Mord durch die ICE in Houston: Trumps Krieg gegen die Arbeiterklasse

Lorenzo Salgado Araujo

Die Tötung von Lorenzo Salgado Araujo, der am Montagmorgen im Osten von Houston von einem Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) erschossen wurde, war ein staatlich sanktionierter Mord.

Salgado war 52 Jahre alt. Er wurde in Mexiko geboren, zog mit 17 nach Houston und verbrachte sein gesamtes Erwachsenenleben damit, Hunderte von Häusern zu bauen, so seine Familie, darunter auch das, in dem sie selbst leben. Es gibt Tausende von Menschen in Houston, die dank Salgado und seiner Mitarbeiter ein Dach über dem Kopf haben.

Salgado und seine Frau haben drei Söhne, die alle ein Studium abgeschlossen haben. Einer ist heute Lehrer in Houston, ein anderer Ingenieur in Washington, D.C. Ronaldo Salgado, der Lehrer und älteste Sohn, hat in einer Reihe bewegender Erklärungen das Andenken an seinen Vater als fleißigen Arbeiter, Ernährer der Familie und fürsorglichen Vater gewürdigt. Zugleich hat er die Forderungen der Familie dargelegt, dass seine Ermordung untersucht wird und die Verantwortlichen bestraft werden.

Mindestens zwei Zeugen berichteten, sie hätten Stöhnen oder Gurgeln von dem tödlich verwundeten Mann gehört, und einer hörte ihn auf Spanisch rufen: „Sie bringen mich um.“ Ronaldo Salgado sagte, er habe vom Tod seines Vaters nicht von den Behörden erfahren – die die Familie nicht kontaktiert hatten –, sondern durch ein Video in den sozialen Medien, das eine Stunde nach den Schüssen veröffentlicht wurde. Er erklärte gegenüber der Presse: „Ich habe ihn sofort erkannt, nicht an seinem Aussehen, sondern an seiner Stimme, als er auf der Straße lag, verblutete und um Hilfe schrie.“

Auch Salgados zweiter Sohn, Lorenzo, sah das Video. „Ihn vor Qual schreien zu hören und zu sehen, dass er angeschossen worden war, und dass sie ihm keine Erste Hilfe leisteten, sondern nur auf ihm lagen, ihn festhielten und ihn wie einen Hund verbluten ließen“, berichtete er der Texas Tribune.

Die Trump-Regierung reagiert auf den Mord mit einer Vertuschungsaktion. Der amtierende ICE-Direktor behauptete, es gebe keine Bodycam- oder Dashcam-Aufnahmen von den Ereignissen, die zu Salgados Tod führten, und die Behörde hat angekündigt, den Namen des Beamten, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, nicht öffentlich zu machen.

Es wurden auch keine forensischen Beweise veröffentlicht, die Aufschluss darüber geben könnten, wie Salgado in die rechte Seite seines Bauches getroffen worden ist, wenn die Schüsse angeblich schon in dem Moment abgefeuert wurden, als er noch den Transporter fuhr. Das FBI hat Ermittlungen eingeleitet – allerdings nicht wegen der Ermordung von Salgado, sondern wegen seines angeblichen Angriffs auf einen Bundesbeamten, bei dem er sein Fahrzeug als „Waffe“ eingesetzt haben soll. Es handelt sich um einen durchsichtigen Versuch, das wehrlose Opfer zu diffamieren und sicherzustellen, dass der ICE-Beamte ungestraft davonkommt.

Das Heimatschutzministerium (DHS) und das Justizministerium (DOJ) haben ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um jegliche lokalen Ermittlungen zu unterbinden. Ihre erste Maßnahme bestand darin, die wichtigsten Zeugen des Mordes mundtot zu machen, nämlich die drei Arbeiter, die mit Salgado im Transporter saßen: Victor Hugo Salgado Araujo (Salgados jüngerer Bruder), Jose Trinidad Rojas Pliego und Daniel Tirado Pantoja. Alle drei wurden in Gewahrsam genommen und unter Druck gesetzt, sich „selbst ausweisen“ zu lassen. Tirado Pantoja befindet sich weiterhin in einer ICE-Haftanstalt in Conroe (Texas).

Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hatten Salgado und seine Familie besprochen, wie er sich verhalten sollte, falls er von Einwanderungspatrouillen angehalten würde. Sie kamen zu dem Schluss, dass er ruhig bleiben und Papiere vorlegen sollte, aus denen hervorgeht, dass er einen Antrag auf legalen Aufenthaltsstatus gestellt hatte, wobei sein Sohn Ronaldo, ein US-Staatsbürger, als sein Bürge fungierte. Doch laut ICE beschloss Salgado angeblich plötzlich, seinen Transporter als Rammbock einzusetzen, um einen ICE-Beamten zu töten.

