Der 39. Gewerkschaftstag der United Auto Workers (UAW) wurde am Montag in Detroit mit den üblichen inhaltslosen und selbstbeweihräuchernden Reden von Spitzenfunktionären der Gewerkschaft und Politikern der Demokratischen Partei eröffnet. Es sprachen unter anderem der UAW-Vorsitzenden Shawn Fain, die Vorsitzende des Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO Liz Schuler und die Bürgermeisterin von Detroit, Mary Sheffield, von der Demokratischen Partei.
Schuler forderte eine Massenmobilisierung der UAW, nicht um für die Interessen der Arbeiter zu kämpfen, sondern um bei den Zwischenwahlen im Herbst Demokraten zu wählen. Sie forderte die Mobilisierung von 50.000 geschulten Wahlhelfern. Der Kongresssaal, in dem hochbezahlte Gewerkschaftsfunktionäre die Mehrheit stellten, bot eine Jubelmenge für diese bankrotte Perspektive.
UAW-Funktionäre versuchen schamlos, die Arbeiter bei American Axle in Three Rivers, Michigan, als PR-Requisiten im Rahmen der Wiederwahlkampagne für den UAW-Vorsitz von Shawn Fain zu missbrauchen. Am Vorabend des Kongresses hat die UAW einen Ausverkaufsvertrag durchgedrückt, der die Spitzenlöhne bis 2030 auf 30 Dollar pro Stunde anhebt – weit weniger, als die Arbeiter real vor der 50-prozentigen Lohnkürzung verdienten, die ihnen als „Zugeständnisse“ im Tarifvertrag von 2008 auferlegt wurde. Absurderweise präsentierte die Gewerkschaft den neuen Vertrag als „Rekordvertrag“.
Der Gewerkschaftstag fand statt vor dem Hintergrund der Bestrebungen der Trump-Regierung, eine faschistische Diktatur in den Vereinigten Staaten zu erreichten, und vor der Kulisse eines sich ausweitenden globalen Kriegs. Dieser umfasst auch den Krieg gegen den Iran, der einen sprunghaften Anstieg der Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und andere Grundbedürfnisse ausgelöst hat.
Vom Kongresspodium wurde die Aushöhlung der Verfassung durch die Trump-Regierung nicht einmal flüchtig erwähnt. Ebenso wenig ging es um Krieg oder die Massenverhaftungen und Abschiebungen von Zugewanderten, darunter auch UAW-Mitglieder.
Fain bediente sich in seinem Bericht des Vorsitzenden reichlich der militant klingenden Rhetorik, die ihm von seinen Beratern in Gruppen wie Labor Notes und den Democratic Socialists of America zugeliefert wurde. Aber er erwähnte weder Trump namentlich noch die kritischen Probleme, mit denen die Arbeiterklasse konfrontiert ist. Das ist nicht überraschend, da Fain in einer De-facto-Allianz mit Trump steht, was dessen Zollpolitik betrifft – die Speerspitze von Trumps faschistischer „America First“-Politik, die sich gegen die überseeischen Rivalen des US-Kapitalismus richtet, allen voran China.
Fain verwies auf die enorme Vermögensungleichheit, die durch Elon Musk als weltweit erstem „Billionär“ verkörpert wird. Doch er nutzte dies, um den „Stand Up Strike“ und den angeblich historischen Tarifvertrag bei den „Big Three“-Autokonzernen von 2023 hervorzuheben. Er verbreitete dabei unverhohlene Lügen über die angeblichen Errungenschaften der UAW für die Arbeiter.
Die Inflation hat die 25-prozentige Lohnerhöhung längst aufgezehrt, die nicht einmal den vorherigen Preisanstieg während der Pandemie ausgeglichen hat, geschweige denn frühere Zugeständnisse. Die angepriesene Anpassung an die Lebenshaltungskosten brachte nur einen Bruchteil des Wertes. Die Behauptung, die UAW habe die Gehaltsstufen abgeschafft, ist eine Lüge, da die Arbeiter weiterhin einer dreijährigen Lohnprogression unterliegen.
Anstatt Arbeitsplätze zu sichern begleitete die UAW eine Welle von Massenentlassungen und Kündigungen, darunter die Entlassung von Tausenden befristeten Teilzeitbeschäftigten, den sogenannten „Supplementals“, denen bei der Vertragsratifizierung fälschlicherweise die Umwandlung in Vollzeitstellen versprochen worden waren. Tausende Arbeiter sind weiterhin auf unbestimmte Zeit beurlaubt, darunter die Arbeiter der zweiten Schicht bei Warren Truck nördlich von Detroit. Etwa 1.200 General-Motors-Arbeiter wurden im Januar im Flaggschiff-EV-Werk „Factory Zero“ in Detroit entlassen, und Fords „Rouge Electric Vehicle Center“ wurde stillgelegt.
