Als Spirit Airlines letzte Woche den Betrieb einstellte, verloren 17.000 Arbeiter über Nacht ihre Arbeitsplätze, ihre Leistungen und möglicherweise auch ihre letzten Gehaltszahlungen. Die Kranken-, Zahn- und Augenversicherung für jeden Spirit-Beschäftigten wurde in dem Moment gekündigt, als der letzte Flug landete.
Da Spirit Airlines im Vergleich zu etablierten Fluggesellschaften viel niedrigere Flugpreise anbot, bedeutet ihr Aus, dass sich Millionen Menschen aus der Arbeiterklasse kaum mehr Flugreisen leisten können. Mit anderen Worten: Die Arbeiter zahlen doppelt – als Beschäftigte, die ihre Arbeitsplätze verlieren, und als Verbraucher, die keine erschwinglichen Reisen mehr machen können.
Unmittelbarer Auslöser für die Insolvenz war die Verdopplung der Kerosinpreise aufgrund des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus, durch die zuvor 20 Prozent des weltweiten Öltransports flossen. Spirit, die sich bereits in Insolvenz befand, konnte den Schock nicht auffangen. Es wird erwartet, dass weitere Fluggesellschaften folgen werden, sollte der Krieg andauern, darunter JetBlue und Frontier.
In Wirklichkeit wird der Preisschock bei Kerosin jedoch als Gelegenheit genutzt, um die Branche weiter zu konsolidieren und Arbeitsplätze abzubauen. Die US-Regierung hat Spirit in den Konkurs gehen gelassen, weil der Wegfall der Billigairline die Preise und Gewinne für den Rest der Branche deutlich steigern wird.
Die Trump-Regierung prüfte einen Überbrückungskredit in Höhe von 500 Millionen Dollar, zog sich dann aber zurück. „Wir haben meist keine halbe Milliarde Dollar herumliegen“, sagte Verkehrsminister Sean Duffy. Er erklärte gegenüber Reuters: „Wir wollen nicht gutes Geld schlechtem hinterherwerfen, und es wurde schon viel Geld in Spirit gesteckt, ohne dass das Unternehmen den Weg in die Gewinnzone gefunden hat.“
Duffy wies auch Vorschläge zurück, den verbleibenden Billigairlines Frontier, Avelo, Sun Country und Allegiant 2,5 Milliarden Dollar an staatlicher Nothilfe für Treibstoff bereitzustellen. „Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich das nicht für notwendig … Wenn sie sich an die US-Regierung wenden wollen, wären wir ein Kreditgeber der letzten Instanz.“
Das ist dieselbe Regierung, die täglich 1 Milliarde Dollar für ihren Krieg gegen den Iran ausgibt und für das nächste Jahr ein Militärbudget von 1,535 Billionen Dollar fordert – das größte in der Geschichte der Menschheit. Unterdessen wird das Management von Spirit voraussichtlich 10,7 Millionen Dollar an Bleibeprämien erhalten, um die Abwicklung der Fluggesellschaft anzuleiten.
Die World Socialist Web Site fordert die Zahlung voller Gehälter und Sozialleistungen für die Spirit-Mitarbeiter, bis sie eine neue Beschäftigung finden. Das gilt für jeden, der durch die wirtschaftlichen Kriegsfolgen seinen Arbeitsplatz verloren hat. Die Ausgaben müssen finanziert werden, indem den Ölkonzernen und Großbanken die Extragewinne entzogen werden, die sie aus dem von ihnen unterstützten Krieg abschöpfen. Das wäre ein erster Schritt hin zur Verstaatlichung der Luftfahrtindustrie und deren Umwandlung in ein öffentliches Versorgungsunternehmen unter Arbeiterkontrolle. Nur so können menschenwürdige Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten der Fluggesellschaften und erschwingliche Flugpreise für die Reisenden garantiert werden.
Diese Forderungen können nicht durch Appelle an die Trump-Regierung durchgesetzt werden. Dafür ist der Aufbau unabhängiger Aktionskomitees notwendig, in denen sich die Spirit-Beschäftigten mit ihren Kollegen in der gesamten Luftfahrtindustrie und der Arbeiterklasse insgesamt zusammenschließen und Kampfmaßnahmen vorbereiten und koordinieren, um diese Forderungen durchzusetzen.
