Unterstützung in Griechenland für die Freilassung des ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk

Nach Aufrufen von WSWS-Reportern an Medien, Gewerkschaften, linke Parteien, Künstler und Intellektuelle hat die Kampagne für die Freiheit von Bogdan Syrotjuk in Griechenland Unterstützung gefunden – unter anderem durch die Unterzeichnung der Petition, die Bogdans Freilassung fordert.

Bogdan wurde im April 2024 vom ukrainischen Geheimdienst SBU festgenommen. Am 10. August 2026 verurteilte ihn ein Gericht in Perwomajsk wegen „Hochverrats unter Kriegsrecht“ zu 15 Jahren Haft.

Am 21. September erschien ein Artikel über den Fall auf der Online-Nachrichtenseite To Kouti Tis Pandoras (Pandoras Büchse), einer vielgelesenen Online-Publikation mit über 200.000 Followern auf X und über 330.000 Followern auf Facebook.

Bogdan Syrotjuk, April 2023

Der Artikel fasste die verleumderischen Anklagepunkte gegen Bogdan zusammen und wies darauf hin, dass die Anklage wegen „Hochverrats“ ausschließlich auf seinen Ansichten und seiner Zusammenarbeit mit der World Socialist Web Site beruhte. Er machte auf Bogdans sechs Artikel aufmerksam, die als Beweismittel gegen ihn verwendet wurden, darunter seine Rede auf der Online-Maikundgebung 2023 des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, in der er zur Einheit der russischen und ukrainischen Arbeiter aufrief. (Eine Übersetzung des Artikels aus Kouti Tis Pandoras ist unten angefügt).

To Kouti Tis Pandoras wird von Kostas Vaxevanis herausgegeben, einem langjährigen Investigativjournalisten und Herausgeber der Wochenzeitung Dokumento, der aufgrund seiner Berichterstattung zur Zielscheibe zahlreicher Strafverfahren und Morddrohungen geworden ist. Im Jahr 2012 wurde er wegen Verstoßes gegen den Datenschutz verhaftet, nachdem er die sogenannte „Lagarde-Liste“ mit fast 2.000 reichen Griechen veröffentlicht hatte, die der Steuerhinterziehung verdächtigt wurden. Ihm gelang die Publikation der Liste, obwohl die griechische Regierung versucht hatte, dies zu unterdrücken.

Vaxevanis wurde noch im selben Jahr sowie in einem Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2013 von allen Anklagepunkten freigesprochen. Er war ein Anhänger von Alexis Tsipras, dem Vorsitzenden der pseudolinken Syriza (Koalition der Radikalen Linken) und ehemaligen Ministerpräsidenten. 2024 brach er jedoch mit ihm wegen seiner Äußerungen im Zusammenhang mit dem Novartis-Skandal. Tsipras hatte während seiner Amtszeit eine Untersuchung möglicher Schmiergeldzahlungen vorangetrieben, die griechische Politiker zwischen 2006 und 2015 vom Pharmakonzern Novartis erhalten haben sollen. 2024 bezeichnete er den Umgang seiner damaligen Regierung mit dem Fall rückblickend als „unglücklich“. Vaxevanis hingegen war im Laufe der Jahre aufgrund seiner Berichterstattung über den Skandal in Griechenland mehrfach strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. Im Juli wurde er in einem Verfahren freigesprochen, das von dem für die Novartis-Affäre zuständigen Ermittlungsrichter angestrengt worden war.

Griechische Übersetzungen der beiden wichtigsten WSWS-Erklärungen zur Verurteilung Bogdans wurden zudem in der ersten Oktoberhälfte von der linken Online-Publikation kommon.gr veröffentlicht, nachdem WSWS-Reporter einen Appell an Leonidas Vatikiotis gerichtet hatten, einen prominenten griechischen Ökonomen und Journalisten, der regelmäßig Beiträge für die Website verfasst. (Siehe hier und hier)

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Vatikiotis das griechische Buch Oukrania – To megalo plano: Akoma ki an den ypirche tha eprepe na efevrethei (Die Ukraine – der große Plan: Selbst wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden), in dem er untersucht, welche Rolle die NATO-Erweiterung und die politische Einmischung westlicher Mächte dabei spielte, die Voraussetzungen für den russischen Einmarsch in die Ukraine zu schaffen.

Ein Aufruf für Bogdan wurde von diesem WSWS-Autor auch auf Athens Indymedia veröffentlicht – einer seit langem bestehenden Website, die als alternative Informationsquelle dient, auf der jeder Beiträge veröffentlichen kann. Athens Indymedia wurde zu einer wichtigen Nachrichtenquelle während der Proteste und Unruhen im Dezember 2008, nachdem die griechische Polizei den Teenager Alexandros Grigoropoulos getötet hatte. Während das weltweite Indymedia-Netzwerk insgesamt seit Ende der 2000er Jahre an Bedeutung verloren hat, verzeichnet Athens Indymedia nach wie vor schätzungsweise Zehntausende Besuche pro Monat. Laut dem Web-Traffic-Tracker Similarweb entfielen im September rund 45 Prozent des gesamten internationalen Desktop-Traffics des Netzwerks auf Griechenland. Dort werden regelmäßig Aufrufe zugunsten politischer Gefangener in Griechenland und weltweit veröffentlicht.

Auch in den sozialen Medien stieß Bogdans Fall auf großes Echo, nachdem der Artikel von Kouti Tis Pandoras auf X und Facebook geteilt und von anderen unabhängigen Medien wiederveröffentlicht worden war.

Die beiden von kommon.gr wiederveröffentlichten WSWS-Erklärungen wurden ebenfalls auf dessen Facebook-Account hier und hier veröffentlicht und von anderen unabhängigen Medien weiterverbreitet. Das Statement wurde auch von „Red Line Agrinio“ veröffentlicht, einer Organisation, die täglich über Ereignisse und Nachrichten aus der Stadt Agrinio und Region, Griechenland und international berichtet.

