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Durch eine gefährliche Hitzewelle im mittleren Westen und Osten der USA sind Millionen Arbeiter in Fabriken, Lagerhäusern, Einrichtungen der Post und auf Lieferrouten, in denen ohne Klimaanlagen oder angemessene Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet wird, der Gefahr ernsthafter oder tödlicher Verletzungen ausgesetzt.
Europa hat gerade erst eine ebenso katastrophale Hitzewelle erlebt, von der mehr als 150 Millionen Menschen betroffen waren. In West-, Mittel- und Südeuropa wurden Hitzerekorde geknackt, und allein in Spanien und Frankreich lag die Übersterblichkeit bei 2.000 Menschen.
Das Weather Prediction Center (WPC) des National Weather Service warnte am Donnerstag vor einer „anhaltenden und gefährlichen Hitzewelle“ in den mittleren und östlichen Regionen der USA. Es werden verbreitet Höchstwerte von 35 bis 41 °C und Hitzeindizes zwischen 38 und 46 °C erwartet. Das WPC warnte, die nächtlichen Tiefstwerte von 24 bis 28 °C würden kaum Erholung bringen, was zu schwerer und extremer Hitzegefährdung und erhöhter Gefahr hitzebedingter Erkrankungen führen wird, vor allem bei Menschen, die keinen Zugang zu ausreichender Kühlung haben.
Die Kommunalbehörden behandeln die Hitzewelle als öffentlichen Gesundheitsnotstand. New York City hat einen Hitze-Notfallplan aktiviert, der die Einrichtung von Hunderten von Kühlzentren, den Einsatz von COOL-Fahrzeugen sowie die Ausweitung von mobilen Kühlstationen für im Freien beschäftigte Arbeiter vorsieht und Tausende von LinkNYC-Kiosken anweist, Routen zu den nächstgelegenen Kühlungszentren anzuzeigen.
Philadelphia verlängerte seinen Gesundheitlichen Hitzenotstand bis zum 5. Juli, hält mehr als 50 Kühlzentren geöffnet und setzt Wasserabschaltungen aus. Gegenüber Obdachlosen gilt die Hitzeschutzstufe „Code Red“, und es wurden weitere Zelte mit Sprühnebelanlagen, Stationen zur Flüssigkeitsversorgung und medizinische Zelte für Veranstaltungen am 4. Juli und zur Fußball-WM angeschafft.
Auch das Stromnetz ist stark belastet. PJM Interconnection, der größte Stromnetzbetreiber in den USA, hat am Donnerstag Notfallmaßnahmen ergriffen. Laut Reuters verfügte PJM, alle Generatoren auf voller Kapazität laufen zu lassen, brachte stillgelegte Werke wieder ans Netz und bereitete Maßnahmen zur Reaktion auf steigende Nachfrage vor, da die operativen Reserven drastisch zurückgegangen sind.
Die Zahl der hitzebedingten Besuche in Notaufnahmen steigt stark an. In der Region 5 des Gesundheitsministeriums, die Illinois, Indiana, Michigan, Minnesota, Ohio und Wisconsin umfasst, stiegen die Zahlen des Heat and Health Tracker der CDC von 183 am letzten Sonntag auf 1.536 am Mittwoch. In Region 3, die die mittleren Atlantikstaaten umfasst, stiegen die Zahlen von 72 auf 1.162 und in Region 2 (u.a. New York und New Jersey) von 91 auf 942.
In New York City stieg die Zahl der hitzebedingten Besuche in Notaufnahmen von zwei am 27. Juni auf 43 am 1. Juli – die bisher höchste Zahl in diesem Jahr. Die Höchsttemperatur betrug an diesem Tag 39 °C.
Diese Notfallmaßnahmen stehen in Kontrast zu der Realität, mit der Arbeiter konfrontiert sind. In Fabriken, Lagerhäusern und Logistikeinrichtungen halten die Firmen die Produktion und Auslieferungen unter Bedingungen aufrecht, die die Arbeiter selbst als gefährlich beschreiben.
Im Ford-Lastwagenwerk in Dearborn berichteten Arbeiter am Mittwoch, dass die Manager und Wartungsleiter sie angewiesen hatten, Zusatzsteckdosen zu entfernen oder abzudecken, die Arbeiter für Ventilatoren an ihren Arbeitsplätzen nutzten. Der von den Arbeitern geschilderten Anweisung zufolge müssen alle angeschlossenen Ventilatoren bis zum 13. Juli entfernt werden.