Diese Darstellung ist ebenso absurd wie die Behauptung der ICE in Minneapolis, Renée Nicole Good habe ihr Auto als „Waffe“ gegen einen Beamten eingesetzt, der sie daraufhin aus nächster Nähe mit drei Schüssen tötete. Nach diesem Mord erklärte Vizepräsident J. D. Vance, der Schütze sei „durch absolute Immunität geschützt … er hat nur seine Arbeit getan.“

Der Mord an Salgado ist Teil einer eskalierenden Verschwörung gegen die demokratischen Rechte der amerikanischen Bevölkerung, die darauf abzielt, eine Präsidialdiktatur zu errichten. Mit der ICE und der CBP stellt die Trump-Regierung die Stoßtruppen dieser Verschwörung auf, die in der Praxis von jedem Gesetz ausgenommen sind und denen der Gangster im Weißen Haus Immunität für Mord garantiert.

Auf Anweisung von Trumps faschistischem stellvertretenden Stabschef Stephen Miller haben ICE- und CBP-Beamte die Zahl der Festnahmen und Inhaftierungen in der ersten Juliwoche auf über 10.000 erhöht. Nach Zahlen, die Human Rights Watch und die Physicians for Human Rights im vergangenen Monat veröffentlichten, starben in den ersten 500 Tagen der zweiten Amtszeit von Trump 52 Einwanderer in ICE-Gewahrsam.

Es wurden mindestens zwanzig Vorfälle gemeldet, bei denen ICE-Beamte auf fahrende Fahrzeuge geschossen haben. Bei solchen Angriffen wurden inzwischen vier Menschen getötet: Ruben Ray Martinez am 15. März 2025 in South Padre Island (Texas); Silverio Villegas González am 12. September 2025 in Franklin Park (Illinois); Renée Nicole Good am 7. Januar 2026 in Minneapolis; und nun Lorenzo Salgado Araujo. Andere, wie Keith Porter Jr. in Los Angeles und Alex Pretti in Minneapolis, wurden von Einwanderungsbeamten erschossen, als sie zu Fuß unterwegs waren.

In einem weiteren berüchtigten Fall wurde Marimar Martinez im Oktober 2025 fünfmal angeschossen, angeblich weil sie Einwanderungsbeamte mit ihrem Auto „gerammt“ habe. Sie überlebte, und die Anklage gegen sie wurde fallen gelassen, als Videoaufnahmen auftauchten, die zeigten, dass die Bundesbeamten die Kollision ausgelöst hatten. In praktisch jeder Konfrontation, die auf Video festgehalten wurde, haben sich die Bundesbeamten als gewalttätige Schläger und Lügner erwiesen, doch von ihren Vorgesetzten bei der ICE, dem DHS und im Weißen Haus wurden sie geschützt.

Der Krieg gegen Einwanderer ist ein Angriff auf den schutzbedürftigsten Teil der Arbeiterklasse, der darauf abzielt, die Arbeiter entlang nationaler Grenzen zu spalten, während die Oligarchie die Gesellschaft ausplündert. Doch die Maschinerie, die derzeit aufgebaut wird, richtet sich gegen die Arbeiterklasse als Ganzes. Ein staatlicher Schlägertrupp, der einen Einwanderer, der als Bauarbeiter auf dem Weg zur Arbeit ist, ermorden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, kann und wird auch gegen Streikende, Demonstranten und gegen jede Form von Widerstand aus der Bevölkerung eingesetzt werden.

Schon jetzt sind Milliarden von Dollar für ein Netzwerk von Konzentrationslagern bereitgestellt worden, Datenbanken mit Demonstranten und Rechtsbeobachtern werden angelegt, und in Texas selbst haben Bundesgerichte fünfzehn Anti-ICE-Demonstranten im „Prairieland“-Fall wegen „Terrorismus“ zu insgesamt 556 Jahren Haft verurteilt – während jeder ICE-Mörder auf freiem Fuß bleibt.

In dieser Kampagne des Staatsterrors fungiert die Demokratische Partei nicht als Opposition, sondern als Komplizin. Die Kongressdelegation der Demokraten aus Houston hat auf den Mord mit einem Brief an den Leiter des DHS und den amtierenden ICE-Direktor reagiert – genau jene Beamten, die die Vertuschung leiten – und höflich um eine „unabhängige“ Untersuchung gebeten. Solche zahnlosen Appelle, die zu den Akten gelegt und ignoriert werden, sind auch schon alles, was die Demokraten als „Opposition“ aufbringen.

