Arbeiter begrüßen zweijährige Suspendierung eines UAW-Organisators wegen Morddrohungen gegen Will Lehman

Arbeiterin des Stellantis-Montagewerks Sterling Heights im Gespräch mit Will Lehman [Photo by willforuawpresident.org]

Automobilarbeiter und andere Beschäftigte im ganzen Land reagieren begeistert darauf, dass gegen einen hochrangigen Funktionär der United Auto Workers (UAW) Disziplinarmaßnahmen verhängt wurden, weil er eine Morddrohung gegen Will Lehman ausgesprochen hatte.

Lehman, ein Autoarbeiter bei Mack Trucks, ist Sozialist und kandidiert für das Amt des UAW-Präsidenten. Am 4. August hat der gerichtlich bestellte UAW-Monitor dem Gewerkschaftsfunktionär Raymond Jensen Jr. für zwei Jahre die Mitgliedschaft entzogen und ihn auf Lebenszeit von allen gewerkschaftlichen Ämtern ausgeschlossen, da er zum Schluss kam, dass Jensens Drohung gegen die Vorschriften für UAW–Bundeswahlen verstieß.

Am 16. Juli hatte Jensen, der damalige stellvertretende Bezirkschef der Region 9 (Lehmans Heimatregion) die öffentlich zugängliche Facebook-Seite des Kandidaten besucht und dort ein KI-generiertes Bild eingestellt. Es zeigt Lehman gefesselt und geknebelt, während Blut aus seinem Mund tropft und eine maskierte Gestalt mit einem Gewehr auf seinen Rücken zielt. Jensen, der seinen Account mit dem Slogan: „Ich unterstütze Shawn Fain“ versehen hat, veröffentlichte die bildliche Morddrohung unter einer Stellungnahme Lehmans zur strafrechtlichen Untersuchung, die die Bundesstaatsanwaltschaft gegen Shawn Fain anstrengt.

Seit 2021 untersteht die UAW infolge eines Korruptionsskandals der Aufsicht eines von einem Bundesgericht eingesetzten unabhängigen Monitors, und dieser Monitor, Neil Barofsky, stellte nun fest, dass der Beitrag vom 16. Juli gegen Regel 4-4 der Wahlordnung von 2026 verstoße, die Drohungen, Einschüchterungen, Vergeltungsmaßnahmen und Repressalien jeglicher Art verbietet. Im Gespräch mit den Ermittlern des Monitors räumte Jensen ein, dass der Account und der Beitrag ihm gehörten. Jensen (der im vergangenen Jahr ein Gehalt von 202.000 Dollar kassierte) darf in diesem Jahr außerdem an keinem Wahlkampf eines Kandidaten mehr teilnehmen; auch muss er sich bei Lehman persönlich entschuldigen.

Zu diesem Schritt sah der Monitor sich gezwungen, weil ihn eine Flut von Protestbriefen einfacher Arbeiter gegen die Gangsterpraktiken der UAW-Bürokratie erreicht hatte. Lehman verurteilte den Angriff öffentlich und warnte, dass dieser nicht nur darauf abziele, ihn zum Schweigen zu bringen, sondern sich gegen jeden Arbeiter richte, der es wage, sich gegen die Kungelei des Gewerkschaftsapparats mit den Konzernen zu wehren. Lehman sprach während eines Wahlkampfbesuchs im Raum Detroit Mitte Juli mit Arbeitern in mehreren Stellantis-Werken, im Ford-Lkw-Werk Dearborn, bei Bridgewater Interiors und bei Nexteer Automotive in Saginaw. Auch andere Arbeiter der Vereinigten Staaten sowie Arbeiter und Jugendliche in Kanada, Mexiko, Großbritannien, der Türkei, Australien, Neuseeland und Deutschland haben den Vorfall verurteilt.

Zwei Wochen lang schwiegen Fain und die UAW zu dieser Drohung. Während der UAW-Präsidentschaftsdebatte am 30. Juli konfrontierte Lehman Fain damit und forderte den UAW-Präsidenten auf, die Drohung seines bezahlten Organisators bei UAW International öffentlich zu verurteilen. Fain antwortete: „Ich billige so etwas nicht“, fügte aber schnell hinzu: „Wenn du für das Amt des Präsidenten kandidierst, mach dich gefasst, Bruder, denn du wirst sowas jeden Tag zu hören bekommen“, womit er die Drohung faktisch noch verschärfte.

Nach den Strafmaßnahmen des Monitor sprachen mehrere Arbeiter mit der World Socialist Web Site.

