Das englischsprachige Buch „Oligarchy: Trump and the Breakdown of American Democracy“ ist nun bei Mehring Books in den USA erhältlich. Wir veröffentlichen hier das Vorwort des Herausgebers David North. Der Band basiert auf der deutschen Erstausgabe „Wohin geht Amerika? Faschismus oder Sozialismus“, der im März 2026 beim Mehring Verlag erschienen ist und hier bestellt werden kann.
In der Vergangenheit haben Historiker bereits über die Ära Jefferson, die Ära Lincoln und die Ära Roosevelt geschrieben. Wie werden sie die Periode nennen, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig durchleben? Seit mehr als einem Jahrzehnt wird das politische Leben in den USA von Donald Trump dominiert – einem Wall-Street-Gangster, gegen den bereits zwei Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wurden, der in einem Strafprozess in 34 Anklagepunkten für schuldig befunden und wegen sexuellen Missbrauchs und jahrelangen Geschäftsbetrugs haftbar gemacht wurde. Er trat bei drei aufeinanderfolgenden Präsidentschaftswahlen als Kandidat an und gewann zwei. Experten für amerikanische Geschichte werden sich daran erinnern, dass Grover Cleveland der 22. und der 24. Präsident der Vereinigten Staaten war – der einzige Präsident vor Trump, der das Weiße Haus erst gewann, dann wieder verlor und dann erneut einzog. Diese Tatsache war bisher meist lediglich für Fachleute von größerem Interesse, zumindest bis zum Aufstieg Trumps, dessen erste Amtszeit damit endete, dass er versuchte, die von ihm verlorene Wahl für ungültig zu erklären und die Verfassung zu kippen. Es folgten vier Jahre voller Ermittlungen, Anklagen und Gerichtsverfahren, an deren Ende er nicht inhaftiert, sondern wiedergewählt wurde. Man kann Trump nicht als eine Anomalie darstellen oder als die Schlange, die zufällig in den Garten Eden der amerikanischen Demokratie eingedrungen ist. Dass eine solche Person im politischen Leben der Vereinigten Staaten zur dominierenden Figur geworden ist, zeugt von einem langwierigen und schwerwiegenden Zusammenbruch der amerikanischen Demokratie. Dieser Zusammenbruch ist Gegenstand dieses Buches.
Trump war das Thema unzähliger Kommentare und fast alle davon lassen sich einem von zwei Deutungsmustern zuordnen. Das erste, das auch häufiger vorgebracht wird, stellt ihn als Monster dar, das aus den Tiefen aufgefahren ist – ein unerklärlicher Einbruch in eine ansonsten gesunde Demokratie. Das zweite schreibt ihm die Eigenschaften eines teuflischen Genies zu, das einer hilflosen Nation seinen Willen aufzwingt. Beide Deutungen sind banal. Die zweite schreibt diesem einzelnen Menschen zudem eine Bedeutung zu, die seine tatsächliche Rolle bei weitem übersteigt. Die wichtigen Fragen liegen woanders. Welche Konstellation aus sozialen und wirtschaftlichen Prozessen hat einen solchen Mann an die Macht gebracht? Was hat dafür gesorgt, dass er ein Jahrzehnt voller Skandale und Verbrechen überlebt hat, von denen jeder einzelne ausgereicht hätte, die Karriere eines jeden anderen amerikanischen Politikers vor ihm zu ruinieren? Und die wichtigste Frage: In wessen Interesse regiert er?
Diese letzte Frage ist eindeutig zu beantworten. Trump ist das politische Werkzeug der Wirtschafts- und Finanzoligarchie, die die Herrschaft über die Vereinigten Staaten übernommen hat – eine Finanzaristokratie, die Reichtümer angehäuft hat, deren Ausmaß in der Menschheitsgeschichte ohne Beispiel ist. Ihren grundlegenden Interessen gemäß begegnet diese Aristokratie demokratischen Regierungsformen mit unversöhnlicher Feindschaft. Es gibt in den USA inzwischen mehr als 900 Milliardäre, die über ein Gesamtvermögen von 8,2 Billionen Dollar verfügen – fast doppelt so viel wie das gesamte Vermögen der unteren Hälfte der Bevölkerung. Die arbeitende Bevölkerung bricht derweil unter den Kosten für Wohnen, Gesundheitsversorgung und Lebensmittel mehr und mehr zusammen. Die Oligarchie hat sich als Klasse hinter die autoritäre Herrschaft gestellt: Sie finanzierte Trumps Rückkehr an die Macht im Jahr 2024 und ihre führenden Vertreter nahmen als Ehrengäste an seiner zweiten Amtseinführung teil.
