Die mörderische Anti-Einwanderungsagenda der Europäischen Union (EU) hat in der vergangenen Woche einmal mehr Dutzenden Menschen das Leben gekostet.
Am Samstag starben mindestens 70 Migranten im Mittelmeer, nachdem ihr Boot vor der Küste Libyens gekentert war. Nur 32 überlebten auf dem kleinen Holzboot, das mit mindestens 100 Menschen besetzt war, die Libyen in der Hoffnung auf Einreise nach Europa verlassen hatten. Die Überlebenden berichteten, sie seien nicht von der Küstenwache, sondern von einem Handelsschiff gerettet worden, das sie auf die Insel Lampedusa brachte.
Das groteske Leid, dem verzweifelte Migranten auf ihrer gefährlichen Reise über das Mittelmeer ausgesetzt sind, nimmt kein Ende.
In den frühen Morgenstunden des 1. April barg die italienische Küstenwache 19 Leichen aus einem Migrantenboot, das etwa 85 Meilen vor Lampedusa treibend aufgefunden wurde. 58 Menschen wurden gerettet, fünf befanden sich Berichten zufolge jedoch in kritischem Zustand. Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen (MSF) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen sagte, sie seien offenbar an Unterkühlung gestorben.
Überlebende berichteten, dass sie mehrere Tage lang bei schlechtem Wetter auf dem Meer getrieben waren, nachdem ihr Boot eine Panne hatte. Das Boot war um den 30. März herum aus Westlibyen ausgelaufen und beförderte Migranten aus afrikanischen Ländern wie dem Sudan, dem Südsudan, Sierra Leone, Gambia, Nigeria, Ghana und Äthiopien.
Die europäischen Regierungen haben die Überwachung und Unterstützung kleiner Boote, die die Überfahrt wagen, so gut wie eingestellt. Diese Aufgabe wird von einigen wenigen, von Freiwilligen betriebenen Hilfsorganisationen wie Sea-Watch übernommen. Die Organisation berichtet, es habe zuletzt in nur drei Tagen vor dem 1. April mindestens 100 Todesfälle gegeben. Darunter waren u.a. weitere 19 Opfer, darunter ein Baby, die ertranken bzw. an Unterkühlung starben, als ihr Schlauchboot am 1. April vor der Westküste der Türkei kenterte. Laut einem Bericht der Deutschen Welle konnten 21 Menschen gerettet werden.
Dutzende weitere Menschen wären bei einem anderen Vorfall ums Leben gekommen, hätten sie es nicht zu einer verlassenen Ölplattform geschafft. Euronews berichtete am Sonntag: „Ein Rettungsschiff von Sea-Watch lief am Samstag in Lampedusa ein mit 44 Migranten an Bord, die von einer verlassenen Ölplattform im Mittelmeer gerettet worden waren. Die Rettungsgruppe teilte mit, die Migranten hätten sich auf der Ölplattform ‚Didon‘ in den Gewässern zwischen Tunesien und Libyen aufgehalten. Sie hatten dort Zuflucht gesucht, um einem Sturm zu entkommen.“ Die Migranten hatten sich seit Mittwoch auf der Plattform aufgehalten.
Eine enorme Zahl von Todesfällen ereignet sich, nachdem Boote Libyen in Richtung Europa verlassen haben. Libysche Häfen dienen als Transitpunkte für Flüchtlinge, die aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika fliehen – und dabei ihre Heimatländer zurücklassen, die durch imperialistische Kriege und bittere Armut verwüstet sind. Diejenigen, denen es gelingt, von den Küsten Libyens zu entkommen, stellen eine kleine Minderheit dar. Ganze 70 Prozent der Flüchtlinge weltweit kommen nie weiter als bis in ein Nachbarland, wobei die meisten unter übelsten Bedingungen in Slums und Flüchtlingslagern in ganz Afrika und Asien leben bzw. dort festgehalten werden.
