Der 1. Mai und der Opportunismus der Morenisten angesichts der revolutionären Krise in Argentinien

Myriam Bregman spricht auf der Maikundgebung der PTS [Photo: La Izquierda Diario]

Argentinien steuert auf eine revolutionäre Konfrontation zu. In zweieinhalb Jahren hat die Milei-Regierung die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse systematisch zerstört, den Staatsapparat faschistisch umgebaut und das Land direkt den Interessen des US-Imperialismus unterworfen. Das im Februar durchgedrückte Gesetz zur Modernisierung des Arbeitsrechts erlaubt zwölfstündige Arbeitstage, hebt die Branchentarifverträge auf und kürzt die Abfindungen drastisch. Es ist ein massiver Angriff auf Arbeiterrechte, die in mehr als einem Jahrhundert des Kampfes errungen wurden.

Die Schließung der Reifenfabrik FATE mit 920 Entlassungen, die chronische Polizeirepression gegen Rentner bei ihren wöchentlichen Protesten vor dem Kongress, die Genehmigung für US-Truppen, argentinische Marinestützpunkte zu betreten, und das im vergangenen September von Trumps Finanzminister Scott Bessent koordinierte 20-Milliarden-Dollar-Rettungspaket des IWF – all das ebnet den Weg in eine soziale Explosion. Dies ist ein Regime, das, wie die WSWS im März schrieb, bewusst darauf angelegt ist, „das Land um 100 Jahre zurückzuwerfen“.

Vor diesem Hintergrund war der 1. Mai 2026 ein politisch brisantes Ereignis, das die argentinische Bourgeoisie, die Presse und Teile der kleinbürgerlichen Intelligenz genau beobachteten. Zum ersten Mal seit der Gründung der pseudolinken „Front der Linken und der Arbeiter – Einheit“ (Frente de Izquierda y de Trabajadores – Unidad, FIT-U) im Jahr 2011 hielten deren vier Mitgliedsparteien am internationalen Tag der Arbeit zwei getrennte Kundgebungen ab. Während die Partido Obrero (PO), die Movimiento Socialista de los Trabajadores (MST) und die Izquierda Socialista (IS) auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires gemeinsam auftraten, konnte die Sozialistische Arbeiterpartei (Partido de los Trabajadores Socialistas, PTS) – die größte Partei der FIT-U und die führende Sektion der morenistischen Current for Permanent Revolution – Fourth International (CPR-FI) – rund acht Kilometer entfernt im Hallenstadion Ferro mit über 5.000 Teilnehmern deutlich mehr Menschen auf einer eigenen Kundgebung anziehen.

Bregmans Rede und die Antworten der PTS auf die Krise in Argentinien

Auf der Kundgebung der Morenisten sprachen führende PTS-Mitglieder, Vertreter der CPR-Sektionen in Frankreich, Brasilien und Chile sowie Gewerkschaftsaktivisten von FATE und aus Unternehmen wie Mondelez, Lustramax und Georgalos. Hauptrednerin war die Abgeordnete Myriam Bregman, deren Rede die Veranstaltung abschloss.

La Izquierda Diario, die Website der PTS, prahlte:

Die Veranstaltung fand zudem breite Beachtung in den Medien – im Fernsehen, im Radio und in den Zeitungen – am Ende einer Woche, in der das „Phänomen Myriam Bregman“ die nationale Debatte in Argentinien beherrscht hatte. Die wachsende Medienaufmerksamkeit geht auf Umfragen zurück, die Bregman als die politische Führungspersönlichkeit mit dem positivsten Image im Land ausweisen.

Das grundlegende Ziel der Ferro-Kundgebung bestand nach Ankündigung der PTS darin, die Kampagne für eine „neue Arbeiterpartei“ in Argentinien zu eröffnen. Bregman bestimmte deren politischen Inhalt in ihrer Rede:

Ist es nicht an der Zeit, eine neue historische Bewegung auf die Beine zu stellen? Eine neue historische Bewegung, die sich von unten organisiert? Eine Bewegung der Arbeiter? Eine Partei der Arbeiterklasse? Deshalb schlagen wir vor, darüber zu diskutieren, wie wir eine Bewegung für eine Partei der neuen Arbeiterklasse organisieren und auf die Beine stellen können – jener Arbeiterklasse, die immer stärker ausgebeutet, immer stärker unterdrückt, feminisiert [d.h. zunehmend von Frauen geprägt], verfolgt und diskriminiert wird. Und wir haben die Stärke der Front der Linken, von der wir ausgehen können. Wir haben auch ein Programm, mit dessen Diskussion wir beginnen können: das Programm der Front der Linken – ein Programm der Klassenunabhängigkeit.

Das Programm der aufzubauenden Partei ist, nach Bregmans eigener Formulierung, „das Programm der Front der Linken“ – nicht das Programm der Vierten Internationale, nicht das Programm des Trotzkismus, nicht gestützt auf irgendein programmatisches Dokument mit einem definierten sozialistischen Inhalt.

Bregman offenbarte den politischen Kurs der Morenisten noch deutlicher, indem sie erklärte:

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir diese Gesellschaft von Grund auf verändern wollen. Den Kapitalismus zu beenden, ist der Weg, um Völkermorde zu beenden – deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, unser eigenes politisches Instrument aufzubauen […] eine große Partei der neuen Arbeiterklasse.

