„15 Jahre Haft – nur weil er gegen den Krieg ist“: Stimmen aus Deutschland für die Freilassung von Bogdan Syrotjuk

Am Sonntag, dem 6. September, um 15 Uhr, ruft die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin auf – für die sofortige Freilassung des 27-jährigen ukrainischen Sozialisten und Kriegsgegners Bogdan Syrotjuk.

Er wurde am 10. August 2026 wegen „Hochverrats“ zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die einzigen vorgelegten „Beweise“ sind seine Artikel auf der World Socialist Web Site, in denen er gegen Krieg und Nationalismus eintritt und die Verbrechen von Nazikollaborateuren in der Ukraine aufdeckt.

Weltweit entwickelt sich eine Welle des Protests gegen das Urteil. In den letzten Wochen haben Mitglieder und Unterstützer der SGP bundesweit Flugblätter verteilt, Plakate geklebt und Diskussionen geführt, um die Kampagne für Bogdans Freilassung bekannt zu machen.

In Berlin ist der Fall ein zentrales Thema im Wahlkampf der SGP zu den Berliner Senatswahlen. Sie verbindet den Kampf für Bogdans Freilassung mit dem Aufbau einer sozialistischen Bewegung gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung.

SGP-Mitglieder führen die Kampagne für Bogdans Freiheit

Wir veröffentlichen hier Statements von Arbeitern und Studierenden in Solidarität mit Bogdan.

Gabriel, ein junger Krankenpfleger aus Bielefeld, erklärt: „Bogdan Syrotjuk hat Faschisten und Nazis als solche benannt. Alle Artikel, die er schrieb, waren politisch und historisch korrekt. Bogdans Verurteilung zeigt, dass es in der Ukraine keine demokratischen Prozesse gibt.“ Er bekomme 15 Jahre Haft, „nur weil er gegen den Krieg und Sozialist ist“.

Syrotjuk wurde bereits vor über zwei Jahren, am 25. April 2024, verhaftet. Wenige Wochen später folgte das Verbot der WSWS in der Ukraine. „Das ist erschreckend. Jeder sollte Zugriff zu dieser Website haben“, sagt Gabriel.

Aaron, ein Student an der Freien Universität Berlin und Mitglied der Jugend- und Studentenorganisation International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), unterstützt die Kampagne in Berlin. Aus seiner Sicht zeigt das Urteil die wahre Natur des Selenskyj-Regimes: „In der Ukraine wurden mit der Verhängung des Kriegsrechts oppositionelle Parteien und Medien verboten, jede Kriegskritik kriminalisiert und Kritiker – wie Bogdan – als ‚Landesverräter‘ eingesperrt.“

Erster Wahlspot der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) zu den Berlinwahlen 2026

Für Aaron ist der Fall Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung: „Dieser Krieg entblößt das Gesicht der Nationalstaaten im Kapitalismus. Floskeln über Demokratie oder Humanismus widersprechen sich umso mehr, je stärker ihr Einhalten den Profitinteressen des Kapitals im Weg stehen.“

Schon die Osterweiterung der NATO sei keine „Demokratisierung ehemaliger Sowjetstaaten“, sondern die Ausweitung des amerikanischen Einflussgebiets gewesen. Und Deutschland nutze den Krieg, „um zur führenden Militärmacht Europas aufzusteigen“. Dafür werde die Bevölkerung überall angegriffen – sei es mit Sanktionen gegen kritische Journalisten, die Kürzung von Sozialleistungen oder die Bundeswehr-Propaganda in Schulen.

„Die Inhaftierung und Verurteilung von Bogdan erinnert mich an die Justizfälle von Julian Assange oder Carl von Ossietzky“, sagt Michael, ein 65-jähriger Umweltingenieur aus Berlin. Auch sie hätten die Öffentlichkeit über die Verbrechen und Intrigen des herrschenden Systems aufgeklärt. „Bei Bogdan kommt hinzu, dass er den faschistischen Charakter der ukrainischen Regierung offengelegt und an die historische Verbindung der ukrainischen und russischen Bevölkerung in der Sowjetzeit erinnert hat.“

Michael ist überzeugt: „Die angebliche Verteidigung der ‚ukrainischen Demokratie‘ ist nichts weiter als billige Demagogie, die in großen Teilen der Bevölkerung nicht mehr verfängt. Deshalb dienen die jüngsten Vorfälle am Leipziger Flughafen dazu eine Pro-Kriegs-Stimmung zu erzeugen.“ Der sogenannte hybride Krieg bedeute eine weitere Eskalation des Kriegs.

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Klaus, der als Dozent an einer Berliner Volkshochschule gearbeitet hat und jetzt in Rente ist, nennt das Urteil „einen Akt staatlichen Terrors“. Deutschland und die NATO würden die Ukraine als „Rammbock gegen Russland“ benutzen, so Klaus. „Die deutsche Wirtschaft will die russischen Rohstoffe und Arbeiter ausbeuten, ohne Dazwischentreten eines relativ starken Staates.“

Er erklärt: „Bogdans Verdienst ist es, darauf hinzuweisen, dass ukrainische und russische Arbeiter für ihre Oligarchen ihr Leben lassen müssen. Sie können aber den Krieg beenden, wenn sie die Milliardäre zum Teufel jagen. Deswegen ist für mich die Unterschrift der Petition für Bogdan nur der Anfang. Auch wir müssen die Arbeitenden davon überzeugen, dass sie den deutschen Kriegstreibern die Hände binden, indem sie ihre Macht gegen die Kriegstreiber einsetzen.“

