Am 28. Februar mitten in der Nacht hatte der faschistische US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit der israelischen Regierung den verbrecherischen Krieg gegen den Iran begonnen. Weniger als zwei Monate später zeigen sich weltweit die verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs auf Millionen von Arbeitern.
Der amerikanische Imperialismus ist entschlossen, seine Vorherrschaft über den Nahen Osten, eine der energiereichsten Regionen der Welt, zu sichern. In sechs Wochen brutaler und blindwütiger Bombardements wurden bereits Tausende Iraner getötet. Doch die wirtschaftlichen Folgen des von den USA entfachten Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus könnten noch viel mehr Opfern fordern.
Vor Kriegsausbruch entfielen auf die Straße von Hormus etwa 20 Prozent des weltweiten Öltransports und ein erheblicher Teil der Erdgaslieferungen. Die Unterbrechung dieser Energielieferungen wirkt sich bereits auf die gesamte Weltwirtschaft aus, vor allem durch steigende Benzin- und Strompreise und explodierende Transportkosten für Milliarden von Menschen.
Da der Nahe Osten zudem ein bedeutender Düngemittelproduzent ist, sind die Preise mitten in der Anbausaison für Landwirte auf der Nordhalbkugel in die Höhe geschnellt. Die Folge sind sowohl gestiegene Produktionskosten für Nutzpflanzen als auch geringere Ernten, weil Landwirte weniger anbauen, um Kosten zu senken, oder weniger Düngemittel einsetzen. Das wird in den kommenden Monaten und bis ins Jahr 2027 hinein eine Preisspirale bei den Lebensmitteln auslösen.
Störungen im Schiffsverkehr, verschärft durch erhöhte Versicherungsprämien und umgeleitete Handelsströme, haben die Preise für Lebensmittelimporte weiter in die Höhe getrieben. Der Containerfracht-Index (Shanghai Containerized Freight Index) stieg innerhalb eines Monats nach Kriegsausbruch um 10 Prozent, was deutlich macht, dass selbst der Verkehr, der nicht direkt von der Blockade der Straße von Hormus betroffen ist, in Mitleidenschaft gezogen wird.
Die Arbeiterklasse im Iran leidet nicht nur unter der Zerstörung von Schulen, Krankenhäusern und anderer ziviler Infrastruktur durch US-amerikanische und israelische Raketen, sondern sie trägt auch die wirtschaftliche Hauptlast des Kriegs. Ein Regierungssprecher räumte ein, dass etwa 2 Millionen Arbeiter als direkte Folge des Konflikts ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Die Auswirkungen des Krieges sind in der gesamten asiatisch-pazifischen Region besonders gravierend, da diese stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig ist. Über 80 Prozent des Rohöls und des Flüssigerdgases, das normalerweise die Straße von Hormus passiert, sind für Länder in Asien und der Pazifikregion bestimmt, darunter große Industrienationen wie China und Japan. In den großen Städten Indiens sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen. Kosten für Benzin und Diesel nahmen innerhalb weniger Wochen um etwa 10 bis 15 Prozent zu.
In Indonesien haben Nickelproduzenten ihre Produktion um mindestens 10 Prozent gedrosselt, da es an Erdgas und Schwefel mangelt, die benötigt werden, um die für die Gewinnung und Raffination des Metalls erforderlichen hohen Temperaturen zu erzeugen. Auch die Produktion der Textilfabriken in Bangladesch ist Berichten zufolge erheblich gestört, weil es an Polyester und Nylon mangelt, die aus Nebenprodukten fossiler Brennstoffe hergestellt und in der Kleidungsindustrie verwendet werden.
