Perspektive

Die faschistische Barberei der herrschenden Klasse:

US-Kriegsminister Hegseth plant Liveübertragung einer Hinrichtung

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Pressekonferenz im Pentagon am 2. März 2026 [AP Photo/Mark Schiefelbein]

Die Ankündigung von Kriegsminister Pete Hegseth, dass das Pentagon die Hinrichtung von Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando live im Internet übertragen will, ist ein Meilenstein im Abstieg des amerikanischen Staates in die faschistische Barbarei. Im Jahr 2009 hat Hasan, ein ehemaliger Militärpsychiater, auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen getötet. Der Plan für die Liveübertragung hat weltweit Entsetzen ausgelöst.

Hasan soll am 3. Dezember von einem militärischen Erschießungskommando erschossen werden. Es wäre die erste Hinrichtung durch das US-Militär seit 1961 und die erste in den Vereinigten Staaten, die öffentlich übertragen wird. In einem Interview mit dem rechtsextremen Sender „Real America’s Voice“ versprach Hegseth, „dafür [zu] sorgen, dass die Menschen dabei zusehen können“, denn „die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben“. Das UN-Menschenrechtsbüro hat erklärt, dass eine solche Übertragung gegen das absolute Folterverbot verstößt.

Hegseths Interviewpartner war Jack Posobiec, ein faschistischer Propagandist, der am Putschversuch vom 6. Januar beteiligt war. Die Conservative Political Action Conference 2024 eröffnete Posobiec mit den Worten: „Willkommen am Ende der Demokratie. Wir sind hier, um sie vollständig zu stürzen.“

Mit Trumps Zustimmung entschied sich Hegseth für die unkonventionelle Hinrichtungsmethode des Erschießungskommandos und erklärte: „Nun, ich mag irgendwie die Mentalität, die wir im Zweiten Weltkrieg hatten.“ Die US Army ließ während dieses Krieges die meisten der von ihm hingerichteten Soldaten hängen – viele davon durch einen einzigen Henker der Armee – und griff nur selten auf ein Erschießungskommando zurück. Hitlers Wehrmacht hingegen setzte das Erschießungskommando zur Durchsetzung von Gehorsam ein und ließ mehr als 18.000 ihrer eigenen Soldaten erschießen. Die nationalsozialistischen Besatzer führten zudem in ganz Polen und der Sowjetunion öffentliche Massenhinrichtungen durch Erhängen durch, fotografierten diese und verbreiteten die Aufnahmen als abschreckende Warnungen. Es ist diese „Mentalität“, die Hegseth bewundert und die er nachzuahmen versucht.

Welchem Zweck dient dieses Spektakel?

Es wird zunächst für die rückständigsten und verkommensten Schichten der amerikanischen Gesellschaft inszeniert. Diese Leute umwirbt Trump bei seinen Kundgebungen, die immer neue Tiefpunkte erreichen – sofern das überhaupt möglich ist. Bei einem Auftritt am Mittwoch in der texanischen Stadt San Antonio prahlte Trump vor der Menge: „Wir werden mit einem bösen Mörder endgültig abrechnen.“ Der darüber hinaus gehende Zweck besteht darin, die Bevölkerung zu verrohen und sie in die staatlichen Tötungen zu verwickeln.

Der Mann, der diese öffentliche Hinrichtung inszeniert, ist ein Sadist. Hegseth gehört einem kirchlichen Netzwerk an, das von dem selbsternannten christlichen Nationalisten Doug Wilson mitbegründet wurde. Zu seinen Tätowierungen gehört die neofaschistische Parole „Deus Vult“ (lateinisch für „Gott will es“), der Schlachtruf der mittelalterlichen Kreuzzüge gegen die muslimische Welt. Bei einem im März live übertragenen Gottesdienst im Pentagon bat er Gott um „überwältigender Gewalt gegen diejenigen, die keine Gnade verdienen“.

Hegseth hätte sich in den Nazi-Bataillonen, die im besetzten Osteuropa Partisanen und Juden mit Maschinengewehren niedermähten, wie zu Hause gefühlt, und er hätte an dieser Tätigkeit seine Freude gehabt. Doch Hegseth ist kein einzelner Psychopath. Er ist US-Kriegsminister, von Trump ausgewählt und vom Senat bestätigt.