Die wirtschaftlichen Schocks durch den Irankrieg werden genutzt, um den Krieg gegen die Arbeiterklasse zu beschleunigen, den beide Parteien – Demokraten wie Republikaner – seit 50 Jahren unablässig führen.
Die Deregulierung der US-Luftfahrtindustrie begann 1978 unter der demokratischen Regierung von Jimmy Carter und einem demokratisch kontrollierten Kongress. Carter unterzeichnete ein Gesetz zur Auflösung der Regulierungsbehörde für den Luftverkehr, Civil Aeronautics Board. Strenge Vorschriften zu Strecken und Preisen wurden damit aufgehoben, was einen brutalen Wettbewerb der Fluggesellschaften auslöste. Sie kämpften darum, wer am stärksten bei Löhnen, Arbeitsplätzen und Dienstleistungen kürzen kann.
Diese Entwicklung löste in den 1980er Jahren eine Reihe heftiger Streiks aus, unter anderem bei Continental (1983–85), Pan American World Airways, kurz Pan-Am (1985), den Piloten von United Airlines (1985), den Flugbegleitern bei TWA (1986) und den Mechanikern bei Eastern Airlines von 1989 bis 1991, was in der Liquidation dieser Fluggesellschaft endete. Die Fluggesellschaften nutzten Insolvenzverfahren, um Verträge mit den Gewerkschaften für nichtig zu erklären und massive Entlassungen und Lohnkürzungen durchzuführen, unter anderem bei Continental im Jahr 1983 und bei Eastern Airlines im Jahr 1989. Bis 1991 waren die Fluggesellschaften Eastern und Pan Am zusammengebrochen. Die Beschäftigten, die ihr gesamtes Berufsleben bei diesen Fluggesellschaften verbracht hatten, verloren ihre betriebliche Altersversorgung.
Das wäre ohne die entscheidende Unterstützung der Gewerkschaftsbürokratien nicht möglich gewesen, die sich in einen verlängerten Arm des Vorstands verwandelt haben. Statt einen Kampf zu organisieren, der den Kapitalismus unweigerlich in Frage gestellt hätte, schützten sie ihre eigenen Interessen. Die Gewerkschaften Air Line Pilots Association und die International Association of Machinists akzeptierten 1985 bei der Trans World Airlines (TWA) jährliche Lohnkürzungen in Höhe von 200 Millionen Dollar im Austausch für eine Kapitalbeteiligung. Bei United Airlines verhandelte die Gewerkschaft 1994 eine Lohnkürzung von bis zu 15,7 Prozent für eine 55-prozentige Unternehmensbeteiligung und eine sechsjährige Streikverzichtserklärung.
Von den zehn großen etablierten Fluggesellschaften im Jahr 1978 existieren heute nur noch drei: American, Delta und United. 1978 entfielen 40 Prozent der Passagiere auf die vier größten Fluggesellschaften; heute sind es 80 Prozent.
Die Deregulierung der Luftfahrtbranche war Teil eines umfassenderen Versuchs der herrschenden Klasse, sich aus einer strukturellen Wirtschaftskrise zu befreien, indem sie weitreichende Angriffe auf die Arbeiterklasse durchführte. Paul Volcker, der Vorsitzende der US-Notenbank unter Präsident Carter, brachte das auf den Punkt, als er sagte, dass der „Lebensstandard des durchschnittlichen Amerikaners sinken muss“. Die gleiche Politik wurde in allen Industrieländern umgesetzt, darunter Großbritannien unter Margaret Thatcher und Frankreich unter François Mitterrand.
Ein wichtiger Wendepunkt war das Jahr 1981, als der republikanische Präsident Ronald Reagan 11.000 streikende Fluglotsen der Gewerkschaft PATCO (Professional Air Traffic Controllers Organization) entließ. Er setzte damit einen Plan um, den bereits sein demokratischer Vorgänger Carter ausgearbeitet hatte. Obwohl es große Unterstützung für den Streik gab und 400.000 Arbeiter auf einer Kundgebung in Washington ihre Kampfbereitschaft zeigten, weigerte sich der Gewerkschaftsbund AFL-CIO, für einen Generalstreik einzutreten. Damit wurde das Schicksal von PATCO besiegelt. Es folgte eine endlose Serie des Verrats und Ausverkaufs von Arbeitskämpfen, die bis heute andauert.
