Am Dienstag hat US-Präsident Donald Trump seine gesetzlich vorgeschriebene Vermögenserklärung für das Jahr 2025 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass er sein Einkommen im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit mehr als verdreifacht hat – von 622 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf mindestens 2,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.
Das Ausmaß von Trumps Selbstbereicherung lässt die großen Korruptionsskandale der amerikanischen Geschichte geradezu harmlos erscheinen. Bei der Teapot-Dome-Affäre der 1920er Jahre, die ein Jahrhundert lang als Inbegriff politischer Kriminalität galt, ging es um Bestechungsgelder in Höhe von rund 400.000 Dollar – umgerechnet etwa 8 Millionen Dollar nach heutigem Wert. Dieses Geld nahm Innenminister Albert Fall dafür an, dass er staatliche Erdölreserven der Marine zur Förderung verpachtete. Fall musste ins Gefängnis.
Vizepräsident Spiro Agnew musste 1973 wegen Schmiergeldzahlungen zurücktreten. Er hatte von Bauunternehmern aus Maryland insgesamt wohl rund 250.000 Dollar kassiert – in bar, übergeben in Briefumschlägen. Nach Trump’schen Maßstäben sind das Peanuts.
Die Finanzoffenlegung liefert einige Hinweise auf die unverhohlene Selbstbereicherung und Korruption, die es dem Immobilienbetrüger und zum US-Präsidenten aufgestiegenen Medienscharlatan ermöglichten, sein Vermögen und das seiner Familie massiv zu vergrößern. Im vergangenen September belief sich das Gesamtvermögen der Familie Trump auf schätzungsweise 10 Milliarden Dollar – es hatte sich seit der Wahl im November 2024 fast verdoppelt. Das Vermögen von Donald Trump Jr. stieg von 50 Millionen Dollar auf 300 Millionen Dollar und das von Eric Trump verzehnfachte sich auf 400 Millionen Dollar.
Im selben Jahr sank der Anteil der Arbeitseinkommen am Volkseinkommen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Im dritten Quartal 2025 lag die Lohnquote nur noch bei 53,8 Prozent, gegenüber 70 Prozent im Jahr 1947. Für zig Millionen Arbeiter bedeutet das in der Realität Hungerlöhne, unbezahlbar hohe Mieten und Lebenshaltungskosten sowie längere Arbeitszeiten.
Ein Jahreseinkommen von 2,2 Milliarden Dollar entspricht den Einkommen von 37.931 Autoarbeitern in den USA, legt man den vom Bureau of Labor Statistics geschätzten Durchschnittslohn eines Automobilarbeiters bei einer 40-Stunden-Woche zugrunde.
Ein Jahreseinkommen von 2,2 Milliarden Dollar entspricht 251.000 Dollar pro Stunde. Das sind 70 Dollar pro Sekunde – mehr als doppelt so viel, wie ein UAW-Automobilarbeiter in einer Stunde verdient.
Kein Wunder, dass Trump diese Woche bei einer Veranstaltung im Oval Office seine Ablehnung eines Gesetzes zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus verteidigte. Er forderte, dass der Kongress zunächst seinen Plan verabschieden müsse, der auf die Entrechtung von Millionen Wählern der Arbeiterklasse abzielt. Das Wohnungsbaugesetz tat er mit einem gelangweilten „Gähn“ ab.
Während seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 brach Trump mit der Praxis moderner US-Präsidenten, ihre Vermögenswerte in sogenannte Blind Trusts zu überführen – Treuhandkonstruktionen, bei denen der Amtsinhaber keinen Einblick in oder Einfluss auf sein Vermögen haben soll. Er weigerte sich, seine Unternehmensbeteiligungen zu verkaufen, und brachte sie stattdessen in eine Struktur ein, auf die er weiterhin Zugriff hatte. Sein Trump International Hotel in Washington, D.C., nutzte er als lukrative Geldquelle, indem er ausländische Delegationen, Lobbyisten und republikanische Politiker dort Geld ausgeben ließ, das letztlich in seine eigenen Kassen floss. Seiner Tochter Ivanka wurden während ihrer Zeit als Beraterin im Weißen Haus mehrere chinesische Markenrechte gewährt – zeitgleich mit laufenden Handelsgesprächen zwischen den USA und China.
Das verblasst jedoch im Vergleich zu Trumps zweiter Amtszeit. Er weigerte sich, die Ethikverpflichtung zu unterzeichnen, die er in seiner ersten Amtszeit eingegangen war, hob Bidens ethische Regeln für das Präsidentenamt auf und entließ Anfang 2025 den Leiter des Amts für Regierungsethik, das seither keinen ständigen Direktor mehr hat.
Den Großteil seines Einkommens im Jahr 2025 erzielte Trump mit seinen Kryptowährungsgeschäften, die sich auf rund 1,4 Milliarden Dollar beliefen. Laut einer Analyse der New York Times erzielte sein Krypto-Unternehmen World Liberty Financial, das eine digitale Währung namens $WLFI verkauft, im vergangenen Jahr 799 Millionen Dollar, verglichen mit 57 Millionen Dollar im Jahr 2024.
Drei Tage vor seiner zweiten Amtseinführung ließ Trump die Memecoin $TRUMP herausgeben, die weitere 636 Millionen US-Dollar einbrachte. Mit seinem Anwesen in Mar-a-Lago machte er im vergangenen Jahr 77 Millionen US-Dollar, verglichen mit 50 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, und mit seinem Golfclub Trump National Doral 122 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 11 Millionen US-Dollar entspricht. Er hält Anteile an seiner Trump Media & Technology-Gruppe im Wert von 875 Millionen US-Dollar. Ende 2025 verfügte Trump über ein Anlagevermögen von mindestens 857 Millionen Dollar, verglichen mit 236 Millionen Dollar im Vorjahr.
