich um die schlimmste Bergbaukatastrophe in China seit 2009. Über 120 Arbeiter wurden ins Krankenhaus eingeliefert, mehrere von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Zwei weitere werden noch vermisst. Die Tragödie ist ein grausames Beispiel für die gefährlichen und schädlichen Bedingungen, denen Bergleute und andere Arbeiter weltweit ausgesetzt werden, während ihre Leben und ihre Gesundheit dem rücksichtslosen Profitstreben der Unternehmen untergeordnet werden.

Polizisten am Sonntag, 24. Mai 2026, an einem Kontrollpunkt am Eingang der Liushenyu-Kohlemine im Kreis Qinyuan in Changzhi in der nordchinesischen Provinz Shanxi [AP Photo/E. Eduardo Castillo]

Die Explosion ereignete sich im Kohlebergwerk Liushenyu, einem von vier Bergwerken, die von der privat geführten Shanxi Tongzhou Coal Group betrieben werden. Gegen das Unternehmen war bereits im vergangenen Jahr wegen Sicherheitsverstößen eine Geldstrafe verhängt worden. Chinas nationale Bergbehörde führte die Mine im Jahr 2024 als eine von 1.128 Minen auf, in denen „schwerwiegende Sicherheitsrisiken“ herrschten. Im Fall von Liushenyu war eine durch hohe Gaskonzentrationen bedingte Explosionsgefahr der Grund.

Der Einsatz von Hunderten Rettungskräften, die rasch zum Unglücksort entsandt wurden, wurde durch ungenaue Lagepläne des Bergwerks und eine zu niedrig angegebene Zahl der Arbeiter behindert, die sich bei der Arbeit unter Tage aufhielten. Viele der Arbeiter waren nicht mit den vorgeschriebenen Ortungsgeräten ausgestattet. Die offiziellen Untersuchungen sind erst angelaufen, doch haben staatliche Medien bereits berichtet, dass sich von den 247 Personen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion unter Tage befanden, nur 124 offiziell als eingefahren registriert waren. Berichten zufolge habe ein Kohlenmonoxid-Melder einen automatischen Alarm ausgelöst, der vor gefährlichen Gaswerten warnte, doch sei dieser ignoriert worden.

Diese Unstimmigkeiten deuten auf eine Praxis hin, die in Kohlebergwerken im umliegenden Kreis Qinyuan laut Berichten keineswegs ungewöhnlich ist: der Betrieb von nicht genehmigten, versteckten Stollen, in denen Arbeiter ohne offizielle Arbeitsverträge und ohne Ortungsgeräte arbeiten, um die Produktion zu steigern und Steuern zu minimieren. Zusätzliche Schächte beeinträchtigen zudem die Wirksamkeit von Belüftungssystemen, die dazu dienen, giftige Gase abzuführen und die Bildung explosiver Gasgemische zu verhindern.

Der Tod von 82 Arbeitern wird die Familien im angrenzenden Dorf Shangzhuang schwer treffen. Zwar werden Bergleute für ihre gefährliche Arbeit über dem ländlichen Lohnniveau bezahlt, doch sind sie oft die einzige Stütze für eine Großfamilie. Die Beschäftigten des Liushenyu-Bergwerks leben in einer Stadt, die fast vollständig von der Mine abhängig ist und in der es kaum alternative Arbeitsmöglichkeiten gibt, und wenn sie sich über gefährliche Arbeitsbedingungen beschweren, droht ihnen die Entlassung. Auf der ganzen Welt werden Bergleuten solche Zwickmühlen bekannt vorkommen. Ebenso wie die Gewerkschaften weltweit dienen die staatlich kontrollierten Gewerkschaften in China dazu, den Widerstand der Arbeiter im Interesse der Unternehmen und der Regierung zu unterdrücken.

In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der Todesopfer in Kohlebergwerken in China drastisch gesunken, da die Regierung illegale Kohlebergwerke geschlossen und die Sicherheitsvorschriften verschärft hat. In Großbergwerken, von denen viele in staatlichem Besitz sind, wurden hochmoderne 5G-Überwachungssysteme, Roboter-Abbaumaschinen und autonome Transportfahrzeuge eingeführt, die fortschrittlicher sind als in Kohlebergwerken in anderen Teilen der Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten. Die Gefahren für die Bergleute beim Abbau wurden dadurch deutlich minimiert.  

Die Zahl der Todesfälle in den chinesischen Kohlebergwerken ist von Tausenden pro Jahr auf mehrere Hundert gesunken, während gleichzeitig die Produktion gestiegen ist. Laut offiziellen Zahlen ist die Zahl der Todesopfer von 5.703 im Jahr 2000 auf 228 im Jahr 2020 gesunken, was sich auch in dem deutlichen Rückgang der Todesfälle pro Million Tonnen von 4,12 auf 0,058 im gleichen Zeitraum zeigt.

Die Einführung fortschrittlicher Technologien und strengerer Vorschriften war nicht nur den Anforderungen der Industrie geschuldet, sondern auch der weit verbreiteten Empörung über Tausende Todesfälle und die grauenhaften Bedingungen, denen die Bergleute ausgesetzt waren. Trotz der Umstellung auf erneuerbare Energiequellen ist China nach wie vor stark von Kohle abhängig, nicht nur bei der Energieversorgung, sondern auch bei der Stahlproduktion und in der Chemieindustrie. Auf China entfällt mehr als die Hälfte der weltweiten jährlichen Kohleproduktion.

In der Provinz Shanxi befinden sich rund ein Viertel der Kohlereserven des Landes. Auch bei der Förderung von Kokskohle, die für die Stahlherstellung benötigt wird, spielt Shanxi eine bedeutende Rolle. In der Provinz gibt es rund 370 „intelligente“ Bergwerke, in der die neuesten Technologien zum Einsatz kommen. Doch gibt es dort noch viele andere, darunter das Kohlebergwerk Liushenyu, die nach wie vor stark auf manuelle Arbeit setzen.

