Washingtons „wirtschaftlicher D-Day“ gegen den Iran verschärft den Konflikt mit China

US-Finanzminister Scott Bessent spricht zur Presse vor dem Weißen Haus am 20. August 2026 [AP Photo/Jacquelyn Martin]

Am Montag startete die Trump-Regierung, in den Worten von Finanzminister Scott Bessent, einen „wirtschaftlichen D-Day“ gegen den Iran – eine Kampagne von Sekundärsanktionen gegen alle Länder, Banken und Unternehmen, die Handel mit Teheran betreiben. Sie richtet sich vor allem gegen China, das etwa neun Zehntel der iranischen Ölexporte abnahm, bevor die US-Blockade sie zum Erliegen brachte.

Die amerikanischen und israelischen Luftangriffe, die seit sechs Monaten andauern und bei denen bis zum 10. Juni mindestens 3.468 Menschen im Iran getötet wurden, haben die Regierung in Teheran nicht zu Fall gebracht, und die meisten Schiffe meiden weiterhin die Straße von Hormus. Jetzt bringt die US-Regierung den Krieg auf die Ebene der Weltwirtschaft, was auf eine Konfrontation mit China zusteuert.

Bessent kündigte am Montag bei einer Pressekonferenz in Washington an, die Sekundärsanktionen der USA, die bereits für die iranische Ölindustrie und den Bankensektor gelten, auf Gold, digitale Vermögenswerte sowie den Luftfahrt- und Technologiesektor auszuweiten.

Zu den fast 60 Unternehmen, Personen und Schiffen, gegen die am Montag Sanktionen verhängt wurden, gehören laut der Auswertung der Sanktionsliste durch Al Jazeera Handels- und Logistikkonzerne in China und Hongkong sowie juristische Personen in Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich, Griechenland, Syrien, der Ukraine und den Marshallinseln.

Bessent erklärte: „Jedes Land hat eine festgelegte Zeitspanne, um die von uns identifizierten Aktivitäten zu beenden.“ Welche Länder gemeint sind, sagte er nicht. Experten erklärten gegenüber CNN, dass China, Indien, die Türkei, der Irak und die VAE am stärksten betroffen seien.

Auf die Frage von Reportern, ob chinesische Banken betroffen sein würden, antwortete Bessent: „Niemand befindet sich außerhalb der Reichweite von US-Sanktionen.“ Er erklärte weiter, dass „bis Ende dieser Woche eine wichtige Mitteilung über Sanktionen gegen ein Finanzinstitut“ zu erwarten sei.

US-Präsident Donald Trump hatte die Kampagne letzten Mittwoch durch einen Truth-Social-Post in Gang gesetzt. Er schrieb: „JEDES Land, das zulässt, dass seine Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Einrichtungen dem Iran in irgendeiner Form helfen, wird GEWALTIGE wirtschaftliche Konsequenzen zu spüren bekommen.“

Am Donnerstag bezeichnete Bessent die Kampagne auf CNBC als „Doppelschlag“ aus Blockade und Sanktionen. Washington mache anderen Regierungen deutlich: „Entweder ihr seid für uns oder gegen uns.“ Weiter sagte er: „Man darf nicht vergessen, dass die Chinesen 50 Prozent... ihrer Energie aus der Golfregion beziehen.“

Drei Tage vor der Ankündigung machte die Redaktion des Wall Street Journal in einem Leitartikel am Samstag deutlich, dass China das Hauptziel ist. Sie schrieb: „Nach sechs Monaten Krieg gegen den Iran hat Präsident Trump ein Glaubwürdigkeitsproblem. Bisher hat noch kein Präsident die Iran-Sanktionen auf China ausgeweitet, von den isolierten kleinen Raffinerien, die iranisches Öl kaufen, hin zu den chinesischen Staatsunternehmen, die sie unterstützen. Auch hat bisher noch kein Präsident Dubai ein Ultimatum gestellt, das illegale Finanznetzwerk des Iran stillzulegen, und es ernst gemeint.“

Im letzten Absatz des Leitartikels wird gewarnt: „Der Iran könnte darauf erneut mit Militärschlägen auf die Energieindustrie am Golf reagieren, und die USA werden zu einer entschlossenen Reaktion bereit sein müssen.“

Die Redaktion der Washington Post schrieb am Montagabend, die Umsetzung von Bessents „Ansatz, bei dem keinerlei Schlupflöcher zugelassen werden... wird einen schweren Kampf mit China erfordern, dem größten Abnehmer von iranischem Öl“. Weiter hieß es, die US-Sanktionen hätten sich bisher eher gegen „unabhängige Raffinerien und Zwischenhändler gerichtet, statt gegen die großen chinesischen Banken und staatseigenen Unternehmen“.

