Elon Musk: inmitten höchster Covid-Todeszahlen jetzt der reichste Mensch der Welt

Letzte Woche überflügelte Elon Musk, Gründer und CEO von Tesla und SpaceX, als reichster Mensch des Planeten den CEO von Amazon, Jeff Bezos. Musks persönliches Nettovermögen beläuft sich inzwischen auf 189 Milliarden Dollar oder etwa 155 Milliarden Euro.

Bezos und Musk haben sich im Lauf des letzten Jahres als Standartenträger für die extreme Bereicherung der Milliardäre dieser Welt etabliert. Seit Beginn des letzten Jahres haben die 500 reichsten Menschen der Welt ihr Vermögen um 1,8 Billionen Dollar gesteigert, und die Milliardäre der Welt besitzen nun erstmals in der Geschichte mehr als 10 Billionen Dollar.

Elon Musk in der Tesla-Fabrik von Fremont, Kalifornien (Credit: Wikimedia Commons)

Bezos und Musk sind allein schon für einen erheblichen Teil dieses Anstiegs verantwortlich. Seit März 2020 hat Jeff Bezos sein Vermögen laut Forbes um rund 72 Milliarden Dollar gesteigert. Musks Vermögen stieg jedoch um 165 Milliarden Dollar im Laufe dieses letzten Jahres, das in den USA und auf der ganzen Welt von außerordentlichem Leid und Tod geprägt war.

Am selben Tag, an dem Musk der reichste Mensch der Erde wurde, starben laut Worldometer allein in den USA 4.245 Menschen an Covid-19. Am Ende des Jahres waren nach Angaben des US-Arbeitsministeriums 10,7 Millionen amerikanische Arbeiter offiziell arbeitslos, und nach einer Analyse der Volkszählungsdaten durch das Economic Policy Institute mussten 50 Millionen Amerikaner, darunter 17 Millionen Kinder, aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie hungern.

Es ist zunächst erwähnenswert, dass die Reaktion des neu gekrönten reichsten Mannes der Welt auf den beispiellosen Putschversuch von Präsident Donald Trump vom 6. Januar in einer Reihe von idiotischen, zusammenhangslosen Memes auf Twitter bestand. Für Musk war das Ereignis, das unter hochrangiger staatlicher Beteiligung stattfand und, Berichten zufolge, die Entführung und sogar Ermordung hochrangiger Demokraten zum Ziel hatte, ein Anlass für abfällige Witze.

Die harmloseste Interpretation könnte die Annahme sein, dass Musk, dessen Vermögen jetzt größer ist als das jährliche BIP des Irak, tatsächlich ein kulturloser Ignorant ist. Das ist sicherlich richtig. Man sollte jedoch Musks enge Beziehung zur Trump-Administration berücksichtigen: Er saß 2017 im Wirtschaftsbeirat des Präsidenten und lobte bei den Wahlen 2020 Trumps Unterstützung für seine Unternehmen. Also könnten seine Tweeds durchaus darauf hinweisen, dass er den Versuch unterstützt, die US-Verfassung gewaltsam zu stürzen, oder zumindest eine abwartende Haltung einnimmt.

Darüber hinaus ist Musks Tweet vom letzten Sommer mit einem plumpen Angriff auf Karl Marx ein Hinweis darauf, dass nicht nur Musk, sondern die ganze Wirtschafts- und Finanzoligarchie extrem nervös sind, denn das phantastische Ausmaß an Ungleichheit in der amerikanischen und Welt-Gesellschaft wird unweigerlich eine revolutionäre Antwort der Arbeiterklasse erzeugen. Trump selbst hat sich seit Jahren als letztes Bollwerk dargestellt, das noch zwischen den Vereinigten Staaten und dem Sozialismus stehen würde.

Aber unabhängig von Musks unmittelbarem Kalkül ist der Drang zum Faschismus das unvermeidliche Ergebnis einer Situation, in der die Ungleichheit schwindelerregende Ausmaße angenommen hat. Dies ist mit demokratischen Herrschaftsformen nicht mehr vereinbar. Die Reaktion beider großen Parteien in den USA auf die Pandemie, die darin besteht, Billionen in die Wall Street zu schleusen und die Arbeiter in unsichere Arbeitsplätze zu zwingen, lässt sich so zusammenfassen, dass Hunderttausende von Menschenleben den Profiten der Wall Street geopfert werden.

Musk ist nicht nur ein Nutznießer dieser Politik, sondern spielt eine führende Rolle bei deren Umsetzung. Im vergangenen Mai verstieß Musk bewusst gegen die kalifornischen Bestimmungen zur Isolation und Kontaktvermeidung und ließ Teslas Montagewerk in Fremont auf Hochtouren laufen.

Zu diesem Zeitpunkt besaß Musk „nur“ rund 40 Milliarden Dollar und war der 22.reichste Mensch der Welt. Trotz dieses dreisten Verstoßes gegen das Gesetz rührten die kalifornischen Demokraten gegen ihn keinen Finger. Trump twitterte zur Unterstützung: „Kalifornien sollte Tesla & @elonmusk das Werk öffnen lassen, JETZT. Das geht rasch & sicher!“ Dies war ein wichtiger Meilenstein für die Wiedereröffnung der US-Autoindustrie, die seit einer spontanen Streikwelle Mitte März monatelang geschlossen war.

Musk verkörpert wohl mehr als jeder andere das parasitäre Wesen der Wirtschafts- und Finanzoligarchie, die die Gesellschaft im Würgegriff hält.