Die Nachricht über diese Anweisung verbreitete sich im Werk, wo Arbeiter mit Temperaturen von über 38 °C konfrontiert waren. Einer von ihnen schrieb: „Den Arbeitern die Ventilatoren wegzunehmen, ist einfach nur rückständig und zeigt, wie wenig das Unternehmen von den Arbeitern hält. Ich bin mir sicher, dass das ein abgekartetes Spiel ist, um Arbeiter zur Kündigung zu bewegen und/oder den Einsatz von Robotern vorzubereiten, um die Leute zu vertreiben.“
Ein anderer Arbeiter verurteilte die Behauptung von Ford, die Ventilatoren stellten ein Sicherheitsrisiko dar: „Sie wollen uns also die Ventilatoren wegnehmen, wenn es draußen höllisch heiß ist? Und sie nennen das ein ‚Sicherheitsrisiko‘… Das ist Schwachsinn, und das wissen wir alle. Warten wir mal ab, wie groß das Risiko dann ist, wenn die Leute wegen der ÜberHITZUNG umkippen, oder wenn jemand – Gott bewahre – einen Hitzschlag bekommt.“
Die Arbeiter bei Ford sind bereits mit einer massiven Zunahme der Arbeitsbelastung konfrontiert, seit der neue Tarifvertrag 2023 ratifiziert wurde, worauf sofort Entlassungen folgten. Ein Arbeiter aus Dearborn erklärte: „Das ist Wahnsinn. Wo ist die Gewerkschaft?“
Im Ford-Fertigungswerk Chicago beschrieb ein Arbeiter die Bedingungen als „tragisch, überhitzt, erbärmlich“. Laut Berichten von Arbeitern stehen im hinteren Teil des Werks regelmäßig Rettungsfahrzeuge bereit, für Arbeiter, die aufgrund der Hitze gesundheitliche Probleme bekommen.
Bei GM in Flint stellte ein Arbeiter den Vorsitzenden des UAW-Ortsverbands 598 auf einem internen Messageboard zur Rede, weil statt Kühltüchern nur „billige Stirnbänder“ ausgegeben wurden, während der Hitzeindex 43 °C betrug.
Der Vertreter der Bürokratie reagierte darauf, indem er das Management verteidigte: „Das Unternehmen hat u.a. versucht, Eis am Stiel, Kühltücher und Stirnbänder anzubieten, um Verständnis für die Hitze zu zeigen. Es ist dazu nicht verpflichtet, also nimm es nicht an, wenn du es nicht magst.“
Ein Fabrikarbeiter aus Missouri erklärte: „Die Leute fallen täglich um und werden mit der Ambulanz weggebracht. Vor allem im Bereich des Bads, wo sie einen Drucktest mit den Dosen in kochendem Wasser machen. Da stellen sie hauptsächlich Frauen rein – zumindest in den heißen Phasen. Wenn eine Dose das nicht aushält, muss man sie mit einem dicken Handschuh rausfischen. Zusammen mit der drückenden Hitze führt die Luftfeuchtigkeit regelmäßig dazu, dass Leute umkippen.“
Ein Postbeschäftigter berichtete, dass sich die Zusteller in einer Niederlassung geweigert hätten, ihre Zustellung zu beginnen, bis ihnen das Management zusätzliches Wasser bereitstellt: „Sie saßen im Pausenraum, bis man Wasser ins Büro brachte. Sie hatten keine Kühltücher, die eigentlich gestellt werden müssen, und kein Wasser. Dabei wussten sie doch genau, wie heiß es werden würde.“
Ein anderer Postbeschäftigter schrieb: „Ich bekomme kaum Luft und huste, aber ich werde morgen wieder da sein. Mein Herzschlag lag bei 125. Verdammte Hitze.“ Ein anderer schrieb: „Es sollten sich alle Zusteller krankschreiben und diese Arschlöcher die Post austragen lassen, statt sie auf ihrem Arsch vor der Klimaanlage sitzen zu lassen.“
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Bei UPS in Knoxville (Tennessee) veröffentlichte der Teamsters-Ortsverband 519 am 1. Juli einen Brief, in dem er „ernstzunehmende Beschwerden“ über die Zustände im dortigen Betrieb einräumte. Weiter hieß es, in dem Gebäude herrschten „extreme Temperaturen“, der Zustand der Ausstiegsmöglichkeiten sei „empörend“, und Arbeiter seien aufgrund dieser Arbeitsbedingungen „buchstäblich auf dem Boden liegen geblieben“. Weiter hieß es, die Aufseher würden „ohne Rücksicht auf die Situation um sie herumlaufen“, die Betriebsräte würden bei den betroffenen Arbeitern bleiben, um sie zu überwachen.
In einem öffentlichen Post auf der Facebook-Seite der Teamsters von East Tennessee hieß es, die Beschäftigten seien „so stark von den Bedingungen beeinträchtigt gewesen, dass einige auf dem Boden lagen“, während das Management den Betrieb fortsetzte und an den Betroffenen vorbeiging.
