Die Communist Party Marxist-Kenya (CPM-K) hat als Reaktion auf eine Serie von Polemiken der World Socialist Web Site eine widerliche Schmähschrift gegen die WSWS veröffentlicht. Die Polemiken der WSWS gipfelten in der Enthüllung ihrer unterwürfigen Unterstützung für das Bündnis ihrer „Genossin“ Delcy Rodríguez mit der Trump-Regierung in Venezuela.
In dem Artikel mit dem Titel „Trotzkis Markenzeichen: ein konterrevolutionäres Exportgut, das für den kenianischen Markt ungeeignet ist!!!“ schreibt der Nationale Vorsitzende Mwaivu Kaluka, die WSWS „hat uns ,STALINISTEN‘ und ,MAOISTEN‘ genannt – in fettgedruckten Buchstaben –, als müsse man sich dafür schämen. Wir bekennen uns stolz zu diesen Bezeichnungen ... Stalinismus ist nichts anderes als die Verteidigung des Leninismus gegen den Trotzkismus.“
Mit diesen Worten erklärt Kaluka stolz seine uneingeschränkte Unterstützung für die monströsen Verbrechen des Stalinismus, der durch Terror die Bolschewistische Partei zerstört, die Arbeiterdemokratie vernichtet, den revolutionären Marxismus liquidiert und die internationale Arbeiterklasse den Interessen einer privilegierten Bürokratenkaste untergeordnet hat.
Der Stalinismus ging aus der Isolation der Oktoberrevolution hervor, der Verwüstungen des Bürgerkriegs und der materiellen Erschöpfung der Arbeiterklasse. Auf dieser Grundlage festigte eine konservative Bürokratie in den 1920er-Jahren die Macht innerhalb des Sowjetstaats und der Partei. Sie wurde dabei durch die katastrophale internationale Politik der Komintern unter Stalins Führung gestärkt und aufrechterhalten, die zu historischen und – im Falle Chinas – zu blutigen Niederlagen der Arbeiterklasse führte. Die Aufrechterhaltung der bürokratischen Privilegien zu Lasten der Bedürfnisse der internationalen Revolution wurde im Programm des „Sozialismus in einem Land“ und im politischen Krieg gegen die trotzkistische Linke Opposition“ festgeschrieben, weil sie den Kampf für die sozialistische Weltrevolution verteidigte. Stalins Politik gipfelte in der Machtübernahme Hitlers in Deutschland 1933 und der endgültigen Verwandlung der Kommunistischen Internationale in eine bewusst konterrevolutionäre Kraft.
Die Verteidigung der Privilegien der Bürokratie erforderte vor allem die physische Zerstörung der lebendigen Kontinuität des Bolschewismus. Diese konterrevolutionäre Aufgabe wurde durch die Großen Säuberungen der 1930er-Jahre realisiert, in der die gesamte Führung der Oktoberrevolution, darunter Grigori Sinowjew, Lew Kamenjew, Nikolai Bucharin und Christian Rakowski nach Schauprozessen, in denen die Angeklagten Folter und psychischer Gewalt ausgesetzt waren, zu falschen Geständnissen gezwungen wurden.
Eine Massenmordkampagne, die sich vor allem gegen die Trotzkisten richtete, forderte in einer Welle konterrevolutionärer Gewalt fast eine Million Todesopfer, darunter die besten Vertreter mehrerer Generationen marxistischer Arbeiter und Intellektueller. Es war die trotzkistische Bewegung, die diese Revolutionäre verteidigte und die gegen sie erhobenen Lügen entlarvte, am bekanntesten im Roten Buch über die Moskauer Prozesse, das von Trotzkis Sohn Lew Sedow vor seiner Ermordung durch Stalins Agenten 1938 veröffentlicht wurde, und in der Einsetzung der Dewey-Kommission. Höhepunkt der stalinistischen Säuberungen war die Ermordung Trotzkis im Exil in Mexiko am 21. August 1940.
Dieses Massaker zielte bewusst darauf ab, dem politischen Bewusstsein der sowjetischen und internationalen Arbeiterklasse einen katastrophalen Schlag zu versetzen, um eine revolutionäre Bedrohung für die Bürokratie zu eliminieren, die eine politische Verständigung mit dem Imperialismus anstrebte.
In der gesamten Kommunistischen Internationale wurden zahllose Kämpfer eliminiert, die in der Oktoberrevolution gekämpft und Pionierarbeit bei der Gründung kommunistischer Parteien in ihren jeweiligen Ländern geleistet hatten. In Deutschland wurde die in den revolutionären Kämpfen von 1918–23 geschmiedete Führung zerstört. In Polen, Ungarn und auf dem Balkan wurden Marxisten Opfer von Säuberungen. In China wurden Kader ermordet, die sich der Unterordnung unter den bürgerlichen Nationalismus widersetzt hatten. Albert Nzula, der erste schwarze Generalsekretär der Kommunistischen Partei Südafrikas, wurde in Moskau ermordet, nachdem er Sympathie für Trotzki und Kritik an Stalin geäußert hatte.