Niemand verkörpert die Herrschaft der Oligarchie so unmittelbar wie Elon Musk. Als reichster Mensch der Geschichte, inzwischen sogar erster Billionär der Welt, gab Musk mehr als 250 Millionen Dollar aus, um Trump 2024 ins Weiße Haus zurückzubringen. Dafür wurde er mit dem Spitzenposten im neu geschaffenen Ministerium für Regierungseffizienz (DOGE) belohnt, von wo aus er sich daran machte, Bundesbehörden und Sozialprogramme zu entkernen. Er war der auffälligste, aber keineswegs der einzige Vertreter seiner Klasse, der sich hinter Trump stellte. Die Tech-Oligarchen postierten sich hinter dem Kandidaten der Diktatur: Peter Thiel, Oracle-Gründer Larry Ellison und Magnaten wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, die sich über lange Zeit ein liberales Image aufgebaut hatten. Sie alle gingen davon aus, dass ein autoritäres Regime ihr Vermögen zuverlässiger schützen würde als die zerfallenden Formen der Demokratie. Trump ist der politische Vertreter dieser Interessen und von sonst nichts. Das immer mehr vorherrschende Verbrechertum im politischen Leben der USA, das Trump verkörpert, wurzelt nicht in der Pathologie eines einzelnen Mannes. Es lässt sich vielmehr darauf zurückführen, dass es eine herrschende Schicht gibt, deren Vermögen auf Plünderung basieren und deren Methoden immer gesetzloser werden, je mehr sie selbst an gesellschaftlichem Boden verliert. Kurz gesagt: Trump ist Ausdruck der Herrschaft der Oligarchie, nicht deren Ursache.
Das Besondere an diesem Band ist, dass die darin enthaltenen Texte den Zusammenbruch der Demokratie dokumentierten, noch während sich dieser entfaltete. Die Dokumente sind das Ergebnis der Arbeit der World Socialist Web Site und führender Mitglieder ihrer Internationalen Redaktion. Sie entstanden, während sich die Ereignisse abspielten – Woche für Woche und Krise für Krise. Liest man sie in ihrer Gesamtheit, ergibt sich ein Bild von einer politischen Katastrophe, das beinahe filmischen Charakter hat. Die Dokumente wurden unter Bedingungen geschrieben, in denen noch nicht klar war, zu welchem Ende die Ereignisse kommen würden. Und doch war die World Socialist Web Site aufgrund der Tatsache, dass ihre Analyse auf einem marxistischen Verständnis der kapitalistischen Gesellschaft basierte, in der Lage, sie in den notwendigen historischen und politischen Kontext einzuordnen und sowohl ihre unmittelbaren als auch ihre längerfristigen Folgen vorauszusehen. Die faschistische Verschwörung gegen die amerikanische Demokratie wurde entlarvt und erklärt, noch während sie Gestalt annahm, zu einer Zeit, als das gesamte Establishment in Politik und Medien sie noch als bloßes Getöse und Selbstdarstellung abtat. Zusammengenommen stellen diese Dokumente die einzige kontinuierliche marxistische Analyse des Zusammenbruchs der amerikanischen Demokratie dar, die über den gesamten Zeitraum von Trumps Aufstieg hinweg in Echtzeit entwickelt wurde.
Jedes Dokument in diesem Band geht vom Standpunkt des historischen Materialismus aus und verortet Trumps Machtantritt im Kontext des jahrzehntelangen Niedergangs des amerikanischen Kapitalismus. Die Dokumente zeichnen diesen Niedergang nach: vom Zusammenbruch der Finanzordnung der Nachkriegszeit, der sich in der Aufhebung der Goldbindung des Dollars im Jahr 1971 zeigte, über die darauf folgenden Jahrzehnte der Deindustrialisierung, der Unterdrückung des Klassenkampfs durch die Gewerkschaftsbürokratien und des unaufhaltsamen Wachstums des Finanzparasitismus bis zu den globalen Auswirkungen der Auflösung der Sowjetunion durch die stalinistische Bürokratie im Jahr 1991, die die letzten äußeren Schranken des amerikanischen Militarismus beseitigte und eine 35-jährige Periode ununterbrochener Kriege in Gang setzte. Die Hinwendung breiter Teile der amerikanischen herrschenden Klasse zum Faschismus erweist sich somit als Ausdruck einer systemischen Krise, auf die diese Klasse keine fortschrittliche Antwort hat.