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Ein Slawistik-Student der Berliner Humboldt-Universität, der ebenfalls Michael heißt, unterstützt Bogdans Freilassung, weil er „sich für den Frieden ausspricht und für die Vereinigung der Arbeiterklasse in Russland wie in der Ukraine – gegen die Regime von Selenskyj und Putin“. Das ukrainische Regime, so Michael, „verwischt die Wahrheit über die Verbrechen der Faschisten, Bandera-Anhänger und OUN/UPA. Diese Geschichtsfälschung bekämpft Bogdan stark, weshalb das ukrainische Regime ihn auch verfolgt.“

Die internationale Dimension unterstreicht Kim, ein Metallarbeiter, der in Norwegen lebt: „Keine Regierung hat das Recht zu zensieren und zu verfolgen, kein Gericht das Recht, Bogdan oder irgendjemanden anderen wegen politischer Überzeugungen und der Äußerung von Widerstand zu bestrafen. Das sind unveräußerliche demokratische und Menschenrechte.“

Andreas, der Betriebsrat beim Autozulieferer ZF ist, verweist darauf, dass Bogdan Syrotjuk kein Einzelfall ist: „Das staatliche Vorgehen gegen ihn ist typisch, wenn Menschen sich ‚zu aktiv‘ gegen die Kriege und Interessen einsetzen, für die die Bevölkerung benutzt wird. Beispiele dafür finden sich in aller Welt und praktisch jedem Land – bis hin zu Deutschland.“

„Wir werden zu Kanonenfutter“

Am eindringlichsten schildert Ilja, ein 22-jähriger Ukrainer, der erst vor wenigen Tagen nach Berlin geflohen ist, die Lage in seinem Heimatland. Kiew werde derzeit „sehr stark bombardiert“ – zerstört würden „Einkaufsbereiche, gewöhnliche Märkte, Wohnviertel und zivile Infrastruktur. Es stimmt nicht, dass ausschließlich militärische Einrichtungen angegriffen werden.“

Ilja beschreibt, was die Mobilisierung für junge Männer in der Ukraine bedeutet: „Auf den Straßen werden Menschen einfach entführt. Sie halten sie an, schlagen sie und zwingen sie ohne jeden Grund in Kleintransporter.“ Selbst eine Behinderung schütze sie nicht.

„Wir sind gezwungen, aus unserem eigenen Land zu fliehen – aus dem Land, in dem wir aufgewachsen sind, in dem wir gelebt und uns entwickelt haben und in dem wir unsere Zukunft aufbauen wollten. Wir sind einfach gezwungen zu fliehen, weil wir verstehen, dass wir in zwei Jahren auf dem Schlachtfeld nur noch Kanonenfutter sein werden. Jeder wird an die Front geschickt. Wenn man keine Beziehungen hat oder niemanden im Militärapparat kennt, können sie einen überallhin schicken.“

Die wahren Zahlen über Opfer und Kriegsversehrte würden verschwiegen: „Jeder Zweite läuft mittlerweile mit Prothesen herum. Manche haben ihre Arme verloren, manche ihre Beine. Sie nennen höchstens 20 Prozent der Wahrheit. Wenn sie also beispielsweise melden, dass über Nacht 15 oder 20 Menschen getötet wurden, dann sind das falsche Informationen.“

Er habe einen Klassenkameraden beerdigt, der sich freiwillig gemeldet hatte – er war 19 Jahre alt. „Jetzt liegen alle unsere Freunde auf dem Friedhof.“ Von den Gleichaltrigen, die sich freiwillig gemeldet haben, seien „fast alle gestorben. Wirklich, nur ein paar Leute sind noch übrig – und selbst die wurden sehr schwer verwundet.“ Wer sich einigermaßen erholt habe, werde wieder eingezogen und zurück an die Front geschickt.

In der Aluminiumfabrik, in der Ilja bis zu seiner Abreise arbeitete, kündigte binnen drei Monaten die Hälfte der Belegschaft, weil sie „sehr wenig Geld“ bekommen hätten und ihnen ständig verspätet die Löhne ausgezahlt worden seien. Das Durchschnittsgehalt in der Ukraine von rund 500 Euro reiche zum Leben nicht aus.

Ilja lehnt den gesamten Krieg grundsätzlich ab: „Ich glaube, dieser Krieg hätte niemals stattfinden dürfen. Es wirkt, als sei alles absichtlich inszeniert worden, um, sozusagen, die slawischen Völker auseinanderzureißen.“

Seine Schlussfolgerung: „Wir sind vollkommen gegen das Selenskyj-Regime und gegen das Putin-Regime. Wir sind für den Frieden. Wir sind für den Frieden auf der ganzen Welt. Wir sind junge Menschen. Wir wollen uns weiterentwickeln, die Sprache lernen und arbeiten. Krieg ist nicht unser Beruf.“

So wie Ilja denken immer mehr junge Menschen in der Ukraine. Bogdan hat diesem Widerstand eine bewusste politische Orientierung und ein sozialistisches Programm gegeben – und ist deshalb zur Zielscheibe der ukrainischen Regierung geworden.

Der Krankenpfleger Gabriel ruft daher in seinem Statement auf: „Wir als Arbeiterklasse müssen zusammenhalten und für Bogdans Freilassung kämpfen. Wir können nicht tatenlos dabei zusehen, wie ein Mann, der gegen Krieg ist und sich für so viel eingesetzt hat, gefoltert wird und im schlimmsten Fall stirbt. Wir müssen dagegen angehen – und dabei zählt jede Stimme.“

Kommt am Sonntag, den 6. September, um 15 Uhr zum Brandenburger Tor: „Stoppt den Ukrainekrieg! Freiheit für Bogdan Syrotjuk!“ Unterzeichnet die Petition für seine Freilassung. Unterstützt die Kampagne und die Prozesskosten mit einer großzügigen Spende.

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