Hegseth nimmt sich Heinrich Himmler zum Vorbild, während Trump die Rolle des Führers einnimmt. Die Nazis bauten Himmlers Waffen-SS als Parteiarmee außerhalb der Wehrmacht auf. Ihre Angehörigen waren Hitler persönlich verpflichtet und wurden nach ihrer ideologischen Zuverlässigkeit ausgewählt. Hegseths Suche nach solchen Männern begann nicht erst im Pentagon. Bereits 2019 setzte er sich als Moderator bei Fox News dafür ein, dass Trump Soldaten begnadigte, denen in Irak und Afghanistan Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden oder die für solche verurteilt worden waren. Er vertrat den Standpunkt, sie seien „keine Kriegsverbrecher, sondern Krieger“. Trump kam seiner Forderung nach. Als Kriegsminister hat Hegseth ein „Kriegerethos“ zum Leitmotiv seiner Amtszeit gemacht und Generäle sowie die ranghöchsten Juristen des Militärs aus ihren Ämtern entfernt.

Hegseth ist ein Produkt des US-Militärs, einer ausschließlich auf Freiwilligen beruhenden Armee – d.h. einer Streitmacht, die zunehmend von der Zivilbevölkerung abgeschottet ist. Diese Kluft will er noch vergrößern. Sein Erschießungskommando wird nicht aus professionellen Henkern bestehen, sondern aus gewöhnlichen Soldaten, die den Befehl erhalten, vor einem Massenpublikum einen gelähmten Mann zu erschießen. Ziel ist es, die Soldaten durch ihre Mittäterschaft an das Regime zu binden und innerhalb des Militärs eine Schicht von Männern auszuwählen und heranzubilden, die bereit ist, solche Aufgaben auszuführen.

Trump, Hegseth, Stephen Miller und andere Vertreter des Regimes sind Faschisten, die Hitler nachahmen wollen, befinden sich aber noch nicht in einer Position, in der sie dies vollständig umsetzen könnten. Sie sehen sich einer massiven Ablehnung ihrer Politik und ihrer Kriege in der Bevölkerung gegenüber. Trumps Zustimmungsrate ist auf 32 Prozent gesunken – den niedrigsten Wert während beider Amtszeiten. Weniger als drei von zehn Amerikanern befürworten seinen Krieg gegen den Iran. Gerade weil der Regierung die Unterstützung der Bevölkerung fehlt, greift sie zunehmend auf die Streitkräfte zurück.

Vor allem aber richtet sich die live übertragene Hinrichtung als Botschaft an das Militär. In Quantico forderte Trump im vergangenen September die versammelten Generäle auf, „einige dieser gefährlichen Städte als Übungsgelände zu nutzen“. Als sechs demokratische Abgeordnete im vergangenen November die Soldaten daran erinnerten, dass sie rechtswidrige Befehle verweigern dürfen, verurteilte Trump diese Videobotschaft als „AUFRÜHRERISCHES VERHALTEN, das mit dem TOD bestraft werden kann!“

Regime greifen zu exemplarischen Hinrichtungen, wenn ihre Armeen zu zerfallen beginnen. Hegseth gab sein Interview an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, als dieser von einem 321-tägigen Einsatz im Krieg gegen den Iran zurückkehrte – einem Einsatz, den Hegseth zweimal verlängert hatte. Acht Seeleute aus dem Kampfverband des Flugzeugträgers unternahmen Suizidversuche; einer von ihnen sprang über Bord. Dennoch wies Hegseth Berichte über die Zustände an Bord zurück und bezeichnete sie als „völlig falsch dargestellt“. Trump erklärte gleichzeitig, der Einsatz sei „bei Weitem nicht lang genug“ gewesen.

Eine Regierung, die sich darauf vorbereitet, das Militär gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, führt jedem Soldaten vor Augen, was diejenigen erwartet, die ihre Befehle verweigern. Und sie zeigt der Bevölkerung, was diejenigen erwartet, die sich ihrer faschistischen Politik widersetzen.

Selbst der einzige amerikanische Soldat, der im Zweiten Weltkrieg wegen Fahnenflucht erschossen wurde, der Gefreite Eddie Slovik, wurde im Geheimen hingerichtet. Ein Erschießungskommando aus seinem eigenen Regiment tötete ihn am 31. Januar 1945 in Frankreich, nachdem General Dwight Eisenhower das Todesurteil während der Ardennenoffensive bestätigt hatte. Die Armee teilte Sloviks Frau lediglich mit, dass er auf dem europäischen Kriegsschauplatz gestorben sei. Die Wahrheit kam erst mit William Bradford Huies Buch aus dem Jahr 1954 ans Licht, das 1974 verfilmt wurde. Die Armee von 1945, deren Soldaten glaubten, gegen den Faschismus zu kämpfen, hielt die Tötung geheim. Hegseth, der sich Himmler zum Vorbild nimmt, will, dass die ganze Welt zusieht.