Die Reaktion der chinesischen Regierung auf die Explosion vom vergangenen Freitag unterstreicht ihre Furcht davor, dass die hohe Zahl der Todesopfer nicht nur unter Bergleuten, sondern in der gesamten Arbeiterklasse Wut hervorrufen wird. Präsident Xi Jinping forderte sofort, bei der Rettung von Leben keine Mühen zu scheuen, und entsandte Vizeministerpräsident Zhang Guoqing nach Shanxi, um die Rettungsmaßnahmen zu beaufsichtigen. Sowohl Xi als auch Ministerpräsident Li Qiang wiesen die Behörden an, die Explosion zu untersuchen und die Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.

Die staatlichen Medien fokussierten sich jedoch auf die Verantwortung der Bergwerksleitung, anstatt die Rolle der Aufsichtsbehörden auf lokaler und Provinzebene zu untersuchen. In vielen der Hunderttausenden von Beiträgen, die in den chinesischen sozialen Medien wie Pilze aus dem Boden schießen, wird jedoch die naheliegende Frage gestellt: Warum durfte die Mine angesichts der Gefahren im Inneren und der früheren Sicherheitsverstöße weiter betrieben werden?

Hinter dieser Tragödie steht die Tatsache, dass im Kapitalismus Produktion und Profit unerbittlich und um jeden Preis vorangetrieben werden, auch wenn dabei Arbeiter sterben. Mit der systematischen Wiederherstellung des Kapitalismus durch die Kommunistische Partei Chinas über die letzten 40 Jahre ist der chinesischen Arbeiterklasse das widerfahren, womit die Arbeiterklasse auf der ganzen Welt konfrontiert ist.

Durch die mit dieser Industrie verbundenen Gefahren sind Bergarbeiter weltweit in besonderem Maße gefährdet. Obwohl sie nur etwa 1 Prozent der weltweiten Erwerbsbevölkerung ausmachen, entfallen auf sie mehr als 8 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle.

Die verheerendste Katastrophe dieses Jahres ereignete sich in den Robaya-Minen in der Demokratischen Republik Kongo. Mehr als 600 Arbeiter kamen bei zwei Bergwerkseinstürzen ums Leben – der erste am 28. Januar und der zweite am 4. März. Die Minen decken über 15 Prozent des weltweiten Bedarfs an Tantal.

Doch nicht nur in technologisch rückständigen Regionen kommt es weltweit regelmäßig zu Todesfällen im Bergbau, sondern auch in großen kapitalistischen Industriestaaten. Letzte Woche starben in den Vereinigten Staaten zwei Bergleute bei zwei unterschiedlichen Vorfällen: Der 25-jährige Mechaniker Preston Pollard wurde in einem Tagebau-Kohlebergwerk in Kentucky zu Tode gequetscht, als schweres Gerät auf ihn fiel, und der 34-jährige Zachary Wolfe kam bei einem Sturz in einem unterirdischen Kohlebergwerk in Pennsylvania ums Leben.

Bei einer der schlimmsten Bergbaukatastrophen seit Jahrzehnten kamen am 5. April 2010 im Bergwerk Upper Big Branch in West Virginia 29 Bergleute bei einer gewaltigen Explosion ums Leben. Obwohl vier von einander unabhängige Untersuchungen ergaben, dass die Tragödie hätte verhindert werden können, wurde in dem Bergwerk, das dem Unternehmen Massey Energy gehört, niemand zur Verantwortung gezogen.

Vor fünfzehn Jahren erschütterte eine Explosion das Bergwerk Pike River Coal an der abgelegenen Westküste der Südinsel Neuseelands. 29 Arbeiter wurden verschüttet. Die Rettungsmaßnahmen wurden nach einer zweiten Explosion abgebrochen. Eine staatliche Untersuchungskommission stellte fest, dass die Betreibergesellschaft von Pike River Coal, die hoch verschuldet war, grundlegende Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften missachtet hatte, doch auch hier wurde niemand zur Verantwortung gezogen.  

Ob in China, den Vereinigten Staaten, Afrika, Neuseeland oder jedem anderen Ort der Welt – Bergleute sind mit ähnlichen Gefahren und politischen Problemen konfrontiert. Wenn sie die Dinge nicht selbst in die Hand nehmen, können die Arbeiter keinen Kampf für den Schutz ihrer Leben und ihrer Gesundheit gegen die vereinten Kräfte von Konzernen, Regierungen und Gewerkschaften führen.

Deshalb ist es notwendig, in jedem Bergwerk und an jedem Arbeitsplatz weltweit unabhängige Aktionskomitees der Arbeiter aufzubauen. Diese Komitees sind ein wichtiger Teil des Kampfs dafür, dass die Arbeiter selbst die Kontrolle über die Produktion und auch über die Sicherheit übernehmen. Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) wurde auf Initiative des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) gegründet, um den Arbeitern den Austausch von Informationen und die Koordinierung ihrer Kämpfe branchenübergreifend und international zu ermöglichen und so die nationalen Fesseln zu überwinden, die den Arbeitern von den Gewerkschaften angelegt werden.

Vor allem ist ein vereinigter Kampf der Arbeiter in China, den USA und weltweit erforderlich, um die eigentliche Ursache solcher Katastrophen – das Profitsystem selbst – zu beseitigen und die Produktion auf sozialistischer Grundlage und rational neu zu organisieren. Wir rufen die Arbeiter in China und in jedem anderen Land dazu auf, diesen Kampf aufzunehmen und sich an die World Socialist Web Site zu wenden.

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