Am Freitag, 17. Juli, dem siebten Tag der Angriffe in Folge, bombardierte das US-Militär Brücken, einen Bahnhof, einen Flughafen sowie den Kontrollturm des einzigen iranischen Tiefseehafens. Washington weitet damit seine Offensive von militärischen Zielen auf die zivile Infrastruktur aus.
Die iranischen Staatsmedien berichteten von Angriffen auf mindestens fünf Brücken in der südlichen Provinz Hormosgan, dabei kamen in der Hafenstadt Bandar Khamir sieben Menschen ums Leben; auch der Bahnhof wurde getroffen. Auch aus Sirik, Ahwas und Jesd wurden Explosionen gemeldet. Die neue Angriffswelle begann am Freitag um 15 Uhr Ostküstenzeit (21:00 Uhr deutscher Zeit).
Das iranische Energieministerium rief die Bevölkerung am Freitag auf, weniger Strom zu verbrauchen und bei Klimaanlagen zu sparen, da bei der vorherrschenden extremen Hitze die amerikanischen Angriffe auf das Energiesystem das Stromnetz belasten. Laut dem Gesundheitsministerium des Iran sind seit Wiederaufnahme der Kämpfe mindestens 38 Menschen durch die Angriffe getötet und mehr als 400 verwundet worden.
Angriffe auf zivile Infrastruktur sind Kriegsverbrechen. Das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs definiert „vorsätzliche gezielte Angriffe auf zivile Objekte, d.h. auf Objekte, die keine militärischen Ziele sind“, als Kriegsverbrechen. Das Völkerrecht, das für Washington und Teheran gleichermaßen gilt, obwohl beide die Verträge nicht ratifiziert haben, schützt „Trinkwasseranlagen und -versorgung“ ausdrücklich.
Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres erklärte am Freitag, Guterres sei „vor allem besorgt über Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran und der gesamten Region (...) Solche Angriffe sind inakzeptabel.“
Verteidigungsminister Pete Hegseth feierte die Zerstörung in den sozialen Medien. Am Freitag veröffentlichte er ein Foto, das den Einsturz des Hafen-Kontrolltower in Tschahbahar inmitten von Rauchwolken zeigt. Darunter war zu lesen: „Der Iran kontrolliert die SvH nicht“ [SvH – die 560 km entfernte Straße von Hormus.]
Iranische Regierungsvertreter erklärten, der Tower, der nach dem dritten Angriff eingestürzt sei, habe der Steuerung der Handelsschifffahrt sowie der Rettung von Fischern auf See gedient. Der politische Geschäftsführer des National Iranian American Council, Ryan Costello, bezeichnete Hegseths Post als „abstoßenden Online-Jubel über die Bombardierung des Iran und seiner Infrastruktur“.
Die Absichtserklärung, die am 17. Juni unterzeichnet wurde, stoppte die amerikanischen Angriffe, öffnete die iranischen Häfen wieder und setzte die Ölsanktionen aus im Gegenzug für eine 60-tägige freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus.
US-Präsident Donald Trump erklärte das Abkommen am 8. Juli für beendet und teilte dem Kongress am 10. Juli mit, dass die „Militäraktionen“ wiederaufgenommen würden. Am 11. Juli begann eine siebentägige Serie von nächtlichen Luftangriffen. Bis Dienstagnachmittag war die Seeblockade wieder in Kraft.
Die Trump-Regierung erwägt aktiv eine Bodenoffensive. Das Wall Street Journal berichtete am Mittwoch, dass Trump nach einem Treffen im Weißen Haus am Dienstag zu einer Ausweitung der Operationen tendiere. Er erwäge die Entsendung von Truppen zur Besetzung der Insel Charg, dem wichtigsten Ölexporthafen des Iran, und anderer Gebiete entlang der Straße von Hormus. Reuters berichtete am gleichen Tag, Regierungsvertreter beschrieben die jetzigen Angriffe als „vorbereitende Operationen“.
Am Freitag berichtete das Journal, die USA würden Kampfflugzeuge aus Europa zurückbeordern. Zudem operiere die aus mehr als 2.000 Soldaten bestehende 11. Marine-Expeditionseinheit in der Region.