Diese Formulierung bringt den opportunistischen Gehalt des Vorschlags der PTS auf den Punkt. Die Verteidigung des Sozialismus – die Erklärung, dass „wir keinen Hehl daraus machen“, den „Kapitalismus beenden“ zu wollen – wird als Frage der persönlichen Meinung der PTS-Führung dargestellt. Sie ist jedoch nicht das Programm der Partei, die sie aufbauen will. Das geplante „politische Instrument“ ist eine reformistische Arbeiterpartei, die sich an der krisengeschüttelten peronistischen Gewerkschaftsbürokratie orientiert. Sie stützt sich auf das „Programm der FIT-U“ – einer unbestimmt „klassenunabhängigen“ Plattform ohne definierten sozialistischen Inhalt. Die Verteidigung des Sozialismus wird als Recht einer Tendenz innerhalb einer reformistischen Arbeiterpartei eingebaut und mit der Notwendigkeit gerechtfertigt, die „Kräfte zu vereinen“ und die in den Umfragen verzeichnete „Sympathie zu organisieren“.

Der Vorschlag der PTS steht ganz in der verrotteten politischen Tradition des Pablismus, von der der Morenismus eine Variante ist: der Anpassung von Kräften, die sich als revolutionär bezeichnen, an die bürgerlichen Apparate, deren Aufgabe darin besteht, die Arbeiterbewegung einzudämmen. Diese Anpassung wird mit der Rhetorik der Einheit und taktischen Vorwänden wie der angeblichen „Isolierung“ der Revolutionäre gerechtfertigt. Die Operation erfordert nicht, dass die PTS-Führung aufhört, rhetorisch ihre Opposition gegen den Kapitalismus zu bekräftigen. Im Gegenteil, sie muss dies weiterhin tun – denn genau diese Tarnung ermöglicht es der breiten, programmatisch reformistischen Partei, radikalisierte Arbeiter und Jugendliche in die Falle zu locken und sie von der historischen Aufgabe abzulenken, eine revolutionäre marxistische Führung aufzubauen.

In Bregmans Rede war die Forderung nach einer „neuen Arbeiterpartei“ mit einem scheinbar radikalen Aufruf verbunden: „Koordinierungsgremien, Nachbarschaftsversammlungen, Volksversammlungen – was auch immer nötig ist, damit die Gewerkschaften, damit die Studierendenvertretungen wieder zu Werkzeugen des Kampfes werden können“.

Die ausdrückliche Funktion dieser Gremien besteht darin, „die Gewerkschaften wieder zu Werkzeugen des Kampfes“ zu machen. Die Ausrichtung zielt nicht auf die Bildung unabhängiger Organe der Arbeitermacht – Sowjets, autonome Fabrikkomitees, Strukturen der Doppelherrschaft, wie sie die revolutionären Marxisten aus den Erfahrungen der russischen Revolutionen von 1905 und 1917 entwickelt haben. Es geht um die Bildung von Vermittlungsgremien, die Druck auf die bestehenden bürokratischen Führungen des Gewerkschaftsdachverbands CGT ausüben und die Gewerkschaften als Kampfinstrumente zurückgewinnen sollen. Der verrottete und bürokratisierte peronistische Gewerkschaftsapparat soll nicht abgeschafft, sondern angeblich nach links gedrängt und zur Selbstreform gezwungen werden.

Die Besessenheit der Morenisten von Umfragewerten und Bregmans Zustimmungsrate beherrschte die Rednertribüne der Kundgebung. Der PTS-Führer Christian Castillo eröffnete seine Rede mit einem Verweis auf die Umfrage von Atlas Intel, die Bregman bei den positiven Zustimmungswerten an die erste Stelle setzt (47 Prozent positiv gegenüber 46 Prozent negativ, während alle anderen bedeutenden politischen Persönlichkeiten im Minus liegen und Milei auf 62 Prozent negative Bewertungen kommt). Bregman schloss ihre Rede mit der Bemerkung, „die Leute fangen an, es auszusprechen – presidenta“.

Während die PTS ihre politische Intervention auf Umfragewerte stützt und Teile der bürgerlichen Öffentlichkeit, der Medien und der kleinbürgerlichen Intelligenz die Partei als mögliche Regierungsoption für die nächste Phase der Krise betrachten, kehrt sie den Massen der Arbeiter und Jugend den Rücken, die sich von der gesamten institutionellen Politik Argentiniens entfremdet haben. Diese Massen, die in den kommenden revolutionären Umwälzungen in den Vordergrund treten werden, spielen in den strategischen Überlegungen der PTS keine Rolle.

Betrachten wir genauer das Konzept der „neuen Arbeiterklasse“, das die PTS vorbringt. Die Arbeiterklasse als „feminisiert, verfolgt, diskriminiert“ zu beschreiben, ist keine marxistische Einschätzung der Klassengesellschaft. Es ist das Vokabular der Identitätspolitik, ausgerichtet auf die Anliegen der oberen Mittelschicht, was sich auch in der Charakterisierung der Kundgebung als „feministisch“ und „ökologisch“ zeigt. Grundlegender noch: Dieses Vokabular blendet die entscheidendste Veränderung der Arbeiterklasse in den letzten Jahrzehnten völlig aus – ihre massive internationale Ausdehnung und Integration durch die Globalisierung der Produktion.

