Perspektive

Der Krieg gegen den Iran wird den Klassenkampf verschärfen

Bombardierung Teherans durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte, 4. März 2026

Seit dem 16. März streiken fast 3.800 Beschäftigte der Schlachthöfe von JBS in Greeley (Colorado), einer der größten Rindfleischverarbeitungsbetriebe der Vereinigten Staaten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter stimmten letzten Monat mit 99 Prozent für einen Streik, um gegen Hungerlöhne und unsichere Arbeitsbedingungen zu protestieren. Es ist der größte Streik von Fleischarbeitern in den Vereinigten Staaten seit dem erbitterten Hormel-Streik von 1985–1986 in Austin (Minnesota).

Viele der Arbeitenden in Greeley sind Migranten aus Haiti und Somalia, die unmittelbar von der Abschiebemaschinerie der Trump-Regierung bedroht sind. Sie haben sich trotzdem für den Streik ausgesprochen. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind Ausdruck der explosiven Lage der Klassenverhältnisse in Amerika.

Der Streik in der Fleischverarbeitungsindustrie ist vor dem Hintergrund eines Krieges ausgebrochen. Seit zwei Wochen führen die Vereinigten Staaten und Israel ihren verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran, der sich rasch zu einem regionalen und globalen Konflikt ausweitet.

Die Ursachen dieses Kriegs sind vielfältig und komplex. Der Iran ist seit langem ein Ziel des amerikanischen Imperialismus, der seit Jahrzehnten versucht, die Kontrolle über die Ölressourcen des Nahen Ostens zu übernehmen. Der Versuch, die iranische Regierung durch Attentate und Massenmord zu stürzen, ist untrennbar mit der Offensive der amerikanischen herrschenden Klasse gegen China verbunden, sowie mit ihrem Streben nach globaler Hegemonie.

Ein wesentlicher Faktor ist jedoch die soziale Krise innerhalb der Vereinigten Staaten. Im Laufe der Geschichte haben immer wieder Regime, die im Inneren mit einer tiefen Krise konfrontiert waren, versucht, diese durch Krieg zu lösen. Die McKinley-Regierung löste 1898 inmitten heftiger Klassenkonflikte und nach Ausbruch einer Wirtschaftskrise den Spanisch-Amerikanischen Krieg aus; der Innenminister des zaristischen Russlands, Plehwe, befürwortete 1904 einen Krieg gegen Japan mit der Begründung: „Was dieses Land braucht, ist ein kurzer, siegreicher Krieg, um die Flut der Revolution einzudämmen“ – eine Kalkulation, die in der Revolution von 1905 ihre angemessene Antwort fand.

Die katastrophalste Ausprägung dieser Tendenz finden sich jedoch in den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Die herrschenden Klassen Europas betrachteten 1914 den Krieg als Mittel, den aufkeimenden Klassenkampf in nationalistischem Patriotismus zu ertränken. Der Krieg selbst führte zur Russischen Revolution von 1917 und zu revolutionären Umwälzungen in ganz Europa. Was den Zweiten Weltkrieg betrifft, so waren es vor allem zwei Faktoren, die Hitlers unerbittlichen Feldzug der Militarisierung und Aggression antrieb: Das waren sowohl die Bedürfnisse des deutschen Imperialismus als auch – wie der Historiker Tim Mason festgestellt hat – das Bestreben, „Zusammenbruch und Chaos“ im eigenen Land abzuwenden.

Das Handeln der Trump-Regierung spiegelt ähnliche Zwänge wider. Betrachten wir die Themen, die die ersten beiden Monate des Jahres 2026 beherrschten. Im Januar und Februar wurden die Vereinigten Staaten von einer Welle sozialer Proteste erschüttert, die auf die massiven „No Kings“-Demonstrationen des vergangenen Jahres folgten. Auslöser war der Einsatz von rund 3.000 Agenten der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis–Saint Paul. Er gipfelte in der Tötung von Renée Nicole Good, die am 7. Januar von einem ICE-Beamten erschossen wurde. Am 23. Januar trotzten Zehntausende Menschen in Minneapolis Temperaturen von -34°C, um ihren Protest auszudrücken. Immer lauter wurde die Forderung nach einem Generalstreik, die nicht vom Gewerkschaftsapparat und der Demokratischen Partei, sondern von der Basis ausging.

