Der Krieg gegen den Iran und die Angriffe auf demokratische Rechte im eigenen Land zeigen, dass die herrschende Klasse Amerikas in die Abgründe der Barbarei abgleitet. Doch gleichzeitig entsteht in der Arbeiterklasse eine andere, fortschrittliche Bewegung. Das beweist der Streik von 3.800 Arbeitern im Fleischbetrieb von JBS in Greeley im US-Bundesstaat Colorado.
Rund 1.000 Arbeiter, die der Gewerkschaft United Food and Commercial Workers (UFCW) angehören, haben Streikposten gebildet, die sich über mehrere hundert Meter entlang des Werksgeländes erstrecken. Seit Jahren hat die Gewerkschaftsbürokratie in den USA Streiks erstickt und die Streikposten auf eine Handvoll Arbeiter an jedem Tor beschränkt. Die lange Streikpostenkette bei JBS zeugt von grundlegenden Veränderungen in der Einstellung. Die Stimmung beginnt sich zu wandeln. Wie ein Arbeiter erklärte: „Wir können nicht weiter wie Sklaven arbeiten.“
Die JBS-Arbeiter repräsentieren den internationalen Charakter der Arbeiterklasse. Im Werk in Greeley haben zwischen 80 und 90 Prozent der Arbeiter einen Migrationshintergrund, es werden mehr als 50 Sprachen gesprochen. JBS selbst ist ein multinationaler Konzern mit Sitz in Brasilien. Als einer der größten Lebensmittelproduzenten der Welt ist JBS global tätig und beschäftigt zwischen 270.000 und 280.000 Arbeiter, davon etwa 158.000 in Brasilien, 80.000 in Nordamerika, 16.800 in Europa und 14.000 in Australien, mit weiteren Standorten in Argentinien, Kanada und anderen Ländern.
Der größte Anteilseigner ist die Milliardärsfamilie Batista in Brasilien. Doch bedeutende Anteile halten auch große Investoren wie die riesigen Private-Equity-Firmen BlackRock und Vanguard, was letztlich zeigt, dass der Konzern in der Hand der globalen Finanzoligarchie liegt.
Der Streik ist eine direkte Ohrfeige an Donald Trump und die Gewerkschaftsfunktionäre, die seit langem versuchen, Einwanderer und „ausländische“ Arbeiter gegen „amerikanische“ Arbeiter auszuspielen. In Wirklichkeit sind Einwanderer ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Arbeiterklasse, genauso wie amerikanische Arbeiter Teil der globalen Arbeiterklasse sind.
Die Arbeiter haben entschlossen Stellung bezogen und widersetzen sich der allgegenwärtigen Bedrohung durch Trumps Einwanderungspolizei. Viele Beschäftigte sind Einwanderer aus Haiti, denen die Regierung den vorübergehenden Schutzstatus entziehen will. Arbeiter berichten, dass Transporter ohne Kennzeichen rund um den Ort der Streikabstimmung stationiert waren. Jüngsten Berichten zufolge betreibt die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE allein in Colorado mindestens neun geheime Haftanstalten. Fleischverarbeitungs- und Lebensmittelbetriebe sind schon lange Ziel von Razzien gegen Einwanderer. 2006 wurde auch eine Razzia in Greeley durchgeführt.
Die Arbeiter kämpfen gegen entsetzliche Arbeitsbedingungen, die an die schlimmsten Missstände in der Industrie des späten 19. Jahrhunderts erinnern. Haitianische Arbeiter haben Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Sie werfen JBS vor, sie mit dem Versprechen auf eine feste Anstellung und Unterkunft in die Vereinigten Staaten gelockt zu haben, wo sie dann zu Dutzenden in Häuser ohne fließendes Wasser oder Strom gepfercht wurden. Mindestens sechs Arbeiter starben im ersten Jahr der Pandemie. 2021 starb ein Arbeiter, nachdem er in einen Chemikalienbehälter gefallen war.
Diese Bedingungen erinnern an die Beschreibungen der Schlachthöfe im Roman Der Dschungel (1906) von Upton Sinclair. Der Präsident Theodore Roosevelt reagierte damals auf den öffentlichen Aufschrei, indem er neue Gesetze für Sicherheit in der Lebensmittelproduktion erließ. Trump hingegen berief sich 2020 auf den Defense Production Act von 1950, um Arbeiter in den Schlachthöfen zu zwingen, auch während der Corona-Pandemie weiterzuarbeiten.
Die Rückkehr zu den barbarischen Zuständen in der Fleischverarbeitung ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses, in dem die Gewerkschaften eine zentrale Rolle gespielt haben. Ein entscheidender Wendepunkt war die Unterdrückung des Streiks beim Lebensmittelkonzern Hormel durch die UFCW 1985–1986. Im Zentrum stand der Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb in Austin (Minnesota). Als der dortige Ortsverband der Gewerkschaft versuchte, seine Isolation zu durchbrechen und breitere Unterstützung für seinen Streik zu gewinnen, intervenierte die internationale Gewerkschaftsleitung und entzog dem Ortsverband die offizielle Zulassung als lokale Vertretung der UFCW.
Die UFCW ist eine von unzähligen Gewerkschaften, die mit den Konzernen kollaboriert haben, um den Betrieb während der Pandemie aufrechtzuerhalten. In Waterloo (Iowa) schlossen Manager sogar Wetten darüber ab, wie viele Arbeiter sich infizieren würden, und zwar mit der Komplizenschaft des Gewerkschaftsapparats.
