Am Samstagabend wurde der 31-jährige Cole Tomas Allen aus Torrance, Kalifornien, von Agenten des Secret Service zu Boden geworfen und überwältigt, nachdem er beim Dinner der White House Correspondents Association im Washington Hilton die äußere Sicherheitsabsperrung durchbrochen hatte.
Es gab eine Salve von Schüssen, einige davon vom Schützen, der mit einer Schrotflinte und einer Handfeuerwaffe bewaffnet war, andere von Agenten des Secret Service oder anderen Sicherheitskräften. Nur zwei Personen mussten medizinisch versorgt werden: Allen selbst und ein namentlich nicht genannter Agent des Secret Service, der eine kugelsichere Weste trug und nach Angaben von Bundesbeamten nur leicht verletzt wurde.
Nach den vorliegenden Informationen waren weder Trump noch Vizepräsident JD Vance oder sonst einer der zahlreichen Kabinettsmitglieder und Kongressabgeordneten je in Gefahr. Alle hochrangigen Amtsträger wurden schnell von Sicherheitskräften umstellt und aus dem Ballsaal in Schutzräume in andere Teile des Hotels gebracht.
Der Schütze, Allen, ist seither in Haft. Die US-Staatsanwältin Jeanine Pirro erklärte, er werde wegen zwei Verstößen gegen Bundesgesetze angeklagt: Angriff auf einen Bundesbeamten mit einer gefährlichen Waffe und Gebrauch einer Feuerwaffe während eines Gewaltverbrechens. Wie sie sagte, sind aufgrund der laufenden Ermittlungen weitere Anklagen zu erwarten.
Allen war von seinem Wohnort in Südkalifornien mit dem Zug nach Chicago und dann weiter nach Washington gereist. Das deutet darauf hin, dass er seine Waffen mitführte und die Sicherheitsüberprüfungen an Flughäfen umgehen wollte. Am Freitag den 24. April, dem Abend vor dem WHCA-Dinner, checkte er im Hilton ein.
Wie Familienmitglieder den Medien berichteten, wurde Alans Einstellung gegenüber Trump im Verlauf des letzten Jahres immer feindseliger. Zehn Minuten bevor er den ersten Kontrollpunkt des Secret Service passierte, schickte er seiner Familie eine 1.000 Wörter umfassende Erklärung seiner politischen Ansichten, in der er sich als „freundlicher Bundes-Attentäter“ bezeichnete. Ein Bruder, der in Connecticut lebt, kontaktierte daraufhin sofort die Polizei, die die Information an den Secret Service weiterleitete. Das Weiße Haus erklärte jedoch, der Hinweis sei zu spät eingegangen, um den Anschlagsversuch zu verhindern.
In seiner politischen Erklärung schrieb Allen, er sei „nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen beschmutzt“. Als seine „Ziele“ nannte er hochrangige Regierungsbeamte (mit Ausnahme von FBI-Direktor Kash Patel). Er schrieb: „Regierungsbeamte (abgesehen von Mr. Patel): Sie sind die Ziele, priorisiert vom Ranghöchsten bis zum Rangniedersten.“
Er verwies besonders auf die Verbrechen der Trump-Regierung gegen Immigranten und seine Kriegsverbrechen in der Karibik und im Ostpazifik: „Die andere Wange hinzuhalten, ist etwas für Unterdrückte. Ich bin nicht derjenige, der in einem Gefangenenlager vergewaltigt wird. Ich bin nicht der Fischer, der ohne Prozess hingerichtet wird.“ Laut Presseberichten hatte Allen Trump in Social-Media-Posts als „soziopathischen Gangsterboss“ und „Antichristen“ bezeichnet.
Allens Erklärung lässt zwar erkennen, dass er die Taten des Trump-Regimes zutiefst ablehnt, doch der Weg, den er eingeschlagen hat, dient keinem progressiven Zweck. Lange historische Erfahrung hat gezeigt, dass individuelle Anschläge auf den einen oder anderen führenden Politiker nur der Reaktion in die Hände spielen. In diesem Fall bietet es Trump die Gelegenheit, seine Angriffe auf demokratische Rechte noch zu verschärfen.
Am Sonntag behauptete Trump in einem Auftritt auf Fox News, der Angreifer habe „seit langer Zeit viel Hass in seinem Herzen getragen (...) Er war, es war eine religiöse Sache. Es war stark anti, antichristlich.“ Doch laut Allens LinkedIn-Profil ist er Mitglied der Caltech Christian Fellowship.
Trump versuchte, den Vorfall auszunutzen – sowohl um seine eigene Bedeutung hervorzuheben, als auch um den Bau des gigantischen Ballsaals zu forcieren, der den mittlerweile abgerissenen Ostflügel des Weißen Hauses ersetzen soll. Dazu gehörte auch, sich selbst obszöner Weise mit Abraham Lincoln zu vergleichen. Trump erklärte: „Sie verfolgen immer diejenigen, die am meisten leisten und am meisten bewirken.“
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Die Reaktion des politischen Establishments und der Mainstreammedien war, wie vorauszusehen, reaktionär, feige und heuchlerisch. In den verschiedenen Stellungnahmen dieser Kreise, deren Schwerpunkt auf der Aussage lag, „in Amerika gibt es keinen Platz für politische Gewalt“, wurde die grundlegende Tatsache nicht angesprochen, dass Trump selbst für die eskalierende brutale Gewalt sowohl im Ausland als auch innerhalb der USA verantwortlich ist.
Vor nicht einmal zwei Monaten haben US-amerikanische und israelische Truppen einen Großteil der politischen Führung des Iran ausgelöscht. Ajatollah Ali Chamenei und viele Angehörige seiner Familie, Berater und andere Regierungsvertreter wurden bei einem gezielten Luftangriff am ersten Tag des Kriegs der USA gegen den Iran getötet.
Die Führer der europäischen imperialistischen Mächte, die vor einigen von Trumps Aktionen im Persischen Golf zurückgeschreckt sind, gaben sich größte Mühe, den Anschlag auf das WHCA-Dinner zu verurteilen und jede Andeutung zurückzuweisen, die Gewalt in Amerika sei ein selbst verursachtes Problem.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, sie sei „erleichtert“, dass Trump und die anderen Teilnehmer in Sicherheit seien und fügte hinzu: „Gewalt hat in der Politik keinen Platz, niemals.“ Die EU- Außenpolitikbeauftrage Kaja Kallas äußerte sich ähnlich und warnte: „Politische Gewalt hat keinen Platz in einer Demokratie.“
Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, er sei „schockiert von den Szenen“, die sich am Samstagabend in Washington abspielten. Bundeskanzler Friedrich Merz twitterte, Gewalt habe keinen Platz in einer Demokratie. Der französische Präsident Emmanuel Macron äußerte sich noch direkter: „Ich sichere Donald Trump meine volle Unterstützung zu.“
Die Heuchelei ist widerlich. Diese Damen und Herren wissen genau, dass Trump selbst die größte Gefahr für die amerikanische Demokratie ist. Seine Schläger griffen am 6. Januar 2021 das Kapitol an, um seine Niederlage in der Wahl 2020 ungeschehen zu machen, und sein Krieg gegen Immigranten hat amerikanischen Staatsbürgern auf den Straßen und Immigranten in Gefangenenlagern das Leben gekostet. Ganz zu schweigen von den Tausenden, die im Iran, Libanon und Gaza durch US-Bomben und -Raketen getötet wurden.
