Israel fällt im Westjordanland ein und bereitet zusammen mit Trump neue Angriffe auf den Iran vor

Itamar Ben-Gvir, faschistischer Sicherheitsminister Israels, im Gespräch mit Reportern nahe Hebron im besetzten Westjordanland, 23. Oktober 2026 [AP Photo/Mahmoud Illean]

Am Freitag, den 23. Oktober, riegelte die israelische Regierung das besetzte Westjordanland ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er bereite dort eine Militäroperation vor, wie es sie seit der Eroberung des Gebiets durch Israel im Jahr 1967 nicht mehr gegeben habe.

Im Bündnis mit der Trump-Regierung weitet die israelische Regierung den Völkermord in Gaza auf das Westjordanland aus. Gleichzeitig bereiten die USA und Israel eine neue Offensive gegen den Iran vor.

Beides ist Teil einer zusammenhängenden Operation zur Schaffung eines „neuen Nahen Ostens“, wie sie Präsident Joe Biden (Demokraten) im Oktober 2023 eingeleitet und Donald Trump seither durchgesetzt hat. Die vollständige Unterwerfung und ethnische Säuberung Palästinas ist eine logische Konsequenz der Kriegspläne der Regierungen von Trump und Netanjahu.

Netanjahu ordnete die Abriegelung nicht zufällig jetzt an: Am 27. Oktober finden die israelischen Parlamentswahlen und am 3. November die US-Zwischenwahlen statt. Vier Tage zuvor hielt sich US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Israel auf. Die New York Times schrieb am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Hegseth und Netanjahu hätten über neue Angriffe auf den Iran nach den US-Zwischenwahlen diskutiert.

Genau wie bei den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023, die Netanjahu als Vorwand für die Besetzung des Gazastreifens und die Vertreibung und Ausrottung seiner Einwohner nutzte, nimmt er diesmal einen Angriff auf israelische Soldaten zum Vorwand für die Offensive zur Annexion des Westjordanlands.

Zwei Soldaten, Stabsfeldwebel Ron Yonatan Roytman (23) und Feldwebel Yuval Shai Svilem (20), wurden am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt außerhalb von Hebron im südlichen Westjordanland getötet. Das israelische Militär behauptete, zwei Palästinenser aus Hebron hätten das Feuer auf den Kontrollpunkt eröffnet und seien später, nach einem 20-minütigen Schusswechsel, von israelischen Soldaten erschossen worden.

Netanjahu kündigte die Zerstörung des Stadtteils an, aus dem die mutmaßlichen Schützen kamen. Die Times of Israel berichtete am Freitag, er habe an dem Kontrollpunkt erklärt: „Zunächst werden wir diesen Ort zerstören, ihn vollständig umgestalten.“ Das Militär werde das „erfolgreiche und aggressive Vorgehen anwenden, das wir in den Flüchtlingslagern angewandt haben; [wir werden] von Haus zu Haus“ gehen.

Ebenfalls am Freitag erklärte Netanjahu, die Regierung erwäge „eine sehr umfangreiche Operation der IDF in Judäa und Samaria“, d.h. im Westjordanland, wie sie seit dem Krieg von 1967 „nicht mehr durchgeführt wurde“.

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Freitag, genau wie in Gaza werde „jedes Clan-Viertel in Hebron, aus dem die Terroristen heute hervorgekommen sind, von seinen Bewohnern geräumt werden“.

Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb am Freitag: „Es gibt keine Alternative zu einer umfassenden Militäraktion in Judäa und Samaria, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen, die Waffen einzusammeln und die Terroristen zu eliminieren, genau wie wir es in Gaza getan haben.“ Die Palästinensische Autonomiebehörde verwaltet die palästinensischen Städte im Westjordanland, und es gibt keine Beweise für eine Verbindung zu den bewaffneten Angreifern.

Bis Freitagabend zerstörte das Militär laut der Times of Israel palästinensische Gebäude in der Nähe von Hebron. Smotrich hatte zuvor erklärt, er habe die sofortige Zerstörung „eines großen Teils der illegalen arabischen Gebäude“ angeordnet. Das Militär erklärte am Abend, es habe „offensive Anti-Terror-Einsätze im Raum Hebron eingeleitet“.