Die Trump-Regierung und ihre Gestapo-Agenten bei ICE und CBP reagierten darauf mit dem Mord an Alex Pretti. Daraufhin breiteten die Proteste sich im ganzen Land aus, begleitet von einer landesweiten Welle von Schulstreiks. Einer Zählung zufolge gab es allein im Jahr 2026 bisher 334 Schulstreiks in 236 Schulbezirken in 48 Bundesstaaten und im District of Columbia.

Gleichzeitig entwickelte sich in der Arbeiterklasse eine wichtige Streikbewegung, die die Gewerkschaften mit aller Macht einzudämmen versuchten. In New York City streikten 15.000 Pflegekräfte über einen Monat lang. Am 26. Januar traten 31.000 Pflegekräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen bei Kaiser Permanente in Kalifornien und Hawaii in einen unbefristeten Streik – einer der größten Streiks im Gesundheitswesen in der amerikanischen Geschichte. Am 9. Februar legten 6.400 Lehrerinnen und Lehrer in San Francisco die Arbeit nieder, um höhere Löhne und eine angemessene Schulfinanzierung zu fordern.

Der Ausbruch sozialer Proteste und Streiks ist Ausdruck von jahrzehntelanger massiver sozialer Ungleichheit und einer beispiellosen Konzentration des Reichtums in den Händen einer Oligarchie. Die herrschende Klasse führt ein blutiges Stellenmassaker durch. Gleichzeitig verlangt sie von den Arbeitenden, einen sinkenden Lebensstandard und wachsende Unsicherheit zu akzeptieren. Die Vereinigten Staaten sehen sich mit einer massiven und untragbaren Ausweitung der öffentlichen und privaten Verschuldung konfrontiert. Der Status des Dollars als Weltreservewährung ist bedroht, und der zunehmende Inflationsdruck frisst die Löhne auf.

Die Trump-Regierung, angeführt von einem verurteilten Straftäter, ist bei einem immer größeren Teil der Bevölkerung verhasst. Eine Ende Januar durchgeführte Umfrage des Pew Research Centers ergab, dass Trumps Zustimmungsrate bei nur 37 Prozent liegt. Ganze 50 Prozent der Amerikaner gaben an, die Maßnahmen seiner Regierung seien schlechter als erwartet. Mittlerweile verzeichnet Trump seit einem ganzen Jahr eine negative Netto-Zustimmungsrate.

Die Veröffentlichung von Millionen Dokumenten aus den Jeffrey-Epstein-Akten hat nicht nur weitere Beweise für Trumps Bestechlichkeit erbracht, sie hat auch den moralischen Verfall der amerikanischen herrschenden Klasse und ihrer politischen Vertreter in beiden großen Parteien offenbart. Indem er versucht, durch Krieg von den eigentlichen Problemen abzulenken, agiert Trump als Vertreter der kapitalistischen Oligarchie.

Die Demokraten sind tief in die Politik und die Verbrechen der Trump-Regierung verstrickt. Sie sind eine Scheinopposition. Sie unterstützen den Krieg gegen den Iran und den Sturz der dortigen Regierung. Seitdem der Kriegskurs an Fahrt gewinnt, setzen sich führende Demokraten für die Verabschiedung massiver Militärausgaben ein. Als Proteste gegen die politische Gewalt und die Repression durch ICE ausbrachen, schlossen demokratische Politiker ein Abkommen mit Trump.

Einer, der den Rausch der Kollaboration der Demokraten mitmacht, ist der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, Mitglied der Democratic Socialists of America (DSA). Er hat sich in den Monaten vor dem Krieg zweimal mit Trump getroffen, darunter einmal nur drei Tage vor Beginn der Bombardierungen.

Trump will von den eigentlichen Problemen ablenken. Die Medien wollen davon ablenken. Die Demokraten wollen davon ablenken. Doch der Krieg verschärft die innere Krise, anstatt sie zu mildern. Der Krieg gegen den Iran ist von Anfang an äußerst unpopulär. Die wirtschaftlichen Folgen sind unmittelbar und schwerwiegend, unter anderem in Form von explodierenden Ölpreisen. Allein die 11,3 Milliarden Dollar, die in den ersten sechs Tagen des Konflikts ausgegeben wurden, stellen eine massive Umleitung sozialer Ressourcen dar, die durch Einschnitte bei Sozialprogrammen bezahlt werden wird. Der Widerstand wird wachsen, je mehr sich der Krieg ausweitet und die Zahl der Todesopfer steigt.