Durch die Kommunistische Internationale diente der Stalinismus als das Hauptinstrument zur politischen Entwaffnung des Proletariats. In den 1930ern ordnete er die revolutionären Massenbewegungen im Namen des „Antifaschismus“ und der „Demokratie“ durch Volksfrontbündnisse der Verteidigung der bürgerlichen Herrschaft unter.
Während des Spanischen Bürgerkriegs wurde die Kommunistische Partei zur wichtigsten Säule des bürgerlichen republikanischen Staats. Sie unterdrückte gewaltsam jede Initiative der Arbeiter und Bauern und verfolgte Trotzkisten, anarchistische Kämpfer und Mitglieder der POUM (Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung), die anschließend eingesperrt, gefoltert und ermordet wurden.
Die spanische Arbeiterklasse wurde erdrosselt, um den imperialistischen Mächten zu versichern, dass eine proletarische Revolution ihre Interessen nicht gefährden würde. Der schiere Zynismus dieser Politik wurde kurze Zeit später durch den Hitler-Stalin-Pakt entlarvt. Nachdem die stalinistische Bürokratie ihre Verbrechen in Spanien als Verteidigung der „Demokratie“ gegen den Faschismus gerechtfertigt hatte, verbündete sie sich offen mit dem Faschismus.
Der Hitler-Stalin-Pakt, den die CPM-K heute als nationalistische Meisterleistung zur angeblichen Verteidigung der Sowjetunion feiert, desorientierte die Arbeiter in der Sowjetunion und weltweit genau in dem Moment, als Hitlers militärische Aggression in ganz Europa ausbrach. Der Pakt wurde unmittelbar nach der systematischen Enthauptung der Roten Armee geschlossen. Der Gründer der Roten Armee, Leo Trotzki, der sie zum Sieg über die Militärinterventionen gegen den neuen Arbeiterstaat geführt hatte, befand sich im Exil. Den Säuberungen fielen drei von fünf Marschällen, 90 Prozent aller Generäle, 80 Prozent der Obersten und 30.000 Offiziere zum Opfer.
Die Sowjetunion war dadurch schwer geschwächt und unvorbereitet, als Hitlers Überfall im Juni 1941 begann. Zwar siegte die Sowjetunion letztendlich, jedoch nicht wegen, sondern trotz des Stalinismus – um den Preis von 27 Millionen sowjetischen Menschenleben. Trotzki fasste die Auswirkungen des Stalinismus folgendermaßen zusammen:
Niemand, Hitler inbegriffen, hat dem Sozialismus so tödliche Schläge versetzt wie Stalin. Das ist auch nicht verwunderlich: Hitler hat die Arbeiterorganisationen von außen attackiert, Stalin – von innen. Hitler attackiert den Marxismus. Stalin attackiert ihn nicht nur, sondern prostituiert ihn auch. Es ist nicht ein ungeschändetes Prinzip, es ist nicht eine unbefleckte Idee übriggeblieben. Selbst die Worte Sozialismus und Kommunismus sind grauenhaft kompromittiert, seit unkontrollierte Gendarmen mit Ausweisen als „Kommunisten“ ihr Gendarmenregime Sozialismus nennen. Eine abscheuliche Lästerung. Die Kaserne der GPU ist nicht das Ideal, für das die Arbeiterklasse kämpft.
Der Sozialismus bedeutet eine durch und durch transparente Gesellschaftsordnung, die auf der Selbstverwaltung der Werktätigen beruht. Stalins Regime basiert auf einer Verschwörung der Herrschenden gegen die Beherrschten. Sozialismus bedeutet ständig zunehmende Gleichheit aller. Stalin hat ein System abscheulicher Privilegien geschaffen.
Der Sozialismus hat die allseitige Entfaltung der Persönlichkeit zum Ziel. Wo und wann war die Persönlichkeit so erniedrigt wie in der UdSSR?
Der Sozialismus hätte gar keinen Wert, wenn nicht die Menschen miteinander uneigennützig, ehrlich, human umgehen. Stalins Regime hat die gesellschaftlichen und persönlichen Beziehungen mit Lüge, Karrierismus und Verrat durchtränkt. Gewiss, nicht Stalin bestimmt die Wege der Geschichte. Wir kennen die objektiven Ursachen, die der Reaktion in der UdSSR den Weg geebnet haben. Doch nicht zufällig kam Stalin an die Spitze der thermidorianischen Welle. Dem gierigen Appetit der neuen Kaste verstand er unheilvollen Ausdruck zu geben. Er trägt keine Verantwortung für die Geschichte. Aber er trägt die Verantwortung für sich und seine Rolle in der Geschichte. Diese Rolle ist verbrecherisch. Die Maßstäbe des Verbrecherischen sind derart, dass der Ekel sich mit Schrecken multipliziert.
Trotzki schrieb am Schluss:
Das sittliche Gefühl findet seine höchste Befriedigung in der unerschütterlichen Gewissheit, dass die historische Sühne dem Ausmaß des Verbrechens entsprechen wird. Die Revolution wird alle Geheimschränke öffnen, alle Prozesse nachprüfen, die Verleumdeten freisprechen, den Opfern der Willkür Denkmäler errichten und die Namen der Henker mit ewigem Fluch bedecken. Stalin wird von der Bühne treten, belastet mit allen Verbrechen, die er begangen hat – nicht nur als Totengräber der Revolution, sondern auch als die unheilvollste Figur der menschlichen Geschichte.