Im Gegensatz zu Fains absurdem Bild einer dankbaren Mitgliedschaft sieht sich der UAW-Apparat einer Rebellion von Beschäftigten bei Autozulieferern gegenüber, die jene üblen Tarifverträge, die der Gewerkschaftsapparat ihnen aufzwingen wollte, entschieden abgelehnt haben. Bei Nexteer in Saginaw (US-Bundesstaat Michigan) haben die 1.700 Arbeiter drei Verträge abgelehnt, die ihnen Hungerlöhne beschert hätten. Eine Mehrheit der Arbeiter in den Dana-Werken hat in der vergangenen Woche gegen Ausverkaufsverträge gestimmt, darunter im Werk in Warren (Michigan) und im Dana-Driveline-Werk in Toledo, wo die Arbeiter zu 95 Prozent mit „Nein“ stimmten.
Ein Delegierter der Ortsgruppe 9025 im Dana-Werk in Paris (US-Bundesstaat Tennessee), berichtete der World Socialist Web Site, dass die Arbeiter in seinem Werk mit 288 zu 1 gegen ein von der UAW unterstütztes Angebot der Geschäftsleitung gestimmt hätten, das die Spitzenlöhne lediglich auf ein Hungerlohnniveau von 24,50 Dollar angehoben hätte, während der Einstiegslohn bei 19 Dollar pro Stunde fixiert geblieben wäre. Mit dem Hinweis darauf, dass Elon Musk gerade zum Billionär geworden sei, sagte er: „Es muss sich etwas für die Arbeiterklasse tun. 19 Dollar pro Stunde reichen nicht aus. Ich arbeite dort seit 32 Jahren für einen Hungerlohn. Davon können wir nicht leben. Wir schuften uns dort den Rücken kaputt.“
Er berichtete, dass die Arbeiter bereit waren zu streiken, aber nie die Genehmigung von der UAW erhielten. „Die Streikschilder sollten eine Woche vorher geliefert werden, aber sie sind nie angekommen. Niemand hat mir auch nur eine Antwort gegeben, warum. Wir wollten streiken und dem Unternehmen zeigen, dass wir es ernst meinen; von 19 Dollar pro Stunde kann man keine Rechnungen bezahlen.“
Ein Delegierter der Ortsgruppe 12 im Stellantis-Jeep-Komplex in Toledo merkte an, dass trotz des „historischen“ Vertrags von 2023 „man sieht, wie die Inflation die Menschen trifft. Viele haben zwei Jobs angenommen. Jetzt brauchen zwei Ehepartner Vollzeitjobs in einem Haushalt, um alles zu bezahlen.“
Ein pensionierter UAW-Funktionär erklärte gegenüber dem WSWS-Reporter, dass die UAW unter der Fain-Führung noch undemokratischer geworden sei. Er merkte an, dass die Mitgliederzahl der UAW in der letzten Zeit zwar unverändert geblieben, die Zahl der bezahlten Mitarbeiter im Solidarity House jedoch dramatisch gestiegen sei, und zwar um bis zu 34 Prozent.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Angesichts der Unzufriedenheit brachte der Gewerkschaftstag eine weitere Verschärfung der bürokratischen Kontrolle durch den korporatistischen UAW-Apparat zum Ausdruck. Dies zeigte sich darin, dass den Delegierten keine Tagesordnung für den Kongress vorgelegt wurde und die Geschäftssitzung nahezu vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, anders als im Jahr 2022, als ein Livestream verfügbar war. Wie schon in den vergangenen zwei Jahrzehnten verweigerte die UAW der WSWS die Presseakkreditierung und verwehrte ihrem Reporter den Zutritt zum offiziellen Presseraum.
Der Kandidat für den UAW-Vorsitz Will Lehman richtete sich am Kongress einen Wahlkampftisch ein und verteilte seinen Wahlkampf-Flyer, mit dem er die Delegierten aufforderte, ihn für den UAW-Vorsitz zu nominieren. Zu denjenigen, die für Will Wahlkampf machten, gehörte ein Arbeiter, der von Dana schikaniert wurde, weil er tödliche Arbeitsbedingungen und die geheimen Absprachen lokaler Gewerkschaftsfunktionäre in einem Werk in Warren (Michigan) aufgedeckt hatte. Ein weiterer Arbeiter aus dem Ford-Rouge-Komplex in Dearborn (Michigan), der als Teil von Lehmans „Insurgent Slate“ kandidierte, machte ebenfalls Wahlkampf mit Will.
Die Lehman-Kampagne veröffentlichte ein Video in den sozialen Medien mit Stellungnahmen von Arbeitern und ehemaligen Beschäftigten von Stellantis, General Motors, Nexteer und dem akademischen Sektor, in denen die Delegierten aufgefordert wurden, ihn zu nominieren.
In seinen Wahlkampf forderte Lehman die Abschaffung des UAW-Apparats und die Rückgabe der Macht an die Arbeiter in den Betrieben sowie den Aufbau eines Netzwerks von Aktionskomitees. Diese Komitees sollen der Basis die Macht im Betrieb geben und dafür kämpfen, dass die Arbeiter die Kontrolle über das Produktionstempo, die Sicherheit, die Einstellung von Personal und die Produktion erhalten. Außerdem müssen sie für die Arbeiter das Recht reklamieren, die Produktion bei Bedarf anzuhalten, um Leben zu retten. Lehman hat zudem Erklärungen veröffentlicht, in denen er sich gegen Trumps verbrecherischen Krieg gegen den Iran, gegen Fains Unterstützung für Trumps Zölle und für die internationale Einheit der Arbeiterklasse ausspricht.
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