Die Arbeiterklasse ist heute eine global integrierte Klasse, verbunden durch Lieferketten, Logistiknetzwerke und Finanzströme von beispiellosem Ausmaß. Ihre Kämpfe haben objektiv einen internationalen Charakter, und ihre Macht lässt sich nur auf internationaler Grundlage organisieren. Die Ablehnung der internationalen Arbeiterklasse durch die Morenisten kommt in ihrem Programm zum Ausdruck: dem Programm für eine nationalistische Partei, die sich an den argentinischen Gewerkschaften und an der bürgerlichen Wahlkonjunktur des Landes orientiert. Ihr „Internationalismus“ besteht darin, dass verbündete Parteien einander Feiertagsgrüße schicken – Parteien, die innerhalb ihrer jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen agieren und diesen untergeordnet sind.

Bregman beendete ihre Rede mit dem Aufruf zu „einer echten Rebellion, einem Generalstreik, um der Situation ein Ende zu setzen, in der sich Millionen befinden“ – rhetorisch verpackt als „Cordobazo des 21. Jahrhunderts“. Ihre Beschwörung des Cordobazo – des Arbeiter- und Studentenaufstands, der 1969 Argentinien erschütterte – verwischt die zentrale Lehre dieser historischen Erfahrung. Der Aufstand warf objektiv die Frage der politischen Macht auf und scheiterte am Fehlen einer bewussten marxistischen Führung. Es war die morenistische Tendenz, aus der die heutige PTS direkt hervorgegangen ist, die damals zu diesem politischen Vakuum beitrug. Der Cordobazo wird als inspirierende Metapher ausgerechnet von jener politischen Strömung herangezogen, die daran beteiligt war, dass die Situation der revolutionären Möglichkeiten von 1969 in die konterrevolutionäre Katastrophe von 1976 mündete.

Der Bruch in der FIT-U

An diesem 1. Mai zeigten sich tiefe Risse in der FIT-U. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 2011 hielten die vier Parteien, aus denen die Front besteht, getrennte Kundgebungen ab.

Die „Front der Linken und der Arbeiter – Einheit“ vereint vier Parteien: die PO, die MST, die IS und die PTS. Die PTS, die MST und die IS sind allesamt durch aufeinanderfolgende Spaltungen aus der morenistischen Bewegung hervorgegangen; die PO entstammt einer eigenständigen, rein nationalen Tradition. Die Front wurde 2011 gebildet und verfügt über Parlamentssitze auf Bundes- und Provinzebene. Wie die World Socialist Web Site über die Jahre dokumentiert hat, besteht die politische Funktion der FIT-U darin, der CGT-Bürokratie Deckung zu geben, radikalisierte Arbeiter in den Peronismus zurückzuführen und das Entstehen einer unabhängigen politischen Führung der Arbeiterklasse zu verhindern.

Mitte April kündigte die PTS an, eine eigene Maikundgebung abzuhalten, und begründete ihre Entscheidung in einem offenen Brief an die FIT-U mit zwei Argumenten. Erstens prangerte sie die übrigen Parteien der Front dafür an, dass sie Initiativen verfolgten, die „die Abgrenzung vom Peronismus und von der Gewerkschaftsbürokratie verwässern und die Perspektive einer ‚Anti-Milei-Front‘ eröffnen, die keinerlei Klassenabgrenzung gegenüber der verräterischen Gewerkschaftsführung aufweist“.

Zweitens stellte sie ihre Ferro-Kundgebung als Teil „einer Reihe internationaler Aktivitäten ihrer Strömung“ dar – ein Verweis auf Kundgebungen der CPR in Paris und São Paulo im Jahr 2025. Damit versuchte die PTS, sich als konsequenter „internationalistisch“ und in ihrer Klassenabgrenzung entschlossener darzustellen als ihre Frontpartner.

Bei der gemeinsamen Maikundgebung der übrigen FIT-U-Parteien hielt MST-Führer Alejandro Bodart, Generalsekretär der Internationalen Sozialistischen Liga (ISL), die inhaltlich bedeutendste Rede. Als stünde er unmittelbar vor der Regierungsbildung, beschrieb er die politische Lage in Argentinien mit folgenden Worten:

Milei steckt in Schwierigkeiten, schlimmer als je zuvor. […] Auch die andere Säule des argentinischen bürgerlichen Regimes steckt in Schwierigkeiten – die Partido Justicialista. […] Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Linke in aller Munde. […]

Wir wissen, dass es Genossen gibt, die sich angesichts dieser neuen Situation fragen: Können wir regieren? Haben wir die Kraft dazu?

Schaut Genossen, wir können nicht nur regieren – wir müssen die Linke anführen, um das Land aus dieser Krise zu führen.

Sowohl in Bodarts Mairede als auch in einem offenen Brief vom 22. April an die PTS-Führung warf die MST Bregmans Partei vor, eine aus ihrer Sicht „historische Chance“ für die Linke zu verspielen – wegen einer angeblich sektiererischen Haltung und ihres Zauderns vor der Machtübernahme.

