Am Samstagabend verhaftete die Londoner Polizei mindestens 86 Demonstranten vor dem Wormwood Scrubs-Gefängnis im Westen Londons. Sie hatten sich friedlich versammelt, um ihre Solidarität mit Umer Khalid zu bekunden, einem pro-palästinensischen Aktivisten, der sich in einem Hunger- und Durststreik befindet und dessen Leben ernsthaft bedroht ist.
Die Demonstranten forderten die Gefängnisdirektorin Amy Frost auf, ihre Versprechen bezüglich der Behandlung von Umer schriftlich festzuhalten und umzusetzen. Er wurde in Einzelhaft gesteckt, zensiert und ihm wurde der Zugang zu seinem Gebetsteppich und dem Koran verweigert.
Laut der Organisation Prisoners for Palestine hatte Frost gegenüber Umer versichert, dass „seine Gesundheit für sie oberste Priorität habe und er bei einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands ins Krankenhaus eingeliefert werde“ und dass er täglich zu Gesprächen über Verhandlungen eingeladen werde.
Umer leidet an einer genetisch bedingten Muskelerkrankung, die zu fortschreitender Muskelschwäche und Muskelschwund führt. Seine Mutter Shabana Khalid sagte, sein Gesundheitszustand verschlechtere sich rapide und er werde zunehmend müde und schwach.
Ärzte warnen, dass er innerhalb weniger Tage sterben könnte. In einer Erklärung gegenüber Prisoners for Palestine warnte Dr. Rupa Marya: „Ohne Flüssigkeitszufuhr sterben Menschen in der Regel innerhalb von drei bis vier Tagen an akutem Nierenversagen und anderen Störungen. Aufgrund seines Grundleidens besteht für Khalid ein erhöhtes Risiko, noch früher zu sterben.“
Dr. Marya selbst, eine etablierte Professorin, wurde von der University of California in San Francisco suspendiert, weil sie sich gegen den anhaltenden Völkermord in Gaza ausgesprochen hat.
Die Polizei nahm Demonstranten wegen des Verdachts auf schweren Hausfriedensbruch fest und rechtfertigte das harte Vorgehen mit der Behauptung, die Demonstranten hätten „das Gefängnisgelände betreten“ und das Personal behindert. Das Justizministerium drohte: „Wenn das Verhalten von Einzelpersonen ein Risiko oder tatsächlichen Schaden für fleißige Mitarbeiter darstellt, wird dies nicht auf die leichte Schulter genommen, und die Verantwortlichen müssen mit Konsequenzen rechnen.“
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Mitarbeiter zu Schaden gekommen sind. Einigen wenigen Demonstranten war es gelungen, Zugang zum Personalbereich des Gefängnisses zu erlangen, nachdem sie zuvor auf öffentlich zugänglichen Bereichen des Gefängnisgeländes ihr Recht auf Protest ausgeübt hatten.
Videos von der Szene zeigen, wie Polizisten die Menge gewaltsam auseinandertreiben. Unter ihnen waren auch Menschen im Rentenalter, die von der Polizei geschlagen, getreten und mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt wurden. Man sieht, wie Polizisten Demonstranten zu Boden stoßen, ihnen Handschellen anlegen und Menschen gewaltsam entfernen, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand, ihre Solidarität mit einem politischen Gefangenen zu bekunden, dem der Tod droht.

Ein Teil der Polizeiaktion bestand darin, die Demonstranten am Samstag gegen 22 Uhr einzukesseln und sie daran zu hindern, den Bereich zu verlassen. Unter den Festgenommenen befand sich auch der Videofilmer Ibrahim Abul-Essad von der Website The Canary, der als Journalist bei der Demonstration anwesend war.
The Canary berichtete, dass „Quellen vor Ort sagen, die Polizei habe dann begonnen, die Demonstranten einen nach dem anderen festzunehmen. Man hörte Polizisten sagen: ‚Erst festnehmen, dann Beweise suchen.‘“
Die Aktion dauerte bis nach 3 Uhr morgens am Sonntag, bis dahin war die Mehrheit der im Kessel eingeschlossenen Personen festgenommen worden. Darunter waren unzählige Menschen, die das Gelände von Wormwood Scrubs nicht betreten hatten und sich auf dem Bürgersteig außerhalb befanden, oder die das Gelände zwar betreten, es aber auf Anweisung der Polizei wieder verlassen hatten.

The Canary berichtete, dass die Metropolitan Police die Festgenommenen an zig verschiedene Orte in ganz London brachte und sich weigerte, die Orte der Inhaftierung preiszugeben. „The Canary wurde sogar von Eltern von Festgenommenen kontaktiert, die verzweifelt nach Informationen suchten“, berichtete die Zeitung.
Die Massenverhaftungen zeigen einmal mehr, wie sehr die Labour-Regierung darauf bedacht ist, Proteste gegen die anhaltenden Angriffe Israels auf die Palästinenser zu unterdrücken.
Umer wurde bisher nicht verurteilt. Er befindet sich seit Juni 2025 in Untersuchungshaft und muss derzeit damit rechnen, mehr als anderthalb Jahren im Gefängnis verbracht zu haben, bevor es zu einer Verhandlung kommt.
Fünf Aktivisten, darunter Umer, wird vorgeworfen, in die größte britische Luftwaffenbasis, Brize Norton in Oxfordshire, eingedrungen zu sein und Militärflugzeuge und Infrastruktur mit roter Farbe besprüht zu haben, um damit gegen den Völkermord Israels an den Palästinensern zu protestieren. Die Aktivisten bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe, darunter Einbruch und Sachbeschädigung.