Bei seinen Krypto-Geschäften profitierte Trump direkt von seinen eigenen politischen Entscheidungen als Präsident. Im Januar 2025, drei Tage vor seiner Amtseinführung, erwarb eine Investmentfirma, die mit der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verbunden ist, einen Anteil von 49 Prozent am Kryptowährungsunternehmen World Liberty Financial. Das brachte der Trump-Familie Gewinne in Höhe von 23 Millionen Dollar ein. Kurz darauf schloss die Trump-Regierung ein Abkommen für den Export von Computerchips, die für künstliche Intelligenz genutzt werden, in die VAE.
Trumps Geschäft mit seiner eigenen Kryptowährung profitierte unmittelbar von einer Erklärung der US-Börsenaufsicht vom Februar 2025. Darin teilte die Behörde mit, dass sogenannte Memecoins – Kryptowährungen, deren Wert vor allem auf Internet-Hypes und Spekulation beruht – künftig nicht mehr ihrer Aufsicht unterliegen würden. Damit rückte sie von der Linie ihres Vorsitzenden während der Biden-Regierung ab.
Vier Monate nachdem ein von Trumps Familie unterstütztes Unternehmen einen eigenen Stablecoin – eine an einen stabilen Vermögenswert wie den US-Dollar gekoppelte Kryptowährung – auf den Markt gebracht hatte, unterzeichnete Trump zudem ein Gesetz zur Förderung dieser Art von Kryptowährungen.
Im vergangenen Oktober begnadigte Trump Changpeng Zhao, den Gründer der Krypto-Börse Binance und reichsten Mann der Krypto-Branche. Er hatte sich 2023 wegen Geldwäsche schuldig bekannt und vier Monate im Gefängnis gesessen. Binance ist seitdem zu einem wichtigen Geschäftspartner für das eigene Krypto-Venture der Familie Trump geworden.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Doch Trump hat sein Amt nicht nur im Krypto-Bereich genutzt, um seine Geschäfte zu fördern und sein Vermögen zu vermehren. Er hat den Namen „Trump“ für Immobilienprojekte in Ländern wie Saudi-Arabien und Katar lizenziert. Allein diese beiden Deals brachten Trump im Jahr 2025 mehr als 14 Millionen Dollar ein.
Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die New York Times einen Investigativbericht über ein milliardenschweres Geschäft zwischen den USA und Kasachstan zur Erschließung von Wolframvorkommen in der ehemaligen Sowjetrepublik. An dem Projekt sind die Söhne von Trump und sein Handelsminister Howard Lutnick direkt beteiligt. Kredite in Milliardenhöhe vom US-Handelsministerium und der Export-Import-Bank werden bereitgestellt, um ein Projekt zu finanzieren, das den beiden Familien sowie anderen milliardenschweren Vertrauten des Präsidenten Gewinne in unvorstellbarer Höhe einbringen dürfte.
Hinzu kommen die Millionen, die Mitglieder der Finanzelite auf Prognosemärkten verdienen, indem sie auf die Entwicklung des Ölpreises wetten, gestützt auf Vorabinformationen über Ankündigungen des Weißen Hauses zu Luftangriffen und/oder Friedensgesprächen mit dem Iran. In einer Welt, die von Oligarchen und ihren politischen Gangstern wie Trump beherrscht wird, werden die Leben zahlloser Menschen zum Spielball der Profitgier auf manipulierten Märkten. Investigativrecherchen zeigen, wie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner seine Rolle bei Verhandlungen und in der Nahostpolitik genutzt hat, um sich riesige Summen aus Saudi-Arabien und anderen Golfmonarchien für seine privaten Investmentgesellschaften zu sichern.
Nicht zu vergessen ist die alltägliche Korruption der Trump-Regierung, darunter Aufträge ohne Ausschreibung an Geldgeber, die geschäftliche Beziehungen zur Regierung unterhalten, für Projekte wie den Ballsaal des Weißen Hauses und den Reflecting Pool.
Trump verstößt nicht bloß gegen Regeln, sondern schreibt sie neu, damit seine Bereicherung rechtlich nicht mehr als Straftat eingestuft werden kann. Korruption, die zur staatlichen Politik erhoben wurde – die Legalisierung der Beute, während geplündert wird.
Dies sind nicht die Verbrechen eines Einzelnen. Die unvorstellbar reiche und parasitäre Finanzoligarchie hat den Faschisten Trump, ein Produkt der New Yorker Immobilien- und Glücksspielmafia, als Staatsoberhaupt eingesetzt. Nichts offenbart die Sitten dieser neuen Aristokratie deutlicher als der Epstein-Skandal, in den die höchsten gesellschaftlichen Kreise verwickelt sind. Er wird systematisch vertuscht – mit vereinten Kräften Trumps, der Konzernmedien und praktisch des gesamten politischen Establishments.
Was die nominelle Oppositionspartei, die Demokraten, betrifft, so ringen sie die Hände und klagen, unternehmen aber nichts, um die Plünderung zu stoppen oder die Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Der Grund ist, dass sie von derselben Klasse von Oligarchen kontrolliert werden und dasselbe System verteidigen, das auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und der Ausrichtung der Produktion auf Profitmaximierung basiert.
Die gesamte herrschende Klasse muss enteignet werden und der von der Arbeiterklasse erwirtschaftete Reichtum muss eingesetzt werden, um den gesellschaftlichen Bedürfnissen zu dienen.
