Bosch Türkiye verzeichnete im Jahr 2024 einen Nettoumsatz von 5,5 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Gleichzeitig informierte das Unternehmen das Arbeitsministerium über seinen Plan, am Standort Bursa 1.400 Arbeitsplätze abzubauen.
Dem Plan des deutschen Industriegiganten zufolge sollen bis Ende 2027 1.150 Arbeiter aus der Produktion entlassen werden und 250 Bürokräfte bis Ende 2030. Das entspricht etwa 20 Prozent der Gesamtbelegschaft des Werks mit 7.500 Arbeitskräften. Laut offiziellen Zahlen von 2024 beschäftigt Bosch Türkiye landesweit 18.000 Arbeiter in mehreren Werken.
Ein Bosch-Arbeiter wies gegenüber der Tageszeitung Evrensel darauf hin, dass die vom Unternehmen als „Verkleinerung“ bezeichnete Maßnahme in Wirklichkeit darauf hinausläuft, die Profitabilität auf Kosten der Arbeiter zu steigern. Er erklärte: „Die Fabrik war sogar am 1. Mai in Betrieb. (…) Wir waren noch damit beschäftigt, herauszufinden, wer entlassen wird, da sahen wir, dass Bosch eine Stellenanzeige für Leiharbeiter veröffentlicht hatte. Haben sie sich jemals um das Leid der Leute geschert, wenn es um den Profit ging?“
Bosch-Vorstandschef Stefan Hartung hatte im April 2026 gegenüber Reuters erklärt, Strukturmaßnahmen – darunter Stellenstreichungen – seien notwendig, um „die Wettbewerbsposition zu verbessern“. Er beschrieb 2026 als ein „Jahr des Fortschritts“ und kündigte an, das Unternehmen strebe eine operative Gewinnmarge zwischen vier und sechs Prozent an, im Vergleich zu zwei Prozent im Jahr 2025.
Die Arbeiter wissen, wer für dieses Rentabilitätsziel zahlen wird. Die Mitarbeiter im Werk Bursa, einem der größten Autozulieferbetriebe der Türkei, gehören zu den zahllosen Arbeitern, die dem globalen Umstrukturierungsprogramm der Autoindustrie geopfert werden.
Bosch ist keineswegs ein Einzelfall. VW-Vorstandschef Oliver Blume kündigte im März an, dass die Pläne zur Vernichtung von 50.000 Stellen in Deutschland ausgeweitet werden, und Nissan gab derweil die Entlassung von 900 Arbeitern in Europa bekannt. Laut dem Europäischen Verband der Automobilzulieferer (CLEPA) sind bis zum Jahr 2030 in dieser Branche 350.000 Arbeitsplätze bedroht.
Bereits im Jahr 2021 warnte der damalige Bosch-Vorstandschef Volkmar Denner, der Übergang zu Elektrofahrzeugen könnte dazu führen, dass weltweit neun von zehn Arbeitern, die bestimmte Komponenten herstellen, ihre Stellen verlieren werden.
Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge wird als Auslöser für diesen Angriff dargestellt. Doch die treibende Kraft dahinter ist das Gewinnstreben. Da Elektrofahrzeuge einen weitaus geringeren Arbeitsaufwand erfordern als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, wollen die Konzerne diese Umstellung vornehmen, indem sie Millionen von Arbeitsplätzen vernichten. Man rechnet damit, dass bis 2030 weltweit 35 Millionen Elektroautos verkauft werden. Diese Umstrukturierung stellt eine direkte Bedrohung für Arbeiter in der Fertigung von Teilen für Verbrennungsmotoren dar.
Massenentlassungen sorgen für Kostensenkungen und treiben gleichzeitig die Aktienkurse in die Höhe: Boschs eigene Zielmarge für 2026, die das Unternehmen seinen Investoren vorgelegt hat, wächst proportional zur Anzahl der entlassenen Arbeiter.
Berichten zufolge sind im Werk in Bursa bereits die ersten Gespräche zwischen dem Management und dem Ortsverband der Gewerkschaft Türk Metal abgeschlossen. Die Gewerkschaft hat nicht einmal eine Stellungnahme herausgegeben, geschweige denn irgendwelchen Widerstand organisiert. Die erste Priorität der Gewerkschaftsbürokraten, die als Betriebspolizei des Unternehmens agieren, ist die Unterdrückung jedes unabhängigen Widerstands der Arbeiter.