Lieferfahrer sind besonders gefährdet. Hitzebedingte Todesfälle sind praktisch ein alljährliches Vorkommnis in amerikanischen Sommern. Im Juni 2023 brach der Briefträger Eugene Gates Jr. in Dallas während einer Hitzewelle zusammen und verstarb, als er bei einem Hitzeindex von 46 °C Post austrug. Im Jahr 2024 starb die USPS-Arbeiterin Wednesday „Wendy“ Johnson, nachdem sie stundenlang im Laderaum eines Postlasters in Fayeteville (North Carolina) gearbeitet hatte. Laut Textnachrichten herrschten in dem Fahrzeug Temperaturen von 39 °C. Im Jahr 2025 starben die Briefträger Jacob Taylor aus Dallas und Dan Workman aus Grand Junction (Colorado), als sie in extremer Hitze Post zustellten.
Der US Postal Service hat erst einen Teil seiner alternden „Long Life Vehicles“ ausgetauscht. Vielen dieser Fahrzeuge fehlt eine Klimaanlage, und sie sind weit über ihre erwartete Lebensdauer in Betrieb. Bei UPS setzte die Teamsters-Bürokratie einen Tarifvertrag durch, der nur in neu angeschafften Lieferfahrzeugen für Kleinpakete Klimaanlagen ab dem 1. Januar 2024 vorschreibt. In einer späteren Vereinbarung verpflichtete sich UPS, 5.000 Lieferfahrzeuge bis Juni 2027 nachträglich mit Klimaanlagen auszustatten. Ein Pilotprogramm für Klimaanlagen im Laderaum betrifft nur etwa 100 Fahrzeuge.
Will Lehman, ein Mack-Trucks-Arbeiter aus Macungie (Pennsylvania), der als sozialistischer Kandidat für das Amt des UAW-Präsidenten antritt, veröffentlichte am Donnerstag einen Aufruf an die Arbeiter, angesichts der sich ausbreitenden Hitzewelle in Fabriken, Lagerhäusern, Baustellen, Farmen und Lieferrouten die Kontrolle über die Sicherheitsbedingungen zu übernehmen.
Lehman erklärte: „Arbeiter müssen das Recht haben, das Fließband und die Produktion zu stoppen, wenn die Hitze oder andere Bedingungen eine Gefahr für Gesundheit und Sicherheit darstellen – ohne Repressalien, Strafen oder Lohnabzug. Alle Arbeiter müssen bezahlte Hitzepausen bekommen, unbegrenzten Zugang zu kaltem Wasser und Elektrolyten, schattige und klimatisierte Ruhebereiche und medizinische Versorgung bei Bedarf.
Die Produktionsgeschwindigkeit muss gedrosselt oder die Produktion eingestellt werden, sobald die Hitzeindizes ein gefährliches Niveau erreichen, dies gilt auch für das Innere von Werken, in denen Maschinen, Beton, schlechte Belüftung und körperliche Arbeit die Bedingungen noch schlimmer machen als es von außen den Anschein hat. Alle Betriebe müssen mit geeigneten Klimakontrollsystemen ausgestattet werden, darunter Klimaanlagen und Belüftung, bezahlt vom Unternehmen.
Die Arbeiter müssen vollen Lohn für jede Produktionsunterbrechung erhalten, die durch gefährliche Hitze, Stürme, Stromausfälle, Rauch von Waldbränden, Pandemien oder andere Notfälle verursacht wird. Alle hitzebedingten Vorfälle, Beinahe-Unfälle, Krankenhausaufenthalte und Beschwerden müssen sofort gemeldet und der gesamten Belegschaft bekannt gemacht werden.“
Lehman forderte, die „wertlosen gemeinsamen Sicherheitskomitees aus Arbeitnehmern und Management“ durch Sicherheitskomitees zu ersetzen, die „vollständig aus aktiven Arbeitern bestehen, welche von der Belegschaft gewählt werden und ihr verantwortlich sind. ... Kein Arbeiter darf für einen Lastwagen oder eine andere Ware sterben. Die Arbeiter müssen sich zusammenschließen, die Kontrolle über die Sicherheit übernehmen und für ein System auf der Grundlage menschlicher Bedürfnisse statt privatem Profit kämpfen.“
Die Arbeiter dürfen nicht darauf warten, dass das Management, die Arbeitsschutzbehörde oder die Gewerkschaftsbürokratien handeln, nachdem noch mehr Menschen zusammengebrochen oder gestorben sind. Es müssen in allen Betrieben Aktionskomitees aufgebaut werden, um die Bedingungen zu kontrollieren, Erkrankungen oder Extremsituationen durch Hitze zu melden, die Arbeit unter unsicheren Bedingungen einzustellen, volle Bezahlung während hitzebedingter Betriebseinstellungen zu fordern und die Arbeiter über Betriebe, Lagerhäuser, Lieferrouten und Industriezweige hinweg zu verbinden.