Sein Reichtum ist fast ausschließlich ein Produkt der Börsenblase. Musks eigentliche geschäftliche Unternehmungen sind vergleichsweise unbedeutend. Die Hauptquelle seines Reichtums sind seine Aktien von Tesla, einer Firma für Elektrofahrzeuge, die weniger als ein Prozent des weltweiten Automarktes beliefert. Laut der Website Motley Fool lieferte Tesla im Jahr 2020 weniger als eine halbe Million Autos und verfehlte damit das Jahresziel des Konzerns.

Im Gegensatz dazu produzierte Toyota im Geschäftsjahr 2019/2020 weltweit 8,8 Millionen Fahrzeuge und der Ford-Fahrzeuggroßhandel erreichte allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres 1,18 Millionen Einheiten. General Motors verkaufte im Jahr 2020 weltweit insgesamt 2,5 Millionen Fahrzeuge.

Dennoch stiegen die Aktien des kalifornischen Elektroautobauers Tesla letzte Woche an einem Tag um 8 Prozent und in der ersten Woche des Jahres 2021 insgesamt um 20 Prozent. Im letzten Jahr ist der Aktienkurs um über 720 Prozent angestiegen. Das Unternehmen selbst hat laut BBC News einen Marktwert von über 760 Milliarden Dollar erreicht, das ist „mehr als der gesamte Marktwert der Autohersteller Toyota, Volkswagen, Hyundai, [General Motors] und Ford zusammen“.

Außerdem ist Tesla nicht einmal besonders profitabel. Letzten Monat schickte Musk eine verzweifelte E-Mail an das Management, in der er forderte, dass Tesla Wege finden müsse, um die Kosten auf jede erdenkliche Weise zu senken. „Wenn man sich unsere tatsächliche Rentabilität ansieht, ist sie sehr niedrig, etwa ein Prozent für das letzte Jahr. Die Investoren geben uns eine Menge Kredit für zukünftige Profitabilität, aber wenn sie irgendwann zu dem Schluss kommen, dass das nicht passieren wird, dann wird unsere Aktie sofort wie ein Soufflé unterm Holzhammer platt gemacht!“

Der Anstieg der Tesla-Aktie, der in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen produktiven Aktivitäten des Unternehmens steht, ist so unwirklich, dass der BBC-Technologiekorrespondent Rory Cellan-Jones unverblümt sagte: „Zu glauben, dass der Wert des Elektroautoherstellers in nur 12 Monaten so schnell steigen könnte, ist das ultimative Beispiel für irrationalen Überschwang.“

Allerdings – und das spielt zweifellos eine wichtige Rolle bei der Umarmung von Tesla durch die Wall Street – gehören die 48.000 Arbeiter des Unternehmens zu den am meisten ausgebeuteten der ganzen Branche. Fabrikarbeiter im Hauptwerk in Fremont (Kalifornien) verdienen laut Glassdoor.com zwischen 14 und 23 Dollar pro Stunde. Das ist kaum genug, um sich die Monatsmiete für eine Zweizimmerwohnung in der Bay Area zu leisten. Sie arbeiten bis zu 12 Stunden am Tag, unter Bedingungen, die zu einer so hohen Verletzungsrate bei den Arbeitern führt, dass Musks Werk von der Arbeitsschutzorganisation National Council for Occupational Health and Safety als einer der gefährlichsten Arbeitsplätze in den USA bezeichnet wurde.

Was die Raketenfirma SpaceX betrifft, so ist sie das Forum, in dem Musk seine aristokratischen Wahnvorstellungen auslebt, eines Tages persönlich den gesamten Planeten Mars zu besitzen. Am selben Tag, an dem er zum reichsten Menschen wurde, schlug Musk vor, die meisten seiner Besitztümer, mit Ausnahme aller Aktien, zu verkaufen, um mit SpaceX eine Kolonie auf dem Mars zu gründen. Die Nutzungsbedingungen für die satellitengestützten Breitband-Internetdienste von SpaceX enthalten, Berichten zufolge, die kaum rechtmäßige Bestimmung für Abonnenten, anzuerkennen, dass der Mars ein „freier“ und „selbstverwalteter“ Planet sei.

Musk schlug auch effektiv Schuldknechtschaft als Möglichkeit für zukünftige Kolonisten vor, um die Passage zum Roten Planeten zu finanzieren. Er sagte anlässlich der Verleihung des Axel Springer Awards, dass er plane, Menschen zum Mars zu schicken, und dass diejenigen, die kein Geld für die Raumfahrt hätten, die enormen Schulden, die sie dadurch aufhäuften, später auf dem Mars bei ihm abarbeiten könnten. Das US-amerikanische Programm der bemannten Raumfahrt ist inzwischen dabei, immer mehr zu einem Marketing- und Geldmachereiunternehmen für Musk und andere zu verkommen.

Musks rasanter Aufstieg ist die Verkörperung einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die Kapitalismus heißt und die sich so weit von dem entfernt hat, was die Gesellschaft wirklich braucht, dass sie „unweigerlich sozialen Protest und kompromisslosen politischen Widerstand hervorrufen wird“, wie die World Socialist Web Site in ihrer Neujahrserklärung schreibt. Die Gesellschaft kann es nicht länger dulden, dass sich so riesige Massen an Reichtum, die ihre Quelle in der Ausbeutung der Arbeiterklasse haben, in den Händen von so wenigen anhäufen.

Die Antwort der Arbeiterklasse muss in einer unabhängigen politischen Bewegung bestehen, mit dem Ziel, diesen Reichtum zu enteignen und ihn im Interesse der Gesellschaft sinnvoll zu verwenden, anstatt die egoistischen Interessen der herrschenden Klasse zu bedienen. Das ist das Programm des Sozialismus.

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