Am Montag hat der Volkswagen-Konzern den Verkauf seines Werks in Osnabrück an den israelischen Finanzinvestor Aurelius Capital und das Land Niedersachsen vereinbart. Statt Cabrios produziert der israelisch-niedersächsische Staatskonzern zukünftig Waffen für Völkermord und Krieg.
Im Sommer 2027 endet in Osnabrück die Fertigung des T-Roc-Cabriolets. Der Standort soll zu einem „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ umgebaut werden – eine Umschreibung für die Umstellung auf Kriegswirtschaft.
Das Land Niedersachsen übernimmt voraussichtlich 20 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen, der Risikokapitalfonds Aurelius Capital die Mehrheit. An der Gründung des Fonds waren ehemalige Führungskräfte aus dem israelischen und US-amerikanischen Sicherheitssektor beteiligt; führende Kräfte kommen aus dem israelischen Militär- und Geheimdienstapparat. Bei dem Deal arbeitet Aurelius Capital Hand in Hand mit Rafael Advanced Defense Systems, einem staatlichen Rüstungsunternehmen, das unter anderem das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ baut. Rafael untersteht direkt dem israelischen Verteidigungsministerium und damit der Regierung Netanjahu.
Der VW-Konzernbetriebsrat unter Daniela Cavallo bejubelt die Zusammenarbeit mit dem Völkermord-Regime in Israel und bezeichnet den Deal als „starke Neuigkeiten für den Standort“. Israels größte Waffenschmiede wird in Osnabrück unter anderem Schwerlast-Transportfahrzeuge für den Raketentransport, Abschussvorrichtungen, Stromgeneratoren und Motoren produzieren.
Die rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der Konzernbetriebsrat und die IG Metall haben die Umwandlung eines Autowerks in eine Rüstungsfabrik aktiv vorangetrieben und feiern sie als „Meilenstein“. Volkswagen zieht sich vollständig aus Osnabrück zurück.
Das Werk beschäftigte in seinen erfolgreichsten Zeiten in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren, als die Traditionsmarke Karmann dort Cabriolets produzierte, bis zu 10.000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Nach der Karmann-Insolvenz 2009 übernahm Volkswagen den Standort mit bereits stark geschrumpfter Belegschaft. Seitdem sank die Beschäftigtenzahl auf 1800.
Betriebsrat und IG Metall haben zugestimmt, dass im neuen Rüstungswerk nur noch zwei Drittel davon weiterarbeiten werden: 400 Arbeitsplätze werden sofort gestrichen, 200 weitere „in näherer Zukunft“. Eine Beschäftigungssicherung für die verbleibenden 1200 gilt nur bis Ende 2029.
Dennoch sind die Gewerkschaftsbürokraten begeistert. Cavallo spricht von einem „wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück“, 1200 Menschen erhielten „eine Perspektive an ihrem Standort“. Für Jürgen Placke, Betriebsratsvorsitzender in Osnabrück, ist die „Übernahme unseres Werks durch Aurelius und das Land Niedersachsen ein erster großer Erfolg“. Und IG-Metall-Chefin Christiane Benner fantasiert von einer „neuen industriellen Perspektive für Osnabrück und die Region“, die „vor allem Sicherheit für die Beschäftigten und ihre Familien“ bedeute.
Wie die SPD die Wirtschaft auf Krieg umstellt
Die SPD hat den Einstieg der israelischen staatlichen Rüstungsindustrie in Deutschland erst möglich gemacht, und zwar in der Bundesregierung wie in der niedersächsischen Landesregierung.
Seit diesem Sommer prüfte das Land den Einstieg in das Werk; Medienberichten zufolge war ein Investment von mindestens 200 Millionen Euro im Gespräch. Die rot-grüne Landesregierung forcierte den Umbau von der Auto- zur Rüstungsproduktion und stützt ihn nun mit ihrem Einstieg.
Der Deal manövriert bewusst Katar aus, das über seinen Staatsfonds (Qatar Investment Authority) 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen hält und den Einstieg von Rafael im VW-Aufsichtsrat bis zuletzt abgelehnt hat. Genau vor einem Jahr, am 9. September 2025, führten die israelischen Streitkräfte (IDF) einen gezielten Luftangriff auf ein Wohngebäude der Hamas-Führung im katarischen Doha durch, der mehrere Tote und Verletzte forderte. Unter den Hunderten gezielt getöteter Zivilisten in Gaza befinden sich viele des katarischen Senders Al Jazeera, darunter Hamza al-Dahdouh, Ismail al-Ghoul, Rami al-Rifi, Anas al-Sharif und Ibrahim Zaher.
Mit der jetzigen Konstruktion wird Katar umgangen: VW zieht sich komplett aus dem Werk zurück und verkauft die Fabrik mitsamt Grundstücken und Hallen – tritt also nicht, wie ursprünglich geplant, als Partner im Rüstungsgeschäft auf. Die neuen Eigentümer Aurelius Capital und das Land Niedersachsen schließen eigenständig die Rüstungsverträge mit Rafael. Damit entfällt die rechtliche Grundlage für ein Veto Katars.
Während Verteidigungsminister Boris Pistorius gemeinsam mit SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil das Land kriegstüchtig macht, Milliarden in Aufrüstung investiert und das Geld über gigantische Sozialkürzungen aus der Bevölkerung presst, hat ihr Parteifreund Lies in Niedersachsen den Verkauf und die Umwidmung des Werks maßgeblich befördert.