Ebenfalls kritisch ist die Unterbrechung von Überweisungen ins Ausland. Millionen Arbeiter aus Südasien und Afrika, die in der Golfregion beschäftigt sind, schicken Geld an ihre mittellosen Familien in der Heimat, die für sie lebenswichtig sind. Der Krieg hat diese Auslandsüberweisungen unterbrochen, da die Wirtschaftstätigkeit nachlässt und die Beschäftigungsmöglichkeiten schrumpfen.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schätzte in einem aktuellen Bericht, dass der Krieg gegen den Iran 36 Länder im asiatisch-pazifischen Raum fast 300 Milliarden Dollar kosten und bis zu 8,8 Millionen Menschen in die Armut stürzen könnte. Fünf Millionen dieser Menschen leben im Iran, wo der Human Development Index infolge des Kriegs bereits einen Rückstand von etwa 1 bis 1,5 Entwicklungsjahren aufweist.
In einer ausführlichen Analyse der New York Times vom 20. April wird befürchtet, dass Länder im gesamten asiatisch-pazifischen Raum mit „Engpässen konfrontiert sein könnten, die mehrere Länder in Unruhen stürzen und eine Rezession nach sich ziehen könnten“, sollte die Straße von Hormus noch weitere Wochen lang blockiert bleiben. Selbst die Produktion im Hochtechnologiebereich, insbesondere die Fertigung der unverzichtbaren Halbleiter für Chips in Taiwan, ist betroffen. Vor dem Krieg gewann Katar ein Drittel des weltweiten Heliums, ein wichtiger Bestandteil der Halbleiterproduktion. Doch nach einem iranischen Vergeltungsschlag gegen seine Gasanlagen hat Katar die Produktion am 2. März gestoppt. Laut der Times würden sich Einschnitte bei der Chip-Produktion „auf alles auswirken, von Elektronik bis hin zu Autos“.
Auch Afrika leidet stark unter den Kriegsfolgen. In Nigeria sind die Kraftstoffpreise um über 50 Prozent gestiegen, obwohl es ein bedeutender Ölproduzent und -exporteur ist. Nigeria – ein Land mit rund 240 Millionen Einwohnern – ist stark von Importen raffinierter Ölprodukte abhängig, weshalb die Benzinpreise deutlich gestiegen sind. Das sorgt für einen Anstieg der Kosten für den öffentlichen Nahverkehr und der Preise für Grundnahrungsmittel. In Kenia hat die Preisregulierungsbehörde Mitte April die Benzinpreise um über 16 Prozent und die Dieselpreise um über 24 Prozent angehoben, nachdem die Kosten für Ölimporte um 68 Prozent gestiegen waren.
Viele afrikanische Länder sind auf importierte Düngemittel angewiesen. Der Anstieg der Erdgaspreise hat die Kosten für Landwirte in die Höhe getrieben. In Gebieten, in denen Subsistenzwirtschaft vorherrscht, drohen geringere Ernten und eine regelrechte Hungersnot. Gleichzeitig verstärkt die Abwertung der Währung in mehreren Ländern die Auswirkungen der globalen Preissteigerungen, macht Importe noch teurer, untergräbt die Reallöhne und treibt die ohnehin schon erdrückende Schuldenlast finanziell angeschlagener Regierungen weiter in die Höhe.
Auch in Europa und Nordamerika sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen, was eine zusätzliche Belastung der Arbeiterhaushalte bedeutet. Sie sind bereits vom stagnierenden Wirtschaftswachstum, Massenentlassungen und Sozialangriffen der herrschenden Klasse in allen Ländern betroffen, die ihre aufgeblähten Militärhaushalte und die Bereicherung der Finanzoligarchie auf dem Rücken der Arbeiter finanzieren wollen.
In Deutschland hat die Fluggesellschaft Lufthansa die sofortige Stilllegung ihrer Tochter CityLine angekündigt, während Tausende von Beschäftigten der Luftfahrtbranche für Arbeitsplatzsicherheit und Lohnerhöhungen streiken. Die europäischen Regierungen investieren Billionen Euro in ihre eigene Kriegsmaschinerie, um ihre räuberischen imperialistischen Interessen auf Kosten der Arbeiter und der Sozialprogramme durchzusetzen.