Die Männer, die Hasans Hinrichtung verantworten, sind nicht-angeklagte Kriegsverbrecher. Seit September 2025 lässt das Militär auf Hegseths Befehl Boote in der Karibik in die Luft sprengen und hat dabei mehr als 200 Menschen ohne Gerichtsverfahren getötet. Bei einem Angriff tötete eine zweite Rakete zwei Männer, die sich an den brennenden Trümmern festklammerten, nachdem Hegseth Berichten zufolge angeordnet hatte, niemanden am Leben zu lassen.

Der Krieg gegen den Iran ist ein Angriffskrieg – das, was das Nürnberger Tribunal als „das schwerste internationale Verbrechen“ bezeichnete. Auch Trumps wiederholte Drohungen, die iranische Zivilbevölkerung auszulöschen, sind Kriegsverbrechen.

Hasans Hinrichtung knüpft zudem an die dunkelsten Traditionen des amerikanischen Südens zur Zeit der Jim-Crow-Rassentrennung an. Die letzte öffentliche Hinrichtung in den Vereinigten Staaten, die Erhängung des 22-jährigen Schwarzen Rainey Bethea im Jahr 1936 in Owensboro, Kentucky, zog bis zu 20.000 Zuschauer an. In Waco, rund 95 Kilometer von Fort Hood entfernt, folterte ein Mob von mehr als 10.000 Menschen am 15. Mai 1916 den 17-jährigen schwarzen Landarbeiter Jesse Washington und verbrannte ihn bei lebendigem Leib. Ein örtlicher Fotograf verkaufte Bilder der Verbrennung als Postkarten. Hegseths Livestream ist die Lynchmord-Postkarte des Internetzeitalters – nur dass diesmal der Staat selbst hinter der Kamera steht.

Hasans Tötung von 13 Menschen, darunter zwölf Soldaten, war ein reaktionäres Verbrechen. Doch wie die World Socialist Web Site bereits 2009 erklärte, war das Massaker ein Kollateralschaden der Kriege im Irak und in Afghanistan, die unmittelbar fast eine Million Menschen das Leben kosteten. Der Staat, der diese Kriege führte, nimmt nun den Tod seiner eigenen Soldaten zum Vorwand für eine öffentliche Hinrichtung – inmitten einer landesweiten Hinrichtungsorgie. Erst vergangene Woche verabreichte der US-Bundesstaat Tennessee Christa Pike zwei tödliche Dosen Pentobarbital per Injektion. Beide töteten sie nicht, aber verletzten sie schwer.

Der Plan, Hasans Hinrichtung live im Internet zu übertragen, stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung und wurde in den sozialen Medien scharf verurteilt. Die Zustimmung zur Todesstrafe selbst ist auf 52 Prozent gesunken und liegt damit nahe ihrem niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert. Diese Stimmung hat Teile des politischen Establishments dazu gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen. Abgeordnete der Republikaner und der Demokraten, ein ehemaliger Militärrichter, die US-amerikanische Bischofskonferenz, ja sogar ein Überlebender des Anschlags auf Fort Hood haben die Liveübertragung kritisiert. Vizepräsident JD Vance hat zudem angedeutet, dass es möglicherweise gar nicht dazu kommen wird. Diesen „Kritikern“ geht es jedoch um den Ruf des Militärs und die Stabilität des Staates, und fast alle von ihnen verteidigen die Todesstrafe.

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes haben sich Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Zohran Mamdani noch nicht zu der geplanten Hinrichtung geäußert. Ganz ihrer üblichen Vorgehensweise entsprechend werden sie abwarten, bis sich genügend rechte Politiker dagegen ausgesprochen haben und ein Widerstand gesellschaftlich akzeptabel geworden ist, bevor sie sich ebenfalls zu Wort melden.

Das Erschießungskommando in Fort Hood bringt das reaktionäre Wesen der amerikanischen Herrschaftsoligarchie auf den Punkt. Ihre Pendants von Deutschland bis Chile fördern dieselben faschistischen Kräfte. Die Hinwendung zu solchen Methoden ist Ausdruck der historischen Krise des Weltkapitalismus, der den Reichtum einer Handvoll Milliardäre nicht länger mit demokratischen Herrschaftsformen vereinbaren kann.

Nur die Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten und auf internationaler Ebene kann den Abstieg in den faschistischen Barbarismus aufhalten – indem sie unabhängig von sämtlichen kapitalistischen Parteien handelt. Der Kampf gegen Krieg, Diktatur und staatliches Töten ist untrennbar verbunden mit dem Kampf für den Weltsozialismus. Dieser wird die Unterordnung des menschlichen Lebens unter den privaten Profit beenden und die Grundlagen für eine neue, höhere Kultur schaffen. Dies ist die Perspektive der Socialist Equality Party, der Sozialistischen Gleichheitspartei und des Internationalen Komitees der Vierten Internationale.

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