Mit „Sektierertum“ meint die MST, dass die PTS die „starke Wahlunterstützung und das positive öffentliche Image, die sich in verschiedenen Umfragen und Meinungserhebungen widerspiegeln“ und die „Genossin Myriam Bregman am besten zu nutzen weiß“, nicht teilen wolle.

Sie wirft der PTS vor, vor der Aussicht zurückzuschrecken, dass die FIT-U „an die Regierung kommt“. Dabei meint die MST aber keine Regierung, die durch den Sturz des argentinischen bürgerlichen Staates und die Errichtung der Diktatur des Proletariats gebildet wird. Es geht ihr um die Beteiligung der FIT-U als linke Spielart einer Regierungskonstellation innerhalb des bürgerlich-demokratischen Regimes, ähnlich wie bei Syriza in Griechenland im Jahr 2015 und bei Podemos in Spanien zwischen 2020 und 2023.

Gemeinsame Maikundgebung der FIT-U auf der Plaza de Mayo [Photo: @RominaDelPla]

Für die Partido Obrero sprach Gabriel Solano zur Kundgebung auf der Plaza de Mayo. Er schloss sich der MST und der Izquierda Socialista an und griff die PTS dafür an, die Kundgebung gespalten zu haben. Vor der Veranstaltung prangerte Solano die Entscheidung der PTS, eine „spalterische Veranstaltung“ einzuberufen, als „eine Schande“ an und betonte, Bregmans Partei habe noch Zeit, ihre – wie er es nannte – „selbstbezogene“ Haltung zu revidieren. Von der Tribüne aus beendete er die Kundgebung mit dem Aufruf an die FIT-U, als alternativen Weg nach vorn eine Nationalversammlung einzuberufen, die allen Kämpfern des Landes offensteht.

Die PO nimmt innerhalb der FIT-U eine besondere Stellung ein. Sie entstand als Abspaltung von der Movimiento de Izquierda Revolucionaria (Praxis), MIR-Praxis, in den 1960er Jahren, die sich auf die Guerillataktik von Che Guevara orientierte. Die PO ging mehrere opportunistische Bündnisse mit internationalen Gruppen ein, die mit der Vierten Internationale gebrochen hatten. Dazu gehörte in den 1970er Jahren die internationale Strömung unter Führung von Pierre Lambert, einem weiteren Pablisten, der 1971 mit dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) gebrochen hatte und sich später kurzzeitig mit Moreno verbündete.

Die PO leistet von allen vier Parteien die umfangreichste Arbeit in den Gewerkschaften: durch Romina del Plá in der Lehrergewerkschaft, durch die von Alejandro Crespo geführte Reifenarbeitergewerkschaft SUTNA sowie durch den Polo Obrero unter den Arbeitslosen und den Arbeitern im informellen Sektor. Sie konkurriert mit der PTS darum, welche Formation sich als der bessere Hüter der Klassenabgrenzung präsentiert. Während die PTS eine neue Arbeiterpartei nach dem Vorbild der frühen brasilianischen PT fordert und die MST eine einheitliche FIT-U-Partei mit dem Recht auf Tendenzen vorschlägt, plädiert die PO dafür, eine Nationalversammlung einzuberufen, die „allen Kämpfern“ offensteht, um Argentinien ganz allgemein zu „verändern“.

Solano legte die zugrunde liegende Analyse in seinem Leitartikel vom 8. Mai in der Prensa Obrera unter dem Titel „Die Machtstrategie der Linken“ dar: Die Umfragen offenbaren eine Kluft zwischen Bregmans positivem Image und der geringeren Wahlunterstützung für die FIT-U und machen damit die Aufgabe deutlich, unter den Volksschichten „Loyalität zu schaffen“. Die Arbeiter wenden sich, so die Lesart der PO, revolutionären Positionen zu; die Konjunktur sei jedoch noch nicht reif. Folglich sei es erforderlich, sich als Weg des geringsten Widerstands an die spontane Radikalisierung der Arbeiter anzupassen, ohne die Illusionen in die Gewerkschaftsbürokratie oder den Peronismus zu zerstören.

Die wechselseitigen Polemiken der vier Parteien – darüber, wer sektiererischer ist, wer sich stärker an den Peronismus anpasst, wer Bregmans Popularität wahlpolitisch ausnutzt – stellen keine prinzipiellen Unterschiede dar. Bodart selbst machte das deutlich, als er auf der Plaza de Mayo erklärte, die MST sei „offen für jeden Ausweg“, der es der Front erlauben würde, darüber zu debattieren, wie die „historische Chance“ zu ergreifen sei. Die von der PTS vorgeschlagene Arbeiterpartei, die von der MST vorgeschlagene Einheitspartei mit dem Recht auf Tendenzen und die von der PO vorgeschlagene Nationalversammlung sind für ihn austauschbare Optionen. Was die drei Formeln verbindet, ist die zugrunde liegende Diagnose: Die Situation ist noch nicht reif, die Arbeiterklasse bewegt sich nach links, ist aber noch nicht bereit; die Aufgabe besteht darin, die gegenwärtige Lage zu verwalten, statt die Machteroberung zu organisieren.