Trump hat bisher einen Angriff mit Bodentruppen nicht ausgeschlossen. Am Dienstag erklärte er auf Fox News: „Manchmal braucht man eine Bodenoffensive, aber wir haben andere Leute, die die Bodenoffensive für uns erledigen werden.“ Eine Besetzung der Insel Charg bezeichnete er als unwahrscheinlich, fügte aber hinzu: „Wenn wir sie weit genug und tief genug schwächen, würde ich das tun.“
Mit den Angriffen auf die Brücken macht Trump eine Drohung wahr, die er wenige Tage zuvor ausgesprochen hatte: „Wir werden alle ihre Kraftwerke zerstören. Wir werden alle ihre Brücken zerstören, es sei denn, sie setzen sich an den Verhandlungstisch.“
Der Iran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte und andere Ziele in Kuwait, Bahrain, Katar, Jordanien und dem Oman. Am Freitag wurde ein kuwaitisches Kraftwerk und eine Entsalzungsanlage beschädigt – das Land bezieht etwa 90 Prozent seines Trinkwassers durch Meerwasserentsalzung. Daraufhin musste Kuwait angesichts der Juli-Hitze den Strom rationieren.
Kein führender Demokrat im US-Kongress hat öffentlich auf den Bericht im Journal reagiert, der die Diskussion im Weißen Haus über den Einsatz von Bodentruppen im Iran offenlegt. Der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffriefs, stimmte am Mittwoch für den Erhalt von Militärhilfen für Israel in Höhe von 3,3 Milliarden Dollar und damit gegen einen Änderungsantrag, der diese Mittel gestrichen hätte.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Als Trump im Juni das Abkommen mit dem Iran unterzeichnete, verurteilte die demokratische Parteiführung dies als Kapitulation. Senatsminderheitsführer Chuck Schumer erklärte am 19. Juni: „Das ist nicht die Kunst des Deals. Das ist die Kunst der Kapitulation.“ Weiter erklärte er, Trump habe „alles aus der Hand gegeben“ und die Iraner hätten ihn „völlig über den Tisch gezogen“.
Der demokratische Abgeordnete Seth Moulton aus Massachusetts bezeichnete das Abkommen als „im Grunde eine Kapitulationserklärung Donald Trumps gegenüber dem obersten Führer des Iran“. Diese Kritik kam der Forderung gleich, den Krieg bis zum Sieg fortzusetzen.
Dabei ist der Krieg in der Bevölkerung zutiefst unpopulär. In einer Umfrage von YouGov und dem Economist zwischen dem 10. und 13. Juli bezeichneten 57 Prozent die Entscheidung für den Krieg als falsch, 65 Prozent äußerten die Meinung, Washington solle eine Einigung aushandeln, um ihn so schnell wie möglich zu beendigen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von Ipsos und der Washington Post liegt Trumps Zustimmungswert bei 37 Prozent, 61 Prozent lehnen ihn ab.
Die wirtschaftlichen Kosten steigen. Brent-Rohöl stieg am Freitag auf 88,10 Dollar pro Barrel – ein Tagesplus von 4,6 Prozent und ein Anstieg von mehr als 10 Prozent im Wochenverlauf. Das ist der stärkste Anstieg über einen Zeitraum von fünf Tagen seit April.
In den USA ist der Benzinpreis laut dem Automobilclub AAA von 3,79 Dollar am 7. Juli auf 3,94 Dollar pro Gallone gestiegen. Zudem kletterten die Kriegsrisikoversicherungen für Schiffe in der Region von 0,25 Prozent des Schiffswerts vor dem Krieg auf bis zu zehn Prozent.
Die Angriffe auf den Iran sind Teil eines umfassenderen Kriegs. In Gaza verzeichnete das Gesundheitsministerium bis letzte Woche offiziell 73.250 bestätigte Tote, und Israel hat seine Angriffe massiv eskaliert. Im Juni waren es mehr als 40 Todesopfer, so viele wie noch in keinem Monat seit Inkrafttreten des Waffenstillstands im Oktober 2025.
Am Freitag wurden laut Al Jazeera bei einem Drohnenangriff auf eine Trauerprozession vor einer Moschee im Flüchtlingslager Nuseirat acht Menschen getötet. Die Times of Israel schrieb am Donnerstag, das israelische Militär habe in Gaza „seine Angriffe verstärkt“, nachdem die erste Phase des Kriegs gegen den Iran im April sich entspannt hatte.