Das Buch zeichnet diese Geschichte in drei Teilen nach und folgt dabei dem Verlauf von Trumps politischer Karriere.
Der erste Teil umfasst die Jahre 2015 bis 2020, die Zeit von Trumps erstem Wahlkampf sowie seiner ersten Präsidentschaft. Dieser Teil untersucht die Voraussetzungen, die Trumps Aufstieg ermöglicht haben: die jahrzehntelange soziale Verwüstung, die den arbeitenden Menschen zugefügt wurde, die außerordentliche Bereicherung der Finanzoligarchie, die parteiübergreifende Bekenntnis zur Kriegspolitik und die reaktionäre Förderung von Identitätspolitik seitens der Demokratischen Partei. Schon in den ersten Monaten von Trumps Wahlkampf identifizierte die World Socialist Web Site ihn als das protofaschistische Werkzeug der Oligarchie und entlarvte die von den Demokraten und den Leitmedien verbreitete Lüge, er sei das Produkt einer „reaktionären weißen Arbeiterklasse“. Diese Verleumdung sprach das von den Interessen der Konzerne beherrschte Zweiparteiensystem von jeder Verantwortung für die von ihm geschaffenen Verhältnisse frei und lenkte die Feindseligkeit nach unten, gegen die Arbeiterklasse, statt nach oben, gegen die Finanzelite, aus der Trump tatsächlich hervorgegangen war. Die erste Amtszeit selbst war dem Aufbau von Elementen einer faschistischen Bewegung gewidmet: die Förderung von bewaffneten paramilitärischen Gruppierungen, die fremdenfeindliche Hetze gegen Einwanderer, die Schaffung autoritärer Herrschaftsformen innerhalb der Exekutive und die Eskalation imperialistischer Kriege im Ausland.
Der zweite Teil widmet sich der Verschwörung gegen das Wahlergebnis 2020 sowie Trumps Putsch vom 6. Januar 2021 und dessen Folgen. Die Dokumente in diesem Teil belegen eindeutig, dass der 6. Januar der Höhepunkt einer monatelangen, vom Weißen Haus gelenkten Verschwörung war, deren Ziel darin bestand, die verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen und eine Präsidialdiktatur zu errichten. Die große Lüge von der „gestohlenen Wahl“, die Erstellung gefälschter Wahlmännerlisten und die Mobilisierung bewaffneter faschistischer Banden für den Sturm auf das Kapitol fanden weitreichende Unterstützung innerhalb des Staatsapparats und der Republikanischen Partei und stießen gleichzeitig bei den Demokraten auf keinen ernsthaften Widerstand. Die Texte verfolgen die Verschwörung in all ihren Einzelteilen nach und zeigen auf, dass die dann folgende Biden-Regierung entschlossen war, die Affäre zu vertuschen, sie als das alleinige Werk von Trump und seiner Meute von Randalierern darzustellen und das Netzwerk aus Vertretern des Staatsapparats, Geldgebern und führenden republikanischen Politikern, die dazu beigetragen hatten, den Putsch in Gang zu setzen, vor jeglicher Rechenschaftspflicht zu schützen.
Der dritte Teil konzentriert sich auf Trumps laufende zweite Amtszeit seit 2025 und auf die sozialistische Strategie, die notwendig ist, um gegen seine Präsidentschaft zu kämpfen. Mit Trumps Rückkehr an die Macht übernahm die Oligarchie die direkte Kontrolle über den Staat. Die Dokumente beleuchten, wie vor aller Augen eine Regierung der Reichen eingesetzt wurde, umgeben von einem Kabinett loyaler Gefolgsleute und einem Propagandaapparat verschiedener Medien. Sie dokumentieren die Ausrufung eines von der Ideologie der Nazis inspirierten „Ausnahmezustands“, den Einsatz paramilitärischer ICE-Einheiten und Bundestruppen in amerikanischen Städten, die Tötung amerikanischer Staatsbürger durch Bundesbeamte und die Gräueltaten vom Januar 2026 in Minneapolis, die illegale Invasion Venezuelas sowie den Ausbruch des Kriegs gegen den Iran. Die Dokumente untersuchen die Konzentration der Macht in den Händen einer herrschenden Elite, deren Interessen untrennbar mit imperialistischer Expansion im Ausland und sozialer Unterdrückung im Inland verbunden sind. All dem stellen sie schließlich eine konkrete Strategie entgegen: den Aufbau von Aktionskomitees, die unabhängig vom korporatistischen Gewerkschaftsapparat agieren, die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von beiden Parteien des Kapitals und das Verständnis, dass der Kampf gegen Faschismus und Krieg nur durch einen Bruch mit dem kapitalistischen System und die internationale Mobilisierung der Arbeiterklasse auf der Grundlage eines sozialistischen Programms vorangebracht werden kann.