Genau auf diese Diagnose antwortete Trotzki 1935 im zweiten Teil von „Wohin geht Frankreich?'“, als er sich gegen den stalinistischen Refrain wandte, „die Situation ist nicht revolutionär“. Seine Antwort war kategorisch: „Die Situation ist so revolutionär, wie sie bei einer nichtrevolutionären Politik der Arbeiterparteien nur sein kann.“ Die Funktion der zentristischen Perspektive – damals wie heute – besteht darin, die angebliche Unreife der Situation als Rechtfertigung zu nutzen, um sich ausgerechnet jenen Kräften anzupassen, die die Revolution blockieren: der Gewerkschaftsbürokratie, dem Peronismus und dem bürgerlichen Parlamentarismus.

Der politische und soziale Charakter des „Bregman-Phänomens“

Um zu verstehen, was die PTS tatsächlich tut, muss man verstehen, warum die argentinische Bourgeoisie sie beobachtet. Die FIT-U liegt in den Umfragen bei etwa 9 bis 10 Prozent der Stimmen. Bregman hat sich zur politischen Persönlichkeit mit der höchsten Zustimmungsrate im Land entwickelt. Sie tritt regelmäßig in bürgerlichen Fernsehsendern auf; die PTS-Führung gibt reihum Interviews in der großen Presse; Teile der argentinischen herrschenden Klasse prüfen die Partei aktiv als mögliche Regierungsoption für die nächste Phase der Krise.

Das „Bregman-Phänomen“ ist nicht in erster Linie ein Massenphänomen der Arbeiterklasse, sondern ein politisch-mediales Phänomen, hervorgebracht von der besonderen Konjunktur: Die Krise der Milei-Regierung und die Demoralisierung des Peronismus haben ein Vakuum geschaffen, das Teile der Bourgeoisie zu füllen versuchen, indem sie ein „linkes“ Instrument fördern, um die Radikalisierung der Massen einzudämmen. Die Umfragewerte der PTS, ihre parlamentarische Präsenz, ihre Ausrichtung auf die bürgerliche Meinung und ihr Vorschlag für eine breite neue Partei mit einem nichtsozialistischen Programm bringen die politische Funktion zum Ausdruck, auf die sich die Partei vorbereitet.

Die WSWS hat die Rolle der FIT-U über die gesamte Zeit der Milei-Regierung hinweg dokumentiert. Wie wir im März 2026 schrieben, besteht eine „schäbige Arbeitsteilung zwischen dem Peronismus, der von Peronisten geführten Gewerkschaftsbürokratie und der pseudolinken FIT-U bei der Unterdrückung des Klassenkampfs und der Durchsetzung von [Mileis] Angriffen auf die Arbeiterklasse“. Im Fall der Schließung des Reifenherstellers FATE – dem konkretesten aktuellen Beispiel – schwankt die von der Partido Obrero geführte Gewerkschaft SUTNA, die die PTS als „Leuchtturm“ für die argentinischen Arbeiter preist, zwischen theatralischen Aufrufen zur Fabrikbesetzung und Petitionen an den peronistischen Gouverneur Axel Kicillof, das Werk zu verstaatlichen und unter staatliche Verwaltung zu stellen – sprich Druck auf den kapitalistischen Staat, nicht unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse. Die radikale Rhetorik der FIT-U und ihre praktische Einbindung in den bürgerlichen politischen Apparat stehen nicht im Widerspruch zueinander – sie sind zwei Seiten derselben politischen Medaille.

Genau diese Verbindung erfasst der marxistische Begriff des Zentrismus mit Präzision. Der Zentrismus übernimmt die Phraseologie der sozialistischen Revolution, während seine konkrete politische Praxis dazu dient, die Entwicklung der Revolution einzudämmen. Er unterscheidet sich vom erklärten Reformismus, der offen die Klassenzusammenarbeit verteidigt, und vom rechten Opportunismus, der jeden Bezug auf den Sozialismus aufgibt. Der Zentrismus ist gefährlicher, weil er, in revolutionäre Banner gehüllt, den politischen Raum besetzt, in dem eine echte revolutionäre Führung entstehen sollte, und deren Entwicklung blockiert.

Die politische Funktion der PTS und die Lehren des Morenismus

Welche Rolle die PTS als wichtigste Sektion der CPR-FI spielen will, hat die Socialist Equality Group in Brasilien bereits in ihrer Erklärung vom März 2026 analysiert: „Die Morenisten benennen sich in ‚Strömung Permanente Revolution‘ um: Eine Verschwörung gegen den Trotzkismus und die kommende sozialistische Revolution“. Die Umbenennung der ehemaligen Trotzkistischen Fraktion – beschlossen auf der Konferenz der Morenisten im Dezember 2025 in São Paulo – zielt darauf ab, die Geschichte des Morenismus und seines Verrats, in deren Kontinuität die PTS steht, zu begraben. Sie versuchen, die Kräfte, die die Arbeiterklasse in der Vergangenheit verraten haben, zu rehabilitieren, um einen neuen Verrat vorzubereiten.

Der PTS kommt eine besondere Funktion in der Krise in Argentinien zu: Sie soll die demoralisierten Apparate – die peronistische Gewerkschaftsbürokratie und das bürgerliche politische Regime – retten, indem sie ihnen einen „linken“ Deckmantel verschafft, unter dem sie die revolutionäre Radikalisierung der Arbeiterklasse auffangen und in harmlose Bahnen lenken können.

