Die folgende Erklärung gegen die Verurteilung des ukrainischen Trotzkisten Bogdan Syrotjuk schickte Professor Mario Keßler an die World Socialist Web Site.
Keßler ist Experte für jüdische Geschichte und die Geschichte der Arbeiterbewegung. Im Jahr 2011 war er einer von 14 Historikern, Politikwissenschaftlern und Publizisten, die sich gegen die Veröffentlichung der verleumderischen Trotzki-Biografie von Robert Service im Suhrkamp Verlag aussprachen. Zuvor hatte David North, Chefredaktor der WSWS, Services Schmähschrift einer vernichtenden Kritik unterzogen.
Zu Keßlers jüngsten Publikationen gehören: „Leo Trotzki oder: Sozialismus gegen Antisemitismus“ (Dietz Verlag Berlin, 2022), „Sozialisten gegen Antisemitismus. Zur Judenfeindschaft und ihrer Bekämpfung (1844–1939)“ (VSA Verlag, 2023) und Flucht in Ketten, Sehnsucht hinter Mauern.
Essays zur Geschichte, Politik und Kultur (2021-2024), (trafo Wissenschaftsverlag), 2024. Keßler, der heute im Ruhestand lebt, war Gastprofessor an der Yeshiva University in New York City und leitender Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.
Wir rufen unsere Leser auf: Unterschreibt die Petition mit der Forderung nach Bogdan Syrotjuks Freilassung! Schreibt einen Kommentar dazu und unterstützt diese wichtige Kampagne!
Ich, Professor Dr. Mario Keßler, Historiker in Berlin, protestiere hiermit entschieden gegen die Verurteilung von Herrn Bogdan Syrotiuk durch das Gericht in Perwomajsk.
Herr Syrotiuk wird beschuldigt, im Auftrag des Putin-Regimes in Russland gehandelt zu haben. Vor Gericht bekannte sich Herr Syrotiuk nicht schuldig. Er erklärte, dass er als ukrainischer Sozialist den russischen Einmarsch von Anfang an verurteilt habe. Die World Socialist Web Site, die sich aktiv für seine Freilassung einsetzt und für die auch ich interviewt wurde, ist eine in den Vereinigten Staaten registrierte Website.
Bogdan Syrotjuk, ein junger ukrainischer Sozialist, wird seit April 2024 im Gefängnis festgehalten. Die ukrainische Regierung wirft ihm »Hochverrat« vor. Er lehnt den Ukrainekrieg vom Standpunkt des sozialistischen Internationalismus ab und kämpft für die Einheit der ukrainischen und russischen Arbeiterklasse.
Die Website ist mit einer trotzkistischen Organisation verbunden. Muss ich daran erinnern, dass Leo Trotzki als Volkskommissar für Verteidigung den Aufbau der Roten Armee sicherstellte, die in der Lage war, dem Massenmord an ukrainischen Juden während des Bürgerkriegs Einhalt zu gebieten? Muss ich außerdem daran erinnern, dass Trotzki 1939 die Teilung der Westukraine zwischen Deutschland und der Sowjetunion entschieden verurteilte und für eine von der Sowjetunion – einschließlich Stalins Sowjetunion – unabhängige Ukraine eintrat?
Wie passt dies zu dem Vorwurf, Herr Syrotiuk, der sich selbst als Sozialist und Trotzkist bezeichnet, spiele Putins Spiel mit?
Professor Dr. Mario Keßler
Historiker
