Die NATO hat am Dienstag die Entsendung weiterer Streitkräfte ins Schwarze Meer angekündigt. Als Grund nannte sie zunehmende militärische Angriffe auf die Handelsschifffahrt. Dieser Schritt stellt eine gefährliche Eskalation des NATO-Kriegs gegen Russland in der Ukraine dar.
Die Ankündigung folgte im Anschluss an ein Treffen des Nordatlantikrats in Brüssel, des wichtigsten politischen Entscheidungsgremiums der NATO, bei dem es um die Lage im Schwarzen Meer ging. Colonel Martin O'Donnell von der US Army, ein Militärsprecher der NATO, erklärte: „Die Verbündeten haben es bereits getan oder werden zusätzliche Seeaufklärungsflugzeuge, Radarsysteme, Sprengstoff-Einsatzteams, Geheimdienstpersonal, Drohnen und mehr ins Schwarze Meer schicken.“
NATO-Sprecherin Allison Hart erklärte: „Die NATO hat bereits ihre Aufstellung entlang der Ostflanke gestärkt, u.a. mit Systemen zur Drohnenabwehr. Wir werden weiterhin geschlossen auftreten und sicherstellen, dass wir bereit und in der Lage sind, jeder Bedrohung zu begegnen und die Sicherheit unserer eine Milliarde Bürger zu gewährleisten.“
Am Dienstag bestätigte Bulgarien, dass ein US-Aufklärungsflugzeug des Typs P-8 Poseidon Patrouillenflüge über dem Schwarzen Meer begonnen hat. Frankreich hat Berichten zufolge am 18. Oktober ein Seeaufklärungsflugzeug nach Rumänien geschickt.
Mit ihren eskalierenden Maßnahmen reagiert die NATO auf Forderungen von Rumänien und Bulgarien, den beiden Mitgliedern des Bündnisses an der Westküste des Schwarzen Meeres. Am 6. Oktober wurden zwei Handelsschiffe in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Bulgariens, etwa 70 Seemeilen östlich der Küste von Byala, von See- und Luftdrohnen angegriffen. Dabei handelte es sich um den ersten gemeldeten Angriff in der bulgarischen Wirtschaftszone. Das Schiff Alfa Watan, das unter der Flagge von Togo fuhr, sank, und zehn Matrosen gelten weiterhin als vermisst.
Am 14. Oktober wurde der Tanker Yara J, der unter der Flagge der Komoren fuhr, Ziel eines Drohnenangriffs in rumänischen Hoheitsgewässern bei Sulina. Am 17. Oktober behauptete Rumänien, seine F-16-Kampfflugzeuge hätten zwei Drohnen abgeschossen, die in rumänische Hoheitsgewässer eingedrungen waren. Laut dem Fachmagazin Maritime Executive wurden im westlichen Schwarzen Meer in diesem Monat mindestens acht Angriffe auf Handelsschiffe verzeichnet, abgesehen von Angriffen auf ukrainische Häfen: vier vor der rumänischen Küste und vier in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Bulgariens. Dabei kamen nach Berichten 23 bis 27 Seeleute ums Leben oder werden vermisst.
Bulgarien, Rumänien und die NATO konnten bisher nicht nachweisen, dass Russland für diese Angriffe verantwortlich ist. Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew erklärte: „Es gibt keinen logischen Grund dafür, dass die Ukraine ihre eigenen Schiffe und Besatzungen angreift, zumal das Ergebnis all dieser Angriffe Russland in die Hände spielt – tatsächlich deutet die Logik in diese Richtung. ... Das Problem ist, dass wir es nicht beweisen können.“
Es gibt eine sehr klare Logik, die darauf hindeutet, dass die Ukraine solche Angriffe durchführen könnte: Wie die jüngste Entscheidung zur Verstärkung der Präsenz im Schwarzen Meer zeigt, beschleunigen solche Provokationen die Vorbereitungen der NATO auf einen direkten Krieg gegen Russland.
Letzte Woche erklärte der rumänische Verteidigungsanalyst Radu Tudor gegenüber AP: „Es ist umstritten, ob die ausschließliche Wirtschaftszone in den Geltungsbereich einer Reaktion gemäß Artikel 5 fällt oder nicht.“ Er forderte ein aggressiveres Vorgehen der NATO: „Es kommt zu Dutzenden von Vorfällen, und Russland rückt immer näher an die NATO-Grenzen heran... Worte reichen nicht mehr aus.“
Militärische Eskorten für Handelsschiffe im Schwarzen Meer, wie sie hier vorgeschlagen werden, könnten zu einem direkten Zusammenstoß zwischen der NATO und Russland führen. Eine anonyme Quelle erklärte gegenüber der AP, man habe „gehört, dass die Türkei alle Anrainerstaaten [des Schwarzen Meeres] zusammenrufen möchte, um eine Mission zur Eskortierung dieser Konvois durch einen militärisch gesicherten Korridor zu planen.“ Eine offizielle Stellungnahme zu der Angelegenheit gab es bisher nicht.