Die Folgen solcher politischer Operationen in Momenten offener revolutionärer Krise sind der Geschichte Lateinamerikas mit Blut eingeschrieben. Chile unter der Unidad Popular 1973 und Argentinien unter der Perón-Regierung und der Videla-Junta zwischen 1973 und 1976 zeigen konkret, was passiert, wenn die Arbeiterklasse mit den objektiven Bedingungen einer sozialistischen Revolution konfrontiert ist, aber eine revolutionäre Führung blockiert wird.

Salvador Allendes Volksfrontbündnis „Unidad Popular“, das 1970 inmitten eines revolutionären Aufschwungs gewählt wurde und Sozialdemokraten und Stalinisten vereinte, setzte das Programm des „chilenischen Wegs zum Sozialismus“ um: Teilverstaatlichungen, verbunden mit der unnachgiebigen Verteidigung des bürgerlichen Staates und der chilenischen Streitkräfte als „granitenes Fundament des revolutionären Prozesses“. Als die Arbeiter im Oktober 1972 als Reaktion auf die Verschwörung der Unternehmer begannen, die Arbeiter- und Verteidigungskomitees - cordones - industriales und autonome Machtorgane zu bilden, wandte die Regierung das Waffenkontrollgesetz an, um sie zu entwaffnen, und ernannte General Augusto Pinochet zum Oberbefehlshaber des Heeres. Die Folge waren der Putsch vom 11. September 1973, die Inhaftierung, Folter und Ermordung von Zehntausenden Arbeitern und Jugendlichen und zwei Jahrzehnte faschistischer Diktatur.

Der entscheidende Faktor dieser Niederlage war das Fehlen einer revolutionären marxistischen Partei, die die chilenische Arbeiterklasse beim Bruch mit dem Stalinismus und der Sozialdemokratie und im Kampf für die Eroberung der Macht hätte orientieren können. Dieses Fehlen hing mit dem revisionistischen Angriff der Pablisten auf die Vierte Internationale zusammen. Die Partido Obrero Revolucionario (POR), die chilenische Sektion der Vierten Internationale, brach 1963 unter pablistischer Führung mit dem Internationalen Komitee und löste sich anschließend auf, um sich 1965 mit castristischen und maoistischen Kräften zur zentristischen Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR) zusammenzuschließen. Die MIR bot Allende „kritische Unterstützung“ an und orientierte Arbeiter und Bauern, die mit dem Stalinismus und der Sozialdemokratie brachen, darauf, „Druck“ auf die Regierung der Unidad Popular ausüben, statt den Kampf um die Arbeitermacht zu organisieren. Die Pablisten lösten die trotzkistische Partei auf und ersetzten sie durch den Zentrismus der MIR. Auf diese Weise hinderten sie die chilenische Arbeiterklasse daran, ihre verräterischen Führungen zu überwinden, und ebneten den Weg zur Niederlage von 1973.

In Argentinien spielten in denselben Jahren die Morenisten eine vergleichbare Rolle. Die Partido Revolucionario de los Trabajadores (PRT), 1965 durch den Zusammenschluss der morenistischen Gruppe mit Mario Santuchos Frente Revolucionario Indoamericanista Popular gegründet, spaltete sich 1968 am Vorabend des Cordobazo-Aufstands. Nahuel Moreno integrierte sich zunehmend in den peronistischen bürgerlichen Apparat, während Santucho die Methoden des Guerillakampfs übernahm.

Im Jahr 1973, unter der Perón-Regierung – als die Todesschwadronen der Triple A eine systematische Welle von Attentaten gegen die Linke verübten –, erklärten die Morenisten: „Unsere Partei ist die einzige innerhalb der argentinischen revolutionären Linken, die öffentlich ihre Unterstützung für den ‚Institutionalisierungsprozess‘ bekundet hat.“ Nach dem Militärputsch von Jorge Rafael Videla im März 1976 beharrten die Morenisten darauf, das Videla-Regime sei „weder objektiv noch subjektiv“ konterrevolutionär. Es folgte die physische Vernichtung der Avantgarde der argentinischen Arbeiterklasse: 30.000 Menschen wurden ermordet oder verschwanden.

Die PTS versucht bewusst, diese Geschichte zu begraben. Doch ihre heutige Politik wurzelt ganz und gar in dieser Tradition. Der zentrale Vorschlag der Ferro-Kundgebung – gran partido de la nueva clase trabajadora (große Partei der neuen Arbeiterklasse) – ist die zeitgenössische Neuauflage einer Operation, die der Morenismus erstmals in den 1980er Jahren durchführte.

Im Jahr 1982, inmitten der Krise der Diktatur, gründete Nahuel Moreno seine Organisation neu als Movimiento al Socialismo (MAS, Bewegung zum Sozialismus). Sie war ausdrücklich als Instrument gedacht, um die Radikalisierung zu kanalisieren, die sich im Zuge des demokratischen Übergangs anbahnte, der zwischen dem Militär und dem US-Imperialismus ausgehandelt worden war. In seiner Broschüre 1982: Die Revolution beginnt führte Moreno die Niederlage von 1976 nicht auf den Verrat des Peronismus und des Morenismus zurück, sondern auf das „reaktionäre und ultrakapitalistische politische Bewusstsein“ des argentinischen Arbeiters. 1983 stellte die MAS Luis Zamora – einen Anwalt aus der Mittelschicht ohne jede Vorgeschichte in der Arbeiterbewegung – als Präsidentschaftskandidaten auf, was ihre kleinbürgerliche Perspektive symbolisierte.