Zu Beginn des Irakkriegs im Jahr 2003 schrieb die World Socialist Web Site:

Unabhängig davon, wie die ersten Stadien dieses Konflikts ausgehen werden, steuert der amerikanische Imperialismus auf eine Katastrophe zu. Er kann die Welt nicht erobern. Er kann den Massen des Nahen Ostens keine neuen, kolonialen Fesseln anlegen. Er kann seine inneren Krankheiten nicht mit dem Mittel des Kriegs heilen. Im Gegenteil, vom Krieg hervorgerufene unerwartete Schwierigkeiten und wachsender Widerstand werden alle inneren Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft verschärfen.

In den mehr als zwanzig Jahren, seitdem diese Zeilen geschrieben wurden, haben die „inneren Krankheiten“ der amerikanischen Gesellschaft sich verschlimmert. Trump, der Gangster im Weißen Haus, ist selbst ein Produkt und die Verkörperung dieser Realität. Der Krieg gegen den Iran in all seiner brutalen Kriminalität sowie die Regierung, die ihn führt, offenbaren eine kapitalistische Oligarchie, die auf eine Katastrophe zusteuert, und eine Gesellschaftsordnung, die jegliche politische Legitimität verliert.

Das Ausmaß der Krise bedingt das zunehmend rücksichtslose Vorgehen der Regierung. Die Verschwörung zur Diktatur, die ihren Ausdruck in den Morden an amerikanischen Bürgern in Minneapolis fand, wird fortgesetzt. Im Iran hat die Regierung erklärt, es sei „nichts ausgeschlossen“ – eine Aussage, die man von einer Regierung mit dem größten Atomwaffenarsenal der Welt wortwörtlich nehmen muss.

Doch dieselben Widersprüche, die Krieg und Diktatur hervorbringen, verschärfen auch den Klassenkampf. Der Krieg ändert nichts am Inhalt der Kämpfe, die in den ersten Monaten des Jahres 2026 ausgebrochen sind. Er verleiht ihnen größere Dringlichkeit. Der Streik, der nun im JBS-Werk in Greeley (Colorado) ausgebrochen ist, lässt klar erkennen, dass sich der Widerstand in der Arbeiterklasse vertieft und ausweitet.

Notwendig ist es, diese Kämpfe – um Löhne, gegen Ausbeutung und Ungleichheit – mit der Verteidigung demokratischer Rechte zu verbinden, wie auch mit dem Kampf gegen die Diktatur und dem Widerstand gegen den eskalierenden und katastrophalen Krieg.

Dies kann nicht durch die Demokratische Partei, die bürgerlichen Medien oder den Gewerkschaftsapparat erreicht werden, der systematisch daran arbeitet, Streiks zu isolieren, Widerstand zu unterdrücken und die Arbeitenden den Bedürfnissen des Staates und der Konzerne unterzuordnen. Dazu muss man sich aus dem Würgegriff der Bürokratie befreien und Aktionskomitees, die über Regionen und Grenzen hinweg vernetzt sind, an jedem Arbeitsplatz und in jeder Branche aufbauen.

Die Socialist Equality Party ruft zum Ausbau der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) auf, um diese unabhängige Macht der Arbeiterklasse zu organisieren. Der Kampf gegen den Krieg ist untrennbar mit dem Kampf gegen das kapitalistische System verbunden, das ihn hervorbringt. Die Alternative lautet: Entweder Barbarei – Krieg, Unterdrückung und soziale Verwüstung – oder Sozialismus, der durch die politische Mobilisierung der Arbeiterklasse zur Machteroberung erreicht werden kann. Nur so kann die Kriegsmaschinerie zerschlagen, die Herrschaft der Oligarchie beendet und das Wirtschaftsleben auf der Grundlage menschlicher Bedürfnisse statt privater Profite neu organisiert werden.

Loading