Eine neue und umfassende Welle von Massenentlassungen rollt über die USA hinweg. Sie markiert eine entscheidende Eskalation im Angriff der herrschenden Klasse auf die Arbeiterklasse.
Zwei der größten amerikanischen Unternehmen, Amazon und UPS, haben beide innerhalb weniger Tage massive neue Kürzungen angekündigt. Amazon plant den Abbau von rund 16.000 Stellen in den Bereichen Verwaltung und Technologie, womit sich die Gesamtzahl der Entlassungen seit letztem Herbst auf etwa 30.000 erhöht. Das Unternehmen restrukturiert gegenwärtig seine Abläufe im Bereich künstliche Intelligenz und Automatisierung.
UPS hat Pläne angekündigt, bis 2026 bis zu 30.000 weitere Arbeitsplätze durch sein sogenanntes „Netzwerk der Zukunft“ abzubauen. Dabei handelt es sich um eine umfassende Konsolidierung des Konzerns hin zu weniger und hochgradig automatisierten Mega-Logistikzentren. Diese Einschnitte kommen zu den 48.000 Arbeitsplätzen hinzu, die UPS bereits im Jahr 2025 abgebaut hat, was ein Schlaglicht auf das Ausmaß des Massakers in der Logistik- und Transportbranche wirft.
Laut Challenger, Gray & Christmas, einem US-Beratungsunternehmen für Outplacement, haben amerikanische Arbeitgeber im Jahr 2025 mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätze abgebaut, so viele wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Im letzten Quartal des Jahres kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Entlassungen, während die Zahl der Neueinstellungen auf den niedrigsten Stand seit 2010 sank.
Das Jobmassaker beschleunigt sich nun in den ersten Wochen des Jahres 2026. In einem Überblicksartikel zu den Anfang 2026 angekündigten Kürzungsplänen verweist das Nachrichtenportal Business Insider auf Entlassungen im Technologiesektor bei Google, Microsoft, Meta, Salesforce und IBM, im Finanzsektor bei Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo, in Einzelhandel und Logistik bei Walmart und Target, im Medien- und Unterhaltungssektor bei Disney, Paramount und Warner Bros. Discovery sowie bei Boeing, General Electric und 3M im verarbeitenden Gewerbe.
Darüber hinaus haben GM und Ford Tausende von Arbeitern in Montage- und Batteriewerken in den US-Bundesstaaten Michigan, Ohio, Kentucky und Tennessee entlassen. Der Lebensmittelkonzern Tyson Foods hat 5.000 Arbeitsplätze in Nebraska und Texas abgebaut.
In der Vergangenheit waren große Entlassungswellen in der Regel mit wirtschaftlichen Abschwüngen verbunden. Die Unternehmen behaupteten dann, sie hätten keine andere Wahl, als Arbeitsplätze abzubauen, wenn sie überleben wollten. Heute jedoch findet das Jobmassaker vor dem Hintergrund rekordverdächtiger Unternehmensgewinne und einer sagenhaften Bereicherung der Führungskräfte und Aktionäre statt.
Amazon erzielte allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 einen Gewinn von 56,4 Milliarden US-Dollar. Allein im dritten Quartal 2025 belief sich der Umsatz des Unternehmens auf 180 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. UPS seinerseits meldete im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 5,5 Milliarden US-Dollar.
Das Nettovermögen von Amazon-Gründer Jeff Bezos wuchs allein im Jahr 2025 um 15 Milliarden Dollar auf 268 Milliarden Dollar. Amazon-CEO Andy Jassy erhielt im Jahr 2024, dem letzten Jahr, für das Zahlen vorliegen, eine Gesamtvergütung von über 40 Millionen Dollar, was einer Steigerung von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Matt Garman, CEO von Amazon Web Services, erhielt 32,8 Millionen Dollar, bei Douglas Herrington, CEO von Worldwide Amazon Stores, waren es 34,2 Millionen Dollar und Finanzvorstand Brian Olsavsky erhielt 25,7 Millionen Dollar. Der CEO von UPS, Carol Tomé, erhielt 2024 eine Gesamtvergütung von 19 Millionen Dollar.