Die MAS brachte im selben Zeitraum ausdrücklich den Vorschlag vor, eine breite „Arbeiterpartei“ aufzubauen. In ihrem Programm von 1985 hieß es:

Es ist möglich, dass das nahe Beispiel der kraftvollen Entwicklung der Arbeiterpartei Brasiliens einige Gewerkschaftsführer dazu veranlasst, diese Erfahrung in unserem Land zu wiederholen. Es ist bekannt, dass die großen Gewerkschaftsführer, die mit der Sozialdemokratie oder der Kirche verbunden waren, die Entwicklung der PT förderten – mit dem Kalkül, dass sie die Hinwendung der Arbeiteravantgarde zum Kommunismus oder zu den Trotzkisten blockieren würde. Auch wir rufen unsererseits diejenigen, die in diese Richtung denken, dazu auf, eine Arbeiterpartei zu gründen und dabei das Sektierertum beiseitezulassen.

Die Forderung nach dem Aufbau einer Arbeiterpartei – ursprünglich 1938 von Trotzki als Taktik für die unabhängige politische Mobilisierung der Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten formuliert – verwandelte die MAS in eine Forderung, die, wie das IKVI 1987 in seiner Erklärung „Nein zu Stalinismus und Volksfront! Baut die Vierte Internationale auf!“ schrieb, ihres revolutionären Inhalts entleert und in den Dienst der Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung gestellt wurde. Als Vorbild diente die brasilianische PT – eine Partei, die von Gewerkschaftsführern aufgebaut wurde, die mit der Sozialdemokratie und der Kirche verbunden waren, und zwar gerade, um die Hinwendung der Avantgarde zu den Trotzkisten zu blockieren, wie die MAS selbst einräumte.

Mit dem Konzept der „großen Partei der neuen Arbeiterklasse“, das Bregman am 1. Mai 2026 im Estadio Ferro verteidigte, wiederholt sie heute dieselbe Operation, die Moreno in den 1980er Jahren erstmals durchführte. Zwar war Bregman damals politisch noch nicht aktiv. Doch sie verkörpert einen bestimmten Typus politischer Führung, der dem Modell von Zamora entspricht: eine Medienfigur und Juristin, die anziehend auf städtische kleinbürgerliche Schichten wirkt und völlig außerhalb der theoretischen und programmatischen Tradition des Trotzkismus steht.

Die PTS selbst ging aus der MAS hervor; sie wurde 1988 gegründet, nachdem ihre Strömung aus der Partei ausgeschlossen worden war. Weit davon entfernt, einen Bruch mit der morenistischen Tradition darzustellen, gründete sich die neue Partei auf die Geschichte der MAS und setzte sich zugleich von deren Führung nach dem Tod Morenos ab. Die internen Strukturen der PTS, die mehrheitlich von MAS-Kadern und deren politischen Nachfolgern dominiert werden, reproduzieren diese Ausrichtung als selbstverständliche politische Praxis. Der Weg, den Bregman heute inmitten einer tiefen revolutionären Krise vorschlägt, ist derselbe, der damals umgesetzt wurde und zur Katastrophe des 11. September 1973 in Chile und zum Putsch vom 24. März 1976 in Argentinien führte.

Die Maikundgebung des IKVI und der Weg für die Arbeiterklasse in Argentinien

Die politische Aufgabe, vor der die argentinische Arbeiterklasse steht, lässt sich weder im Rahmen der FIT-U noch auf der Grundlage der Politik der PTS bewältigen, die ein zentristisches Hindernis für die Entwicklung einer revolutionären Führung darstellt. Auch die PO, die IS und die MST können diese Aufgabe nicht lösen. Sie haben am 1. Mai bewiesen, dass sie mit der Ausrichtung der PTS auf eine Integration in das argentinische politische System politisch übereinstimmen. Ebenso wenig sind die Gewerkschaftsbürokratie der CGT und ihre dissidenten Flügel, die den Klassenkampf eindämmen, dazu in der Lage. Auch peronistische Strömungen bieten keinen Ausweg. Sie setzen das Erbe des Peronismus fort, der zwischen dem argentinischen Nationalkapital und dem US-Imperialismus zu vermitteln sucht.

Die Aufgabe besteht darin, in Argentinien eine Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale aufzubauen, der internationalen revolutionären Partei des Proletariats und der authentischen programmatischen Kontinuität des Trotzkismus. Das erfordert einen bewussten programmatischen Bruch mit der gesamten morenistischen und pseudolinken Tradition sowie die Aneignung der historischen Kämpfe des IKVI gegen den Pablismus, den Stalinismus und alle Spielarten des Opportunismus. Es erfordert die politische Heranbildung marxistischer Kader in einer Zeit, in der sich große Klassenkämpfe entwickeln.