Thomas, ein Arbeiter im Stellantis-Montagewerk Sterling Heights (SHAP), sagte: „Herzlichen Glückwunsch. Will hat einen bedeutenden Sieg im Kampf gegen Korruption, Mobbing und bedrohliches Verhalten errungen. Innerhalb der korrupten UAW ist das aber gängige Praxis. Viele Menschen haben erlebt, was das bedeutet, und dass sie wegen ihres Verhaltens ihren Arbeitsplatz verlieren. Das führt dazu, dass sie auch ihre Wohnung und ihre Einkünfte verloren, und einige Menschen landeten sogar auf der Straße. Niemand sollte das erleben müssen. Und das geschieht innerhalb einer angeblich demokratischen UAW, insbesondere durch internationale Funktionäre. Dies hier ist ein Sieg vor allem für all diejenigen, die zu Unrecht entlassen worden sind. Diese Menschen müssen ihren Arbeitsplatz zurückbekommen.“

Dan, ein Stellantis-Arbeiter im Montagekomplex Jefferson in Detroit, sagte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die gegen Raymond Jensen verhängte Disziplinarmaßnahme völlig angemessen war. Es ist eine Sache, die Ideen einer Person anzugreifen und mit ihnen nicht einverstanden zu sein. Es ist jedoch etwas ganz anderes, einen Angriff auf diese Person selbst anzustiften, nur weil sie eine abweichende Meinung vertritt. Genau ein solches Verhalten führt zur Gewalt in der realen Welt. Unter absolut keinen Umständen darf die UAW-Führung sich auf eine solche Mentalität einlassen. Es ist ein trauriger Tag, dass wir einen Monitor brauchen, um uns wie im Kindergarten beaufsichtigen zu lassen, aber genau so weit sind wir jetzt (…) Es ist höchste Zeit für einen Führungswechsel, um tatsächlich Integrität herzustellen.“

Ein Mitglied des Nexteer-Aktionskomitees in Saginaw sagte: „Jensen hat bekommen, was er verdient hat. Obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass er entlassen werden sollte. Schließlich hat er Will mit dem Tod bedroht. So verhalten sich Fain, seine Kumpane und seine Anhänger. Es ist gut, dass er für kein Amt mehr kandidieren darf und ans Band zurück muss, um tatsächlich zu arbeiten.“

Will Lehman im Gespräch mit einem Arbeiter des Stellantis Karosserie- und Presswerk Sterling, 21. Juli 2026 [Photo by willforuawpresident.org]

Der Nexteer-Arbeiter setzte hinzu: „Wir haben damals gesagt: Alle für einen und einer für alle! Das war wirklich eine Drohung gegen die Basis. Fain und der Apparat befürchten, dass Will die Wahl gewinnen könnte. Das bedeutet, dass schon viele Arbeiter Will unterstützen.“

Ein Arbeiter im Werk von American Axle (Dauch Corporation) in Three Rivers (Michigan) sagte: „Wow! Ich bin froh, dass hier etwas dagegen unternommen wird. Warum geht die Gewerkschaft so gewaltsam gegen ihre Mitglieder vor, anstatt sich gegen den Konzern zu wenden? Das zeigt der Öffentlichkeit nur, was für ein Missbrauch und eine Ausnutzung von Macht vorherrscht, und dass der aktuelle Apparat nur schwach Widerstand leistet. Dieses Verhalten zeigt und beweist nur, dass sie ihre Stellung nicht nutzen, um sich für die Basis einzusetzen, sondern nur aus Eigeninteresse. Wenn sie jemandem die Faust zeigen, werden sie die Massen nicht für sich gewinnen, sondern sie vertreiben. Wenn man es richtig betrachtet, ist dieser Fall wirklich das bestes Beispiel für Korruption und Amtsmissbrauch.“

Ein Stellantis-Arbeiter in Kokomo (Indiana) sagte: „Cool, das von Jensen zu hören“, und fügte hinzu, dass die Bemühungen des UAW-Funktionärs, Lehman einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen, „mich daran erinnern, wie Vorgesetzte hier die Arbeiter anfassen.“

Ein Autoarbeiter aus Chicago kommentierte Jensens Suspendierung mit den Worten: „Richtig so. Er sollte gefeuert werden.“ Ein anderes UAW-Mitglied aus dem Raum Chicago sagte: „Glückwunsch zu eurem Sieg wegen des Drohbeitrags!!“ Ein Dana-Arbeiter in Pennsylvania fügte hinzu: „Der Typ, der das gepostet hat, hat bekommen, was er verdient.“

Unterstützung kam auch von Arbeitern aus anderen Branchen.

