Erster Streik der Geschichte bei Philadelphia Electric Company am 4. Juli

Streikende Arbeiter der Philadelphia Electric Company (PECO) am 4. Juli 2026 [Photo: IBEW Local Union 614]

Während Philadelphia und die umliegende Region den Unabhängigkeitstag inmitten einer extremen Hitzewelle begingen, traten am 4. Juli mehr als 1.500 Beschäftigte der Philadelphia Electric Company (PECO) in den ersten Streik in der 145-jährigen Geschichte des Versorgungsunternehmens.

Dass der Streik am 250. Jahrestag der Amerikanischen Revolution in der Stadt stattfindet, in der die Unabhängigkeit erklärt wurde, unterstreicht, dass der revolutionäre Konflikt der Gegenwart der Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus ist.

Am Ausstand der Mitglieder des Ortsverbands 614 der International Brotherhood of Electrical Workers (IBEW), deren Tarifvertrag am 31. März ausgelaufen war, beteiligten sich Leitungsmonteure, Gasarbeiter, Mechaniker und Callcenter-Beschäftigte. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen über Löhne, Renten, Krankenkassenleistungen für Rentner und die Forderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag.

Die PECO-Arbeiter stehen nicht nur einem ertragsstarken Unternehmen gegenüber, sondern dem gesamten politischen und wirtschaftlichen Establishment im Südosten Pennsylvanias, wo PECO nach wie vor der größte Elektro- und Gaslieferant des Mutterkonzerns Exelon ist. Der Ausstand begann nur wenige Tage, nachdem Arbeiter des Sheraton-Hotels in der Innenstadt von Philadelphia, die vom UNITE HERE-Ortsverband 274 vertreten werden, einen neuntägigen Streik beendet hatten. Sie hatten eine vorläufige Vereinbarung erzielt, die zeitlich darauf abgestimmt war, den Hotelbetrieb vor dem Unabhängigkeitstag wieder aufzunehmen.

In dem PECO-Streik geht es um grundlegende Anliegen: Löhne, Renten und die Rentner-Krankenkassen. Die Gewerkschaft erklärte, sie wolle „faire Löhne, die den Standards der Branche entsprechen“, sowie die Wiedereinführung eines einheitlichen Rentensystems, bzw. der Ruhestandsbezüge. PECO und Exelon hatten die Rentenansprüche für nach 2021 eingestellte Arbeitskräfte gestrichen oder gekürzt und damit ein gestuftes Vergütungssystem geschaffen, welches die Arbeitenden jedoch wieder abschaffen wollen.

Das Unternehmen lehnt die Forderungen ab und beruft sich als Rechtfertigung auf die hohen Einkommen einiger Leitungsmonteure, die in Wirklichkeit durch Überstunden zustande kommen. Das zeugt jedoch keineswegs von echtem Wohlstand, sondern davon, dass sich ein halbwegs angemessener Lebensstandard nur durch extrem lange Arbeitszeiten halten lässt.

Die Beschäftigten der Versorgungsbetriebe sind mit dem gleichen unerbittlichen Anstieg der Lebenshaltungskosten konfrontiert wie die gesamte Arbeiterklasse. Laut dem Living Wage Calculator des MIT für 2026 muss ein alleinstehender Erwachsender in Philadelphia County 23,34 Dollar pro Stunde oder etwa 48.500 Dollar pro Jahr verdienen, um die nötigsten Lebenshaltungskosten zu decken. Laut einer separaten Analyse wären etwa 92.700 Dollar pro Jahr oder 44,58 Dollar pro Stunde nötig, um ein „komfortables Leben“ in der Stadt zu führen.

Das PECO-Management prahlt damit, dass es umfangreiche Maßnahmen zum Streikbruch vorbereitet hat, um die Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Unternehmenssprecherin Candice Wormer erklärte, Kunden müssten mit keinen Verzögerungen oder Unterbrechungen rechnen: „Unsere Kunden können darauf vertrauen, dass wir umfangreiche Notfallpläne vorbereitet haben, um unter allen Umständen einen sicheren und zuverlässigen Service zu erhalten.“

Andere Vertreter des Unternehmens erklärten, PECO würde „nahtlos“ seine Pläne umsetzen, Personal aus dem Management und von außerhalb einzusetzen, um während des Ausstands den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Das Management hat versucht, streikende Arbeiter an den Streikposten zu schikanieren und einzuschüchtern. Laut dem IBEW-Ortsverband 614 wurden am Wochenende drei Mitglieder bei Zwischenfällen verletzt. Ein Arbeiter soll von PECO-Sicherheitskräften an einem Betriebsstandort zu Boden geworfen, zwei weitere von Fahrzeugen angefahren worden sein. PECO leugnet die Vorwürfe und behauptet absurderweise, die Arbeiter seien selbst gestürzt und nicht von Fahrzeugen angefahren worden.

