Der Luxussportwagenhersteller Porsche kündigte letzte Woche an, allein in seinen Hauptwerken in der Region Stuttgart 5000 Arbeitsplätze zu streichen – zusätzlich zu den 3900, die bereits im letzten Jahr vernichtet wurden. Insgesamt hat der Gesamtbetriebsrat unter Führung von Ibrahim Aslan vereinbart, fast jeden dritten Arbeitsplatz am Hauptsitz und im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen sowie im Entwicklungszentrum in Weissach zu vernichten.
Der Gesamtbetriebsrat, der von der IG Metall dominiert wird, lässt sich diesen Dienst gegen die Belegschaft mit neuen, lukrativen Einkommensquellen vergüten. Ein paritätisch besetzter „Zukunftsbeirat“, der bis 2035 die Kürzungen begleitet und neue ausgearbeitet, bietet zusätzliche Posten für „verdiente“ Gewerkschaftsapparatschiks. Die Vereinbarung kam nach monatelangen geheimen Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat zustande.
Die Sportwagensparte des Volkswagenkonzerns galt lange Zeit als dessen „Cash-Cow“. Über Jahre lagen die jährlichen Profitmargen bei 14 bis 18 Prozent, während der Gesamtkonzern auf 5 bis 8 Prozent kam. Porsche trug trotz seines vergleichsweise kleinen Umsatzanteils stets 25 bis 30 Prozent zum operativen Gewinn des VW-Konzerns bei. Inzwischen hat die Krise auch Porsche erreicht. Letztes Jahr brach der Gewinn auf 413 Millionen Euro ein – von 5,64 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
Nun sollen die Beschäftigten mit ihren Arbeitsplätzen, Löhnen und Arbeitsbedingungen dafür sorgen, dass der Geldfluss in die Taschen der Großeigentümer, des Porsche-Piëch-Clans, wieder anschwillt.
So werden den Beschäftigten bis 2035 insgesamt 3,5 Prozent der aktuellen und künftigen Tarifsteigerungen vorbehalten. Das Weihnachtsgeld wird von 100 Prozent eines Monatsgehalts auf 60 Prozent gekürzt. Die jährliche Erfolgsbeteiligung der Beschäftigten hängt künftig vom „Unternehmenserfolg und der Ertragskraft“ ab. Für das Geschäftsjahr 2025 entfällt sie vollständig. 2023 hatte Porsche noch bis zu 9690 Euro bezahlt, 2024 waren es noch bis zu 5250 Euro gewesen.
Um die Produktivität zu steigern, stimmte die IG Metall einer drastischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen am Fließband zu. Pausen werden gekürzt, die Arbeitsbelastung erhöht. Die sogenannten „Steinkühlerpausen“, die die Beschäftigten 1973 mit einem zweiwöchigen Streik erkämpft hatten, werden entweder vollständig abgeschafft oder eingeschränkt. Sie gewähren den Fließbandarbeitern eine verpflichtende Pause von fünf bis sieben Minuten pro Stunde. Vereinbart wurde außerdem eine weitere Erhöhung der Arbeitsbelastung durch die Verkürzung der „Taktzeit“. Weniger Produktionsbeschäftigte müssen die Fahrzeuge schneller bauen.
Auch die Möglichkeiten des Home-Office werden eingeschränkt. Künftig dürfen Beschäftigte nur noch an maximal acht statt bislang zwölf Tagen pro Monat mobil arbeiten.
Die IG Metall hat mit Porsche außerdem eine Sonderprämie vereinbart, die nur für ihre Mitglieder und nicht für Mitglieder anderer Gewerkschaften und Nicht-Organisierte gilt. Während alle Beschäftigten eine „Transformationsprämie“ von 1500 Euro erhalten, stockt Porsche diese einmalige Zahlung für IGM-Mitglieder auf 1911 Euro auf. Zusätzlich erhalten IGM-Mitglieder einen freien Tag pro Jahr sowie jährlich einen Sachgutschein im Wert von 200 Euro.