Die Maikundgebung des IKVI in diesem Jahr hat dieser Aufgabe konkrete Gestalt verliehen. Im Gegensatz zum „Internationalismus“ der Ferro-Kundgebung – einer Ansammlung von Grußadressen an Kämpfe in verschiedenen Ländern ohne programmatische Verknüpfung – vereinte die IKVI-Kundgebung 18 Beiträge aus 14 Ländern auf fünf Kontinenten, mit Untertiteln in elf Sprachen. Ausgehend von einer einzigen internationalen strategischen Orientierung formulierte sie die politischen Aufgaben, vor denen die Arbeiterklasse auf jedem Kontinent steht. Das IKVI ist heute die einzige politische Strömung der Welt, die die Weltkrise als Ausbruch der historischen und unlösbaren Widersprüche des kapitalistischen Systems begreift und die internationale Arbeiterklasse als die revolutionäre Kraft benennt, die sie lösen kann. Die authentische Sprache des Marxismus wird nirgendwo sonst gesprochen.

In seiner Eröffnungsrede bezeichnete David North, Vorsitzender der internationalen Redaktion der WSWS, den am 28. Februar 2026 begonnenen Krieg der USA und Israels gegen den Iran als „den Höhepunkt einer 35-jährigen historischen Periode, die mit der Auflösung der UdSSR im Jahr 1991 begann“ – nicht als „isolierte Episode“ oder als „Politik eines bestimmten Präsidenten“, sondern als eine qualitativ neue Stufe kapitalistischer Barbarei. „Ein Weltkrieg“, erklärte er, „ist keine zukünftige Bedrohung, sondern eine Realität, die sich bereits entfaltet.“ Der Krieg gegen die Arbeiterklasse in jedem Land – der Abbau sozialer Rechte, die Umverteilung des Reichtums nach oben, die Hinwendung der herrschenden Eliten zu autoritärer Herrschaft und faschistischen Methoden – ist ein untrennbarer Bestandteil derselben Entwicklung.

Die Kundgebung bestimmte das Jahr 2026 als einen grundlegenden Wendepunkt in der modernen Geschichte. North erklärte, dass „die Periode des relativen sozialen Gleichgewichts vorbei ist“. Weiter sagte er: „Die ersten Monate des Jahres 2026 markieren den Punkt, an dem der Widerstand der Arbeiterklasse als globale Kraft hervorgetreten ist, in einem Ausmaß, das die Grundfragen der Epoche – Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie, Sozialismus oder Barbarei – direkt auf die historische Agenda setzt.“

Die entscheidende Frage der Epoche, so North, sei Sozialismus oder Barbarei – die Frage, welche der beiden Tendenzen sich durchsetzen werde. Die konkrete Antwort darauf sei der bewusste Aufbau der revolutionären politischen Führung der internationalen Arbeiterklasse. Das qualitativ entscheidende Element des Eingreifens des IKVI sei das IKVI selbst – die Weltpartei der sozialistischen Revolution mit ihren nationalen Sektionen, den Sozialistischen Gleichheitsparteien und -gruppen, als trotzkistischen Parteien, die einer gemeinsamen internationalen Strategie folgen. North schloss seine Eröffnungsrede mit den Worten:

Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet nicht, ob wir kämpfen sollen, sondern wie wir kämpfen können, und unter welchem Banner. Unsere Antwort lautet: Der Weg vorwärts besteht im bewussten und organisierten Kampf der internationalen Arbeiterklasse um die Macht. Das Banner ist das der Vierten Internationale. Wir sagen: Baut Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale in jedem Land auf. Nehmt den Kampf für den Sozialismus auf! Vorwärts zur sozialistischen Weltrevolution!

Das Instrument, um die internationale Arbeiterklasse unabhängig von den nationalen Gewerkschaftsbürokratien zu mobilisieren, ist die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC). In allen Ländern müssen Aktionskomitees in Fabriken, Logistikzentren, Schulen und Universitäten aufgebaut werden. Sowohl die Weltpartei als auch die Arbeiterallianz bringen politisch zum Ausdruck, was der Morenismus seinem Wesen nach nicht zu begreifen vermag: die objektive Existenz einer global integrierten Arbeiterklasse, deren Interessen in direktem Konflikt mit der kapitalistischen Herrschaft stehen, die auf dem Nationalstaat und den nationalen Gewerkschaftsbürokratien beruht. Der morenistische „Internationalismus“ bleibt im nationalen Rahmen Argentiniens gefangen, weil seine politische Struktur und sein strategischer Horizont vollständig von der Wahlkonjunktur des argentinischen Nationalstaats bestimmt werden.

Die WSWS ruft die argentinischen Arbeiter und Jugendlichen, die die politische Krise in ihrem Land ernst nehmen und sich von den scheinbar kämpferischen Positionen der PTS und der FIT-U angezogen fühlen, dazu auf, die Geschichte des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und das Programm des revolutionären Trotzkismus gründlich zu studieren. Das politische Erbe des Pablismus und des Morenismus – Chile 1973, Argentinien 1976, MAS 1982 – gehört keiner Vergangenheit an, auf die man sich lediglich rhetorisch berufen kann; es ist der objektive Prüfstein dafür, was solche Traditionen in Momenten revolutionärer Krise hervorbringen. Die Wiederholung dieser Politik ist kein Schicksal, aber sie ist die unvermeidliche Folge der Kontinuität morenistischer politischer Führung. Die Alternative ist der bewusste Aufbau einer internationalen revolutionären Führung in Argentinien. Darin besteht die unmittelbare politische Aufgabe angesichts der Explosion des Klassenkampfs.

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