Auf der anderen Seite des Atlantiks hat das Wall Street Journal die Ära der „Mega-Entlassungen“ angekündigt, mit Stellenabbau in den Bereichen Finanzen, Technologie, Unterhaltung und Produktion.
Für die Konzerne und die Finanzoligarchie erweist sich der Krieg hingegen als Goldgrube. Einer Untersuchung zufolge werden die großen Ölkonzerne der Welt allein im Jahr 2026 zusätzliche Gewinne von über 230 Milliarden Dollar einfahren.
Die World Socialist Web Site hat betont, dass der Krieg des US-Imperialismus gegen den Iran eine Front in der Anfangsphase eines Dritten Weltkriegs ist, zu dem auch der NATO-Krieg gegen Russland in der Ukraine sowie die Vorbereitungen für einen militärischen Konflikt mit China gehören. Während die imperialistischen Mächte in Nordamerika und Europa um die Vorherrschaft bei der Neuaufteilung der Welt ringen, sind sie völlig gleichgültig gegenüber den katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen, die ihre wahnwitzige Politik und die Krise des Kapitalismus auf Milliarden von Arbeitern haben. Doch genau diese Katastrophe schafft die materiellen Voraussetzungen für die Entwicklung einer Bewegung in der Arbeiterklasse, um den Krieg und seine Ursache – das kapitalistische Profitsystem – zu beenden.
Die Parallelen zum Ersten Weltkrieg sind auffällig: Damals fanden 1916 und 1917 in ganz Europa Hungerrevolten statt, die der wachsenden Opposition der Bevölkerung gegen das imperialistische Gemetzel erstmals Ausdruck verliehen. Am folgenreichsten waren die Proteste für Brot Anfang 1917 in Petrograd, die den Beginn der Februarrevolution in Russland markierten. Acht Monate später führten die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki die Arbeiterklasse mit einem sozialistischen Programm an die Macht, das den Weltkrieg beenden sollte.
Heute ist die Weltwirtschaft so stark verflochten, dass der Krieg bereits in den ersten Wochen soziale Unruhen auslöste. Am 10. April begannen Zehntausende Arbeiter in der Hauptstadtregion Indiens Streiks und Proteste gegen die Preissteigerungen. Sie forderten Lohnerhöhungen, um die gestiegenen Mieten, Benzin- und Lebensmittelpreise auszugleichen. Auch in so unterschiedlichen Ländern wie den Philippinen und Irland sind Proteste ausgebrochen.
Heute wie 1917 besteht die entscheidende Aufgabe darin, eine bewusste, geeinte Bewegung der internationalen Arbeiterklasse aufzubauen und eine revolutionäre Massenpartei zu gründen, die in der Lage ist, den Kampf für die politische Machteroberung der Arbeiterklasse anzuführen.
Der globale Charakter der Krise erfordert eine internationale Antwort, die die nationale Spaltung überwindet und sich dem Militarismus entgegenstellt. Arbeiter im Iran, in den Vereinigten Staaten, in Europa, Asien und Afrika haben ein gemeinsames Interesse daran, den Krieg und die bankrotte kapitalistische Ordnung, die ihn hervorgebracht hat, zu beenden. Dies erfordert die unabhängige politische Mobilisierung der Arbeiterklasse auf der Grundlage eines sozialistischen Programms, um die Schlüsselbereiche der Wirtschaft unter demokratische Arbeiterkontrolle zu stellen und die Produktion so zu organisieren, dass sie den menschlichen Bedürfnissen dient, nicht dem privaten Profit.
Vor diesem Hintergrund ist die diesjährige internationale Online-Kundgebung zum 1. Mai von entscheidender Bedeutung. Sie wird das revolutionäre sozialistische Programm und die Perspektive aufzeigen, die Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit benötigen, um gegen den imperialistischen Krieg und seine barbarischen Folgen zu kämpfen. Melde dich noch heute an, um teilzunehmen, und ermutige auch deine Kollegen und Freunde, sich anzuschließen.
