Perspektive

Nein zur Wehrpflicht! Baut eine Arbeiterbewegung gegen imperialistischen Krieg auf!

Marines während eines Ausdauertrainings im Rahmen des Marine Corps Martial Arts Program im Marine Corps Recruit Depot Parris Island, 3. April 2026 [Photo: Marine Corps Lance Cpl. Nicholas White ]

Ende letzten Monats kündigte die Trump-Regierung an, dass ab Dezember 2026 jeder männliche Amerikaner im Alter von 18 bis 26 Jahren automatisch für die Wehrpflicht registriert wird.

Die Socialist Equality Party und die International Youth and Students for Social Equality warnen Arbeiter und junge Menschen: Die amerikanische herrschende Klasse legt den Grundstein für die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Oligarchie braucht Kanonenfutter für ihre illegalen Angriffskriege, die sie immer mehr ausweitet.

Ein großer Schritt in Richtung Wehrpflicht ist im diesjährigen Verteidigungsermächtigungsgesetz (National Defense Authorization Act, NDAA) versteckt. Dieses Gesetz sieht eine automatische Registrierung im sogenannten „Selective Service System“ vor. Bislang ist es so, dass 46 der 50 Bundesstaaten Männer automatisch über ihren Führerschein registrieren und damit etwa 81 Prozent der potenziellen Wehrpflichtigen abdecken. Durch das neue Gesetz wird die Registrierung nun auf die Bundesebene übertragen und alle männlichen Einwohner der USA werden über die Daten der Sozialversicherungsbehörde erfasst. Die Registrierung erfolgt lückenlos, vollautomatisch, ist verpflichtend und erfolgt anhand von Datenbanken auf Zentralstaatsebene, in denen jeder Bürger von Geburt an erfasst wird.

Hintergrund dieser Umstellung ist, dass die Vereinigten Staaten Krieg gegen den Iran führen, sich auf eine dortige Bodeninvasion vorbereiten und die Konfrontation sowohl mit Russland als auch mit China vorantreiben. Im Rahmen des sogenannten „Waffenstillstands“ mit dem Iran schickt die Trump-Regierung weiterhin eine riesige Flotte in den Nahen Osten.

Das US-Militär hat rund 1,3 Millionen aktive Angehörige, die weltweit im Einsatz sind. Auf dem Höhepunkt des Irakkriegs 2003 waren 170.000 Soldaten im Einsatz, und die wiederholte Bereitstellung von Nachschub stellte eine starke Belastung dar. Eine anhaltende Bodenoffensive im Iran – einem Land, das viermal so groß ist und dreimal so viele Einwohner hat – dürfte den meisten Schätzungen zufolge 300.000 bis 500.000 Soldaten erfordern, und für eine längere Besatzung möglicherweise noch weitaus mehr.

Über solche Kapazitäten verfügt die Freiwilligenarmee nicht. Sie lassen sich nur durch eine massive Ausweitung der Rekrutierung (die bereits jetzt hinter den Zielen zurückbleibt) oder die Einführung der Wehrpflicht erreichen. Zwar wird die Infrastruktur der Erfassung gerade stillschweigend modernisiert, aber zwischen den militärischen Vorhaben und den verfügbaren Personalressourcen klafft immer noch ein Abgrund.

Dieses Problem wird hinter dem Rücken der amerikanischen Bevölkerung eifrig diskutiert. Am 8. März weigerte sich die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, eine Wehrpflicht auszuschließen. Dies sei „derzeit nicht Teil des Plans, aber der Präsident hält sich klugerweise alle Optionen offen“, erklärte sie gegenüber Fox News.

Der Krieg gegen den Iran ist Teil eines eskalierenden globalen Krieges. Weitere Bestandteile sind der Krieg der USA und der NATO gegen Russland in der Ukraine und insbesondere die Kriegsvorbereitungen gegen China. Das Streben der USA, ihre globale Vormachtstellung zu verteidigen, setzt voraus, dass wieder Zehntausende amerikanischer Jugendlicher in den Tod geschickt werden.

