Während sich die US- und internationalen Medien auf die Verhandlungen zwischen der Trump-Regierung und dem Iran konzentrieren, weitet Israel seinen Amoklauf im ganzen Nahen Osten massiv aus, forciert die dauerhafte Besetzung des Gazastreifens und eskaliert seinen Luftkrieg gegen den Libanon.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Donnerstag an, er habe das israelische Militär angewiesen, die Kontrolle über 70 Prozent des Gazastreifens zu übernehmen – deutlich mehr als die 53 Prozent, die Israel gemäß dem Waffenstillstand, der im Oktober in Kraft getreten war, zugesprochen wurden.
Bei einer Pressekonferenz in einer Siedlung im besetzten Westjordanland erklärte er: „Wir kontrollieren jetzt 60 Prozent der Fläche des Gazastreifens. Wissen Sie, wir waren bei 50 und haben das auf 60 gesteigert. Meine Anweisung lautet jetzt... auf 70 Prozent zu verbessern.“ Durch diese Anweisung würden die 2,1 Millionen Palästinenser im Gazastreifen auf weniger als einem Drittel der Fläche zusammengepfercht.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz bekräftigte seine Forderungen nach der ethnischen Säuberung des Gazastreifens: „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Hamas den Gazastreifen weder zivil noch militärisch regieren wird, und so wird es sein. Auch der Plan für freiwillige Emigration aus dem Gazastreifen wird umgesetzt.“
Im Libanon wurden am Donnerstag bei einem israelischen Luftangriff auf den Vorort Choueifat südlich von Beirut eine Frau, ihre kleine Tochter und ein syrisches Kind getötet. Es war der erste israelische Angriff nahe Beirut seit drei Wochen. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden am Donnerstag im ganzen Land bei Angriffen vierzehn Menschen getötet, u.a. sechs Personen bei einem Angriff auf ein Fahrzeug nahe Sidon, darunter eine Mutter und ihre zwei Kinder.
Am Mittwoch ordnete das israelische Militär die Evakuierung der gesamten Bevölkerung der Stadt Tyr an und erklärte alle Gebiete südlich des Flusses Zahrani, etwa fünfzehn Prozent des libanesischen Staatsgebietes, zur Kampfzone.
Israel verstößt systematisch gegen die Waffenstillstände, denen es selbst zugestimmt hat. Am 10. Oktober 2025 trat im Gazastreifen ein Waffenstillstand in Kraft, doch laut dem Gesundheitsministerium von Gaza wurden seither mehr als 900 Palästinenser getötet.
Im Libanon trat am 27. November ein von den USA ausgehandelter Waffenstillstand in Kraft, laut dem sich Israel innerhalb von 60 Tagen aus dem Süden zurückziehen soll. Israel hat sich jedoch nicht zurückgezogen und setzte seine Bombardierungen fort. Ein weiterer Waffenstillstand ab dem 16. April wird fast täglich durch israelische Luftangriffe verletzt.
Israels Vorgehen im Gazastreifen und dem Libanon, das von der Trump-Regierung uneingeschränkt unterstützt wird, macht deutlich, worauf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran hinauslaufen würde: es würde keinen Frieden bedeuten, sondern nur als Vorspiel zu weiteren Angriffen der imperialistischen Mächte und Israels zur Ausweitung ihrer Vorherrschaft über den Nahen Osten dienen.
Axios berichtete am Donnerstag, amerikanische und iranische Unterhändler hätten sich auf den Entwurf einer für 60 Tage gültigen Absichtserklärung geeinigt. Diese soll eine Verlängerung des Waffenstillstands vom 8. April, eine schrittweise Öffnung der Straße von Hormus und die Aufhebung der US-Marineblockade vorsehen und die zweite Phase der Gespräche über ein Moratorium zur iranischen Urananreicherung einleiten.
Der Iran würde sich zudem schriftlich verpflichten, keine Atomwaffen zu entwickeln. Axios berichtete außerdem, das Abkommen sähe einen „Wiederaufbaufonds“ für den Iran in Höhe von 300 Milliarden Dollar vor, der von den arabischen Golfstaaten und möglicherweise von China finanziert werden soll.
Der Deal muss noch von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Obersten Führer Modschtaba Chamenei endgültig abgesegnet werden. US-Vizepräsident JD Vance erklärte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Colorado Springs: „Wir sind uns in einigen sprachlichen Punkten noch uneinig... wir sind noch nicht fertig, aber sehr kurz davor, und wir arbeiten weiterhin daran.“
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bombardierte das US-Militär beim zweiten Angriff auf den Südiran innerhalb von drei Tagen eine Drohnen-Kontrollstation in Bandar Abbas. Zuvor hatten US-Streitkräfte in der Straße von Hormus fünf iranische Drohnen abgeschossen. Die iranische Revolutionsgarde feuerte daraufhin eine Rakete auf einen US-Stützpunkt in Kuwait, die von der dortigen Luftabwehr abgefangen wurde.
Die Revolutionsgarde erklärte, jede weitere US-Aggression würde eine „entschlossenere Reaktion“ nach sich ziehen. Das iranische Außenministerium verurteilte die „anhaltenden Verstöße [der USA] gegen den Waffenstillstand.“
Der Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, hat tausende iranische Todesopfer gefordert und laut Reuters Schäden an der iranischen Infrastruktur in Höhe von Milliarden Dollar verursacht. Der amtierende Pentagon-Rechnungsprüfer Jules Hurst bezifferte die direkten Kosten für die USA auf 29 Milliarden Dollar, während die Regierung bis zu 100 Milliarden Dollar zusätzliche Ausgaben beantragt, um die verschossene Munition zu ersetzen.
Obwohl die USA mit massiver Gewalt gegen den Iran vorgingen, konnten sie ihre zentralen Kriegsziele nicht erreichen. Sie konnten weder die iranische Regierung stürzen, noch den Widerstand der Bevölkerung brechen oder die Kontrolle über die Straße von Hormus erlangen.
Der Krieg hat eine ausufernde politische Krise in Washington ausgelöst: Demokraten wie Republikaner haben Trump von rechts angegriffen und ihm unzureichende Verteidigung der Interessen des US-Imperialismus vorgeworfen.
Im Gazastreifen sind die israelischen Truppen stetig über die so genannte „gelbe Linie“ vorgerückt, die angebliche Grenze, die im Waffenstillstand gezogen wurde. Israel-nahe Milizen haben palästinensische Familien unter Morddrohungen vertrieben.
Wael Nayef Abu al-Ajeen, ein 26-jähriger vertriebener Palästinenser, erklärte gegenüber dem Guardian, Bewaffnete seien um 13 Uhr in seine Gegend gekommen und hätten den Einwohnern bis 22 Uhr Zeit gegeben, ihre Häuser zu verlassen. Muhammad Shehada vom Europäischen Rat für Außenpolitik erklärte der Zeitung, Netanjahus Anweisung wäre „ein Todesurteil für viele Menschen, die physisch nirgendwo hin können.“
Im Libanon wurde Beaufort Castle, eine Kreuzfahrerburg aus dem zwölften Jahrhundert, die von der UNESCO geschützt ist, von israelischer Artillerie getroffen, was vom libanesischen Kulturminister verurteilt wurde.
Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte nach dem Tod eines israelischen Soldaten im Norden Israels auf X: „Für jede Drohne, die einen unserer Soldaten trifft, müssen in Beirut 100 Gebäude zerstört werden.“