Doch dieses Buch befasst sich nicht allein mit Trump. An Komplizen und Helfern hat es ihm nie gemangelt, und die hier zusammengetragenen Dokumente entlarven nachhaltig jede politische Kraft, die seinen Aufstieg begünstigt und die Arbeiterklasse als die einzige soziale Kraft, die ihn hätte aufhalten können, bewusst unterdrückt hat. Die Komplizen sind seine republikanischen Verbündeten, die den gesamten Apparat ihrer Partei in den Dienst seiner Machenschaften gestellt haben. Die Helfer sind die Demokraten – eine Partei, der es nicht an Energie und Schärfe mangelt, wenn es darum geht, ihre linken Gegner zu bekämpfen, die sich jedoch gegenüber Trump als ohnmächtig erwiesen hat, weil sie sich nicht weniger als er selbst die Verteidigung des Reichtums der Oligarchie und die Fortsetzung imperialistischer Kriege auf die Fahne geschrieben hat.
Die Demokraten reagierten auf Trumps Aufstieg von Anfang an mit Anpassung. Am Tag nach Trumps Sieg im Jahr 2016 versicherte Obama den Menschen im Land, dass Demokraten und Republikaner Mitglieder ein und desselben Teams seien und dass die Wahl nichts weiter als eine Art internes Freundschaftsspiel („intramural scrimage“) gewesen sei. Zwei Tage nach dem Putsch vom 6. Januar erklärte Biden: „Wir brauchen eine Republikanische Partei. Wir brauchen eine Opposition, die prinzipiell und stark ist.“ Der Sonderausschuss der Demokraten zog seine Untersuchung dann 18 Monate in die Länge, nur um die Verschwörung schließlich zum Werk eines Einzelnen zu erklären. Das Justizministerium zog derweil Trumps faschistische Fußsoldaten strafrechtlich zur Verantwortung, ließ jedoch das Netzwerk aus Vertretern des Staatsapparats, Aktivisten und Geldgebern unangetastet. Die Präsidentschaft Bidens war keineswegs ein politischer Bruch, sondern ein Interregnum in einem Gesamtprozess, der nicht auf die Verteidigung demokratischer Rechte ausgerichtet war, sondern darauf, die Unterstützung beider Parteien für den Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine und den Völkermord in Gaza sicherzustellen. Bei jedem Aspekt, der die grundlegenden Interessen der herrschenden Klasse betrifft, etwa die Verteilung des Reichtums, die Macht des Finanzkapitals, die Fortsetzung der Kriege oder der Aufbau des Überwachungsstaats, blieb die Kontinuität zwischen den Parteien ungebrochen.
Die Demokraten wurden in jeder Phase von Personen und Gruppen gestützt, die fälschlicherweise behaupten, sie seien sozialistisch. Die WSWS hat diese als Pseudolinke bezeichnet. Bernie Sanders, von dem sich 2016 Millionen Menschen angesprochen fühlten, weil er die „Milliardärsklasse“ anprangerte, kapitulierte kampflos, sprach sich für die Wahl Hillary Clintons aus und erklärte sich nach Trumps Sieg „bereit, mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten“. Als der 6. Januar kam, waren die pseudolinken Strömungen eifrig bemüht, zu leugnen, dass überhaupt ein Putsch stattgefunden hatte. Das Magazin Jacobin, das eng mit den Democratic Socialists of America (DSA) verbunden ist, blieb seiner redaktionellen Linie treu und berichtete so wenig wie möglich über den Angriff auf die demokratischen Rechte.