Als die Morde an Good und Pretti 100.000 Menschen auf die Straßen von Minneapolis trieben und die Forderung nach einem Generalstreik laut wurde, setzte der demokratische Gouverneur Tim Walz Staatspolizisten und die Nationalgarde ein – nicht, um Einwanderer zu schützen, sondern um die ICE zu protegieren. Walz pries die Zusammenarbeit mit Trumps „Grenzzar“ und stellte den Abzug der meisten ICE-Agenten als „Rückzug“ Trumps dar. Tatsächlich handelte es sich um eine Umverteilung der Kräfte nach Houston und in andere Städte.

Nach der inszenierten Abgabe ihrer „Nein“-Stimmen, die im Vorfeld mit der republikanischen Führung abgesprochen waren, haben die Demokraten im Kongress alle Forderungen nach Einschränkungen für die Einwanderungspolizei fallen gelassen und den Weg für den fast siebzig Milliarden Dollar schweren „Secure America Act“ geebnet, der die ICE und die CBP bis zum Ende von Trumps Amtszeit finanziert – zusätzlich zu den bereits bewilligten 170 Milliarden Dollar, darunter 45 Milliarden Dollar für Konzentrationslager.

Die Demokraten, eine Partei der Wall Street und des Militär- und Geheimdienstapparats, fürchten eine Bewegung der Arbeiterklasse von unten weitaus mehr als sie eine Diktatur fürchten. Der Kampf um Gerechtigkeit für Lorenzo Salgado Araujo fällt daher der Arbeiterklasse selbst zu.

Die Empörung über den Mord an Salgado ist enorm und wächst weiter. Am Mittwoch versammelten sich 1.500 Menschen an der Stelle, an der Salgado getötet wurde, forderten Gerechtigkeit und riefen dazu auf, dass die ICE Houston verlassen solle. Die „League of United Latin American Citizens“ startete eine GoFundMe-Spendenaktion für die Familie und spendete selbst 5.000 Dollar zur Unterstützung von Salgados Witwe. Bis Donnerstag waren fast 300.000 Dollar zusammengekommen.

Diese Empörung ist Teil der Bewegung, die im Januar nach den Morden an Good und Alex Pretti 100.000 Menschen auf die Straßen von Minneapolis brachte. Diese Bewegung muss mit einem Programm und einer Perspektive ausgestattet werden.

Die Socialist Equality Party ruft zur Bildung von Aktionskomitees an jedem Arbeitsplatz, in jeder Schule und in jedem Stadtteil als Zentren des Widerstands gegen die Trump-Diktatur auf. Die in Minneapolis entstandene Stimmung für einen Generalstreik muss in Houston und im ganzen Land wiederbelebt und organisiert werden.

Die Arbeiter müssen die namentliche Nennung des Mörders sowie dessen Festnahme und strafrechtliche Verfolgung fordern; die Veröffentlichung aller Video- und forensischen Beweise; die sofortige Freilassung der drei Zeugen, angefangen mit Daniel Tirado Pantoja, und die Einstellung aller Abschiebungsverfahren gegen sie; die Einstellung der von der FBI inszenierten Ermittlungen; sowie den Rückzug der ICE aus Houston und jeder anderen Stadt. Diese Forderungen müssen mit dem Kampf für die Abschaffung von ICE und CBP, die Schließung der Internierungslager und die Freilassung aller dort Inhaftierten verbunden werden.

Kein Appell an die Gerichte, die Demokratische Partei oder die Wahlen im November wird dies bewirken.

Die Verteidigung der schutzbedürftigsten Arbeitsmigranten ist die Verteidigung der demokratischen Rechte aller arbeitenden Menschen, und die Forderung der Arbeiterbewegung muss das Recht der Arbeiter sein, in jedem Land ihrer Wahl zu leben und zu arbeiten.

Vor allem muss die Arbeiterklasse – Einheimische und Einwanderer, über alle Branchen und Grenzen hinweg – in einer gemeinsamen politischen Bewegung gegen die Trump-Diktatur, die Oligarchie, der sie dient, und das kapitalistische System, aus dem der Faschismus hervorgeht, vereint sein. Die Diktatur ist die Antwort der herrschenden Klasse auf die sich verschärfende Krise ihres eigenen Systems. Die Antwort darauf kann nur die unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse im Kampf für den Sozialismus sein.

Loading