Deutlicher kann man die Rolle des Gewerkschaftsapparats als verlängerter Arm des Managements nicht demonstrieren. Um zu verhindern, dass Mitglieder austreten, weil sie nicht mehr bereit sind, ein Prozent ihres Bruttogehalts als Mitgliedsbeitrags an eine Organisation abzuführen, die offen die Interessen der Gegenseite vertritt, ködert die IGM sie mit Sonderprämien. Mit den Mitgliederboni versucht die IGM, ihren Würgegriff auf die Belegschaft sowie den Zufluss der Mitgliedsbeiträge aufrechtzuerhalten, die zunehmend über die Sonderboni vom Konzern finanziert werden.
Porsche-Chef Michael Leiters sprach offen aus, dass mit der aktuellen Vereinbarung ein langfristiger Einsparprozess auf dem Rücken der Belegschaft initiiert wurde: „Mit dem Zukunftspaket legen wir das Fundament unserer Strategie Sportwagenschmiede 35. Jetzt gilt es gemeinsam zu liefern.“
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ibrahim Aslan lobte den von ihm maßgeblich ausgehandelten Deal mit den üblichen Argumenten: der angeblichen „Standortsicherung bis Ende 2035“, dem „Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“ und Investitionen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. Doch das sind faule Ausreden, wie die Werksschließungen bei Opel, Ford und vielen Zulieferern sowie die drohende Stilllegung von vier VW- und Audi-Werken zeigen. Lohnverzicht und „sozialverträglicher“ Abbau sichern keinen Arbeitsplatz. Sie bringen die Schließung näher und untergraben die Kampfkraft der Belegschaft.
Hinzu kommt, dass die von der IG Metall und dem Betriebsrat als Erfolg präsentierten Investitionszusagen an den beiden Standorten Zuffenhausen und Weissach zu einem erheblichen Teil von den Beschäftigten selbst über Einbußen finanziert werden. Dennoch brüstete sich Aslan: „Wir schauen nun wieder nach vorne – für die Stammbelegschaft und die Marke Porsche.“
Das Schicksal des Werks in Leipzig, in dem 4600 Menschen beschäftigt sind, ist Aslan egal. Das Werk war nicht in die Verhandlungen einbezogen und verfügt über eine eigene Tarifvereinbarung. Trotz der bis 2030 geltenden Standortsicherung hat der Leipziger Betriebsrat im Juni 2026 dem Abbau von 200 Stammbeschäftigten zugestimmt, während die Verträge mehrerer Hundert Leih- und Zeitarbeiter entweder gekündigt oder nicht verlängert wurden.
Während Anfang Juli in Stuttgart über den Arbeitsplatzabbau verhandelt wurde und Zehntausende Beschäftigte von Porsche und Mercedes gegen die Sparpläne protestierten, demonstrierten auch in Leipzig Arbeiter vor dem Porsche-Werk und forderten Transparenz über dessen Zukunft. Porsche hat in diesem Sommer die Produktion des Verbrenner-Modells Macan in Leipzig eingestellt. Nun stehen die Leipziger Beschäftigten immer noch mit leeren Händen da.
Das Sparprogramm von Porsche ist keine isolierte Maßnahme – es ist Bestandteil der umfassenden Angriffe des Mutterkonzerns auf alle Belegschaften. Ende Juni sickerte durch, dass Volkswagen den Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen und die mögliche Schließung seiner vier Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie des Audi-Werks in Neckarsulm plant, wovon insgesamt weitere 40.000 Beschäftigte betroffen wären.
Oliver Blume, der im September 2022 den Vorstandsvorsitz des Volkswagen-Konzerns übernahm, war von Oktober 2015 bis Ende 2025 zugleich Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. In seiner Doppelrolle als Konzernchef verlangte er von den Tochtergesellschaften Porsche und Audi die Umsetzung von „Effizienz“-Programmen.
Im Februar 2025 entwarf Blume mit Unterstützung des IG-Metall-Betriebsrats bei Porsche ein Sparprogramm, das bis 2035 Einsparungen von 5,7 Milliarden Euro erzielen sollte und zum ersten massiven Arbeitsplatzabbau von 3900 Stellen führte. 1900 Beschäftigte wurden zum Ausscheiden gedrängt, und für weitere 2000 wurden die befristeten Verträge nicht verlängert. Die IG Metall lobte diesen Stellenabbau als „sozialverträglich“ und behauptete, er beruhe ausschließlich auf freiwilligem Ausscheiden und Altersteilzeit. Betriebsbedingte Kündigungen seien vermieden worden.