Libyen ist nichts anderes als ein riesiger Kerker für Flüchtlinge, finanziert von der Europäischen Union. Im Februar veröffentlichten die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen und das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte einen erschütternden Bericht. In ihm heißt es: „Im ganzen Land werden Migranten, Asylsuchende und Flüchtlinge gewaltsam zusammengetrieben, entführt, von ihren Familien getrennt, willkürlich festgenommen und inhaftiert sowie ohne ordentliches Verfahren – oft unter Waffengewalt – in offizielle, inoffizielle oder illegale Haftanstalten gebracht. Dort erdulden sie langwierige Haft und werden durch Folter und unmenschliche Behandlung dazu gezwungen, für ihre Freilassung zu zahlen.“
Die jüngsten Todesfälle im Mittelmeer sind Teil einer grausamen Bilanz, die das Jahr 2026 zum „tödlichsten Jahresbeginn“ seit 2014 macht, als die IOM begann, diese Daten zu erfassen.
Diese Einschätzung erfolgte am 23. Februar: Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mindestens 606 Menschen bei dem Versuch, Europa zu erreichen, als tot oder vermisst gemeldet worden. Am 5. April aktualisierte die IOM die Zahl der Todesopfer auf 683.
Solche Zahlen unterschätzen noch die tatsächliche Zahl der Todesopfer im Mittelmeer. Im vergangenen Jahr gab es Berichte über Hunderte weitere Vermisste auf See, die noch nicht verifiziert werden können. In nur zwei Wochen im Februar wurden 23 Leichen an die Küsten Süditaliens und Libyens gespült, die nicht mit einem gemeldeten Schiffbruch in Verbindung gebracht werden konnten.
Laut dem Datensatz „Missing Migrants“ der IOM haben seit 2014 erschreckende 34.570 Flüchtlinge im Mittelmeer ihr Leben verloren.
Dieses Massensterben mit steigender Zahl der ist das unvermeidliche Ergebnis einer Politik der „Festung Europa“, die von den großen imperialistischen Mächten des Kontinents seit mehr als einem Jahrzehnt betrieben wird.
Einwanderungsfeindliche Politik, einst mit der extremen Rechten assoziiert, ist von Parteien der herrschenden Klasse übernommen worden, seien sie nominell konservativ oder sozialdemokratisch. Faschistische Kräfte, die Fremdenfeindlichkeit schüren und Asylsuchende zum Sündenbock für alle sozialen Missstände machen – wie die Mussolini-Verehrerin Giorgia Meloni in Italien, Marine Le Pen in Frankreich, die Alternative für Deutschland und Reform UK – sind mittlerweile allesamt Teil der bürgerlichen Mainstream-Politik.
Auf dem Festland verstärken die Regierungsparteien ihre Grenzen mit Stacheldraht, Metallzäunen sowie militärischer und Drohnenüberwachung. Internierungslager wurden an jeder Außengrenze und innerhalb vieler Mitgliedstaaten eingerichtet, in denen Asylsuchende unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht werden.
Im vergangenen Monat verabschiedeten Abgeordnete des Europäischen Parlaments ein Gesetz über „sichere Herkunftsländer“, das den Weg für Massenabschiebungen ebnet. Darüber hinaus wurden die Grundlagen für so genannte „Rückführungszentren“ in Nicht-EU-Ländern geschaffen, in die Migranten und Flüchtlinge abgeschoben werden sollen. Europas herrschende Elite entfernt sich systematisch von jeder nach dem Krieg eingegangene rechtliche Verpflichtung bezüglich Menschenrechtskonventionen.
