Elon Musk wird wahrscheinlich im Verlauf der nächsten Woche der erste Billionär der Welt werden. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX soll dann an die Börse gehen – der größte Börsengang der Geschichte.
Wenn zum Börsengang am 11. Juni der Preis der Aktien festgesetzt wird, wird Musks Nettovermögen auf über 1 Billion Dollar steigen. Sein Aktienanteil, der rund 41 Prozent aller Unternehmensanteile umfasst, wird zum Börsenstart rund 700 Milliarden Dollar wert sein.
In absoluten Zahlen betrachtet ist Musks Vermögen bereits das größte, das jemals eine Person besessen hat. Das Wall Street Journal bezifferte sein Vermögen noch vor dem offiziellen Börsengang auf 970 Milliarden Dollar. Dies entspricht etwa 3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten – doppelt so viel wie der Anteil, der bei seinem Tod im Jahr 1937 auf John D. Rockefeller entfiel.
Das Ausmaß der Vermögenskonzentration lässt sich mit Zahlen allein kaum vermitteln. Das Wall Street Journal merkte an, dass die 970 Milliarden Dollar, verteilt man sie auf die 31 Jahre seit der Gründung von Musks erstem Unternehmen, einem Wert von 3,6 Millionen Dollar pro Stunde entsprechen. Ein US-Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen bräuchte 11 Millionen Jahre, um diesen Betrag anzuhäufen.
Musk selbst verkörpert die enorme Vermögenskonzentration innerhalb der amerikanischen Finanzoligarchie, doch wird vom SpaceX-Börsengang die ganze Struktur der amerikanischen Finanzwelt profitieren. Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan führen ein Konsortium von mehr als 20 Banken an, die Gebühren für die Abwicklung des Börsengangs in Höhe von rund 500 Millionen Dollar unter sich aufteilen werden.
Der Börsengang von SpaceX wird der erste von drei der größten Börsengänge in der Geschichte sein, die alle noch für dieses Jahr erwartet werden. Das KI-Unternehmen Anthropic brachte am 1. Juni seinen eigenen Börsengang mit einer Bewertung von fast 965 Milliarden Dollar auf den Weg, sein Konkurrent OpenAI, dessen Unternehmenswert auf rund 852 Milliarden Dollar geschätzt wird, dürfte als Nächstes folgen. Zusammen sind die drei mehr als 3,5 Billionen Dollar wert, was rund 10 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Beim Börsengang wird SpaceX mit rund 1,75 Billionen US-Dollar bewertet, wodurch sich das Unternehmen unter den 10 wertvollsten Unternehmen der Welt einreiht. Legt man seinen Umsatz zugrunde, würde es unter den US-Unternehmen jedoch lediglich auf Platz 200 liegen, etwa gleichauf mit dem Lebensmittelkonzern General Mills.
Der eigene Börsenprospekt von SpaceX warnt davor, dass das Unternehmen auf „eine Geschichte von Nettoverlusten“ zurückblicke und „in Zukunft möglicherweise keine Rentabilität erreichen werde“.
SpaceX verzeichnete im Jahr 2025 Verluste in Höhe von 4,94 Milliarden US-Dollar sowie 4,28 Milliarden US-Dollar allein im ersten Quartal 2026. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen insgesamt 41,3 Milliarden US-Dollar Verlust gemacht. Legt man den für den Börsengang festgelegten Aktienpreis zugrunde, entspricht die Unternehmensbewertung dem 93,7-Fachen des Jahresumsatzes.
SpaceX rechtfertigt seine Bewertung mit seiner Monopolstellung in jenen Branchen, die nach eigener Darstellung die Schlüsselbereiche der Wirtschaft der Zukunft bilden werden. Dazu zählen Raketenstarts, die Kommunikation zwischen Weltraum und Erde sowie zunehmend auch künstliche Intelligenz. Im Börsenprospekt des Unternehmens taucht beinahe 40-mal der Begriff „vertikal integriert“ auf – ein Codewort für Monopol.
Das Dokument geht davon aus, dass die Regierung keine Anstrengungen unternehmen wird, diese Macht einzuschränken. Zu den Risiken, die das Unternehmen am Beginn des Börsengangs auflistete, zählen Sonneneruptionen, Mikrometeoriten und Kollisionen mit Weltraummüll, doch das Wort „Kartellrecht“ taucht nie auf.