Im Juli 2025 warnte Blume: „Die Lage bleibt ernst,“ und leitete damit die Verhandlungen über das jetzt vereinbarte zweite Sparprogramm ein, das von seinem Nachfolger Michael Leiters abgeschlossen wurde.
Und das ist nur der Anfang. Am vergangenen Montag veröffentlichte Porsche seine Halbjahresbilanz 2026. Trotz eines Rückgangs der verkauften Fahrzeuge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 steigerte das Unternehmen sein operatives Ergebnis von 1,01 Milliarden auf 1,38 Milliarden Euro. Leiters kündigte an: „Vor uns liegt aber noch viel Arbeit, um Porsche robust für die herausfordernde Zukunft aufzustellen.“ Weitere Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten sind somit vorprogrammiert.
Die Porsche AG mit weltweit 42.000 Beschäftigten, davon rund 26.000 in Deutschland, steht nicht außerhalb der weltweiten Krise der Automobilindustrie. Die europäische Autoindustrie beklagt eine strukturelle Überkapazität infolge sinkender Nachfrage und intensiver globaler Konkurrenz, vor allem aus China. Boston Consulting hat eine Überkapazität von mehr als 20 Prozent errechnet, das entspricht 5,4 Millionen Fahrzeugen oder der Produktion von mehr als 35 Montagewerken – eine Situation, auf die die Autokonzerne in ganz Europa mit Werksschließungen reagieren.
Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts (IAO), in Auftrag gegeben von mehreren Industrie-, Elektrotechnik- und Wirtschaftsverbänden aus Baden-Württemberg und Bayern, schätzt die Zahl der Arbeitsplätze, die bis 2040 auf der Abschussliste stehen, auf 726.000. Das entspricht 40 Prozent der derzeit 1,6 Millionen Arbeitsplätze in der europäischen Auto- und Zulieferindustrie.
Dies ist eine Kriegserklärung an die Autoarbeiter. Die Gewerkschaften werden sie nicht stoppen. Tatsächlich sind „Standortsicherung“ und „Zukunftspaket“ Mechanismen, mit denen Stellenabbau und Werksschließungen reibungslos durchgesetzt werden. Mit ihrer nationalistischen Politik spaltet die IG Metall seit vielen Jahren die Beschäftigten, wo sie nur kann, um die Profitgier der Aktionäre zu befriedigen und gleichzeitig den privilegierten Status ihres eigenen bürokratischen Apparats abzusichern.
Die Entlassungswelle in der Auto- und Zulieferindustrie schwillt täglich an. Die Beschäftigten brauchen dagegen ihre eigenen unabhängigen Organisationen, frei von jeder Einmischung des Gewerkschaftsapparats. Es ist nicht möglich, Arbeitsplätze zu verteidigen, wenn die Profitmaximierung über die grundlegenden Bedürfnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter gestellt wird, so wie es der IGM-Apparat praktiziert.
Der Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze muss zudem mit dem Kampf gegen Krieg verbunden werden. Die herrschenden Eliten antworten auf die sich verschärfende kapitalistische Krise mit Handelskrieg und Krieg um die Neuaufteilung der Weltmärkte. Die deutsche Regierung gibt Milliarden für die Aufrüstung zur Eroberung von Ressourcen und neuen Märkten aus. Die Angriffe auf Jobs, Löhne und Sozialleistungen sind Folge und Bestandteil dieser Handelskriegs- und Kriegsoffensive.
Die Beschäftigten müssen daher ihre eigenen Aktionskomitees gegen kapitalistische Ausbeutung und Krieg aufbauen und sich mit ihren Kollegen weltweit verbinden. Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) kämpft für die Vereinigung der Arbeiter weltweit.
Nehmt Kontakt mit uns auf, um den Aufbau von Aktionskomitees – bei Porsche und in der gesamten Autoindustrie – anzugehen. Füllt das Formular aus oder schreibt eine Nachricht über WhatsApp an +491633378340.