Am klarsten kommt diese Realität in den Worten des Bosch-Arbeiters zum Ausdruck, der gegenüber Evrensel erklärte: „Wir machen ständig Überstunden. Wir führen unsere Überstundenzuschläge als Steuern an den Staat ab. Und jetzt warten wir darauf, vor die Tür gesetzt zu werden wie Schafe, die zur Schlachtbank getrieben werden. Wenn alle nur versuchen, ihre eigene Haut zu retten, wird das nicht funktionieren. Wenn wir uns so verhalten, müssen wir sehen, dass die Schlinge um unseren Hals zusammengezogen wird.“
Türk Metal, die mit etwa 285.000 Mitgliedern größte Gewerkschaft der Türkei, hat sich über die Jahre durch Ausverkäufe und die gewaltsame Unterdrückung von militanten Arbeitern ausgezeichnet. Während der „Metallsturm“-Rebellion im Jahr 2015 erhoben sich etwa 20.000 Arbeiter gegen die Türk Metal, besetzten Werke von Ford, Renault und TOFAŞ (Fiat) und bildeten unabhängige Aktionskomitees. Diese Lektion aus der Geschichte demonstriert auf konkrete Weise, warum es heute notwendig ist, sich unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie zu organisieren.
In Deutschland sieht die Lage nicht anders aus. Der Betriebsrat, der von der IG Metall dominiert wird, hat sich auf die Seite des Managements gestellt und selbst die Verantwortung für die Entlassungen übernommen. Die Bosch-Arbeiter haben jedoch eine offene Rebellion gegen das Management und die IG Metall begonnen. Ende Februar demonstrierten 10.000 Arbeiter vor der Bosch-Zentrale in Gerlingen bei Stuttgart gegen die geplante Vernichtung von 22.000 Stellen. Im Bosch-Werk in Schwäbisch Gmünd durften Arbeiter unter Führung von Mustafa Simsek, die Widerstand gegen die Entlassungen leisteten, nicht mit einer eigenen Wahlliste zur Betriebsratswahl am 11. März antreten.
Die Sosyalist Eşitlik Partisi in der Türkei und ihre Schwesterpartei, die Sozialistische Gleichheitspartei in Deutschland, rufen die Bosch-Arbeiter auf, sich zum Kampf gegen die drohenden Entlassungen in beiden Ländern zusammenzuschließen.
Um diese Gegenoffensive zu organisieren, müssen in allen Bosch-Werken Aktionskomitees aufgebaut werden, die unabhängig von Türk Metal und der IG Metall sind. Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) wurde genau dafür gegründet: um die internationale Einheit der Arbeiterklasse zu organisieren, indem die nationalen Grenzen und die Gewerkschaftsbürokratie überwunden werden. Ein solcher Kampf wird unzählige Arbeiter in ganz Europa und international inspirieren, die für die Verteidigung ihrer Arbeitsplätze, Lebensbedingungen und ihrer Zukunft gegen den eskalierenden Angriff der kapitalistischen Oligarchie kämpfen.
Die Arbeiter müssen die Behauptung zurückweisen, die Konzerne hätten das „Recht“, Entlassungen durchzuführen. Die Autoindustrie und die gesamte Wirtschaft werden von der kollektiven Arbeit der Arbeiter am Laufen gehalten. Arbeiter haben das Recht, ihre Arbeitsplätze zu verteidigen.
Die Tatsache, dass die Interessen der Konzerne im Widerspruch zu den Interessen der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung stehen, verdeutlicht die Notwendigkeit, die Autoindustrie und andere wichtige Industriebranchen unter Arbeiterkontrolle zu verstaatlichen und die Wirtschaft entsprechend den Bedürfnissen der Menschen statt dem privaten Gewinn zu organisieren. Dies erfordert den Kampf für Arbeitermacht und internationalen Sozialismus.
Um die Bosch-Arbeiter in der Türkei und Deutschland, die dem gleichen kapitalistischen Angriff ausgesetzt sind, zu vereinen und die geplanten Entlassungen abzuwehren, müssen die Arbeitenden auf der Grundlage der Perspektive des internationalen Klassenkampfs unabhängige Aktionskomitees aufbauen. Kontaktiert uns, um diesen Kampf zusammen mit der IWA-RFC zu organisieren.
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