SpaceX bezeichnet sich selbst als „vertikal integrierten Innovationsmotor auf (und außerhalb der) Erde“ und rühmt sich damit, dass „wir seit 2023 jedes Jahr mehr als 80 Prozent der weltweit in die Erdumlaufbahn transportierten Masse befördert [haben]“. Das Unternehmen ist der wichtigste Dienstleister für Raketenstarts der US-Regierung, die ihm lukrative Aufträge verschafft.
Von seinen drei Geschäftsbereichen – Raumstarts, Kommunikation und künstliche Intelligenz – erzielt nur das Satellitennetzwerk Starlink Gewinne. Dennoch werden im Börsenprospekt 26,5 Billionen Dollar des angegebenen 28,5-Billionen-Dollar-Marktes der künstlichen Intelligenz zugeordnet, einem Sektor, der dem Unternehmen bislang nur Verluste beschert hat.
Die Kolumnistin der Financial Times, Rana Foroohar, schrieb, dass sich der 200.000 Wörter umfassende Prospekt „zumindest teilweise“ so lese, „als wäre er von jemandem auf einem [Drogen-]Trip verfasst worden.“ Sie fügte jedoch hinzu, dass SpaceX „etwas todernstes“ repräsentiere, nämlich „den Anspruch, den Weltraum zu privatisieren, der bisher in den Zuständigkeitsbereich von Regierungen fiel.“
Die Bewertungen von SpaceX stehen in keinem Verhältnis zur Wertschöpfung. Die Aktienmärkte befinden sich auf Rekordständen, getragen von einer Welle der Spekulation, der Aufblähung von Finanzprodukten, die von der Realwirtschaft abgekoppelt sind. Doch diese massive Spekulationswelle basiert auf der Wette, dass künstliche Intelligenz und Automatisierung das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit entscheidend zugunsten des Kapitals verschieben werden, indem sie Arbeiter aus ihren Jobs verdrängen, die Löhne drücken und die Gewinne an diejenigen weitergeben, die die Maschinen besitzen. Die Technologiebranche hat in diesem Jahr mehr als 140.000 Arbeitsplätze abgebaut, vielfach aufgrund von künstlicher Intelligenz, und die Investoren, die SpaceX mit ihren Angeboten auf 1,75 Billionen Dollar treiben, bezahlen letztlich für das Versprechen, dass die Arbeiterklasse in die Armut gestoßen wird.
Im dritten Band von Das Kapital beschrieb Karl Marx den doppelten Charakter des Kreditsystems. Dieser bestehe darin, schrieb Marx, „einerseits die Triebfeder der kapitalistischen Produktion, Bereicherung durch Ausbeutung fremder Arbeit, zum reinsten und kolossalsten Spiel- und Schwindelsystem zu entwickeln und die Zahl der den gesellschaftlichen Reichtum ausbeutenden Wenigen immer mehr zu beschränken; andrerseits aber die Übergangsform zu einer neuen Produktionsweise zu bilden“.
Es sei diese „Doppelseitigkeit“, schrieb Marx, die den Führern des Kapitalismus „ihren angenehmen Mischcharakter von Schwindler und Prophet“ verleihe.
Die enorme Konzentration von Reichtum an der Spitze der Gesellschaft geht mit der Verarmung der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung einher. Im Dezember berichtete das Landwirtschaftsministerium, dass 47,9 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten – jeder siebte Haushalt – von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, d.h. sie können sich nicht darauf verlassen, dass sie ausreichend Geld für Lebensmittel haben.
Das reichste 1 Prozent der amerikanischen Haushalte besitzt einen Rekordanteil von 31,7 Prozent des nationalen Vermögens. Die mehr als 50 Billionen Dollar, über die sie verfügen, entsprechen in etwa dem, was die unteren 90 Prozent zusammen besitzen.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Ein derartige Ansammlung von Reichtum kann nicht mit Demokratie koexistieren. Musk ist der eklatanteste Vertreter einer kriminellen Finanzoligarchie, nicht allein wegen seines Vermögens, sondern auch wegen seiner offenen Unterstützung des Faschismus und seiner kulturellen Rückständigkeit, womit er die Eigenschaften der amerikanischen herrschenden Klasse auf den Punkt bringt. Er hat enorme Summen in die zweite Trump-Regierung investiert, beaufsichtigte deren Säuberungsaktion im öffentlichen Dienst und unterstützte die rechtsextreme AfD in Deutschland sowie den britischen Faschisten Tommy Robinson finanziell.
