Israel bombardiert den Iran am 100. Tag des US-israelischen Krieges, Kämpfe im Libanon und Gazastreifen weiten sich aus

Israel bombardierte am Montag vor Tagesanbruch den zentralen und westlichen Iran und griff dabei Luftabwehrstellungen, Raketenabschussrampen und einen von den Revolutionsgarden genutzten petrochemischen Komplex an. Nur wenige Stunden zuvor hatte der Iran eine Salve ballistischer Raketen auf israelische Städte abgefeuert. Bei den israelischen Angriffen auf den Iran wurden mindestens 15 Menschen verletzt, wie die Rettungsdienste des Landes meldeten.

Israelische Bombardements im Iran, 8. Juni 2026 [Photo: @Oezkanciftci]

Es war der schwerste Schlagabtausch seit dem nominellen Waffenstillstand, der Anfang April in Kraft getreten ist. Die Bombardements fielen auf den 100. Tag des Krieges, den die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar gegen den Iran begonnen haben.

Hundert Tage nach Kriegsbeginn hat die Trump-Regierung keines ihrer Kriegsziele erreicht und sieht sich einer sich verschärfenden Krise gegenüber. Sie hat weder die iranische Regierung gestürzt, noch das iranische Militär lahmgelegt, noch die Straße von Hormus geöffnet.

Dem Feuergefecht gingen wochenlange israelische Angriffe auf den Libanon und Palästina voraus. In der vergangenen Woche töteten israelische Angriffe mehr als 30 Menschen im Libanon und mehr als 20 im Gazastreifen. Israelische Truppen erschossen zudem ein sieben Monate altes Kind, Sam Abu Haikal, im besetzten Westjordanland.

Am Sonntag griff Israel die südlichen Vororte von Beirut an. In derselben Nacht feuerte der Iran, der angekündigt hatte, auf jeden Angriff auf die libanesische Hauptstadt zu reagieren, seine ersten Raketen seit dem nominellen Waffenstillstand auf Israel ab.

Am Montagabend gab das gemeinsame Militärkommando des Iran bekannt, dass es die Operationen einstellen werde.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte deutlich, dass die am Montag angekündigte „Pause“ vorläufig sei und jederzeit gebrochen werden könne. Er sagte, die Kämpfe seien „nachdem wir das Terrorregime in Teheran getroffen haben“ eingestellt worden. Netanjahu versprach jedoch, sie wieder aufzunehmen, sobald der Iran erneut feuere: „Wenn das Terrorregime im Iran den Fehler begeht und uns erneut angreift, werden wir mit Gewalt reagieren.“ Er sagte, Israel werde den Angriff auf die Hisbollah ungeachtet dessen fortsetzen.

In einem Interview, das auf einer Farm in Wisconsin aufgezeichnet und am Sonntag in der NBC-Sendung „Meet the Press“ anlässlich des 100. Kriegstages ausgestrahlt wurde, sagte US-Präsident Donald Trump zu Kristen Welker, der Krieg werde durch ein Abkommen enden oder „ich werde sie, um ehrlich zu sein, in Grund und Boden pusten“.

Auf die Frage, wie lange der Krieg dauern würde, erklärte Trump bei vier verschiedenen Gelegenheiten, er dauere erst seit drei Monaten, im Vergleich zu den 19 Jahren, die seiner Aussage nach der Vietnamkrieg gedauert habe – ein Krieg, den die Vereinigten Staaten verloren hätten. Schließlich brach er das Interview ab.

Das Töten und Sterben in Gaza geht weiter. Bei israelischen Angriffen wurden dort am Montag mindestens fünf Menschen getötet, darunter der achtjährige Jad Soleiman, der getroffen wurde, als er in Jabaliya von der Schule nach Hause kam. Sein Vater Yusuf berichtete der Associated Press: „Ich rannte zu ihm und fand ihn liegend vor, seine Schultasche noch auf dem Rücken. Sie ist mit seinem Blut bedeckt … Er tat seine letzten Atemzüge.“ Zwei weitere Menschen wurden in Khan Yunis getötet.

Der Krieg gegen den Libanon hat seit März mehr als 3.600 Menschen das Leben gekostet, berichtete das libanesische Gesundheitsministerium am Montag. Unter den Toten sind Soldaten der libanesischen Armee – einer Streitmacht, gegen die Israel offiziell gar nicht kämpft – darunter drei, die am 6. Juni starben, als ein israelischer Angriff ihr Fahrzeug traf. Mehr als eine Million Menschen sind aus ihren Häusern geflohen. Israelische Truppen besetzen einen Streifen des Südlibanon und haben die Evakuierung von fast einem Fünftel des Landes angeordnet. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat erklärt, seine Streitkräfte würden das von ihnen gehaltene Gebiet bis zum Litani-Fluss halten und sich nicht zurückziehen.

Innerhalb des politischen Establishments der USA zeigen sich erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie mit der durch den Krieg ausgelösten Krise umzugehen ist.

Das Wall Street Journal, das für wesentliche Teile des politischen Establishments spricht, fordert eine weitere Eskalation. In einem Leitartikel vom Montag mit der Überschrift „Israel kämpft, während Trump verhandelt“ beklagte das Journal, dass Washington „von einem Verbündeten mehr Zurückhaltung verlangt als vom Iran“. Gelobt werden die israelischen Bombenangriffe als Dienst an der US-Diplomatie, der „den Weg für militärische Maßnahmen ebnen“ würde.

„Wenn das Regime keinen Deal eingeht, der den Zielen der USA entspricht, braucht Herr Trump eine Alternative – und zwar bald“, schreibt die Redaktion. „Der Krieg hat nun die 100-Tage-Marke überschritten, und die Straße von Hormus ist immer noch gesperrt... In den letzten Wochen hat sich die Position der USA zunehmend verschlechtert.“ Das Journal fordert Trump auf, Teheran „eine feste Frist“ zu setzen und Israel zu ermächtigen, „den Waffenstillstand gegen iranische Verstöße durchzusetzen“.

Der Konflikt zwischen Trump und Netanjahu – und den Fraktionen des politischen Establishments der USA, für die Netanjahu spricht – spiegelt die sich verschärfende Krise wider, die entstanden ist, da der Krieg seine Ziele nicht erreicht und zu scheitern droht.

Die Erkenntnis des Debakels reicht bis in das außenpolitische Establishment selbst hinein. Aaron David Miller, ein ehemaliger Spitzenbeamter im US-Außenministerium, der jetzt bei Carnegie Endowment tätig ist, sagte der New York Times, dass Trump „einen Krieg aus eigener Entscheidung begonnen hat, indem er Amerikas militärische Kapazitäten überschätzte und die des Iran unterschätzte“. Miller bezeichnet dies als „eine Zwickmühle, aus der Trump derzeit nicht herauskommt“.

Die Demokratische Partei stellt keine Opposition gegen irgendeine der beiden Richtungen dar. Am 4. Juni lehnte das Repräsentantenhaus mit 324 zu 92 Stimmen eine War Powers Resolution ab, die den Abzug der US-Streitkräfte aus dem Krieg im Libanon vorsah. Die meisten Demokraten schlossen sich den Republikanern an, um den Beschluss zu Fall zu bringen. Die Demokratische Fraktionsspitze bestehend aus Hakeem Jeffries, Katherine Clark und Pete Aguilar führten die den Beschlussvorschlag ablehnende Mehrheit an und bekundeten ihre Solidarität mit den Bemühungen, „die Hisbollah zu besiegen, eine gewalttätige Terrororganisation, die ein erklärter Feind der Vereinigten Staaten ist“.

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