Die Flugsicherheit in den USA hat sich seit der Massenentlassung der PATCO-Fluglotsen nie wieder erholt. Heute arbeiten mehr als 90 Prozent der Beschäftigten in der Flugsicherheit unterhalb der empfohlenen Personalausstattung, was zu einer Kette von Katastrophen beiträgt, wie etwa der tödlichen Kollision zwischen einem Jet und einem Feuerwehrauto am LaGuardia Airport im März.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Erschütterungen der Wirtschaft wurden in den letzten Jahrzehnten ausgenutzt, um weitere Angriffe durchzuführen. Der Einbruch der Branche nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war Anlass für weitere Insolvenzen, darunter US Airways im Jahr 2002 und United wenige Monate später sowie Delta und Northwest im Jahr 2005.
Die Obama-Regierung vollendete die Konsolidierung der Luftfahrt. Das Justizministerium genehmigte 2008 die Übernahme von Northwest durch Delta, 2010 die Fusion von United mit Continental, 2011 die Übernahme von AirTran durch Southwest und 2013 die Fusion von American mit US Airways.
Im Jahr 2020, als die Covid-Pandemie einen Großteil der Weltwirtschaft lahmlegte, erhielt die Branche – mit Unterstützung der Flugbegleitergewerkschaft Association of Flight Attendants – ein Pandemie-Rettungspaket in Höhe von 54 Milliarden Dollar. Es war Teil des Cares Act, ein staatliches Konjunkturprogramm von 2 Billionen Dollar für die Wirtschaft. Angeblich sollte es dem Schutz von Arbeitsplätzen dienen, doch stattdessen folgten im darauffolgenden Jahr 70.000 Entlassungen.
Der jüngste Wirtschaftsschock – der Krieg gegen den Iran – wird genutzt, um bereits bestehende Maßnahmen zu beschleunigen. Im vergangenen Jahr haben amerikanische Unternehmen 1,2 Millionen Entlassungen angekündigt. Konzernvorstände hoffen, in den kommenden Jahren bis zu 80 Prozent der Belegschaft durch KI zu ersetzen.
Der Irankrieg ist Teil eines globalen Kriegs gegen die Arbeiterklasse. Wenn der Krieg weiter anhält und der Ölpreis bei über 100 Dollar pro Barrel bleibt, könnten laut Schätzungen der Weltbank weitere 45 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit geraten. Die Preise für Harnstoff, einen wichtigen Bestandteil von Düngemitteln, sind um 60 bis 70 Prozent gestiegen und drohen in der Anbausaison eine Hungersnot in ganz Subsahara-Afrika auszulösen. Die iranische Regierung hat eingeräumt, dass bereits 2 Millionen Menschen im Iran als direkte Folge des Kriegs ihren Arbeitsplatz verloren haben. In Großbritannien könnten bis zum nächsten Jahr bis zu 250.000 Stellen wegfallen, in Deutschland sind 200.000 Arbeitsplätze wegen des Kriegs gefährdet.
Das Ausmaß dieser Angriffe wird unweigerlich große soziale Kämpfe auslösen. Wie David North am vergangenen Freitag auf der internationalen Kundgebung zum 1. Mai sagte:
Die ersten Monate des Jahres 2026 markieren den Punkt, an dem der Widerstand der Arbeiterklasse als globale Kraft hervorgetreten ist, die sich der Offensive der Oligarchie in einem Ausmaß entgegenstellt, das die Grundfragen der Epoche – Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie, Sozialismus oder Barbarei – direkt auf die historische Agenda setzt.
North betonte: „Das Ergebnis ist nicht vorherbestimmt, sondern wird durch die laufenden Kämpfe und durch das politische Bewusstsein, die Organisation und die Führung bestimmt, die die Arbeiterklasse im Laufe dieser Kämpfe entwickelt.“
