Online-Veranstaltung der IYSSE

Wie die Wehrpflicht gestoppt werden kann: IYSSE diskutieren sozialistische Perspektive gegen Krieg und Militarismus

IYSSE-Sprecher Joshua Seubert auf Online-Versammlung gegen die Einführung der Wehrpflicht, 18.02.2026

Am Abend des 18. Februar 2026 versammelten sich über 30 Schüler, Studierende und junge Arbeiter zu einer richtungsweisenden Online-Diskussion der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE). Unter dem Titel „Wie kann die Wehrpflicht gestoppt werden? Für eine sozialistische Perspektive gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht!“ debattierten die Teilnehmer über die notwendigen politischen Schlussfolgerungen angesichts der drohenden Militarisierung der gesamten Gesellschaft.

Florian Hasek, Mitglied der IYSSE, leitete die Veranstaltung ein und verwies auf die wachsende Bewegung unter Jugendlichen, die bereits im Dezember zehntausende Schüler auf die Straße brachte und nun auf den nächsten großen Schulstreik am 5. März zusteuert. Er betonte, dass diese Bewegung eine klare sozialistische Perspektive braucht, um erfolgreich zu sein und nicht in eine Sackgasse gelenkt zu werden.

Der Betrug der SDAJ und die Rückkehr des deutschen Militarismus

Joshua Seubert, Sprecher der IYSSE in Nürnberg, hielt den einleitenden Beitrag und begann mit einer scharfen Analyse der jüngsten Konferenz des „Bündnisses gegen die Wehrpflicht“, die von der stalinistischen Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) organisiert worden ist. Seubert bezeichnete die Veranstaltung als „Betrug“, da die SDAJ alles daran setzte, eine wirkliche Diskussion zu unterdrücken und jede Opposition gegen den Kapitalismus auszuschalten. Er erklärte, man kann nicht ernsthaft gegen die Wehrpflicht kämpfen, wenn man mit den Jugendorganisationen der kriegstreibenden Bundestagsparteien zusammenarbeitet, die aktiv den deutschen Militarismus unterstützen.

Diese Unterdrückung sozialistischer Ideen dient dazu, das explosive Potenzial der Jugend in harmlose Appelle an Politiker zu kanalisieren, während die herrschende Klasse eine ganze Generation auf Krieg trimmt. Seubert ordnete die Wehrpflicht in den Kontext der jüngsten Münchner Sicherheitskonferenz ein, auf der Bundeskanzler Friedrich Merz offen von der Rückkehr zur „Großmachtpolitik“ sprach. Merz fordert unverhüllt, Deutschland müsse wieder „die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen“.

Seubert warnte, dass die herrschende Klasse in Deutschland zum dritten Mal nach der Weltmacht greift. Die Wehrpflicht ist kein isoliertes Gesetz, sondern der „personale Unterbau“ für ein umfassendes Projekt der Militarisierung und den Aufbau einer Kriegswirtschaft. Er zog Parallelen zur Weltlage, insbesondere zum aggressiven Kurs des US-Imperialismus in Venezuela und gegen den Iran sowie zur Errichtung eines Polizeistaats im Innern der USA, wie sie sich in der militärischen Besetzung von Minneapolis Anfang 2026 manifestierte.

Eine internationale Perspektive der Arbeiterklasse

Die zentrale Frage des Abends war, welche Kraft diesen Wahnsinn stoppen kann. Seubert betonte, dass nur die internationale Arbeiterklasse die soziale Macht besitzt, die Kriegsmaschinerie lahmzulegen. Er verwies auf die massiven Streikwellen in den USA, wo Pfleger und Lehrer gegen die Profitorientierung und für soziale Rechte kämpfen.

„Ein Schulstreik darf nicht bei Symbolik stehenbleiben“, so Seubert. Er muss der Funke sein, der die Verbindung zur Arbeiterklasse herstellt. Er rief zum Aufbau unabhängiger Aktionskomitees an Schulen und in Betrieben auf, die völlig unabhängig von den pro-kapitalistischen Parteien und den Gewerkschaftsbürokratien agieren müssen. Besonders scharf kritisierte er die Rolle der Grünen als „ideologischer Rammbock für Aufrüstung“ und die Linkspartei, die den Militarismus politisch absichert.

Angeregte Diskussion über Strategie und Geschichte

In der anschließenden Diskussion brachten die Teilnehmer vielfältige Erfahrungen ein. Ein junger Arbeiter warnte vor dem „scheinbaren Anti-Trumpismus“ der EU, der lediglich dazu dient, den eigenen europäischen Imperialismus gegen die USA und Russland zu positionieren. Max, ein Pfleger im öffentlichen Dienst, schilderte den Verrat der Gewerkschaftsbürokraten von Verdi und der IG Metall, die Reallohnsenkungen akzeptieren, während Milliarden in die Aufrüstung fließen. Er betonte, dass das Vermögen für die Bundeswehr den jährlichen Haushalt für Gesundheit und Bildung zusammen übersteigt.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Debatte war die politische Aufklärung an Schulen. Ein Schüler berichtete von der systematischen Unterdrückung politischer Diskussionen an seiner Schule und der allgegenwärtigen Unwissenheit über Sozialismus. Maximilian ergänzte, dass diese Entpolitisierung gewollt ist, um die Arbeiterklasse im kapitalistischen System zu halten.

Joshua Seubert antwortete auf diese Punkte, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte zentral ist. Sie liefert die wissenschaftliche Basis für Politik und schützt vor Opportunismus. Er erklärte, dass nur aus den Erfahrungen der Arbeiterbewegung – wie der Oktoberrevolution und dem Kampf gegen deren stalinistische Degeneration – die notwendigen Lehren für heute gezogen werden können.

Aufbau einer revolutionären Führung

Gegen Ende der Veranstaltung betonte Dietmar Gaisenkersting, stellvertretender Vorsitzender der SGP, dass die Rebellion gegen die Gewerkschaftsapparate bereits begonnen hat, wie der Widerstand von Arbeitern bei VW und Bosch zeigt. Er rief die Jugendlichen auf, sich politisch auszubilden und Teil der IYSSE zu werden: „Es gibt keine bessere Schule als den Klassenkampf“.

Philipp Frisch, ebenfalls Mitglied der SGP, unterstrich die Notwendigkeit einer internationalen Orientierung und warnte vor „linkem Populismus“ à la Syriza oder Podemos, der nur dazu dient, die Arbeiterklasse erneut dem Parlamentarismus unterzuordnen. Stattdessen muss man den Arbeitern „reinen Wein einschenken“ und die Ursachen des Krieges im kapitalistischen System klar benennen. Er verwies auf den neuen Chatbot „Socialism AI“ als wichtiges Werkzeug, um politische Fragen auf marxistischer Grundlage zu klären.

Florian Hasek schloss die Versammlung mit einem dringenden Appell: Die Teilnehmer sollen die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um aktiv in den Schulstreik am 5. März einzugreifen und sich den IYSSE anzuschließen. Er erklärte, die entscheidende Frage ist die des Bewusstseins. Der Kampf gegen die Wehrpflicht ist untrennbar mit dem Aufbau einer neuen, sozialistischen Führung in der Arbeiterklasse verbunden.

Loading