Der grauenhafte Charakter des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran zeigt sich nicht nur in der Ermordung von Zivilisten durch die Aggressoren, sondern auch in ihren Angriffen auf das kulturelle Erbe des Iran. Angesichts der fast vollständigen Abschaltung des Internets im Iran und des sprichwörtlichen Nebels des Kriegs ist es schwer, ein klares Bild von der Zerstörung zu erhalten. Dennoch deuten unabhängige Berichte darauf hin, dass im Iran mindestens 56 Kulturstätten beschädigt oder zerstört wurden.
Laut offiziellen iranischen Angaben wurden mehr als 131 Museen, historische Gebäude und Kulturstätten beschädigt. Diese Barbarei stellt nicht nur einen Angriff auf die Kultur und Geschichte des Iran dar, sondern auf das Erbe der gesamten Menschheit.
Viele UNESCO-Welterbestätten wurden beschädigt. Eine davon ist, wie wir berichteten, der Golestanpalast in Teheran, ein Königspalast und ehemaliger Sitz der Kadscharen-Dynastie, deren Ursprünge im 15. Jahrhundert liegen. Dieser Komplex wurde durch einen direkten Treffer sowie durch eine Druckwelle beschädigt. Eine weitere Stätte ist der Palast Tschehel Sotun, ein Pavillon in Isfahan aus dem 17. Jahrhundert zur Zeit der Safawiden. Die Vereinten Nationen erkennen diese Stätten als „weltweites Kultur- und Naturerbe von herausragendem Wert für die Menschheit“ an. Theoretisch genießen sie den Schutz eines internationalen Vertrags. Die Angriffe darauf unterstreichen die offene Missachtung des Völkerrechts durch die Trump-Regierung.
Vor kurzem haben die USA und Israel die Saadabad-Palastanlage beschädigt, eine ehemalige königliche Residenz in Teheran. Der Komplex war die Heimstätte der Kadscharen- und Pahlavi-Schahs, darunter Reza Shah, der durch einen von den USA und Großbritannien organisierten Putsch an die Macht kam. Nach der iranischen Revolution von 1979 wurden Teile des Komplexes zu öffentlichen Museen. Der Grüne Palast, einer der drei Paläste des Komplexes, gilt als der schönste Palast im Iran.
Auch der Marmorpalast, der im Jahr 1933 während der Herrschaft der Pahlavi-Dynastie erbaut wurde, ist durch Angriffe beschädigt worden. Der Palast steht auf Ländereien, die zuvor den kadscharischen Prinzen gehörten, und wurde seit fast 40 Jahren von iranischen Institutionen genutzt. Er diente u. a. als Hauptquartier der Islamischen Revolutionskomitees, als Büros hochrangiger Justizbeamter und als Amtssitz von Präsident Akbar Hashemi Rafsandschani. Daneben beherbergte er die iranischen Nationaljuwelen.
Das Teymurtash-Haus in Teheran, das während der Pahlavi-Ära dem ersten Hofminister gehörte, wurde ebenfalls beschädigt. Das Gebäude ist für eine bemerkenswerte Kombination aus iranischen, russischen und indischen Architekturstilen bekannt. Im ersten Stock des Hauses befindet sich ein Kriegsmuseum mit Ausstellungen, die von der Safawiden- bis zur Pahlavi-Ära reichen. Ebenso wie der Saadabad-Palast und der Marmorpalast ist das Teymurtash-Haus kein einzelnes Gebäude, sondern Teil eines Netzwerks von Museen. Beschädigungen dieser Stätten wirken sich daher auf Archive, Sammlungen und Forschungsmöglichkeiten aus.
Isfahan, die drittgrößte Stadt des Iran, wurde mehrfach angegriffen. Schäden wurden an mehreren Orten innerhalb des historischen Kulturerbe-Komplex der Stadt, auf und um den Naqsch-e Dschahan-Platz, bestätigt. Dazu gehören die Schah-Moschee und die Scheich-Lotfollah-Moschee, die beide aus dem 17. Jahrhundert stammen und als Meisterwerke persischer Architektur gelten. Durch Angriffe wurde die Struktur dieser Gebäude beschädigt, Mauerwerk gelockert und dekorative Elemente wurden zerstört.
In Kadschan wurden Pavillons und Wasserspiele des historischen Fin-Gartens beschädigt. Der Garten wurde 1590 fertiggestellt und ist damit der älteste erhaltene Garten des Iran.
So schrecklich die Schäden an diesen Stätten auch sind, noch abscheulicher ist die Zerstörung von Rashk-e Jenan, wo sich der Palast des Gouverneurs von Isfahan befand. Der jahrhundertealte Komplex aus der Safawiden-Zeit wurde in der Zeit der Kadscharen renoviert und war für seine goldverzierten Decken bekannt. Mit ihrer charakteristischen Brutalität, die an jene der Nazis erinnert, zerstörte die israelische Luftwaffe die Anlage im März bei einem direkten Angriff.