Die Ohnmacht der offiziellen „Opposition“ ist umso bemerkenswerter, als das gesamte Jahrzehnt von Trumps Aufstieg von anhaltendem gesellschaftlichem Widerstand geprägt war, wie in diesem Buch dokumentiert wird. Bereits am ersten Tag seiner ersten Amtszeit gingen Millionen Menschen auf die Straßen, später kamen Menschen aller Hautfarben bei den gewaltigen Protesten nach dem Polizeimord an George Floyd zusammen. Die „No Kings“-Demonstrationen der Jahre 2025 und 2026 waren schließlich die größten eintägigen Proteste in der amerikanischen Geschichte. Die objektive Grundlage für eine sozialistische Massenbewegung ist vorhanden. Was fehlt, ist eine bewusste politische Führung. Die Perspektive dieses Buchs ist darauf ausgerichtet, diese Führung aufzubauen.
Die in diesem Band gesammelten Beiträge stammen von führenden Autoren der World Socialist Web Site. Dazu gehört Joseph Kishore, der nationale Sekretär der Socialist Equality Party (US) und ihr Präsidentschaftskandidat in den Jahren 2020 und 2024. Patrick Martin und Barry Grey stützen ihre Analyse der amerikanischen Politik auf jahrzehntelange politische Erfahrung und journalistische Arbeit in der trotzkistischen Bewegung. Zu den weiteren Autoren gehört auch Eric London, der in einem Vortrag vom August 2021 mit dem Titel „6. Januar 2021 – Donald Trumps Komplott gegen Amerika“, der in diesem Band enthalten ist, einen sehr gründlichen Überblick über Trumps soziale Herkunft sowie jene Verschwörung gibt, die im Sturm auf das Kapitol ihren Höhepunkt fand. Bei vielen der Erklärungen ist als Autor die Socialist Equality Party (US) und die Redaktion der World Socialist Web Site angegeben. Diese wurden gemeinsam von führenden Mitgliedern beider Organisationen verfasst. Sämtliche Dokumente, die hier veröffentlicht werden, sind das Ergebnis der täglichen Analyse der World Socialist Web Site. Die Dokumente wurden aus den vielen Tausenden Artikeln ausgewählt, die die WSWS in diesem Zeitraum zur Trump-Regierungen und zur Politik in den USA veröffentlicht hat. Eine auch nur annähernd vollständige Dokumentation würde viele Bände füllen.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Diese Zusammenstellung von Dokumenten ist in der politischen Landschaft weltweit einzigartig. Keine andere Strömung, Partei oder Publikation kann auf Ähnliches verweisen – eine kontinuierliche Analyse über mehr als zehn Jahre, die die faschistische Gefahr von Anfang an beim Namen genannt, die wiederholten Angriffe auf die verfassungsmäßige Ordnung nachverfolgt und im ganzen Verlauf der Entwicklung ein sozialistisches Programm vorgebracht hat, um dagegen zu kämpfen. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer bestimmten Methode und einer bestimmten Bewegung. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI), das die World Socialist Web Site herausgibt, vertritt heute als einzige Organisation den orthodoxen Marxismus und Trotzkismus. Jeder Artikel, jeder Vortrag und jede Erklärung in diesem Buch stützen sich auf den historischen Materialismus und Trotzkis Theorie der permanenten Revolution, die allein den Abstieg der amerikanischen Demokratie in eine oligarchische Diktatur verständlich machen und einen Ausweg aufzeigen – die internationale Einheit der Arbeiterklasse. An jedem Wendepunkt der sich ständig verschärfenden Krise haben die World Socialist Web Site und die Socialist Equality Party für eine revolutionäre Perspektive gekämpft, um Trump zu stoppen, die faschistische Bedrohung zu besiegen und die Arbeiter in den USA und weltweit im Kampf für den Sozialismus zu vereinen. Diese Perspektive gewinnt mit jedem Tag an Bedeutung und Dringlichkeit.
Nirgendwo wird diese Bedeutung klarer als beim Krieg gegen den Iran, der am 28. Februar 2026 begonnen wurde. Die Ukraine, Gaza, Venezuela und nun der Iran sind die ersten Frontabschnitte eines dritten Weltkriegs. Die Reaktion der New York Times, dem wichtigsten Sprachrohr der Demokratischen Partei, bestand darin, den Krieg nicht als Verbrechen, sondern als Fehler zu bezeichnen. Dies unterstreicht einmal mehr, dass die „Opposition“ der Demokratischen Partei gegen Trump stets mit dem Bekenntnis zu den Zielen des amerikanischen Imperialismus einherging, insbesondere was die Fortsetzung des Kriegs gegen Russland betrifft. Die Gefahr eines Atomkriegs ist real und unmittelbar. Dieselbe herrschende Klasse, die im Inland eine Diktatur errichtet, nimmt im Ausland Kurs auf eine Katastrophe – Faschismus und Krieg entspringen ein und derselben Krise.