Die Post schreibt weiter: „Trumps Team kann nicht anders, als seine neu ausgerichtete Herangehensweise in martialische Begriffe zu fassen... Der Begriff D-Day ruft jedoch das Bild einer Militäroperation mit einem klaren Ziel hervor: der bedingungslosen Kapitulation des Feindes. Wirtschaftlicher Druck funktioniert selten auf diese Weise... Deshalb geht es bei Eindämmung nicht wirklich um einen Regimewechsel. Ihr unmittelbares Ziel ist es, den ohnehin angeschlagenen Iran noch weiter zu schwächen, damit er weniger in der Lage ist, seine Nachbarn zu bedrohen und Atomwaffen zu entwickeln.“

Das zeugt von der zunehmenden politischen Krise, die durch das Scheitern des US-Imperialismus bei der Verwirklichung seiner strategischen Ziele im Krieg gegen den Iran ausgelöst wurde.

Der Krieg sollte als Mittel dienen, um das Nadelöhr der weltweiten Ölversorgung unter Kontrolle zu bringen und einen entscheidenden Vorteil gegenüber China zu erlangen. Stattdessen stehen die USA vor einem politischen Debakel, während Chinas Position gestärkt wurde.

Die Sanktionen sind der Versuch, mit wirtschaftlichem Zwang das zurückzuerhalten, was durch Bombardierungen nicht erreicht werden konnte, und diese Gewalt richtet sich gegen Peking. Washington hat die Luftangriffe zwar seit Ende Juli ausgesetzt, aber nicht vollständig aufgegeben. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Montag: „Wir schließen keineswegs kinetische Schläge irgendwo in der Straße von Hormus oder dem Iran aus.“

Der Krieg, der jetzt mithilfe der Sanktionen gerettet werden soll, begann am 28. Februar mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Im April trat ein Waffenstillstand in Kraft und am 17. Juni ein Memorandum, durch das Washington die Blockade aufhob und der Iran Öl exportieren konnte. Dieses Abkommen brach Washington Anfang Juli, indem es Schiffe durch eine Route in der Straße schickte, welcher der Iran nicht zugestimmt hatte. Als der Iran auf die Schiffe feuerte, schlugen die USA zurück, und am 8. Juli erklärte Trump den Waffenstillstand für beendet. Die Blockade wurde wieder in Kraft gesetzt. Am 17. August, dem Tag, an dem das Memorandum auslief, erklärte Trump an die Adresse des Oman, mit dem der Iran über einen Schifffahrtskorridor verhandelt: „Wenn der Oman uns in die Quere kommt, bomben wir ihn in Grund und Boden.“

„Jede wirtschaftliche Lebensader [des Iran] zu durchtrennen“, wie Bessent es formulierte, bedeutet, Sanktionen gegen die chinesischen Raffinerien, Reedereien und Banken zu verhängen, die iranisches Öl kaufen und verladen, und damit gegen den chinesischen Staat. Hinter den Raffinerien steht die größte Volkswirtschaft der Welt. Ein Sanktionsregime, das „keinerlei Schlupflöcher“ zulässt, müsste Chinas Handel mit Rohstoffen und Fertigwaren lückenlos überwachen.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, erklärte am Dienstag bei einer Besprechung, China werde „alles Notwendige tun, um seine Rechte und Interessen entschlossen zu wahren“. Auf die Frage von Bloomberg, ob China seinen Kurs ändern werde, erklärte er, die Kooperation mit dem Iran „dürfe nicht unterbrochen“ werden. Die Financial Times berichtete am Dienstag, Peking habe Washington mitgeteilt, dass jede umfassende Ausweitung der Sanktionen auf chinesische Unternehmen Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen werde.

Am Montag antwortete Bessent auf die Frage, warum die Sanktionen nicht sofort verhängt werden: „Nun, wir geben allen die Chance, schlechtes Verhalten zu korrigieren. Warum sollte ich das globale Finanzsystem in die Luft jagen wollen?“

Bessents Äußerungen sind ein Eingeständnis, wie provokativ das Vorgehen der USA ist. In dem verzweifelten Bemühen, seine geopolitische Position zu stärken, greift das Land zu immer rücksichtsloseren und verzweifelteren Maßnahmen, die den globalen Krieg ständig ausweiten.

Die Financial Times schrieb am Dienstag in einem Leitartikel, die Operation „wirke eher wie eine Reihe von Warnschüssen, die weit vor der Küste abgefeuert wurden“. Sie laufe auf „ein weiteres riskantes Spiel hinaus auf einem Weg, der für beide Seiten letztlich wieder an den Verhandlungstisch führen muss“.

Doch der Kurs, den Washington eingeschlagen hat, führt nicht an den Verhandlungstisch, sondern zu einer Ausweitung des globalen Flächenbrands, der sich vor allem gegen Russland und China richtet.

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