Am Wochenende haben israelische Streitkräfte mindestens 26 Menschen im Gazastreifen getötet. Sie griffen Wohnblocks, Zeltlager und den Medikamentenbestand eines Krankenhauses an. Es waren die seit Wochen blutigsten Tage in diesem Gebiet. Gleichzeitig hat US-Präsident Donald Trump nach einer Unterbrechung der Kämpfe für eine Woche dem Iran erneut mit „Enthauptung“ gedroht.
Am Samstag tötete Israel mindestens sieben Menschen und zerstörte zwei der vier Medikamentenlager des Al-Aqsa-Märtyrer-Krankenhauses in Deir al-Balah, wie Al Jazeera berichtete. Der Generaldirektor des Gaza-Gesundheitsministeriums, Munir al-Bursh, erklärte, dass durch diese Zerstörung „die Medikamente und die Krankheit selbst zum Kriegswerkzeug“ würden.
Laut Associated Press hat das israelische Militär vom Samstagabend bis Sonntag in den lokalen Krankenhäusern mindestens 17 weitere Menschen, darunter auch Kinder, getötet. Al Jazeera zählte am Sonntag 19 Tote und bezifferte die Gesamtzahl der Opfer dieses Wochenendes auf 26. Unter den Toten befanden sich auch der 33-jährige Abdullah Abu al-Teif, seine schwangere Frau Abeer Anan (29) und ihr fünfjähriger Sohn Azzam; sie starben beim Beschuss des Al-Sousi-Turms im Westen von Gaza-Stadt. Das israelische Militär erklärte seinerseits, diese Angriffe hätten militanten Kämpfern gegolten.
Dieses Blutvergießen spielte sich vor dem Hintergrund einer offiziellen Propagandaoffensive für den Frieden ab. Am Donnerstag hatte Trump ein „HISTORISCHES Abkommen zur VOLLSTÄNDIGEN ENTWAFFUNG der Hamas“ verkündet, und am Samstag behauptete er, man habe sich auf die „Grundzüge eines Abkommens“ zur Wiederöffnung der Straße von Hormus geeinigt. Während er noch sprach, fielen die israelischen Bomben auf Gaza-Stadt, Deir al-Balah und Khan Younis, und gleichzeitig wurden schon US-Bomber für das zusammengezogen, was Trump am Sonntag als „den größten Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnen sollte.
Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 10. Oktober 2025 hat Israel den Gazastreifen an 270 der 297 Tage angegriffen; das zeigt eine Analyse von Al Jazeera vom Montag. Das Gesundheitsministerium von Gaza zählt seit Beginn der Waffenruhe mindestens 1.250 getötete Palästinenser. Im gleichen Zeitraum sind laut Associated Press fünf israelische Soldaten ums Leben gekommen.
Die „Waffenruhen“ geben lediglich der Rahmen für die dauerhafte Annexion des Gazastreifens und die Ausweitung des Krieges ab. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Sonntag, dass die von Israel kontrollierte Zone nun schon 60 bis 70 Prozent des Gazastreifens umfasse, und der Sprecher des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, Doron Spielman, sagte gegenüber der AP: „Entwaffnung bedeutet, die Waffen physisch abzugeben. Nichts weniger.“
Die AP berichtete, dass zu den Bedingungen Israels für das Abkommen laut eines Insiders die Freiheit gehöre, weiterhin Militäroperationen im Gazastreifen durchzuführen. Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, schrieb am 31. Juli auf Telegram: „Die gezielten Tötungen im Gazastreifen müssen fortgesetzt werden.“
Unterdessen befindet sich die israelische Armee in der zweiten Woche einer „großangelegten Militäroperation“ im Westjordanland, die Netanjahu angeordnet hat. Schon am 24. Juli hatten Siedler aus dem Außenposten Havat Gilad das Dorf Tal angegriffen, wobei vier Palästinenser aus der Familie Ramadan und zwei Israelis ums Leben kamen.
Die Armee setzte 26 Bataillone ein und führte in vielen Städten von Jenin bis Hebron Razzien durch, berichtete Al Jazeera am 28. Juli. Army Radio zählte am zweiten Wochenende 30 Angriffe von Siedlern, darunter zwei in Brand gesetzte Moscheen und ein solches Familienhaus in Urif - mehr als 150 Siedler hatten es in Brand gesteckt. Ein Kleinkind überlebte knapp, da sein Großvater es aus dem Kinderbettchen ziehen konnte.
Finanzminister Bezalel Smotrich sagte am 24. Juli, palästinensische Dörfer müssten „aussehen wie die Flüchtlingslager in Nablus und Tulkarem“. Nach Angaben der UNO sind seit Oktober 2023 im Westjordanland und in Ostjerusalem 1.122 Palästinenser, darunter mindestens 246 Kinder, getötet worden.
Der jüngste Angriff auf den Gazastreifen erfolgt zu einem Zeitpunkt, da Trump damit droht, die iranische Regierung zu vernichten. „Die iranische Führung ist unglaublich verlogen!“, schrieb Trump am Montag auf Truth Social. Später am selben Tag sagte er im Oval Office: „Das ist die letzte Chance für sie, ein gutes Abkommen zu unterzeichnen“, und fügte hinzu, er wolle „jede noch so kleine Chance vor der Enthauptung“ gewähren.