Umer nahm seinen Hungerstreik vor zwei Wochen wieder auf und hörte einen Tag vor der Protestaktion am Samstag auf, Wasser zu trinken. In einer Erklärung von Prisoners for Palestine heißt es: „Die Entscheidung, zu einem Durststreik zu eskalieren, fiel, da die Regierung weiterhin die Aussicht auf ein Treffen ablehnt – oder sogar anerkennt.“
Am 22. Januar berichtete Al Jazeera, dass Umer Flüssigkeiten mit Elektrolyten, Zucker und Salzen erhielt, aber beabsichtigte, ab Samstag ganz mit dem Trinken aufzuhören.
Über einen Vermittler ließ Umer erklären: „Das Einzige, was offenbar Wirkung zeigt, sei es positiv oder negativ, sind drastische Maßnahmen. Der Streik spiegelt die Schwere dieser Inhaftierung wider. In diesem Gefängnis zu sein, ist kein Leben. Unser Leben ist unterbrochen. Die Welt dreht sich weiter, und wir sitzen in einem Betonraum. Dieser Streik spiegelt das Gewicht meiner Forderungen wider.“
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Umer fordert die sofortige Freilassung gegen Kaution, ein Ende der Zensur im Gefängnis, einschließlich der Zurückhaltung von Post, Anrufen und Büchern sowie der Verweigerung von Besuchsrechten, eine Untersuchung der britischen Beteiligung an israelischen Militäroperationen im Gazastreifen und die Freigabe von Überwachungsaufnahmen der Spionageflüge der Royal Air Force über dem Gazastreifen am 1. April 2024, als britische Entwicklungshelfer bei einem israelischen Angriff getötet wurden.
Nachdem Umer 24 Stunden zuvor die Wasseraufnahme verweigert hatte, wurde er am Sonntag aus dem Wormwood Scrubs Gefängnis ins Krankenhaus gebracht, bevor er später am selben Tag zurückgebracht wurde. Seine Mutter hat seit Samstag nichts mehr direkt von ihm gehört. Die Gefängnisbehörden haben einen Wachmann vor seiner Zelle postiert und überwachen ihn stündlich – ein implizites Eingeständnis, dass der Staat eine potenziell tödliche Situation zu verantworten hat.
Umer ist der letzte verbleibende Teilnehmer eines fortlaufenden Hungerstreiks, der im November von Aktivisten im Zusammenhang mit Palestine Action begonnen wurde. Er und sieben weitere Personen hatten die Nahrungsaufnahme eingestellt aus Protest, weil ihnen die Freilassung gegen Kaution verweigert wurde, weil sie im Gefängnis einer strengen Zensur unterliegen und weil die britische Regierung entschieden hatte, die Gruppe Palestine Action unter Berufung auf Anti-Terror-Gesetze zu verbieten.
Die letzten drei Teilnehmer – Heba Muraisi, Kamran Ahmed und Lewie Chiaramello – beendeten ihren Hungerstreik am 14. Januar, nachdem sie 73 Tage bzw. 65–66 Tage ohne Nahrung ausgekommen waren. Lewie hatte 46 Tage lang intermittierend gefastet.
Bei Beendigung des Hungerstreiks sagten sie, diese Aktion den Beschluss des Verteidigungsministerium gefördert, einen Auftrag im Wert von 2 Milliarden Pfund nicht an Elbit Systems UK, eine Tochtergesellschaft des größten israelischen Waffenherstellers, zu vergeben.
Vier der ursprünglichen Hungerstreikenden – Qesser Zuhrah, Heba Muraisi, Teuta Hoxha und Kamran Ahmed – stehen im Rahmen des Filton-24-Verfahrens wegen ihrer Beteiligung an einer Aktion gegen Elbit im August 2024 in Filton in der Nähe von Bristol vor Gericht. Bevor Palestine Action verboten wurde, forderte die Gruppe die Schließung der Elbit-Werke in Großbritannien.
Die jüngsten brutalen Massenverhaftungen spiegeln den autoritären Charakter der Starmer-Regierung wider. Sie hat Solidarität mit dem palästinensischen Volk zu einer quasi-kriminellen Aktivität gemacht.
Das Verbot von Palestine Action am 5. Juli 2025 – das erste Mal, dass eine friedliche Aktionsgruppe verboten wurde – war so drakonisch, dass es von den Vereinten Nationen verurteilt wurde.
Das Verbot wird derzeit vor Gericht angefochten, diente jedoch als Rechtsgrundlage für eine umfassende Kampagne von Verhaftungen, Strafverfolgungen und Überwachungen. Bislang wurden laut der Kampagnengruppe Defend Our Juries 2.717 Personen wegen ihrer Unterstützung für die Gruppe verhaftet. Das entspricht erschreckenden 13 Verhaftungen pro Tag im ganzen Land.
Wenn Umer Khalid im Gefängnis stirbt, wäre das nicht nur eine Tragödie, sondern ein politisches Verbrechen, das die Brutalität eines Systems offenbart, das imperialistische Interessen auf Kosten von Menschenleben verteidigt. Arbeiter, Studierende und Jugendliche müssen seine Freilassung und ein Ende der Strafverfolgung pro-palästinensischer Aktivisten fordern. Dieser Kampf muss verbunden werden mit dem Widerstand gegen die Unterstützung Israels durch Großbritannien sowie dem breiteren Kampf gegen imperialistische Kriege und Angriffe auf demokratische Rechte.
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