In Greeley reagierte der Ortsverband 7 der UFCW auf spontane Arbeitsniederlegungen, indem er die Arbeiter anwies, am Arbeitsplatz zu bleiben. Im vergangenen Jahr schloss die UFCW einen nationalen Tarifvertrag mit JBS ab, der für 26.000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten gilt. Doch das Werk in Greeley wurde bewusst davon ausgenommen. Bis kurz vor dem aktuellen Streik wurde der alte Tarifvertrag verlängert. Dieses Manöver erleichterte es dem Konzern, Rindertransporte in andere Werke, etwa im texanischen Cactus, umzuleiten, um die Auswirkungen des Streiks abzufedern.
Die Gewerkschaft hat zudem erklärt, dass der Streik nur zwei Wochen dauern soll, mit der Option auf Verlängerung, falls das Unternehmen nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Dies ist ein klares Signal dafür, dass sie plant, den Streik schnell zu beenden.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (International Workers Alliance of Rank-and-File Committees, IWA-RFC) fordert die Arbeiter auf, sich nicht nur auf die Konfrontation mit der Unternehmensleitung und kapitalistischen Politiker vorzubereiten, sondern auch auf eine Konfrontation mit den Gewerkschaftsführungen, die als verlängerter Arm des Management und des Staates fungieren.
Die erste und dringendste Aufgabe besteht darin, dem UFCW-Apparat die Kontrolle über den Streik zu entreißen. Die IWA-RFC ruft die Arbeiter auf, ein Streikkomitee zu bilden, das von der Belegschaft und den Streikposten demokratisch gewählt wird, um den Kampf zu organisieren, direkt mit den Arbeitern zu kommunizieren und jegliche Hinterzimmerabsprachen zu verhindern. Dieses Komitee sollte eine Reihe von Forderungen aufstellen, die nicht verhandelbar sind und den tatsächlichen Bedürfnissen der Arbeiter entsprechen: erhebliche Erhöhungen der Löhne und des Inflationsausgleich (COLA), sichere Personalausstattung und Produktionsgeschwindigkeiten, echter Gesundheitsschutz, ein Ende von Schikanen und Vergeltungsmaßnahmen sowie umfassender Schutz für eingewanderte Arbeiter.
Die Arbeiter sollten jeden Versuch zurückweisen, den Streik mit vagen Versprechungen zu beenden, dass die Unternehmensleitung „an den Verhandlungstisch zurückkehren“ werde. JBS ist schon unzählige Male an den Tisch „zurückgekehrt“, nur um die Gespräche in die Länge zu ziehen, die Arbeiter zu zermürben und von ihnen Zugeständnisse zu erzwingen. Die Arbeiter sollten die von der UFCW selbst auferlegte Streikdauer von zwei Wochen ablehnen, die darauf abzielt, die Arbeiter zu demoralisieren und einen Rückzug vorzubereiten.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
So mutig ihr Kampf auch sein mag: Die Arbeiter in Greeley können sich nicht allein gegen einen riesigen multinationalen Konzern durchsetzen, der von der faschistischen Trump-Regierung unterstützt wird.
Die IWA-RFC ruft die streikenden Beschäftigten auf, sich direkt an die Kolleginnen und Kollegen in allen JBS-Betrieben in den USA zu wenden, insbesondere in Cactus (Texas) und anderen Werken, die umgeleitete Rinderlieferungen aus Greeley erhalten. Arbeiter in diesen Betrieben müssen sich weigern, die Lieferungen abzufertigen und damit den Streik in Greeley zu brechen, und stattdessen Solidaritätsaktionen vorbereiten.
Wendet euch auch an Autoarbeiter, Lehrer, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Logistik- und Bahnarbeiter sowie andere Teile der Arbeiterklasse, die denselben Angriffen auf Löhne, Arbeitsbedingungen und demokratische Rechte ausgesetzt sind.
Schafft Kommunikationskanäle und koordiniert eure Aktionen unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie, die versuchen wird, jeden Kampf zu isolieren und unter Kontrolle zu halten.
Es müssen Vorbereitungen für konkrete Aktionen getroffen werden, um die Arbeiter gegen Angriffe auf die Streikposten oder Vergeltungsmaßnahmen durch die ICE zu verteidigen. Notwendig ist ein koordiniertes Vorgehen, einschließlich Streikmaßnahmen, um die Arbeiter gegen den Staat zu verteidigen, der unweigerlich mit der Konzernleitung zusammenarbeiten wird.
Das Wichtigste ist, dass der Kampf auf globaler Ebene geführt wird. JBS ist ein multinationaler Konzern mit einer globalen Belegschaft. Die Arbeiter in den JBS-Betrieben in Brasilien, Europa, Australien und Kanada müssen in Solidarität mit den Streikenden in Greeley mobilisiert werden. Die Bedingungen, denen diese Arbeiter ausgesetzt sind, unterscheiden sich in ihrer rechtlichen und politischen Form, haben aber eine gemeinsame wirtschaftliche Grundlage: die Unterordnung des Lebens unter den Profit.
Das nationalistische Gift von „America First“ und seine Entsprechungen in anderen Ländern müssen zurückgewiesen und stattdessen wieder das Prinzip erhoben werden, das die Kämpfe der Arbeiterklasse seit dem 19. Jahrhundert beflügelt hat: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Der Weg nach vorn führt über internationale Solidarität und Arbeiterkontrolle durch eine organisierte Gegenoffensive der Arbeiterklasse gegen JBS, die dahinter stehende Finanzoligarchie und die politischen Kräfte, die mobilisiert werden, um diesen Streik zu brechen.
