Die gemeinsamen Angriffe der USA und Saudi-Arabiens in der vergangenen Woche auf die Volksmobilisierungskräfte (PMF) – einen Dachverband der mit dem Iran verbündeten Milizen, die formell in die iranischen Sicherheitskräfte eingebunden sind – stellen eine deutliche Eskalation des verbrecherischen Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran und seine regionalen Verbündeten dar.
Was Washington als „Präzisionsschläge“ bezeichnet, ist eine offene Ausweitung des Kriegs auf den Irak, mit Beteiligung Saudi-Arabiens, die sich nicht mehr länger hinter Fiktion von „defensiven Maßnahmen“ verstecken lässt.
Laut Presseberichten vom letzten Mai hatten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu einem früheren Zeitpunkt des Kriegs geheime Angriffe auf den Iran verübt, offenbar als Vergeltung für dessen Angriffe gegen die beiden Länder. Die Golfmonarchien waren von Anfang an aktive Kriegsparteien, inszenierten sich aber als unbeteiligte Zuschauer.
Saudi-Arabien behauptete, die Angriffe auf Einrichtungen der PMF seien Vergeltungsschläge für Drohnenangriffe auf seine Ölanlagen, die angeblich vom Irak aus durchgeführt worden waren. Bei den Angriffen auf „zahlreiche Logistik- und Waffenlager von Terroristen“ in sieben Provinzen des Irak wurden mindestens 20 Kämpfer getötet und Dutzende weitere verwundet. Dieser vorsätzliche Versuch, die PMF zu zerschlagen und die Kontrolle der USA über den Irak wiederherzustellen, war eine besonders große Eskalation der letzten Wochen.
Trump behauptete, die Operation sei mit Bagdad abgestimmt worden, und verurteilte die Milizen als „Krebsgeschwür der Welt“. Der irakische Nationale Sicherheitsrat unter Führung von Premierminister Ali al-Zaidi widersprach ihm und erklärte, die Angriffe seien erfolgt, als Bagdad bereits auf diplomatischem Wege versucht habe, auf die Bedenken Saudi-Arabiens und der USA einzugehen.
Al-Zaidi verurteilte die Angriffe als „inakzeptable Aggression“, und der irakische Präsident sprach von einem „eklatanten Verstoß gegen die Souveränität des Irak [und] Angriff auf seine offiziellen Sicherheitskräfte“. Al Zaidi sagte einen für Donnerstag geplanten Besuch in Riad ab, bei dem er sich mit dem De-facto-Herrscher Mohammed bin Salman treffen sollte.
Washingtons Angriff auf die Souveränität und politische Unabhängigkeit des Irak
Im Vorfeld der amerikanisch-saudischen Angriffe hatte al‑Zaidi bei einem Besuch im Weißen Haus angekündigt, bis zum 30. September „die Waffen unter staatliche Kontrolle zu stellen“. Bis zu diesem Tag plant Washington seine Kampftruppen aus dem Irak abzuziehen. Nur noch der US-Stützpunkt in Erbil sollte zurückbleiben, der als vorgelagerte Operationsbasis für Syrien, als Druckmittel auf die Regionalregierung Kurdistans und zur kontinuierlichen Überwachung des Iran fungieren würde.
Die PMF, ein Dachverband aus etwa 67 bewaffneten Gruppen mit 238.000 registrierten Kämpfern, die mit 3,5 Milliarden Dollar pro Jahr vom irakischen Staat finanziert werden und in dessen staatliches Recht einbezogen sind, sind unter dem Druck zerbrochen. Einige Einheiten haben einer Entwaffnung zugestimmt. Die wichtigsten mit dem Iran verbündeten Gruppierungen, vor allem die Kataib Hisbollah und die Harakat Hisbollah al Nujaba, haben sich jedoch geweigert. Der Angriff der USA und Saudi-Arabiens war ein unverhohlenes Ultimatum: Löst euch auf, oder ihr werdet vernichtet. Er fällt mit den verstärkten Manövern von US-Konzernen zusammen, u.a. mit Chevrons Eintreten für eine größere Rolle in der irakischen Energiebranche und dem Streben anderer US-Unternehmen nach Gas-, Energie- und Exportverträgen.
Die USA haben bereits ihre Bereitschaft gezeigt, durch finanzielle Kriegsführung die politische Landschaft des Irak neu zu gestalten. Letzten April hatten sie den Transfer von 500 Millionen Dollar aus irakischen Öleinnahmen eingefroren, was Bagdad als „nukleare Option“ bezeichnete. Das drohte die bargeldbasierte Wirtschaft des Irak zu zerstören, nachdem bereits die Einnahmen aus dem Ölgeschäft wegen der Schließung der Straße von Hormus eingebrochen waren. Auf diese Weise wollte Washington die Ernennung eines Premierministers durchsetzen, der den Irak vom Iran distanzieren würde.