Lies nannte die Vereinbarung eine „echte industrielle Chance“ für Osnabrück und verwies auf die „veränderte Sicherheitslage“ sowie das „gestiegene Schutzbedürfnis“. Niedersachsen wolle dazu beitragen, „dass daraus Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstehen“. Deutlicher kann man Kriegspolitik nicht aussprechen.
Beim Umbau Deutschlands in eine Kriegsnation kann sich die SPD auf die IG Metall verlassen. Viele Gewerkschafter und Arbeiter haben mit Empörung auf die Satzung der Gewerkschaft verwiesen, wonach sich die IGM „für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ einsetzt und die „Demokratisierung der Wirtschaft unter Fernhaltung von neofaschistischen, militaristischen und reaktionären Elementen“ zum Ziel hat.
Der IGM- und Betriebsratsapparat hat sich dem Rüstungskurs offen angeschlossen. Für Jürgen Kerner, Vize-Chef der IG Metall, lautet die Frage nicht, ob die Gewerkschaft der Umwandlung auf Kriegsproduktion zustimmt, sondern „wie sie diese am besten unterstützen kann“.
Der Verkauf des VW-Werks Osnabrück markiert einen Wendepunkt: Erstmals wird ein ganzes Autowerk in eine Rüstungsfabrik umgewandelt. Schon sehen Investmentfonds Osnabrück als Testfall für die Umwandlung weiterer VW-Werke.
Wenn es nach IG Metall und Betriebsrat geht, werden auch die vier Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau, in denen der Auslauf der Autoproduktion feststeht, durch die Rüstungsindustrie „gerettet“. Letzte Woche hatten sie in einem historischen Verrat gemeinsam mit den Eigentümerfamilien und dem Management den Abbau von weiteren 50.000 Jobs und das Auslaufen dieser vier Werke beschlossen.
Dass sie damit deren Stilllegung besiegelten, bestreiten die Funktionäre seither vehement: Sie hätten lediglich „zur Kenntnis genommen“, dass diese Werke „akute Wettbewerbsnachteile“ hätten und „ab den Jahren 2031 bis 2034 nicht mit Folgeprodukten berücksichtigt“ werden. Daher solle geprüft werden, ob es „alternative Verwendungsmöglichkeiten“ gebe – sprich ein Verkauf, vorzugsweise an die Rüstungsindustrie.
Die Umstellung von VW auf Kriegswirtschaft durch die Familien Porsche/Piëch und den Staat knüpft an historische Vorbilder an: Volkswagen war 1937 nach der Zerschlagung von KPD, SPD und Gewerkschaften von den Nazis als „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH“ gegründet worden. Mit Kriegsbeginn 1939 stellte der Konzern vollständig auf Rüstungsproduktion um und fertigte Kübelwagen, Schwimmwagen, Flugzeugteile und die V1-Rakete.
Finanziert wurde der Aufbau des Konzerns mit Geldern der verbotenen Gewerkschaften und hohen Profiten aus Kriegsrüstung und Zwangsarbeit. Darauf beruht das heutige Vermögen der beiden Familien von rund 40 Milliarden Euro.
Heute ist es die SPD, die Deutschland maßgeblich auf Krieg trimmt. Die Gewerkschaften, in der Regel von Sozialdemokraten geführt, unterstützen sie dabei. Die IG Metall hatte bereits im Februar 2024 mit der SPD und der Rüstungsindustrie einen förmlichen „Aufrüstungspakt“ geschlossen: „Die eigenen Verteidigungsfähigkeiten in den Dimensionen Land, Luft und See müssen weiterentwickelt, gegebenenfalls neue aufgebaut werden, um die Leistungsfähigkeit der Industrie zu sichern“, heißt es in dem Papier, das von der IG Metall, dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) und dem Wirtschaftsforum der SPD unterzeichnet wurde.
Der Angriff auf Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und Löhne ist Bestandteil eines eskalierenden Klassenkriegs, der untrennbar mit der Rückkehr zu Krieg und Militarismus verbunden ist. Hunderte Milliarden Euro werden in die Aufrüstung investiert. Die Bundesregierung hat seit Februar 2022 nach eigenen Angaben mehr als 43,3 Milliarden Euro an die Ukraine überwiesen und militärische Unterstützung von rund 57,6 Milliarden Euro geleistet beziehungsweise bereitgestellt.
Die Netanjahu-Regierung wird bei ihrem Völkermord an den Palästinensern und dem Krieg gegen den Iran mit Rüstungsgütern in Milliardenhöhe unterstützt. Allein im ersten Halbjahr 2026 beliefen sich die genehmigten Rüstungsexporte nach Israel auf knapp 800 Millionen Euro – in den drei Jahren zuvor waren es rund 650 Millionen Euro.
Die Umstellung auf Rüstungsproduktion muss abgelehnt werden. Die Verteidigung der Arbeitsplätze darf nicht den Gewerkschaften überlassen werden, die als bezahlte Handlanger der Konzerne agieren. Stattdessen müssen unabhängige Aktionskomitees aufgebaut werden, die Kämpfe branchen- und länderübergreifend koordinieren, als Teil der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC).
Der nationalistischen Gewerkschaftspolitik, die Standorte gegeneinander ausspielt und Kriegspolitik unterstützt, muss die internationale Einheit der Arbeiterklasse entgegengesetzt werden – unabhängig von Nationalität, Herkunft und Hautfarbe.
Der Kampf für Arbeitsplätze und gegen Krieg erfordert eine sozialistische Strategie: Die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung müssen Vorrang vor Konzernprofiten haben, deren Diktatur ist zu brechen und ihre Betriebe sind in öffentliches Eigentum zu überführen.
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