Den Drohungen ging eine Woche amerikanischer Bombardements voraus. Nachdem Trump am 27. Juli erklärt hatte, die US-Angriffe seien zugunsten von Vermittlungsbemühungen ausgesetzt worden, hatten die iranische Revolutionsgarde am 28. Juli ballistische Raketen auf einen Stützpunkt mit US-Truppen in Jordanien abgefeuert. Am nächsten Tag kündigte das US-Militär eine „massive Angriffswelle“ auf Dutzende von Zielen im gesamten Iran an: Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen und Verteidigungsanlagen an den Küsten.
Iranische Staatsmedien berichteten, dass eine Rakete in einem Haus auf der Insel Qeshm eingeschlagen sei und dabei den Taxifahrer Qeisar Jafari, seine Frau Zahra und ihren zweijährigen Sohn Sina getötet habe. Am selben Tag griffen US-amerikanische und saudische Kampfflugzeuge im Irak Stellungen von Milizen in sieben verschiedenen Provinzen an. Die „Popular Mobilization Forces“ (PMF) gaben daraufhin an, dass 20 ihrer Kämpfer getötet worden seien. Auch teilten Vertreter der irakischen Miliz der AP mit, dass sechs iranische Berater ums Leben gekommen seien.
CBS News berichtete am Freitag, dass die USA und Israel sich auf die Bombardierung iranischer Kraftwerke und Raffinerien vorbereiteten. In einem Beitrag auf Truth Social am späten Samstagabend gab Trump bekannt, diesen Angriff habe er abgesagt, und er schrieb, „der Iran und andere Länder des Nahen Ostens“ hätten ihn gebeten, davon abzusehen.
Kriegsminister Pete Hegseth schrieb am Sonntag auf X: „Das @DeptofWar [Kriegsministerium] war einsatzbereit – und ist es nach wie vor – in einem Ausmaß, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen wurde. Bereit zum Einsatz.“
So macht die Realität Trumps ganzes Gerede vom „Waffenstillstand“ hinfällig: Im gesamten Nahen Osten tobt ein regionaler Krieg, und Tag für Tag werden Menschen getötet.
Auch der Krieg mit dem Jemen ist wieder aufgeflammt. Die Houthis haben am 20. Juli ein Embargo gegen die saudische Schifffahrt verhängt, und ihre Raketen und Drohnen haben saudische Tanker und Aramco-Anlagen getroffen. Am 29. Juli setzte eine Drohne im ägyptischen Hafen Damietta zwei Gastanker in Brand. Kuwait teilte am Samstag mit, es habe feindliche Drohnen über seinem Hoheitsgebiet abgeschossen, und machte den Iran dafür verantwortlich. Israel hat seit dem 30. Juli auch den Süden Syriens beschossen und am Samstag mehrere Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon getötet.
In Teheran stießen Trumps Behauptungen über Friedensverhandlungen auf eine klare Zurückweisung. „Wir verhandeln derzeit nicht mit den Vereinigten Staaten“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, am Montag. Der Iran gibt an, derzeit ausschließlich Gespräche mit Oman über einen vorübergehenden Schifffahrtskorridor durch die Straße von Hormus zu führen.
Es herrscht mit dem Iran kein Waffenstillstand. Das Memorandum vom Juni ist schon Anfang Juli gescheitert, und The Guardian schrieb am Montag, dass die Kehrtwende am Wochenende bereits Trumps zwölfte Absage von angedrohten Angriffen gewesen sei.
In der CBS-Sendung Face the Nation am Sonntag kritisierte der demokratische Senator Mark Kelly aus Arizona den Krieg als schlecht geführt: „Da ist jemand, der uns ohne strategisches Ziel, ohne Plan und ohne Zeitplan in diese Sache hineingezogen hat.“ Seine Lösung lautete: man müsse den Krieg gewinnen. „Man muss da Leute einsetzen, die wissen, wie man das macht, wie man mit den Iranern spricht.“ Er forderte kein Ende des Kriegs und äußerte sich nicht zu Gaza.
Bei einer Anhörung im Senat am 21. Juli forderte der demokratische Senator Gary Peters aus Michigan die Regierung auf, den Krieg zu gewinnen, und sagte zu Hegseth: „Sie haben keinen langfristigen Plan, um diesen Krieg tatsächlich zu gewinnen. Gewinnen Sie den Krieg.“
Der Krieg ist äußerst unpopulär: 64 Prozent der Amerikaner gaben in einer am 30. Juli veröffentlichten AP-NORC-Umfrage an, dass es sich nicht lohne, ihn zu führen, und 60 Prozent erklärten am 29. Juli gegenüber Quinnipiac, dass sie eine US-Militäraktion gegen den Iran ablehnten. Doch in Washington geht es nur darum, wie der Krieg geführt werden soll, nicht darum, wie man ihn beendet.