Diese atemberaubenden Summen unterstreichen den unversöhnlichen Konflikt zwischen einer winzigen Wirtschaftselite und der breiten Masse der Arbeiter. Während die einen den ganzen Reichtum der Gesellschaft besitzen und kontrollieren, werden die anderen wie Wegwerf-Sklaven behandelt, derer man sich entledigt, wenn sie nicht mehr für „effizient“ hält.
Amazon und UPS setzen auf automatisierte Versandzentren, KI-gesteuerte Logistik und algorithmisches Management, um Arbeitsplätze abzubauen, die Arbeitsprozesse auf brutale Geschwindigkeiten zu beschleunigen und größere Profite aus einer schrumpfenden Belegschaft zu ziehen. Die revolutionären Technologien, die in einer rationalen Gesellschaft dazu eingesetzt würden, anstrengende und gefährliche Arbeit, Armut und soziales Elend zu beseitigen, werden im Kapitalismus zu Waffen gegen die Arbeiter gemacht.
Laut Dario Amodei, CEO von Anthropic, könnte KI innerhalb der nächsten ein bis fünf Jahre die Hälfte aller Einstiegsjobs für Angestellte verdrängen, die Arbeitslosigkeit auf 10 bis 20 Prozent treiben und „eine dauerhafte Klasse von Arbeitslosen oder sehr schlecht bezahlten Arbeitern“ schaffen.
In den Vereinigten Staaten und weltweit wächst die Wut und der Widerstand. Dieser Widerstand hat bereits in einer wachsenden Welle von Streiks und Protesten Ausdruck gefunden. Mehr als 46.000 Pflegekräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen haben in New York City, Kalifornien und Hawaii Streiks für mehr Personal und eine bessere Versorgung begonnen. 30.000 Arbeiter in Ölraffinerien bereiten sich auf einen landesweiten Streik vor, um gegen unsichere Arbeitsbedingungen und KI-bedingte Stellenstreichungen zu kämpfen, sobald ihre Verträge am 1. Februar auslaufen.
Das größte Hindernis für diesen Widerstand ist der Gewerkschaftsapparat. Die Teamsters, United Auto Workers (UAW) und andere Gewerkschaften verteidigen keine Arbeitsplätze und Lebensstandards. Sie haben ganz im Gegenteil bei der Vernichtung von Arbeitsplätzen mitgewirkt und gleichzeitig jeden gemeinsamen Kampf ihrer Mitglieder blockiert.
Nachdem sie im Jahr 2023 ihre Unterschrift unter Verträge gesetzt hatten, die den Weg für Massenentlassungen bei UPS und in der gesamten Autoindustrie ebneten, haben sich die Vorsitzenden der Teamsters und der UAW, Sean O'Brien und Shawn Fain, zu führenden Befürwortern von Trumps Zöllen und Wirtschaftsnationalismus gemausert. Dieses nationalistische Gift spaltet die Arbeiter international und dient dazu, die Umstrukturierungen von Unternehmen und die Vorbereitung von Krieg politisch abzudecken und zu rechtfertigen.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) ruft Arbeiter dazu auf, in jeder einzelnen Fabrik, jedem Versandlager, jedem Logistikzentrum und jedem anderen Betrieb neue Kampforganisationen – Aktionskomitees – aufzubauen. Diese Komitees müssen in die Offensive gehen, um gegen die Zerschlagung von Arbeitsplätzen zu kämpfen, der Gewerkschaftsführung die Entscheidungsgewalt wegzunehmen und sie an die Arbeiter in den Betrieben zu übertragen.
Die zentrale Forderung dieser Komitees muss lauten: Keine Stellenstreichungen! Keine Entlassungen! Nicht ein einziger Arbeiter darf in die Arbeitslosigkeit getrieben werden, um die Unternehmensgewinne zu steigern. Die IWA-RFC fordert die Arbeiter auf, sich der Behauptung entgegenzustellen, dass Milliardenkonzerne angeblich das „Recht“ hätten, Lebensgrundlagen zu zerstören, um die Aktionärsrenditen zu steigern. Die Arbeiterklasse muss ihre eigenen sozialen Rechte durchsetzen – das Recht auf einen sicheren, gut bezahlten Arbeitsplatz, das Recht auf Gesundheitsversorgung, Wohnraum und Bildung.