In den Jahren 1964 bis 1973 hat die US-Regierung 2,2 Millionen Männer eingezogen, um in Vietnam zu kämpfen. Die Wehrpflicht trug damals zu einer massiven Antikriegsbewegung bei und löste Widerstand innerhalb der Streitkräfte aus, was zu deren Niederlage beitrug. Nixon schaffte die Wehrpflicht 1973 ab, weil sie für die herrschende Klasse politisch nicht mehr haltbar war.

Seit mehr als 50 Jahren haben die USA eine reine Freiwilligenarmee. Die herrschende Klasse sah sich den politischen Folgen einer Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht gewachsen. Doch dieses System versagt nun. Der Mangel an Rekruten hat sich verschärft. Einem Bericht des Radiosenders NPR vom 10. April zufolge erhalten entsprechende Beratungsstellen immer mehr Anrufe von Soldaten, die den Status als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen oder eine vorzeitige Entlassung beantragen möchten. Als Hauptauslöser wird der Iran-Krieg genannt. Soldaten berufen sich auf die Bombardierung einer Mädchenschule und das allgemeine Klima der Rechtswidrigkeit, in dem sich die Streitkräfte bewegen.

Zwar trägt der diesjährige NDAA Trumps Unterschrift, doch die Initiative zur Wiedereinführung der Wehrpflicht ging sowohl von den Demokraten als auch von den Republikanern aus. Die demokratische Abgeordnete Chrissy Houlahan schlug bereits 2024 eine automatische Registrierung vor und wiederholte diesen Vorschlag 2025, nachdem er im NDAA des Vorjahres keine Berücksichtigung gefunden hatte. Der endgültige Gesetzentwurf wurde dieses Jahr im Repräsentantenhaus mit 312 zu 112 Stimmen und im Senat mit 77 zu 20 Stimmen verabschiedet. Die Demokraten haben ihn eingebracht, durch den zuständigen Ausschuss begleitet und im Plenum dafür gestimmt.

Diese Form der Aufrüstung ist weltweit zu beobachten. Achtzig Jahre nach den Verbrechen des Dritten Reiches verabschiedete der Deutsche Bundestag am 5. Dezember 2025 ein neues Wehrdienstgesetz, das alle 18-jährigen Männer verpflichtet, einen obligatorischen Fragebogen auszufüllen. Im Fall einer verbindlichen Wiedereinführung der Wehrpflicht müssten junge Männer vor längeren Auslandsaufenthalten eine Erlaubnis der Bundeswehr einholen. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, dass der Dienst Pflicht werden solle, wenn die Lage einen „kurzfristigen Aufwuchs der Streitkräfte zwingend erfordert, der auf freiwilliger Grundlage nicht erreichbar ist“.

Frankreich kündigte im November 2025 ein Programm für den freiwilligen Militärdienst an. General Fabien Mandon, der Chef des Generalstabs, sagte, das Land müsse darauf vorbereitet sein, in einem Krieg mit Russland „seine Kinder zu verlieren“.

Die Kriegsvorbereitungen sind untrennbar mit dem Angriff auf Sozialprogramme verbunden. Denselben Jugendlichen, die eingezogen werden sollen, wird bereits jetzt eine Zukunft verwehrt. Sie sehen sich mit unerschwinglichen Mieten, unbezahlbaren Studienkrediten, prekären Arbeitsverhältnissen, dem Abbau sozialer Leistungen und der Zerstörung des öffentlichen Bildungswesens konfrontiert.

Trump erklärte Anfang dieses Monats, dass Sozialprogramme geopfert werden müssten, weil „wir Kriege führen“. Er sagte: „Wir können uns nicht um Kindertagesstätten, Medicaid und Medicare kümmern … Wir müssen uns um eine Sache kümmern: den militärischen Schutz.“ Trumps Haushaltsantrag für das Geschäftsjahr 2027 sieht 1,5 Billionen Dollar für das Militär vor – der größte Antrag des Pentagons in der Geschichte –, während die Nicht-Verteidigungsausgaben auf ihren niedrigsten Anteil am BIP seit den 1950er Jahren gedrückt werden.

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist zudem untrennbar mit dem Angriff auf demokratische Rechte verbunden. Dieselbe Regierung, die die Infrastruktur für die Wehrpflicht aufbaut, erweitert die Befugnisse der ICE, kriminalisiert abweichende Meinungen und konzentriert die Macht in der Exekutive. Das Programm des „totalen Kriegs“ kann nicht umgesetzt und das extreme Ausmaß sozialer Ungleichheit nicht verteidigt werden, ohne dass innerhalb der Vereinigten Staaten eine brutale Militär-Polizei-Diktatur errichtet wird.