Dennoch hat die Gewerkschaftsführung keine Strategie vorgelegt, um den Arbeitskampf auf ganz Philadelphia auszuweiten oder direkt an andere Teile der Arbeiterklasse zu appellieren, geschweige denn für einen Kampf gegen das politische Establishment, das hinter dem Unternehmen steckt. Der öffentlich-rechtliche Radiosender WHYY zitierte John Dougherty, den Vertreter des Teamsters-Ortsverbands 107, mit den Worten: „Dieser Ortsverband der IBEW war sehr, sehr tolerant. Das Management schießt sofort scharf.“

Der IBEW-Apparat ist jedoch selbst Teil des Establishments. Die Karriere von John „Johnny Doc“ Dougherty, dem ehemaligen Chef des IBEW-Ortsverbands 98 und langjährigen Strippenzieher der Demokratischen Partei in Philadelphia, entlarvt den wahren sozialen Charakter des Apparats. Dougherty, der allgemein als politischer „Königsmacher“ in der Stadt galt, wurde im Jahr 2023 im Zusammenhang mit Unterschlagung und Korruption verurteilt. Laut damaligen Berichten hatte Dougherty nicht nur Mitgliedsbeiträge veruntreut, sondern benutzte Gelder der Gewerkschaft auch, um Vertreter der Demokraten zu bestechen und die Parteimaschinerie des Establishments von Philadelphia zu finanzieren.

Im Jahr 2022 trug die IBEW auf nationaler Ebene dazu bei, einen landesweiten Eisenbahnerstreik abzuwürgen. Sie arbeitete mit der Biden-Regierung und dem Kongress zusammen, um einen Tarifvertrag durchzusetzen, den die Arbeiter abgelehnt hatten. Die IBEW wurde damit als Betriebspolizei der Konzerne und des Staats entlarvt statt als Verteidigerin der Arbeiterrechte.

Arbeitende in Philadelphia und im ganzen Land haben wiederholt ihre Kampfbereitschaft gezeigt. Doch der Gewerkschaftsapparat verhindert systematisch, dass sich aus diesem Machtpotenzial ein echter Sieg ergibt, indem er die Kämpfe eindämmt, isoliert und verrät.

Vor einem Jahr fand ein Ausstand von fast 9.000 städtischen Beschäftigten des AFSCME District Council 33 statt – der größte Streik städtischer Beschäftigter seit fast 40 Jahren. Dieser Ausstand hatte ein immenses Potenzial und stieß in der Bevölkerung auf große Unterstützung. Der Müll türmte sich in der ganzen Stadt, der Betrieb der städtischen Einrichtungen wurde empfindlich gestört und die Feierlichkeiten am 4. Juli 2025 waren stark beeinträchtigt. Die Arbeiter demonstrierten ihre gesellschaftliche Stärke.

Doch nach acht Tagen beendete der Gewerkschaftsverband DC 33 den Streik und setzte eine vorläufige Vereinbarung mit einer neunprozentigen Lohnerhöhung über drei Jahre durch – nur ein Prozent mehr als das vorherige Angebot der Stadt. Wie das Philadelphia Workers Rank-and-File Strike Committee damals erklärte: „Die Anordnung zur Wiederaufnahme der Arbeit ohne Zustimmung der Mitgliedschaft ist ein eklatanter Verstoß gegen die demokratischen Rechte der Arbeiter und den Willen der Basis.“

Der Kampf der Lehrkräfte folgte dem gleichen Muster. Im Jahr 2025 sprachen sich 95 Prozent der 14.000 Lehrkräfte in Philadelphia, die von der Philadelphia Federation of Teachers vertreten werden, für einen Streik aus. Die Gewerkschaft organisierte Veranstaltungen zur „Streikvorbereitung“, so als würde sie sich auf eine Konfrontation vorbereiten. Doch nur wenige Tage vor Ablauf des Tarifvertrags verkündete sie eine vorläufige Vereinbarung, die sie in einer fingierten Abstimmung durchpeitschte. Die Gewerkschaft veranstaltete nur eine einzige Zoom-Konferenz, um die vorläufige Vereinbarung zu diskutieren, wobei sie oppositionelle Ansichten zensierte, eine echte Debatte unterdrückte und am Ende der Veranstaltung eine Blitzabstimmung erzwang.

Infolge dieses Verrats wurde keine einzige wichtige Forderung der Lehrkräfte erfüllt. Stattdessen war nun der Weg für Schulschließungen und Umstrukturierungspläne offen, die seither vom Bezirk durchgesetzt werden.

Die entscheidende Lehre aus all diesen Kämpfen lautet: Arbeitende benötigen ihre eigenen, von ihnen selbst kontrollierten und von der Gewerkschaftsbürokratie unabhängigen Organisationen. Diese Perspektive vertrat das Philadelphia Workers Rank-and-File Strike Committee, das nach dem Ausverkauf von DC 33 gegründet wurde.

Wie das Komitee betonte, beweist der Streik im letzten Jahr, „dass nur eine echte Führung und Organisation der Belegschaft, unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie und dem politischen Establishment, die Anforderungen der Krise erfüllen und die Arbeiterklasse in Philadelphia und darüber hinaus verteidigen kann“.

Diese Perspektive und dieses Programm müssen die Arbeiter in der gesamten Region und landesweit übernehmen und ausweiten.

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