Im Juli gab das rumänische Verteidigungsministerium bekannt, Rumänien, Bulgarien und die Türkei hätten das „Marineabkommen zur Minenabwehr-Einsatzgruppe im Schwarzen Meer“ ausgeweitet, um eine dauerhafte Marinepräsenz in der rumänischen ausschließlichen Wirtschaftszone zu etablieren. Rumänien hat vor kurzem die Einrichtung eines gemeinsamen Militärkommandos der drei NATO-Mitglieder am Schwarzen Meer vorgeschlagen.
Die NATO-Stationierung im Schwarzen Meer erfolgt in einer Situation, in der die europäischen NATO-Mächte ihre Verpflichtung zur uneingeschränkten politischen, militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland bekräftigen. Dies schließt ukrainische Militärschläge tief im Inneren Russlands und Pläne für eine Blockade der russischen Ostseeküste einschließlich des strategisch wichtigen Gebiets Kaliningrad ein.
Letzten Samstag hat die Ukraine St. Petersburg mit mehr als tausend Drohnen angegriffen. Die Drohungen der NATO gegen Kaliningrad Anfang Oktober veranlassten Russland zu der Warnung, es werde mit allen Mitteln reagieren, einschließlich Atomwaffen.
Das Schwarze Meer, durch das etwa ein Viertel des weltweiten gehandelten Weizens befördert wird, ist zu einem Schlachtfeld geworden, insbesondere durch die Angriffe auf Handelsschiffe in diesem Jahr, die den Handel gestört und die globalen Weizenpreise in die Höhe getrieben haben. Laut Daten der türkischen Schifffahrtskammer IMEAK wurden seit Beginn des Kriegs im Februar 2022 insgesamt 226 zivile und kommerzielle Schiffe Opfer von Angriffen im Schwarzen Meer, 163 davon in den ersten acht Monaten dieses Jahres.
Laut CBS News kam das britische Unternehmen Ambrey, das auf globale maritime Risiken spezialisiert ist, in einer Berechnung zu dem Ergebnis, dass es alleine zwischen Juli und Ende September mehr als 210 Angriffe auf Handelsschiffe gab. Davon wurden der Ukraine 125 und Russland 88 Angriffe zugeschrieben. Laut der rumänischen Außenministerin Oana Țoiu ist das Schwarze Meer für die Handelsschifffahrt zur gefährlichsten Region der Welt geworden.
Die Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer haben in diesem Jahr drastisch zugenommen, nachdem die NATO-Führung im Dezember 2025 signalisiert hatte, sie würde ukrainische Angriffe auf die russische „Schattenflotte“ unterstützen. Die World Socialist Web Site schrieb dazu im März 2026:
Die Angriffe im Schwarzen Meer erfolgen mit Wissen und der Billigung der NATO. Anfang Dezember hatte NATO-Generalsekretär Mark Rutte angedeutet, man habe solche Angriffe bewilligt: „Wir verstärken unsere Unterstützung für die Ukraine und erhöhen den Druck auf Russland. Dazu gehört auch das Vorgehen gegen Russlands Schattenflotte und andere Maßnahmen, um den Kreml vor strategische Dilemmata zu stellen.“
Russland hat vor den gefährlichen Konsequenzen einer verstärkten NATO-Präsenz im Schwarzen Meer gewarnt. Die Nachrichtenagentur TASS berichtete am 20. Oktober, der Direktor der Abteilung für europäische Angelegenheiten im russischen Außenministerium, Wladislaw Maslennikow, habe gegenüber der Zeitung Iswestija erklärte: „Die NATO-Verbündeten haben auch ihre Aufklärungsaktivitäten in der Region verstärkt. Aufklärungsflugzeuge, die im rumänischen Constanța stationiert sind, überwachen das Schwarze Meer kontinuierlich. NATO-Soldaten geben die Daten, die sie sammeln, an das Kiewer Regime weiter. ... Vor diesem Hintergrund steigt tatsächlich das Risiko von Zwischenfällen, auch von unbeabsichtigten.“
Die imperialistischen Mächte ermutigen Angriffe tief im Inneren Russlands und Provokationen in der Ostsee und im Schwarzen Meer und versuchen damit, das Regime des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einer Reaktion zu provozieren, die der NATO einen Vorwand für einen direkten Kriegseintritt liefern würde. Das unterstreicht die Dringlichkeit des Aufbaus einer sozialistischen Antikriegsbewegung in der internationalen Arbeiterklasse gegen die imperialistische Aggression, unabhängig vom Putin-Regime, das die reaktionären Interessen der russischen kapitalistischen Oligarchie verteidigt.
Mehr lesen
- EU-Gipfel in Brüssel: Europäische Mächte verschärfen Kriegskurs gegen Russland
- Europäische Mächte reagieren auf russische Atomwarnungen mit weiterer militärischer Eskalation
- Steht die Welt am Rande eines Atomkriegs?
- Massiver ukrainischer Drohnenangriff auf St. Petersburg verschärft Krieg der NATO gegen Russland