Nicht nur die Stätten des iranischen Kulturerbes nehmen die USA und Israel ins Visier, sondern auch die Wissens- und Forschungszentren des Landes. Laut dem iranischen Außenministerium wurden Dutzende Universitäten und Forschungszentren angegriffen, darunter die iranische Universität für Wissenschaft und Technologie sowie die Technische Universität Isfahan. Wie sie es im Gazastreifen bereits getan haben, versuchen der zionistische Staat und sein imperialistischer Geldgeber, das gesammelte Wissen zu zerstören, das die Grundlage für Zivilisation und Fortschritt bildet.
Die rechtsextreme Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hat den Krieg gegen den Iran auch als Vorwand für eine Invasion des Libanon benutzt, wo sie eine „Sicherheitszone“ bis zum Litani-Fluss im Norden errichten will. Israel wirft jegliche Zurückhaltung ab und greift direkt die zivile Infrastruktur und das kulturelle Erbe des Landes an.
Im März wurde die Gegend um die antike libanesische Stadt Tyr, eine der ältesten dauerhaft bewohnten Städte der Welt, bei israelischen Luftangriffen getroffen. Dabei wurde der Eingang zur archäologischen Stätte Al-Bass beschädigt, in deren Mittelpunkt eine 3.000 Jahre alte Nekropole steht. An einem im Bau befindlichen Museum in dem Gebiet wurden die Fenster heraus gesprengt. Die Nekropole, der Triumphbogen aus der Römerzeit, die Aquädukte und das Hippodrom blieben glücklicherweise unbeschädigt – jedoch nicht, weil Israel Skrupel gehabt hätte. Tyr wurde bereits während der israelischen Invasion des Libanon 2024 stark beschädigt.
Auch auf dem Gelände der archäologischen Stätte Baalbek im Libanon schlugen israelische Geschosse nur wenige Meter von bedeutenden römischen Tempeln ein. Die weitläufige Anlage umfasst die Ruinen einer antiken römischen Stadt und ist eine der wichtigsten römischen Tempelanlagen der Welt. Sie wurde 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Überreste eines ehemals gewaltigen Jupitertempels gehören zu den Hauptgebäuden der Stätte, auf der sich auch ein Bacchus-Tempel befindet.
Zweifellos wurden all diese Stätten im Iran und im Libanon vorsätzlich angegriffen. Nader Saqlawi, ein Vertreter des libanesischen Kulturministeriums, erklärte gegenüber der halbstaatlichen saudischen Zeitung Asharq Al Awsat: „Die Israelis wissen alles, bis hin zu deiner Schuhgröße... und sie wissen sehr wohl, dass dies eine archäologische Stätte ist.“
Auch das Vorgehen der USA ist nicht mit Unwissenheit zu erklären. Wie die WSWS bereits berichtete, hat die UNESCO den USA und Israel die Koordinaten aller geschützten Stätten im Iran übermittelt. Beide Länder haben bestätigt, dass sie die Information erhalten haben.
Die USA haben ihren Fokus bewusst von militärischen Zielen im Iran auf zivile Infrastruktur und das kulturelle Erbe verschoben. Trump drohte, „jedes einzelne Kraftwerk“ zu zerstören. Er erklärte, die USA wollten den Iran „in die Steinzeit zurückversetzen“. Diese ungeheure Drohung, die nicht von Trump persönlich, sondern von der gesamten herrschenden Elite ausgeht, zeugt nicht nur von der Geringschätzung gegenüber dem Völkerrecht, sondern auch gegenüber der menschlichen Zivilisation selbst. Die USA und ihr Kampfhund Israel nehmen die Kultur, das historische Gedächtnis und den sozialen Zusammenhalt ihrer Feinde ins Visier. Dass dabei das kostbare und unersetzliche Erbe der Menschheit verloren geht, ist für diese Verbrecher völlig belanglos.
Nur eine Gesellschaftsordnung, die zu keinerlei Fortschritt mehr imstande ist und sich in einem Stadium des endgültigen Niedergangs befindet, kann ein bösartiges Geschwür wie Trump hervorbringen, der selbst nur das abstoßendste Symptom einer internationalen Krise ist. Der völkerrechtswidrige imperialistische Krieg gegen den Iran beweist zweifelsfrei, dass der Kapitalismus die menschliche Kultur nicht mehr bewahren, geschweige denn ihre Entfaltung ermöglichen kann. Um der Menschheit willen muss der Kapitalismus abgeschafft werden.