Die USA warfen irakischen Banken vor, sie würden Teheran US-Dollar zuspielen und damit die Sanktionen unterwandern. Mit dem Iran verbündete Milizen reagierten mit Angriffen auf US-Interessen im Irak – als Vergeltung für den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. Trump drohte daraufhin, seine Unterstützung ganz einzustellen, falls Nuri al-Maliki – ein ehemaliger Premierminister, dessen Nähe zum Iran während seiner Amtszeit zugenommen hatte – erneut Premierminister werden sollte. Tage später bestätigte das irakische Parlament Ali al-Zaidi, einen 41-jährigen ehemaligen Banker und politischen Neuling, als Premierminister.
Saudische Eskalation in der Region: Jemen und das Rote Meer
Das Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Turki al-Malki, bezeichnete die Angriffe als begrenzte Reaktion auf gezielte Angriffe: „Das Königreich bestätigt, dass es keine Eskalation anstrebt, aber auf jede Aggression reagieren wird.“
Gleichzeitig beendet Riad jedoch den brüchigen Waffenstillstand von 2022 mit den Huthi im Jemen und nimmt den Krieg gegen sie wieder auf.
Am 20. Juli riefen die Huthi eine Blockade gegen saudische Öltanker im Roten Meer aus und attackierten später „wichtige“ Öltransportanalgen in Saudi-Arabien, welche die Ölfelder in der östlichen Provinz mit einem Exportzentrum am Roten Meer verbinden. Sie übernahmen auch die Verantwortung für den Drohnenangriff auf die Saudi-Aramco-Rohölverarbeitungs-Anlage in Abqaiq, die größte des Königreichs, für die Riad mit dem Iran verbündete Milizen verantwortlich gemacht hatte. Ein weiterer Angriff zwang Saudi Aramco, die Raffinerie in Jazan, die über eine Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag verfügt, stillzulegen.
Zuvor hatten Saudi-Arabien den Internationalen Flughafen von Sana'a angegriffen, nachdem die Huthi ihn wieder für Direktflüge aus dem Iran geöffnet hatten. Die Saudis zwangen ein Flugzeug aus dem Iran, das Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), Militärberater sowie Ausrüstung für Raketen und Drohnen an Bord hatte, dazu, seinen Kurs in die jemenitische Hafenstadt Hodeida am Roten Meer zu ändern.
Die Huthi erklärten, die Blockade gelte nur für Saudi-Arabien und werde aufgehoben, sobald Saudi-Arabien seine Blockade gegen den Jemen beende. Die wirtschaftliche Lage im Jemen ist aufgrund des Kriegs katastrophal – die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten um 20 bis 30 Prozent gestiegen, und die Schließung der Straße von Hormus hat die teilweise kostenlosen Öllieferungen aus dem Iran zum Erliegen gebracht hat. Daher üben die Huthi Druck auf die Saudis aus, um einen neuen Finanzdeal abzuschließen. Sie wollen, dass die Einschränkungen für den Flughafen von Sana'a beendet werden und fordern einen Anteil an den Einnahmen aus den Ölfeldern, die von der international anerkannten jemenitischen Regierung kontrolliert werden.
Riad reagierte darauf mit einer militärischen und politischen Eskalation. Nachdem der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman sich am Mittwoch mit Trump und Vizepräsident JD Vance getroffen hatte, beraumte Saudi-Arabien ein Treffen von Vertretern der Streitkräfte aus 43 Staaten an, um für eine „maritime Verteidigungskoalition“ zu werben, um die Handelsrouten im Roten Meer vor Kräften, die mit dem Iran verbündet sind, zu schützen.
Seit die Straße von Hormus geschlossen ist, ist das Rote Meer noch wichtiger geworden. Etwa zehn bis vierzehn Prozent des gesamten globalen Seehandels, darunter etwa 4,1 bis 4,2 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte, durchqueren täglich das Rote Meer, die Bab al-Mandab und den Golf von Aden. Der Krieg hat den Schiffsverkehr durch die Meerenge von Bab al-Mandab verringert und die tägliche Anzahl der Schiffe von einem Vorkriegsniveau von über 70 bis 75 auf rund 28 bis 31 Schiffe sinken lassen.
Das Bruttoinlandsprodukt Saudi-Arabiens schrumpfte im zweiten Quartal um fast fünf Prozent im Jahresvergleich, was der stärkste Rückgang innerhalb eines Vierteljahres seit der Corona-Pandemie war. Die Ölbranche brach um fast 25 Prozent ein, andere wirtschaftliche Aktivitäten außerhalb des Ölsektors wuchsen im zweiten Quartal nur um 0,6 Prozent, verglichen mit einem Wachstum von 2,9 Prozent im vorherigen Quartal.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Riad ist bemüht, seine Position zu stabilisieren. Das saudische Verteidigungsministerium kündigte an, dass 14 Staaten, darunter die Türkei, Pakistan, Ägypten, der Sudan und Dschibuti den Vorschlag zur Bildung einer maritimen Verteidigungskoalition mit Hauptquartier in Riad unterstützt hätten. Saudi-Arabien rief auch die USA und die europäischen Großmächte zum Beitritt auf.