Die SEP und die IYSSE stellen folgende Forderungen:

  • Sofortige Aufhebung der Bestimmungen zur automatischen Registrierung beim Selective Service und Ablehnung jeglicher Aktivierung der Wehrpflicht für den Krieg gegen den Iran oder jeden anderen imperialistischen Konflikt.
  • Sofortiger Abzug der US-Streitkräfte aus dem Nahen Osten und ein Ende des Krieges gegen den Iran. Schluss mit dem parteiübergreifenden Streben nach globaler Vorherrschaft, der Aufrüstung Israels, der Eskalation gegen Russland und China sowie dem Einsatz militärischer Gewalt zur Bewältigung der Krise des amerikanischen Kapitalismus.
  • Abschaffung der Berufsarmee und Abschaffung des riesigen Militär- und Geheimdienstapparats, der aufgebaut wurde, um Kriege im Ausland und Unterdrückung im Inland zu organisieren. Das Pentagon, die Geheimdienste, das globale Stützpunktnetzwerk, das System privater Militärdienstleister und die Maschinerie der Überwachung und verdeckten Operationen sind keine Instrumente der „Verteidigung“, sondern der imperialistischen Vorherrschaft.
  • Schluss mit dem „wirtschaftlichen Zwangsdienst“, durch den Jugendliche aufgrund von Armut, Verschuldung, Mangel an menschenwürdigen Arbeitsplätzen und der Unmöglichkeit, sich eine Ausbildung leisten zu können, in den Militärdienst gezwungen werden. Jeder junge Mensch muss das Recht auf einen vernünftigen Arbeitsplatz, kostenlose hochwertige Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum haben. Beendet die Rekrutierung zum Militärdienst aufgrund von wirtschaftlichem Zwang!
  • Umverteilung der riesigen Ressourcen, die für Kriege verschwendet werden, zur Finanzierung dringender sozialer Bedürfnisse: allgemeine Gesundheitsversorgung, kostenlose öffentliche Bildung, bezahlbarer Wohnraum und sichere, gut bezahlte Arbeitsplätze für alle!

Der Kampf für dieses Programm muss von einer unabhängigen Bewegung der Arbeiterklasse geführt werden, in unversöhnlicher Opposition zu beiden kapitalistischen Parteien und all ihren politischen Komplizen. Die grundsätzliche Parole der sozialistischen Bewegung muss zu neuem Leben erweckt werden: kein Mensch und kein Cent für imperialistische Kriege! Kein Arbeiter, kein Student, kein junger Mensch darf den räuberischen Zielen der amerikanischen herrschenden Klasse geopfert werden.

Das ist kein pazifistischer Appell. Es ist Klassenpolitik. Beim Kampf gegen die Wehrpflicht geht es nicht um individuelle Befreiung vom Militärdienst oder darum, selbst nicht am Krieg teilzunehmen, während die Kriegsziele der herrschenden Klasse unangetastet bleiben. Es bedeutet aktiven und kompromisslosen Widerstand gegen den imperialistischen Militarismus selbst. Es bedeutet die Verteidigung der demokratischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse.

Der Widerstand gegen die Wehrpflicht muss daher mit dem Widerstand gegen den Krieg, gegen den gesamten Militär- und Geheimdienstapparat und gegen das kapitalistische System, das Kriege hervorbringt, verbunden sein.

Diese Bewegung muss international sein. Arbeiter in den Vereinigten Staaten haben kein Interesse daran, Arbeiter im Iran, in China, in Russland oder anderswo zu töten. Der Feind ist nicht im Ausland. Er ist hier zu Hause: die kapitalistische herrschende Klasse, die die Welt Profit, Plünderung und Krieg unterwirft. Der Kampf gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist untrennbar mit dem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden.

Krieg hat seine Wurzeln in den Widersprüchen des kapitalistischen Systems. Die Alternative ist der Sozialismus: die Umgestaltung des Wirtschaftslebens auf der Grundlage sozialer Bedürfnisse, unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse, auf internationaler Ebene.

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