Politico berichtete letzten Monat, dass „Deutschland und die Niederlande bis Ende 2026 Pläne für sogenannte Rückführungszentren vorlegen wollen – Einrichtungen in Drittländern, in die abgelehnte Asylsuchende vor ihrer Abschiebung geschickt würden. Auch Österreich, Dänemark und Griechenland sind an diesen Gesprächen beteiligt.“ Charlie Weimers, der schwedische Verhandlungsführer der Fraktion der Europäischen Konservativen (EVP), erklärte: „Es gibt einen neuen Konsens in Europa … Die Ära der Abschiebungen hat begonnen.“
Diese Offensive gegen Flüchtlinge wird vorbereitet, während die europäischen Mächte gleichzeitig an etwas mitwirken, das zur größten erzwungenen Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg führen könnte: Die USA und ihr Vasallenstaat Israel betreiben die systematische Zerstörung des Iran – einer Nation mit 90 Millionen Einwohnern.
Ein Bericht der EU-Asylbehörde, der unmittelbar zu Beginn des Krieges gegen den Iran verfasst wurde, stellt fest, dass „selbst eine teilweise Destabilisierung Flüchtlingsströme von beispiellosem Ausmaß auslösen könnte“. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen aus Dänemark und Italiens Regierungschefin Meloni machen in einem gemeinsamen Brief deutlich, welche Reaktion zu erwarten ist: „Wir können es uns nicht leisten, wie in der Vergangenheit überrascht zu werden. Das bedeutet, dass wir unsere Grenzen weiter stärken müssen.“
Europas Angriff auf Migranten und Asylsuchende ist der abscheuliche Ausdruck eines globalen Prozesses. Überall sehen sich verarmte Migranten mit geschlossenen Grenzen konfrontiert. Die Schutzsuchenden werden zudem von staatlicher Seite dämonisiert. Die gesellschaftlich vorhandene Wut über Armut, Arbeitslosigkeit und Kürzungen bei lebenswichtigen Sozialleistungen soll so auf die Migranten gelenkt werden und verstellt den Blick auf die superreiche Oligarchie, die den Planeten ausbeutet.
Am 26. Februar berichtete die Internationale Organisation für Migration: „Im Jahr 2025 starben weltweit mindestens 7.667 Menschen auf Migrationsrouten bzw. gelten als vermisst.“ Im Vorjahr 2024 wurden fast 9.200 Todesfälle verzeichnet. Der Rückgang der Zahlen ist dabei hauptsächlich auf die Einstellung aller Bemühungen zur Überwachung und zum Schutz von Migranten zurückzuführen.
Auf der Asien- und Ostroute – vom Horn von Afrika und aus dem Jemen sowie den Golfstaaten – „wurden mehr als 3.000 Todesfälle verzeichnet … womit 2025 das dritte Jahr in Folge das tödlichste Jahr für Migranten auf dieser Route seit Beginn der Aufzeichnungen war“. Mehr als die Hälfte der Toten, 1.540 Menschen, stammte dabei aus Afghanistan.
Arbeiter und Jugendliche dürfen nicht zulassen, dass diese Brutalität gegen Asylsuchende und Migranten weitergeht. Dies ist die Speerspitze eines Angriffs der Rechten – angeführt von faschistischen und rechtsextremen Kräften – der auf die Zerstörung der sozialen Stellung der gesamten Arbeiterklasse abzielt. Die Fluchtbewegungen wiederum sind das bittere Ergebnis von Kriegen, welche die Menschheit als Ganzes bedrohen.
Die „Festung Europa“ muss niedergerissen und durch die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa ersetzt werden. Die Verteidigung von Einwanderern, Migranten und Asylsuchenden ist dabei ein Leitmotiv in diesem Kampf. Das ist nur denkbar als Teil eines vereinten Kampfes der internationalen Arbeiterklasse. Ziel ist das Ende einer Aufteilung der Weltwirtschaft in antagonistische Nationalstaaten, die wiederum auf dem privaten Eigentum an den wesentlichen Produktionsmitteln beruhen – denn dies ist die Hauptursache für Kriege, wirtschaftliche Ausbeutung und Unterdrückung sowie die Zerstörung demokratischer Rechte.