Dieses Buch erscheint am Vorabend des 250. Jahrestags jener Revolution, aus der die Vereinigten Staaten hervorgingen. Der Kontrast könnte nicht schärfer sein. Die Nation, in der die Unabhängigkeitserklärung geschrieben und die Gleichheit der Menschen verkündet wurde, liegt nun unter dem eisernen Stiefel einer Oligarchie, die diesen Prinzipien mit unverhohlener Verachtung begegnet. Die herrschende Klasse hat für das demokratische Erbe von 1776 keine Verwendung – sie hat sich vorgenommen, es zurückzuweisen. Der schärfste Ausdruck dieser Zurückweisung war das sogenannte „1619 Project“ der New York Times, das von den Demokraten und einer Clique von Akademikern vorangetrieben wurde. Das Projekt war der Versuch, die gesamte amerikanische Geschichte als Erzählung von ununterbrochener rassistischer Unterdrückung umzuschreiben. Die Amerikanische Revolution und der Bürgerkrieg sollten ihres eigentlichen Inhalts – des Kampfs für Demokratie und Gleichheit – beraubt und der Klassenkampf durch das reaktionäre Märchen von einem ewigen Rassenkrieg ersetzt werden. Die World Socialist Web Site führte den Kampf gegen diese Verfälschung an und verteidigte dabei das wahrhaft revolutionäre Erbe der Amerikanischen Revolution und des Bürgerkriegs.
Die Verteidigung dieses revolutionären Erbes ist untrennbar mit der zentralen Aufgabe der gegenwärtigen Epoche verbunden. Die hier gesammelten Aufsätze legen dar, dass jene demokratischen Grundsätze, die durch die ersten beiden amerikanischen Revolutionen etabliert wurden, nur durch eine dritte, sozialistische Revolution verteidigt und erweitert werden können. Die erste amerikanische Revolution begründete die bürgerlich-demokratische Republik und schüttelte den kolonialen Despotismus ab. Die zweite Revolution im Zuge des Bürgerkrieg zerstörte die Sklaverei. Die dritte amerikanische Revolution kann nur in der Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse und in der Neuordnung des Wirtschaftslebens auf sozialistischer Grundlage bestehen, und sie muss als Teil der sozialistischen Weltrevolution durchgeführt werden.
Es ist daher nur folgerichtig, dass der Band mit einem „Brief aus dem Jenseits von Abraham Lincoln“ endet – einem fiktiven Dokument, über dessen Ursprung der Leser selbst zu einem Urteil kommen möge. Der Brief von „Honest Abe“ sagt, was gesagt werden muss: In der heutigen Welt ist der Kapitalismus ebenso unerträglich wie in Lincolns eigener Zeit die Sklaverei. Der Mann, der heute in seinem ehemaligen Wohnsitz haust, ist „ein Symptom und ein Werkzeug“, nicht die Krankheit selbst, und die Sache, die weder in der ersten noch in der zweiten amerikanischen Revolution vollendet wurde, ist nun den arbeitenden Männern und Frauen in den USA und weltweit anvertraut.
Die Wahl, vor der die Menschheit steht, stellt sich heute weltweit mit wachsender Dringlichkeit: Faschismus oder Sozialismus. Um den Abstieg in die faschistische Barbarei aufzuhalten, ist das bewusste Eingreifen der Arbeiterklasse in die Geschichte notwendig, und das wiederum erfordert den Aufbau einer neuen revolutionären Führung. Wir rufen Arbeiter und junge Menschen auf, dieses Buch zu studieren, sich die Lehren der vergangenen zehn Jahre anzueignen und diejenigen Schlussfolgerungen zu ziehen, die die Situation erfordert. Die Perspektive, die auf diesen Seiten von der World Socialist Web Site und dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale ausgearbeitet wurde, muss nun von den Massen aufgegriffen werden, die in den Kampf eintreten. Das ist der Zweck, zu dem dieser Band zusammengestellt wurde.
David North
Detroit, Michigan
10. Juni 2026
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