Um diese Rechte durchzusetzen, müssen Arbeiter dafür kämpfen, dass sie selbst die demokratische Kontrolle über Personalangelegenheiten, Arbeitsschutz und Produktion ausüben. Wenn Automatisierung und neue Technologien eingeführt werden, müssen sie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt werden – nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen. Wenn die Produktion reduziert wird, muss die Wochenarbeitszeit ohne Lohnverluste verkürzt werden, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten.
Die Massenentlassungen bei Amazon, UPS und anderen Unternehmen machen deutlich, dass die grundlegenden Entscheidungen, die die Gesellschaft betreffen, nicht in die Hände der Finanzoligarchie gehören. Die großen Unternehmen, die durch die Arbeit von Millionen Menschen aufgebaut wurden und weltweit tätig sind, müssen in öffentliches Eigentum überführt und unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Sie dürfen nicht zum privaten Profit betrieben werden, sondern müssen den Bedürfnissen der Menschen dienen.
Der Kampf, der für diese Veränderungen nötig ist, muss einer internationalen Strategie folgen, die die Arbeiter über Grenzen hinweg gegen globale Konzerne vereint. Die Entlassungen bei Amazon treffen Arbeiter in Großbritannien, Indien und Lateinamerika. Der schwedische Telekommunikationsriese Ericsson streicht 1.600 Arbeitsplätze in Schweden, Lenovo und Baidu bauen Tausende von Arbeitsplätzen im Technologiesektor in China ab, und in Deutschland wurden allein im Jahr 2025 50.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie vernichtet. Für 2026 gehen Berichten zufolge 41 Prozent der deutschen Fertigungs- und Industrieunternehmen von weiteren Kürzungen aus. Das Vorgehen gegen die Hexenjagd auf Einwanderer und gegen den imperialistischen Krieg ist ein zentraler Bestandteil des Kampfs für die internationale Einheit der Arbeiterklasse.
Die betrieblichen Kämpfe der Arbeiterklasse müssen mit einem politischen Kampf gegen Diktatur und für demokratische Rechte verbunden werden. Die herrschende Klasse versteht, dass permanente Unsicherheit in Verbindung mit obszöner Ungleichheit explosiven Widerstand hervorruft. Als Reaktion darauf greift sie zunehmend zu autoritären Methoden, um ihre Agenda durchzusetzen.
In den Vereinigten Staaten findet dies seinen deutlichsten Ausdruck in der Errichtung einer Diktatur durch die Trump-Regierung. Mit den staatlichen Morden an Renée Nicole Good und Alex Pretti in Minneapolis hat die Eskalation eine neue Qualität erreicht: außergerichtliche Hinrichtungen durch Bundesagenten, die straffrei agieren.
Es ist bezeichnend, dass dieselben milliardenschweren Eigentümer von Meta, Google, Apple und anderen Tech-Giganten, die die Arbeitsplätze vernichten, auch die Trump-Regierung bei ihrem Vorgehen gegen Apps und digitale Netzwerke unterstützen, die von Einwohnern in Minneapolis und im ganzen Land genutzt werden, um die Aktivitäten der Einwanderungsbehörde ICE zu dokumentieren und ihre eingewanderten Nachbarn und Kollegen vor Entführungen und Gewalt zu schützen.
Die Botschaft der herrschenden Klasse ist klar: Widerstand gegen Entlassungen, Abschiebungen oder soziale Ungleichheit wird mit Gewalt beantwortet. Die Arbeiterklasse muss darauf reagieren, indem sie ihren Kampf für soziale Rechte mit der Verteidigung demokratischer Rechte und dem Kampf gegen die Diktatur verbindet. Um ihre Interessen durchzusetzen, muss sie die politische Macht übernehmen, die Oligarchie enteignen und die Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage neu organisieren.
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