Wie UN News am Mittwoch berichtete, zählte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in den ersten 14 Tagen des Oktobers „mindestens 160“ Angriffe von Siedlern im Zusammenhang mit der Olivenernte. Am Montag erklärte die Behörde, israelische Truppen und Siedler hätten innerhalb von zwei Wochen fünf Palästinenser im Westjordanland getötet und mehr als 240 weitere verwundet.

Daneben verübten Siedler provokante Angriffe auf Ausländer. Wie Al Jazeera am 20. Oktober berichtete, waren am 16. Oktober etwa 80 maskierte Siedler mit Knüppeln auf eine Gruppe palästinensischer Olivenpflücker in der Nähe des Dorfs Abu Fala losgegangen und schlugen die Fotojournalistin Heidi Levine nieder, die für die Washington Post arbeitet. Einen Tag später berichtete Al Jazeera, am 17. Oktober hätten 17 maskierte Siedler französische, belgische und polnische Diplomaten in der Stadt Taybeh angegriffen und den französischen Bürgermeister Bernard Baudoux (78) zu Boden geworfen.

Laut NBC News vom Freitag bezeichnete Netanjahu die Siedler im Westjordanland am gleichen Tag als „Helden“ und „Vorbild für das Volk Israels und den Staat Israel“.

Die New York Times berichtete am Mittwoch, US-Militär und das israelische Militär hätten gemeinsam „konkrete Pläne für erneute Angriffe auf den Iran nach den amerikanischen Zwischenwahlen ausgearbeitet“. Laut der Times sollen die Vorbereitungen der USA bis Anfang November abgeschlossen sein.

Trump erklärte am Mittwochabend gegenüber einem Reporter auf der Joint Base Andrews außerhalb von Washington: „Wir verhandeln nicht mit ihm [dem Iran]. So oder so wird etwas geschehen – und zwar ziemlich bald. Die meisten gehen offenbar davon aus, dass es nach den Wahlen passiert.“

Netanjahu hat einen Regimewechsel im Iran in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt. Al Jazeera zitierte ihn am Dienstag mit den Worten: „Wir sind entschlossen, die Eliminierung des iranischen Regimes zu vollenden.“

Am Donnerstag töteten israelische Truppen vier Palästinenser in Gaza. Bis zum Donnerstag verzeichnete das Gesundheitsministerium von Gaza mindestens 1.500 Tote seit der Ankündigung des „Waffenstillstands“ im Oktober 2025, und mehr als 74.450 seit Oktober 2023.

Im US-Kongress gaben der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, und der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, zu der Abriegelung oder den Times-Berichten keine Stellungnahme ab. Die Demokraten werfen Trump vor, er gehe nicht aggressiv genug gegen Russland und den Iran vor. Am 17. Oktober, einen Tag nachdem Trump fast alle Russland-Sanktionen aus dem Sanctioning Russia and Iran Act aufgehoben hatte, erklärte Schumer: „Trump leistet einem Diktator Beihilfe, der dem Iran dabei geholfen hat, US-Truppen im Nahen Osten anzugreifen.“ Der Sanctioning Russia and Iran Act, den 58 Demokraten am 16. September im Repräsentantenhaus unterstützt hatten, verlängert zudem die Sanktionen gegen den Iran um weitere fünf Jahre.

Demokratische Senatoren attackieren die Regierung seit Monaten, weil sie mit ihrer Strategie nicht in der Lage sei, den Krieg zu gewinnen. Senator Gary Peters (Demokraten, Michigan) warf Hegseth bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats am 21. Juli vor: „Sie haben keine Strategie. Sie haben keinen langfristigen Plan, um diesen Krieg tatsächlich zu gewinnen.“ Er forderte Hegseth auf: „Gewinnen Sie den Krieg.“

Der demokratische Senator Mark Kelly (Arizona) erklärte am 27. September in der ABC-Sendung This Week: „Wir dürfen die Meerenge nicht den Iranern überlassen.“ Der demokratische Senator Ruben Gallego (Arizona) attackierte Hegseth wegen dessen Gründung einer Behörde für religiöse Angelegenheiten im Pentagon und erklärte am 30. September auf CNN, jede neue Pentagon-Behörde müsse sich der Aufgabe widmen, „einen Weg zu finden, wie man diesen Krieg im Iran gewinnt“.

Loading