(Leo Trotzki, „Der Anfang vom Ende“, August 1937 in: Schriften/Leo Trotzki, Hamburg: Rasch und Röhring, Band 1.2. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur 1936–1940. 1988, S. 1100, 1103)
Mehr als acht Jahrzehnte später, lange nachdem der Stalinismus seine konterrevolutionäre Mission erfüllt hat, erwähnt die CPM-K die Wiedereinführung des Kapitalismus nur, um zu behaupten, Trotzkisten hätten „den Untergang der Sowjetunion gefeiert“.
Diese groteske Lüge soll verschleiern, dass Trotzki und die trotzkistische Bewegung unablässig gewarnt hatten, dass die Bürokratie die Errungenschaften der Oktoberrevolution liquidieren würde. Die Wiedereinführung des Kapitalismus wurde nicht von Trotzkisten durchgesetzt, die von der stalinistischen Bürokratie verfolgt, ins Exil getrieben und physisch vernichtet wurden. Sie wurde vom stalinistischen Apparat durchgesetzt, der das Staatseigentum abschaffte, die Überreste der Planwirtschaft zerstörte und sich direkt in die Strukturen des Weltkapitalismus integrierte. Die Oligarchen, die aus den Trümmern der UdSSR hervorgingen, kamen aus den Innereien des stalinistischen Staats- und Parteiapparats.
Bezeichnenderweise weigert sich die CPM-K, die Wiedereinführung des Kapitalismus in China anzuerkennen, wo die Kommunistische Partei im Auftrag einer milliardenschweren Oligarchie regiert, die eng mit dem globalen Finanzkapital verflochten ist. Das würde den Bemühungen der CPM-K zuwiderlaufen, im Auftrag ihrer eigenen führenden Mitglieder und im Interesse der kenianischen Bourgeoisie lukrative Beziehungen zu China zu kultivieren.
Die Geschichte hat ihr Urteil gefällt. Der Stalinismus hat den Sozialismus nicht verteidigt, sondern zerstört. Nur der Trotzkismus hat gekämpft, um dies zu verhindern und bietet weiterhin die einzige revolutionäre Perspektive, die in der Lage ist, die Arbeiterklasse im Kampf für die sozialistische Weltrevolution anzuführen.
Im politischen Kontext der offenen Verherrlichung der Verbrechen des Stalinismus durch die CPM-K und ihrer eigenen Ausrichtung auf bürgerlich-nationalistische Regime, die mit der mörderischen CIA kollaborieren, ist es politisch bedrohlich, dass sie sich darauf fixieren, dass der Autor dieses Textes ein Pseudonym benutzt. Zusammen mit der üblen Verleumdung, die trotzkistische Bewegung werde von der CIA finanziert, kommt sie der Forderung gleich, Personen für politische Angriffe, Unterdrückung und sogar Ermordung zu kennzeichnen. Dies kommt von einer Organisation, deren oberste Führung, darunter der Nationale Vorsitzende Mwandawiro Mghanga und Generalsekretär Benedict Wachira, sich offen an die Seite des Ruto-Regimes gestellt haben – einer Regierung die für Massenmorde, Entführungen und Tausende von Verhaftungen verantwortlich ist.
Die Bestrebungen der CPM-K, Stalin und den Stalinismus zu rehabilitieren, werden von zahlreichen ähnlichen Tendenzen weltweit geteilt. Dazu gehören die neostalinistischen Parteien, die aus den ehemaligen Ablegern der Dritten Internationale hervorgingen, wie die Kommunistischen Parteien Griechenlands, der Türkei, Brasiliens und der Russischen Föderation. Diese verbünden sich heute mit maoistischen Gruppen wie der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) und der Kommunistischen Partei Vietnams und verurteilen die Bemühungen des Kremls, Stalins Verbrechen zu verurteilen, als „Revisionismus“.
Dabei werden sie von Schichten des kleinbürgerlichen, pseudolinken Milieus unterstützt, deren Hass auf die trotzkistische Bewegung und ihr Wunsch nach einer Neuauflage der Säuberungen und Morde der 1930er auf ihrer Feindseligkeit gegenüber der sozialistischen Revolution beruht. Dies wird unterstützt durch ihre Hinwendung zu „multipolaren Bündnissen“ mit der russischen und chinesischen Bourgeoisie, die sie als Mittel zur Eindämmung des US-Imperialismus sehen, während sie die Interessen ihrer eigenen Bourgeoisie verteidigen.
Die WSWS wird ihren unerbittlichen politischen Kampf gegen alle derartigen Tendenzen fortsetzen. Indem sie die zentralen historischen Lehren des 20. Jahrhunderts gegenüber all jenen deutlich macht, die versuchen, sie durch Lügen und Drohungen zu unterdrücken, schafft sie die Grundlage dafür, die junge Avantgarde der Arbeiterklasse in die Reihen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale zu gewinnen.