Die Trump-Regierung ist die Regierung dieser Oligarchie. Ihre Verschwörung zur Errichtung einer Diktatur, ihr Generalangriff auf demokratische Rechte, ihre Kriege und ihre Plünderungen im Ausland bilden das Programm einer herrschenden Klasse, die ihren Reichtum nicht mehr mit demokratischen Herrschaftsformen in Einklang bringen kann. Das ist der amerikanische Imperialismus und Musk ist sein Gesicht.
Das Ausmaß dieser Vermögenskonzentration zeigt deutlich, wie sinnlos alle reformistischen Antworten auf soziale Ungleichheit sind. Diese Woche schlug Senator Bernie Sanders aus Vermont in der New York Times einen „amerikanischen KI-Staatsfonds“ vor, der durch eine Steuer auf die Aktien von OpenAI, Anthropic und xAI finanziert werden soll.
Dieser Vorschlag ist in Wirklichkeit nichts anderes als das, was die Tech-Oligarchen selbst wiederholt vorgeschlagen haben. Sanders’ Gastbeitrag in der New York Times bezog sich zustimmend auf Musks Erklärung, dass „ein allgemeines HOHES EINKOMMEN durch Schecks der Bundesregierung der beste Weg [ist], um die durch KI verursachte Arbeitslosigkeit anzugehen“. Es ist dasselbe Schema, das Sam Altman von OpenAI ins Spiel gebracht hat. Während sie mit fantastischen Plänen für ein „allgemeines Grundeinkommen“ hausieren gehen, die sie gar nicht umsetzen wollen, eignen sich die Oligarchen einen immer größeren Anteil am gesellschaftlichen Reichtum an.
Sanders’ Vorschlag verkörpert das kraftlose Programm der Demokratischen Partei, die in Wirklichkeit für die Finanzoligarchie spricht, die sie zu kritisieren vorgibt.
Die Macht der Finanzoligarchie lässt sich nicht durch dadurch brechen, dass man ein wenig an ihren schlimmsten Auswüchsen herumpfuscht. Das einzig realistische Programm lautet Enteignung.
Der Reichtum von Musk und seinen Mit-Oligarchen muss beschlagnahmt und zum gemeinsamen Eigentum der Gesellschaft gemacht werden. Der Würgegriff der Oligarchie über das soziale, wirtschaftliche und politische Leben muss gebrochen werden, und das kann nur durch eine Massenbewegung der Arbeiterklasse geschehen. In den Händen der herrschenden Klasse sind Automatisierung und künstliche Intelligenz Waffen gegen die Arbeiter; in den Händen der Gesellschaft könnten sie die Produktivität und den Lebensstandard der Bevölkerung enorm verbessern.
Die soziale Kraft, die dazu in der Lage ist, ist die Arbeiterklasse, und sie wird in den Kampf getrieben. Millionen können sich weder Miete noch Lebensmittel leisten; Millionen weitere sehen zu, wie ihre Arbeitsplätze von den Maschinen geschluckt werden, die die Oligarchie baut. Die Wut bricht in Streiks und Protesten hervor, die der Gewerkschaftsapparat verzweifelt zu kontrollieren versucht.
Ein solches Ausmaß der Konzentration von Reichtum muss mit unerbittlicher Logik massive soziale Umwälzungen und Revolutionen hervorbringen, so sicher wie es 1789 und 1917 der Fall war.
Was erforderlich ist, ist eine bewusste sozialistische Führung. Die Perspektive des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und der Socialist Equality Party besteht im Aufbau einer revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse, damit diese die Macht ergreifen und das Wirtschaftsleben auf der Grundlage menschlicher Bedürfnisse neu organisieren kann. Die Enteignung der Oligarchie ist die Aufgabe der Arbeiterklasse selbst.