Berichten zufolge bereitet sich Saudi-Arabien möglicherweise auf eine große Bodenoffensive im Zentrum des Jemen vor. Dies verdeutlicht, wie sich der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran auf die gesamte Region ausweitet, die Golfmonarchien hineinzieht, das innere Kräftegleichgewicht im Irak umgestaltet und einen neuen, großflächigen Konflikt vom Roten Meer bis nach Tigris auszulösen droht.
Atom- und Verteidigungsabkommen: USA und Israel festigen ihr Bündnis mit Saudi-Arabien gegen den Iran
Neben diesen Militäroperationen strebt Washington auch einen langfristigen strategischen Block mit Saudi-Arabien an, der auf atomarer Zusammenarbeit und dem Transfer fortschrittlicher Waffensysteme basiert. Dieser Block soll Saudi-Arabien an die Achse USA-Israel binden, konkurrierende Mächte an den Rand drängen und einen stabilen regionalen Block zur Konfrontation mit dem Iran schaffen.
Washington unterzeichnete ein „Abkommen über friedliche atomare Zusammenarbeit“ mit Riad, das Saudi-Arabien erlauben soll, mit US-Technologie Atomreaktoren zu bauen und, vor allem, seine eigenen riesigen Uranreserven anzureichern, ohne das vollständige Verifizierungsregime der Internationalen Atomenergiebehörde zu akzeptieren. In einer Region, in der der Iran und die VAE Reaktoren betreiben, aber ihren Brennstoff unter strenger Aufsicht importieren, würde eine von den USA gebilligte saudische Anreicherung eine Flutwelle nuklearer Ambitionen in der Türkei, Ägypten und anderen potentiellen Regionalmächten sowie eine Neuaufnahme der Verhandlungen zwischen den VAE und den USA auslösen.
Das US-Energieministerium beschrieb den Deal als Grundlage für eine „langfristige, Milliarden Dollar schwere Partnerschaft“. Zweistellige Milliardenbeträge werden an US-Konzerne gehen, die das zivile Atomprogramm des Königreichs aufbauen und entwickeln. Frankreich, Deutschland, Südkorea und China werden an den Rand gedrängt, obwohl Riad im Jahr 2022 ein Memorandum für die Entwicklung eines Atomprogramms mit Peking abgeschlossen hat. Das Atomabkommen ist die wirtschaftlich-industrielle Komponente der Bestrebungen, eine von den USA dominierte Ordnung in der Region zu festigen.
Bei den Verhandlungen wurde jede Diskussion über einen Beitritt Saudi-Arabiens zu den Abraham Accords oder über eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel bewusst ausgeklammert. Diese Schritte sind im eigenen Land zutiefst unpopulär, auch wenn Riad am amerikanisch-israelischen Völkermord in Gaza beteiligt ist. Stattdessen schafft der Atomdeal die Grundlagen für ein amerikanisch-saudisches Verteidigungsbündnis, das den Verkauf von F-35 und hochmoderner Militärtechnologie beinhalten würde, was Riad noch enger an Washingtons Kriegsstrategie bindet.
Diese Themen wurden bereits im letzten November diskutiert, als sich bin Salman mit Trump im Weißen Haus traf. Trump erklärte Saudi-Arabien zu einem „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“, unterzeichnete ein strategisches Verteidigungsabkommen und schloss Berichten zufolge einen Deal über die Lieferung einer Flotte von F-35-Kampfjets. Das Atomabkommen besiegelte diesen Militärblock.
Israel hat die Einigung abgelehnt, weil sie sein Atommonopol und seinen qualitativen militärischen Vorsprung gefährdet. Trump erklärte später auf Truth Social, das Abkommen werde die Anreicherung von Uran nicht erlauben und Saudi-Arabien zu einer Normalisierung der Beziehungen mit Israel verpflichten, was Netanjahu als Sieg darstellte. Allerdings ist es höchst unwahrscheinlich, dass Trump ein Abkommen sabotieren wird, das US-Konzernen enorme Gewinne bescheren und Saudi-Arabien an Washingtons Kriegskoalition bindet, nur um Israels Bedenken zu beschwichtigen.
Die Angriffe auf die PMF im Iran, die maritime Koalition, die erneute saudische Offensive im Jemen und das Atomabkommen stehen im Zusammenhang mit den Bestrebungen des US-Imperialismus, seine Vorherrschaft über den Nahen Osten zu festigen, die Golfmonarchien Washingtons Kommando unterzuordnen und Saudi-Arabien in die amerikanisch-israelische Achse für die Konfrontation mit dem Iran einzubinden.