Die Kommentare von Social-Media-Nutzern zum Fall Bogdan zeigen die tiefe Antikriegsstimmung in der griechischen Arbeiterklasse und die überwältigende Feindseligkeit gegenüber den imperialistischen Mächten, die den Krieg der NATO gegen Russland finanzieren.

Ein Facebook-Nutzer schrieb: „Was erwartet man von dem Nazi-Selenskyj [dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj] und den Nazi-Führerchens in der EU, die ihn unterstützen? Sie haben ihm bisher fast 42 Milliarden Euro gegeben.“

Ein anderer wandte sich gegen die falsche Darstellung Selenskyjs als Demokrat und sagte, sein Regime sei „mit anderen Worten derselbe Mist wie das gegnerische [russische] Lager“.

In den Kommentaren wurde auch angesprochen, dass die etablierten Medien über die Verfolgung von Bogdan schweigen. Ein Nutzer teilte eine der Erklärungen der WSWS und kommentierte: „Kein großes westliches Medienunternehmen hat über die 15-jährige Freiheitsstrafe berichtet, die gegen den ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotiuk verhängt wurde.“

***

Übersetzung des Artikels von To Kouti Tis Pandoras (das Original findet sich hier)

Ukraine: 27-jähriger Marxist wegen Antikriegsaktivitäten zu 15 Jahren Haft verurteilt – seine Kritik an der Regierung wurde als „Hochverrat“ gewertet

Der 27-jährige ukrainische Marxist Bogdan Syrotjuk befindet sich aufgrund seiner Antikriegsaktivitäten und seiner politischen Ansichten seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft des Sicherheitsdiensts der Ukraine (SBU). Er hat Berufung gegen das Gerichtsurteil eingelegt.

Wie Left Voice berichtet, wurde der Sozialist, der seit dem 25. April 2024 inhaftiert ist, im vergangenen August von einem ukrainischen Gericht zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er in Artikeln auf seiner persönlichen Website [sic – die Artikel wurden auf der WSWS veröffentlicht] sowohl ukrainische als auch russische Arbeiter dazu aufgerufen hatte, sich dem Krieg zu widersetzen. Er verurteilte die Invasion des russischen Präsidenten Wladimir Putin, prangerte aber gleichzeitig den „Stellvertreterkrieg Washingtons“ an und kritisierte die Verherrlichung von Nazi-Kollaborateuren durch ukrainische Regierungsvertreter.

Bogdan hatte versucht, in Zusammenarbeit mit der World Socialist Web Site (WSWS) eine sozialistische Organisation in der Ukraine zu gründen, die „Junge Garde der Bolschewiki-Leninisten“ (YGBL) – ein Schritt, den Kiew als feindselige Handlung interpretierte.

Der Staat stufte die Ansichten des sozialistischen Aktivisten als „Hochverrat“ ein und führte seine Artikel auf der World Socialist Web Site (WSWS) als Beweismittel an. Die Verurteilung führte zur Beschlagnahmung seines persönlichen Eigentums sowie zur Vernichtung seiner Schriften – der Artikel, Broschüren und Bücher, die er veröffentlicht hatte bzw. die er besaß.

Die Staatsanwaltschaft legte keine Beweise vor, die zeigten, dass Bogdan an Spionage, Sabotage oder Zusammenarbeit mit der russischen Armee beteiligt war. Stattdessen stützte sich die Anklage auf seine politischen Schriften und seine Kommunikation mit der WSWS. Das Gericht verurteilte ihn schließlich auf der Grundlage von sechs Artikeln, die er verfasst hatte und in denen er den Krieg in der Ukraine verurteilte, die ukrainische Regierung kritisierte und zur Einheit zwischen ukrainischen und russischen Arbeitern aufrief.

Eine der Schriften, die das Gericht als Beweis anführte, war eine Rede, die er am 1. Mai 2023 unter dem Titel „Für die Einheit der russischen und ukrainischen Arbeiterklasse!“ gehalten hatte. Ein weiterer Artikel von ihm, der seine Schuld belegen sollte, trägt den Titel „Die Verbrechen der Bandera-Leute gegen das ukrainische Volk“, in dem Syrotjuk die Rehabilitierung des Nazifreunds Stepan Bandera und der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten in der kollektiven Erinnerung der modernen Ukraine anprangert und dabei auf ihre Kollaboration mit Nazideutschland und ihre Gewalt gegen Ukrainer, Juden, Polen und Unterstützer der Sowjetunion verweist.

***
Die WSWS fordert alle Leser auf, aktiv zu werden:

  • Unterzeichnet die Petition und schreibt eine Unterstützungserklärung für Bogdan in euren eigenen Worten.

  • Schreibt an das Gericht – in eurer eigenen Sprache und auf Ukrainisch – mithilfe des Briefschreib-Tools. Falls ihr bereits geschrieben habt, schickt euren Brief bitte erneut zusammen mit der ukrainischen Übersetzung.

  • Spendet für die Kampagne (Spendenkonto: SGP, Vierte Internationale, IBAN: DE07 4306 0967 1338 6942 00, BIC (Swift-Code): GENODEM1GLS, Verwendungszweck: FreeBogdan).

  • Teilt eure Unterstützung und die Beiträge der Kampagne in den sozialen Medien.

  • Schickt die Website an eure Kontakte, Kollegen und Nachbarn.

  • Lest und verbreitet das neue Buch Der Ukrainekrieg und der Kampf für Sozialismus. Der Fall Bogdan Syrotjuk, in dem die Artikel von Bogdan veröffentlicht wurden.

Loading