Ein Angestellter im Gesundheitsbereich aus Ohio sagte: „Dies ist ein gewaltiger Sieg für die militanten UAW-Basismitglieder, die Arbeiter, die Unterstützer der Kampagne und Will selbst, der sich als sozialistischer Arbeiterorganisator und -führer ins Zeug gelegt hat. Ich glaube, dass ein entscheidender Faktor für diesen Sieg darin bestand, dass diese bösartige Drohung und der offensichtliche Versuch, Will und die Basis einzuschüchtern – auch noch in der Debatte –, offen angesprochen wurden.“

Ein führendes Mitglied des Aktionskomitees der Postarbeiter in Springfield (Massachusetts) sagte: „Die Morddrohung von Raymond L. Jensen Jr. gegen Will Lehman beweist, wie sehr die Spitzenfunktionäre der Gewerkschaften heute genau vor jenen Menschen Angst haben, die sie eigentlich verteidigen und vertreten sollten. Diese Handlungen sind entsetzlich, widerwärtig und wirklich verwerflich. Das kommt gewerkschaftlich sanktionierter Gewalt gegen arbeitende Menschen gleich, die von ihnen Rechenschaft dafür verlangen, dass sie ihre Aufgaben nicht erfüllen.“ Herr Jensen sei offenbar mehr darauf bedacht, sein Gehalt von 200.000 Dollar zu sichern, und dafür gehe er sogar so weit, Menschenleben zu bedrohen. „Er hat in keiner gewerkschaftlichen Funktion etwas zu suchen und sollte unverzüglich zum Rücktritt gezwungen werden.“

Und weiter: „Er sollte nicht für zwei Jahre suspendiert, sondern entlassen werden. Was er getan hat, war gefährlich, illegal, infantil und äußerst unprofessionell. Man kann jemandem mit einem solchen Charakter keine Führungsrolle anvertrauen; er ist kein Anführer. Er hat den Menschen gerade seine innersten Gedanken offenbart. Er sollte wegen seiner widerwärtigen Handlungen angeklagt und zur Rechenschaft gezogen werden, insbesondere da er ein Amt als leitender Funktionär innehatte.“

Am Mittwoch, den 5. August, dankte Will Lehman in einer Erklärung den einfachen Arbeitern auf der ganzen Welt und betonte, dass sie es waren, die den Monitor zum Handeln zwangen.

Ich war das Zielobjekt, aber ich war nie der einzige, der gemeint war. Arbeiter sind ständig Drohungen und Einschüchterungen durch die Gewerkschaftsbürokratien ausgesetzt. Antwiane Sanders wurde kürzlich bei Nexteer entlassen, weil er sich in seinem eigenen Werk gegen UAW-Funktionäre gewehrt hatte. Woche für Woche werden in Werken im ganzen Land Arbeiter schikaniert, isoliert und aus ihren Arbeitsstellen vertrieben, weil sie sich diesem Apparat widersetzen, und fast nichts davon wird jemals untersucht oder geahndet. Die meisten dieser Arbeiter haben keinen Anwalt und keine Kampagne hinter sich. Das ist das wahre Klima in dieser Gewerkschaft, und eine einzige Feststellung ändert daran nichts.

Lehman warnte davor, den Schluss zu ziehen, dass Arbeiter sich an den Staat um Schutz wenden könnten, und sagte: „Das Büro des Monitors existiert nur, weil dieser Apparat seine eigenen Mitglieder in einem Ausmaß bestohlen hat, welches mehr als ein Dutzend Funktionäre, darunter zwei ehemalige Präsidenten, ins Gefängnis brachte. Es hat diese Korruption nicht verhindert, und es hat die Schikanierung von Arbeitern, die ihre Stimme erheben, nicht gestoppt.“

Er schloss mit den Worten:

Die Aufgabe, den Apparat abzuschaffen und für all das zu kämpfen, was wir brauchen, liegt bei der Basis. Bringt diese Kampagne also voran. Wählt mich im Oktober, aber tut mehr als das. Bildet an eurem Arbeitsplatz ein Aktionskomitee, das unabhängig vom Apparat handelt und niemandem Rechenschaft schuldig ist außer den Arbeitern, die es wählen. Vernetzt es mit den Komitees bei Nexteer, bei American Axle, bei Bridgewater und mit den Arbeitern in Mexiko, Kanada und darüber hinaus. In dieser Gewerkschaft ist schon jetzt eine Rebellion im Gange – in den Ablehnungen von Tarifverträgen, den Streiks und der Wut in jeder Schicht. Vertieft diese Rebellion. Organisiert sie. Macht sie zu etwas, aus dem sich der Apparat durch keine Drohungen herauswinden kann.“

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